Ich habe einen Traum "Meine Mutter hat mir ihre Träume vererbt"
Der kanadische Swingsänger Michael Bublé träumt vom Fliegen - kontrolliert und langsam
Ich habe immer wieder denselben Traum. Ich fliege. Im Traum ist es ganz normal, dass ich fliegen kann. Ich stehe auf und fliege los. Ich denke zum Beispiel, ich will jetzt mal nach Seattle fliegen. Das ist ja von Vancouver aus, wo ich wohne, nicht weit. Ich überlege mir eine Route und folge dann der Küste in Richtung Süden. Manchmal fliege ich auch durch eine Stadt, nicht zu hoch, auf Höhe der Stromkabel ungefähr oder wie ein Vogel.
Schon seit meiner Kindheit habe ich diese Träume. Es hat verschiedene Phasen gegeben. Als Kind flog ich ziemlich niedrig und vorsichtig. Später flog ich immer höher und schneller, sodass ich gar nicht mehr anhalten konnte. Ich konnte nur umdrehen und genauso schnell in die entgegengesetzte Richtung zurück. Ziemlich anstrengend. Heute fliege ich wieder langsamer und kontrollierter, nicht zu hoch. Ich fliege nicht gern über Gebirge oder Schluchten. Dann wird mir schlecht.
In meinen Träumen bin ich immer der Einzige, der fliegt. Die Menge sieht zu mir herauf. Manche Leute freuen sich und lächeln, aber andere gucken komisch oder werden sogar wütend. Sie bewerfen mich mit irgendwelchen Sachen, Schuhen und so, oder sie schießen auf mich. Früher bin ich dann neben ihnen gelandet und wollte auf sie einprügeln. Aber meistens waren sie stärker und schneller als ich. Heute packe ich die Typen einfach am Kragen, steige wieder hoch in die Luft und lasse sie fallen. Diese Methode ist effizienter.
Bublé, 1975 in Vancouver geboren, trat mit seinen Neuinterpretationen von Swing- und Jazz-Songs jahrelang in Nachtklubs, Hotelbars und bei Hochzeiten auf, bis er sein erstes Album aufnahm. Inzwischen hat er 22 Millionen Platten verkauft. Kürzlich erschien sein viertes Studioalbum, Crazy Love.
Wahrscheinlich bedeuten die Träume, dass ich mich als jemand Besonderes fühle, dass ich aus der Masse hervorstechen möchte. Aber eigentlich denkt ja jeder von sich, er sei auf irgendeine Weise besonders. Alles andere wäre doch auch traurig. Ich habe Freunde, die sagen, dass sie als Kind vom Fliegen geträumt haben und es bedauern, dass sie diese Träume heute nicht mehr haben. Ich weiß, dass meine Mutter vom Fliegen träumt. Sie hat mir diese Träume vererbt.
Ich habe auch mal mit einem Therapeuten über meine Flugträume gesprochen, er sagte irgendwas von Freiheit, Kontrolle und Macht. Es stimmt schon, ich bin sehr kontrolliert. Wenn ich auf der Bühne bin, habe ich die Kontrolle über den Raum. Es ist für mich manchmal leichter, ein Riesenpublikum zu unterhalten, als mich auf eine einzige Person einzulassen, die mir etwas bedeutet. Wenn es ernst wird, mache ich eher blöde Witze, spiele den Clown.
Vor Auftritten bin ich nie nervös. Ich kenne allerdings auch nicht diesen Kick, den manche auf der Bühne spüren. Ich bin einfach ganz ruhig. Ich fühle mich ganz sicher.
Manchmal handeln meine Träume nicht vom Fliegen. Neulich habe ich geträumt, dass ich mit Jennifer Aniston zusammen bin. Sie war so nett, so toll, so wunderschön, und wir waren so verliebt. Ich war richtig glücklich, als ich aufgewacht bin.
Aufgezeichnet von Elisabeth Raether
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- Datum 29.10.2009 - 14:34 Uhr
- Serie Ich habe einen Traum
- Quelle ZEITmagazin, 29.10.2009, Nr. 45
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