USA Die Entzauberung

Warum sich die Wählergunst gegen Obama dreht, erklärt Josef Joffe.

Barack Obama - weiß er nicht, was er will, oder ist er der perfekte Pragmatiker?

Barack Obama - weiß er nicht, was er will, oder ist er der perfekte Pragmatiker?

Normalerweise kann man sich ein Jahr nach der Wahl ein Bild vom Neuen im Weißen Haus machen. Bei Barack Obama bleibt es unscharf.

Vergleichen wir ihn mit den Vorgängern. John F. Kennedys erstes Jahr war ein Härtetest. Auf dem Wiener Gipfel im Sommer 1961 versuchte Nikita Chruschtschow, den »jungen Mann« das Fürchten zu lehren; JFK antwortete mit massiver Aufrüstung. Lyndon B. Johnson eskalierte 1965 den Krieg in Vietnam mit einer halben Million Soldaten; er war von Anfang an ein Kriegspräsident. Richard Nixon schlug im ersten Jahr (1969) den großen Haken: Entspannung mit Moskau und China. Jimmy Carter definierte sich 1977 als atomarer Abrüster. Ronald Reagan wollte Moskau zeigen, wer die wahre Nummer eins war; Pershing und »Krieg der Sterne« folgten. Bush senior entpuppte sich 1989 als Erfüllungsgehilfe der Geschichte, der das Sowjetreich friedlich zu Grabe trug. Bill Clinton gab von 1993 an den Sozialreformer, Bush junior von 2001 an den Kriegsherrn in Afghanistan und Irak.

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Josef Joffe
Josef Joffe

ist Herausgeber der ZEIT. Von 2001 bis 2004 war er auch ihr Chefredakteur, gemeinsam mit Michael Naumann. Davor leitete er das außenpolitische Ressort der Süddeutschen Zeitung. Weitere Texte von ihm finden Sie hier

Und Obama? Newsweek hat sich zum ersten Jahrestag 15 Wahlversprechen vorgenommen. Zwei sind erfüllt, eines ist gebrochen, der Rest ist blockiert oder »in Arbeit«. Einen Präsidenten so schnell an seinen Erfolgen zu messen ist unfair. Auch ahnt man, wo er hinwill – nennen wir es die »Sozialdemokratisierung« und »Entimperialisierung« Amerikas. Die Indizien: Die Menschenrechtsrhetorik ist verstummt, der Abzug aus dem Irak geht voran, die Raketen in Polen und Tschechien sind vom Tisch, das Gespräch mit Iran hat begonnen.

Und doch bleibt vage, wo Obama seine großen Chips platzieren will. Am Montag versprach er den Soldaten: »Ich werde euch nie übereilt der Gefahr aussetzen.« Damit meinte er die Verstärkung der Truppe in Afghanistan, wo die Generalität seit Monaten 40000 Mann mehr fordert, aber keine Entscheidung bekommt. Der Dollar ist im freien Fall, Washington sieht zu. Der nächste Test ist der Irak. Am Sonntag sind 180 Menschen dem Terror zum Opfer gefallen. Das Signal an Obama: »Du ziehst dich zurück, wir – al-Qaida et alii – sind wieder da.«

Obamas Zustimmungswerte sind seit Sommer schneller gefallen als je zuvor für einen Neuen in einer vergleichbaren Periode. Der Vorsprung der Demokraten, im März bei 20 Punkten, liegt jetzt bei knapp sechs. Damals glaubten 56 Prozent, Amerika sei auf dem richtigen Weg, heute sind es ebenso viele, die das Land auf dem falschen sehen. Obama: »Ich bin zwar dünn gebaut, aber tough.«

Das ist die Frage. Weiß er nicht, was er will? Oder ist er der perfekte Pragmatiker, dem allein der Kompromiss heilig ist? Die nächste: Warum wenden sich die Wähler ab? Weil Obama die falsche Politik, etwa bei der staatlichen Gesundheitsfürsorge, betreibt – oder weil er so schwer zu packen ist? Wirtschaftskrise und Kriege gehören jetzt ihm – George W. war gestern, auch wenn Obama beklagt, er müsse noch immer »aufwischen«. Der Wähler ist gemein und vergesslich. Er honoriert nicht »Yes we can«, sondern »Yes we do« . Ein Jahr hat Obama noch Zeit; dann wird der neue Kongress gewählt: Wahl- und Zahltag zugleich.

 
Leser-Kommentare
    • fs
    • 30.10.2009 um 17:27 Uhr
    1. Teaser

    Im Teaser steht: "Weiß er nicht was er will, oder ist er der perfekte Prakmatiker? Warum sich die Wählergunst gegen den US-Präsidenten dreht, erklärt Josef Joffe."
    Ein Komma zu wenig, ein Komma zuviel und PraKmatiker... Liebe Zeit-Online, lasst eure Praktikanten doch erst einmal ein bisschen Rechtschreibung lernen.

    (Sorry.)

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    ... ich war ja wirklich kurz verunsichert ... Vielleicht war es ja Werbung für einen Baumarkt.

    • sehlen
    • 30.10.2009 um 19:12 Uhr

    Solche Rechtschreib- und Grammatikfehler sind wirklich ärgerlich und unerträglich in einer Zeitung, die "eigentlich" zur qualitativ hochwertigeren Presse gehört. Liest die Texte denn niemand zur Korrektur? Oder müssen das die Leser übernehmen?

    Was ist denn ein Teaser ?
    PraKmatiker ist immer noch besser als die
    Kommentare von nervenden Englischlehrern.

    herzlichen Dank für Ihre Hinweise. Die Fehler wurden mittlerweile beseitigt und entsprechend korrigiert. Sie haben vollkommen Recht mit Ihrem Anspruch: solche Fehler dürfen einfach nicht passieren. die Redaktion ist hierüber informiert. Bitte haben Sie Nachsicht.

    Freundliche Grüße, Atila Altun/ Redaktion ZEIT ONLINE

    das Haus brennt, und Sie sorgen sich darum, dass der Fensterrahmen die falsche Farbe hat.

    Schade.

    ... ich war ja wirklich kurz verunsichert ... Vielleicht war es ja Werbung für einen Baumarkt.

    • sehlen
    • 30.10.2009 um 19:12 Uhr

    Solche Rechtschreib- und Grammatikfehler sind wirklich ärgerlich und unerträglich in einer Zeitung, die "eigentlich" zur qualitativ hochwertigeren Presse gehört. Liest die Texte denn niemand zur Korrektur? Oder müssen das die Leser übernehmen?

    Was ist denn ein Teaser ?
    PraKmatiker ist immer noch besser als die
    Kommentare von nervenden Englischlehrern.

    herzlichen Dank für Ihre Hinweise. Die Fehler wurden mittlerweile beseitigt und entsprechend korrigiert. Sie haben vollkommen Recht mit Ihrem Anspruch: solche Fehler dürfen einfach nicht passieren. die Redaktion ist hierüber informiert. Bitte haben Sie Nachsicht.

    Freundliche Grüße, Atila Altun/ Redaktion ZEIT ONLINE

    das Haus brennt, und Sie sorgen sich darum, dass der Fensterrahmen die falsche Farbe hat.

    Schade.

  1. hätte ich in der ZEIT nicht erwartet:-)

  2. war eine Art politischer Spekulationsblase und wie jede Spekulationsblase wird auch die Obamablase platzen. Das war jedem, der auf drei zählen kann, von Anfang an klar. Die Frage war nur: Wann?

  3. 4. :o)

    ... ich war ja wirklich kurz verunsichert ... Vielleicht war es ja Werbung für einen Baumarkt.

    Antwort auf "Teaser"
    • sehlen
    • 30.10.2009 um 19:12 Uhr

    Solche Rechtschreib- und Grammatikfehler sind wirklich ärgerlich und unerträglich in einer Zeitung, die "eigentlich" zur qualitativ hochwertigeren Presse gehört. Liest die Texte denn niemand zur Korrektur? Oder müssen das die Leser übernehmen?

    Antwort auf "Teaser"
  4. Was ist denn ein Teaser ?
    PraKmatiker ist immer noch besser als die
    Kommentare von nervenden Englischlehrern.

    Antwort auf "Teaser"
  5. Ihre Vergleiche mit den Ex-Präsis sind ja nett, aber nur bedingt relevant. Denn immer in der Geschichte war der Präsident die unumstrittene Nummer 1 im Land. Niemals zuvor wurde diese Nummer 1 derart aus den eigenen "nationalen" Reihen torpediert. Niemals zuvor wurden riesige Schmutzkampanien gegen einen Präsidenten gefahren, nur um diesen zu diffamieren, weil man die eigenen Fälle davon schwimmen sieht. Wo früher ehrfürchtig von "Mr. President" gesprochen wurde, fließt heute nur ein nicht enden wollender Strom von Spott und Häme oder nutzlose Diskussionen über Obamas Krawatte. Das soll nicht bedeuten, dass Kritik nicht erlaubt sei, aber bei dieser reinen Kontra-Politik, kann kein Mensch in so kurzer Zeit Erfolge vorweisen.

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    Ihr gedaechtnis scheint kurz zu sein.

    Noch nie in der Deschichte der USA gab es eine dauer-chmutzkampagne von der bush-bashing Sorte, die dann auch internationalisiert wurde.

    Bush-Bashing als Charakter-Assassination hat funktioniert. Dwe Amertikaner haben den Obama gewaehlt, obwohl klar war, das er ein empty suit ist.
    Da gibt es keine Schmutzkampagnene gegen Obama. Diese trauemn sich leute wie sie zusammen.

    Was es gibt, ist grosse Ratlosigkeit, das man einen offensichtlcih unfaehigen narzistischen Praesidenten geeaehlt hat, der high-school kid marxistische utopien im Kopf hat, und der Amerika zum Dritten Welt land machen kann, wenn er nicht durch eine deutliche 2010 Kongresswahl gebremst wird.

    Gerd

    Ihr gedaechtnis scheint kurz zu sein.

    Noch nie in der Deschichte der USA gab es eine dauer-chmutzkampagne von der bush-bashing Sorte, die dann auch internationalisiert wurde.

    Bush-Bashing als Charakter-Assassination hat funktioniert. Dwe Amertikaner haben den Obama gewaehlt, obwohl klar war, das er ein empty suit ist.
    Da gibt es keine Schmutzkampagnene gegen Obama. Diese trauemn sich leute wie sie zusammen.

    Was es gibt, ist grosse Ratlosigkeit, das man einen offensichtlcih unfaehigen narzistischen Praesidenten geeaehlt hat, der high-school kid marxistische utopien im Kopf hat, und der Amerika zum Dritten Welt land machen kann, wenn er nicht durch eine deutliche 2010 Kongresswahl gebremst wird.

    Gerd

  6. @Peter:
    Ein Teaser ist ein Anrißtext, der auf Übersichtsseiten angezeigt wird. Beim Klicken auf "weiterlesen" oder "mehr" kommt dann der ganze Artikel

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    Dankeschön,
    aber warum braucht man denn zum lesen einer deutschsprachigen
    Internetseite ständig ein Englisch-Deutsch Wörterbuch ?

    Dankeschön,
    aber warum braucht man denn zum lesen einer deutschsprachigen
    Internetseite ständig ein Englisch-Deutsch Wörterbuch ?

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