Der Wissenschaftler
Der Wissenschaftler
Dass es im Institut von Andreas Oberheitmann um Umwelt geht, sieht man schon von Weitem. Wie eine grüne Oase wirkt der Glasbau mit den üppig bepflanzten Terrassen zwischen den Hochhäusern auf dem Campus der Tsinghua-Universität, selbst an diesem grauen Tag. »Typisches Peking-Wetter«, sagt der Direktor des Forschungszentrums für internationale Umweltpolitik. Smog blendet den Rest der Welt aus.
In ihrem eigenen Haus haben Oberheitmann und seine Kollegen schon mal Klimaschutz geübt: doppelwandige Glasfassade, Solarzellen, selbstregulierendes Lüftungssystem. Drinnen arbeitet der Wissenschaftler an Lösungen für den Rest der Welt, besonders für China.
»Ich kann gut verstehen, dass die chinesische Regierung nicht in Vorleistung gehen will. Deshalb setze ich mich für ein neues, faireres System ein.«
Oberheitmann beschäftigt sich seit seinem Wirtschaftsstudium in den achtziger Jahren mit China, nebenbei hat er auch Sinologie studiert. Seit drei Jahren forscht er an der Tsinghua-Universität, Arbeitssprache in seiner Abteilung ist Chinesisch.
Sein System, das den Klimaschutz gerechter machen soll, geht von zwei Fragen aus. Wie viel Kohlendioxid ist seit Beginn der industriellen Revolution bereits ausgestoßen worden? Und wie viel mehr darf es noch werden, damit die Menschheit ihr ehrgeiziges Ziel einhält: nämlich bis zum Jahr 2100 die globale Mitteltemperatur um nicht mehr als zwei Grad Celsius zu erhöhen?
In diese Kalkulation fügt Oberheitmann zwei »Fairnessfaktoren« ein, erstens dass die Industrienationen historisch für einen Großteil der Emissionen verantwortlich sind. Und zweitens dass Schwellen- und Entwicklungsländer meist sehr zahlreiche Bevölkerungen haben.
So kommt er auf ein historisches Gesamt-CO₂-Budget pro Einwohner als Grundlage für einen neuen Emissionshandel. Großemittenten wie die USA müssten dann etwa bei den Chinesen, die pro Kopf wenig ausstoßen, Verschmutzungsrechte kaufen. »Das wird viel Geld kosten – für die Industrienationen.«
Oberheitmann hofft trotzdem, dass beim UN-Klimagipfel zumindest über ein solches System geredet wird. Vielleicht hilft es ja, dass sein Kollege und Kodirektor des Forschungszentrums, Wang Can, in Kopenhagen für China verhandeln wird.
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- Datum 16.11.2009 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.10.2009 Nr. 45
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