Roger Willemsen fragt "Die Mütter der Taliban heulen auch"
Heike Groos war als Bundeswehrärztin zweimal in Afghanistan. Über ihre Erfahrungen schrieb sie das Buch "Ein guter Tag zum Sterben".
ZEITmagazin: Haben 15.000 Einsätze als Notärztin Sie auf Afghanistan vorbereitet?
Heike Groos: Nein. Ehemals handelte es sich um Unfälle, Unglücke. Hier richtete sich die Gewalt gezielt gegen meine Patienten, gegen uns alle. Dazu kam: Wir empfanden uns den Toten gegenüber als die Hinterbliebenen.
ZEITmagazin: Sie haben Afghanen und Deutsche gleichermaßen behandelt?
Groos: Anfangs ja. Es ist doch in dem Moment egal, woher der Patient stammt.
ZEITmagazin: Haben Sie je gedacht: Ich versorge hier Feinde?
Groos: Nur ein einziges Mal. Als wir die Überreste eines Attentäters einsammelten. Aber selbst da hatten wir das Gefühl, wir können den hier nicht liegen lassen.
ZEITmagazin: Dachten Sie manchmal: Ich kuriere jemanden, der hinterher seine Waffe auf mich richtet?
Groos: Nein, nein, nein! Man kann sich auf sein Gefühl verlassen und darauf, dass es noch Menschlichkeit gibt. Die Mütter der Taliban heulen sich doch auch die Augen aus.
ZEITmagazin: Ich habe die deutschen Soldaten in Afghanistan als behutsam erlebt.
Groos: Das war auch anfangs so. Später sind manche dann aggressiv und martialisch aufgetreten und haben alles schlimmer gemacht. Man hatte uns noch beigebracht, rücksichtsvoll und höflich zu sein, die Schuhe auszuziehen, wenn man ein Haus betritt.
ZEITmagazin: Aber dann wurden auch die Deutschen als Besatzer gesehen.
Groos: Und wir haben uns auch so aufgeführt, klar. Ich habe nie verstanden, warum wir es verpasst haben, rechtzeitig rauszugehen.
ZEITmagazin: Was waren Sie vor allem: Ärztin? Soldatin?
Groos: Eine Soldatin, die die Waffe hat, um die Patienten zu verteidigen.
ZEITmagazin: Auch den Freund, der plötzlich als Patient daliegt.
Groos: Ja, und dessen Gesicht völlig entstellt ist. Mein Sohn hat in der Kaserne später die Heimkehrer getroffen, er sagte: Die können nie wieder irgendwo arbeiten, sie sehen aus wie Monster.
ZEITmagazin: Empfinden Sie selbst sich als traumatisiert?
Groos: Na klar. Aber ich finde das normal. Normal für diese Welt, in der wir leben. Ich wehre mich dagegen, "krank" genannt zu werden. Denn für das, was wir erlebt haben, reagieren wir angemessen.
ZEITmagazin: Sie brechen unvermittelt in Tränen aus?
Groos: Ja, ich habe eine ganz dünne Haut. Es braucht nicht viel.
ZEITmagazin: Wer interessiert sich an der Front für die politischen Ziele?
- Datum 30.10.2009 - 10:50 Uhr
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- Serie Roger Willemsen fragt
- Quelle ZEITmagazin, 29.10.2009 Nr. 45
- Kommentare 7
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"Wie können die denn heute das Lager angreifen? Wissen die denn nicht, dass ich hier bin?" (Struck in Afghanistan).
Das ist unfassbar, dass dieser Mann einmal die Verantwortung für die Bundeswehr hatte. Schön für ihn, dass er meistens im warmen Sessel in Berlin sass und seine Soldaten Deutschland am Hindukusch verteidigen durften.
...vor dieser Frau!
...vor dieser Frau!
...vor dieser Frau!
... doch das Format dieser Frau hätten.
"Wissen die denn nicht, dass ich hier bin" - tja, wenn sie es gewusst hätten, hätten sie wohl erst recht angegriffen. Aber Herr Struck war wohl wirklich der Letzte, der kapiert hat, dass es sich um einen Krieg handelt... Nicht "Friedensmission", nicht "Demokratisierung", sondern KRIEG.
Ach, ich vergaß: so soll man das ja nicht nennen...
kriegsartigen Bedingungen, das ist klar, fragwürdig begründet - das ist das eigentliche Problem! Denn wo müssten wir nicht noch alles hin, um eine glaubwürdige Regierung und Bürgerkriege zu verhindern...!
So wie ein Polizeieinsatz gegen eine militarisierte Rockerbande etwas anderes ist als gegen einen durchgedrehten Liebhaber mit einem Messer, so ist ein weltpolizeilicher Einsatz in einem Konfliktgebiet mit einer breiten Waffenverbreitung, selbst wenn er gut begründet ist, halt etwas anderes als Grenzkonrollgänge zwischen dem türkischen und dem griechischen Teil Zyperns oder als als Pufferkraft auf den an sich ja (nun erstmal) doch ruhigen Golanhöhen.
Frau Gros muss sich hier, im stillen Kämmerlein natürlich nur, vielleicht auch Fragen: Wie konnte ich in diese eben doch nicht so schöne Welt nur gleich 5 Kinder setzen, und dann, bei diesen bundesrepublikanischen (und sonstigen...!) Regierungen auch gerade in eine Armee, die Bundeswehr gehen...? Ja, wir Menschen neigen halt erstaunlich oft und lange zu Illusionen...
Illusionen - wohl kaum. Mein altes Psychiatriebuch sagt, eine Illusion ist die Wahrnehmung von etwas tatsächlich Vorhandenem als etwas anderes. Wikipedia bezeichnet es als Sinnestäuschung, Selbsttäuschung, Selbstbetrug - und ich glaube nicht, dass ICH es bin, die dem allem unterliegt.
Naivität? Schon eher. Wobei ich beschlossen habe, sie mir zu bewahren, meine Naivität und auch weiterhin an das Gute schlechthin zu glauben. Ob das schlau ist oder nicht.
Es liegt mir wirklich fern, Sie zu beleidigen, aber ich bin geneigt, mich dem alten Klischee anzuschließen: [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ] Nichts für ungut.
Illusionen - wohl kaum. Mein altes Psychiatriebuch sagt, eine Illusion ist die Wahrnehmung von etwas tatsächlich Vorhandenem als etwas anderes. Wikipedia bezeichnet es als Sinnestäuschung, Selbsttäuschung, Selbstbetrug - und ich glaube nicht, dass ICH es bin, die dem allem unterliegt.
Naivität? Schon eher. Wobei ich beschlossen habe, sie mir zu bewahren, meine Naivität und auch weiterhin an das Gute schlechthin zu glauben. Ob das schlau ist oder nicht.
Es liegt mir wirklich fern, Sie zu beleidigen, aber ich bin geneigt, mich dem alten Klischee anzuschließen: [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ] Nichts für ungut.
das habe ich mich auch schon gefragt. Ich dachte, wenn nicht am Äußeren, an der Zugehörigkeit zu einer bekennenden Gruppe, dann gibt es Nachforschungen, von den Afghanen zumindest, welche seine Zugehörigkeit feststellen. Nach diesem Beitrag muss man befürchten, dass man hier, im Zweifelsfall zumindest, dazu neigt, ein Opfer mal so einfach zum Taliban zu machen. Bei dem Unfall mit dem Tanker scheint es ja aber ein paar Prüfungen gegeben zu haben, da nicht alle Opfer den Taliban zugeordnet wurden.
Illusionen - wohl kaum. Mein altes Psychiatriebuch sagt, eine Illusion ist die Wahrnehmung von etwas tatsächlich Vorhandenem als etwas anderes. Wikipedia bezeichnet es als Sinnestäuschung, Selbsttäuschung, Selbstbetrug - und ich glaube nicht, dass ICH es bin, die dem allem unterliegt.
Naivität? Schon eher. Wobei ich beschlossen habe, sie mir zu bewahren, meine Naivität und auch weiterhin an das Gute schlechthin zu glauben. Ob das schlau ist oder nicht.
Es liegt mir wirklich fern, Sie zu beleidigen, aber ich bin geneigt, mich dem alten Klischee anzuschließen: [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ] Nichts für ungut.
Melde mich hiermit ab aus diesem Forum. Die gedankenlose - wenn auch vielleicht nur in vorauseilendem Gehorsam erfolgte, aber immerhin Zensur eines eher zu den Volksweisheiten unserer Zeit zählenden Zitates mit der Begründung, es handele sich um eine "herabwürdigende Pauschalisierung" wirft ein mehr als bedenkliches Licht auf die Entwicklung unserer Zeit - oder sollte ich schreiben "ZEIT"?
Melde mich hiermit ab aus diesem Forum. Die gedankenlose - wenn auch vielleicht nur in vorauseilendem Gehorsam erfolgte, aber immerhin Zensur eines eher zu den Volksweisheiten unserer Zeit zählenden Zitates mit der Begründung, es handele sich um eine "herabwürdigende Pauschalisierung" wirft ein mehr als bedenkliches Licht auf die Entwicklung unserer Zeit - oder sollte ich schreiben "ZEIT"?
Melde mich hiermit ab aus diesem Forum. Die gedankenlose - wenn auch vielleicht nur in vorauseilendem Gehorsam erfolgte, aber immerhin Zensur eines eher zu den Volksweisheiten unserer Zeit zählenden Zitates mit der Begründung, es handele sich um eine "herabwürdigende Pauschalisierung" wirft ein mehr als bedenkliches Licht auf die Entwicklung unserer Zeit - oder sollte ich schreiben "ZEIT"?
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