Entwicklungsminister Niebel Erst denken, dann redenSeite 2/2

Und genau darum geht es in der modernen Entwicklungshilfe: Nicht ums Geld (zumindest nicht ausschließlich), sondern um die damit verbundene Technologie, um Erfahrung, Wissen und Kultur. »Was soll schlecht daran sein, dass wir Chinesen die Bedeutung der Umwelt lehren und sie bei deren Schutz unterstützen?«, fragt einer, der dem Süden seit Langem hilft – überrascht von Niebels Ankündigung. Zudem ist es ein Geschäft, an dem deutsche Unternehmen gut verdienen können, durch neue Aufträge oder durch Anschlusskooperationen.

Doch fehlt noch das entscheidende Argument für unser Engagement in China oder Indien (Hilfe ist wahrscheinlich längst der falsche Begriff): Die Netzwerkeffekte. Unser Wissen kann sich über den asiatischen Umweg sogar in Afrika positiv auswirken: Denn dem Bauern im Kongo kann auch dadurch geholfen werden, dass beispielsweise die Preise für Solarzellen (dank chinesischer Massenproduktion) fallen – und er sie kaufen kann. Oder dadurch, dass chinesische Firmen in Afrika Umweltstandards beachten. Das schützt auch das Klima – und wahrt so unsere Interessen.

Sicher ist die Realität komplizierter als diese modellhafte Wirkungskette. Doch grundsätzlich wissen wir spätestens durch den Klimawandel: Globale Probleme lassen sich nur durch globale Kooperation lösen. So wie wir die Chinesen brauchen, brauchen sie uns, übrigens auch in Kopenhagen: Bei der Konferenz, auf der im Dezember über die Zukunft des Weltklimas verhandelt wird, muss der Süden (müssen vor allem China und Indien) mitspielen. Dort aber ist das Gefühl weit verbreitet, dass die Lasten des Klimaschutzes nicht gerecht verteilt werden. Auch deswegen wird der Norden mit Milliardenforderungen für den Klimaschutz im Süden konfrontiert werden. Mit Herrn Niebels populistischer Streichliste wird man dem kaum begegnen können.

Bleibt zu hoffen, dass der Umwelt- oder der Außenminister ihrem neuen Kollegen möglichst bald ein bisschen Nachhilfe geben. Denn die werden den Ärger zuerst spüren. Vielleicht reicht es ja schon, wenn sie Herrn Niebel an ein internes Papier erinnern, mit dem sich die FDP jüngst für die Koalitionsverhandlungen vorbereitete: Dort fordern die Liberalen selbst, ihre neue Macht dazu zu nutzen, den »Bereich einer gerechten Gestaltung der Globalisierung durch die Entwicklungszusammenarbeit« zu besetzen. Das könnte dann auch »dem Image der FDP als sozial kalt entgegenwirken«. Na, Herr Niebel, dann mal los.

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Leser-Kommentare
  1. "Verschmutzte allein China die Welt in den kommenden Jahren nur annähernd so wie wir im vergangenen Jahrhundert, kann man die Menschheit gleich abschreiben. Zu mehr Umwelt- und Klimaschutz werden wir die Entwicklungsländer aber nur dann glaubhaft drängen können, wenn wir ihnen die dafür nötige Technik nicht vorenthalten."

    Es gibt absolut keinen Grund, Ländern wie China oder Indien das Geld für diese Technik und Technologien zu schenken. Diese Länder sind fähig und in der Lage, sich diese auf dem Markt zu besorgen und dafür zu zahlen wie andere Länder auch. Plausible Gründe außer hochmoralische Befindlichkeiten konnte dieser Artikel nicht liefern.

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    • gquell
    • 05.11.2009 um 7:53 Uhr

    Man merkt, daß hier wieder einmal linear denkende Einfachgemüter am Werke sind.
    Wenn wir in den Schwellenländern investieren, so haben wir so eine Möglichkeit, unsere Interessen langfristig zu vertreten. Selbstverständlich sind weder China noch Indien auf unsere paar Milliönchen angewiesen. Aber es ist eine Geste unserer Freundschaft und sorgt dafür, daß wir Netzwerke aufbauen, die langfristig Bestand haben können. Gerade das Geschäft mit asiatischen Ländern erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl, lange Wege mit viel Geduld und Ausdauer.

    Ich wette, Herr Niebel hat in China schon jetzt in Fettnäpfe getreten, von denen er in seiner neoliberalen Weisheit überhaupt keine Ahnung hatte. Die Reaktion wird nicht lange auf sich warten lassen.

    • gquell
    • 05.11.2009 um 7:53 Uhr

    Man merkt, daß hier wieder einmal linear denkende Einfachgemüter am Werke sind.
    Wenn wir in den Schwellenländern investieren, so haben wir so eine Möglichkeit, unsere Interessen langfristig zu vertreten. Selbstverständlich sind weder China noch Indien auf unsere paar Milliönchen angewiesen. Aber es ist eine Geste unserer Freundschaft und sorgt dafür, daß wir Netzwerke aufbauen, die langfristig Bestand haben können. Gerade das Geschäft mit asiatischen Ländern erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl, lange Wege mit viel Geduld und Ausdauer.

    Ich wette, Herr Niebel hat in China schon jetzt in Fettnäpfe getreten, von denen er in seiner neoliberalen Weisheit überhaupt keine Ahnung hatte. Die Reaktion wird nicht lange auf sich warten lassen.

    • gquell
    • 05.11.2009 um 7:53 Uhr

    Man merkt, daß hier wieder einmal linear denkende Einfachgemüter am Werke sind.
    Wenn wir in den Schwellenländern investieren, so haben wir so eine Möglichkeit, unsere Interessen langfristig zu vertreten. Selbstverständlich sind weder China noch Indien auf unsere paar Milliönchen angewiesen. Aber es ist eine Geste unserer Freundschaft und sorgt dafür, daß wir Netzwerke aufbauen, die langfristig Bestand haben können. Gerade das Geschäft mit asiatischen Ländern erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl, lange Wege mit viel Geduld und Ausdauer.

    Ich wette, Herr Niebel hat in China schon jetzt in Fettnäpfe getreten, von denen er in seiner neoliberalen Weisheit überhaupt keine Ahnung hatte. Die Reaktion wird nicht lange auf sich warten lassen.

    Antwort auf "Umwelttechnologie"
  2. Ich will gerne eingestehen, dass ich mich nicht sehr gut mit Entwicklungshilfe auskenne. Auf mich wirkt sie China gegenüber jedoch nicht wie das richtige Instrument.

    Auch wenn China sich gerne je nach Kontext als Entwicklungsland oder entwickeltes Land darstellt, heißt das nicht, dass wir uns diesen wechselnden Einschätzungen anschließen müssen. Ein Verhältnis "auf gleicher Augenhöhe" (eigentlich eine schöne Metapher, nur inflationär gebraucht...) scheint mir für die heutige Zeit deutlich passender. Und im Prinzip muss es auch im chinesischen Interesse sein, wie ein gleichwertiger Partner behandelt zu werden. (Das heißt nicht, dass Entwicklungshilfe immer gönnerhafte Almosen sind, aber eine gleichberechtigte Beziehung erzeugen sie eben auch nicht.)

    Es mag sein, dass der Zeitpunkt vor dem Klimagipfel nicht der günstigste für eine solche Ankündigung ist. Für das dahinterstehende Umdenken ist er es aber umso mehr: Es sollte darum gehen, wie man gerecht und gleichberechtigt mit den zukünftigen Herausforderungen umgeht. Jede Einseitigkeit kann da nur stören (sowohl "Die Chinesen verschmutzen am meisten." als auch "Der Westen verschmutzt schon am längsten."). Das einfachste Ziel ist es, langfristig jedem Menschen die gleichen Rechte und Pflichten für unsere gemeinsame Umwelt zuzusprechen. Das Erschreckende ist nur, wie utopisch das heute noch wäre.

    Ich weiß nicht, ob es ähnliche Gründe waren, die Herrn Niebel zu seinem Vorschlag veranlasst haben, aber das ist eigentlich egal.

  3. kann und wird nur funktionieren, wenn die Laender selbst in diese Technologien investieren. 28 Millionen Foerdferung bei so einem Riesenland wie China ist weniger als ein Tropfen auf den heissen Stein. Wer daraus wie die Autorin Ableitungen fuer den globalen klimaschutz sieht und fuer die Netzwerke der deutschen Wirtschaft in China, verkennt die Realtion.
    Chinesen koennen gerne deutsche TEchnologie kaufen und werden dies auch tun, weil sie daruf angewiesen sind. Entwicklungshilfe muss dabei sicher nicht gezahlt werden.

    Hier wird meiner MEinung anch der VErsuch gemacht, einen Minister, den man nicht mag, seitens der Journalisten konsequent herunterzuschreiben. Ein positiver Artikel ueber Niebel war bisher noch nicht zu finden.
    Dann sol man halt offen schreiben, dass man ihn nicht mag. Aber nicht solche vorgeschobenen Argumente herbeireden.

  4. Niebel ist der Sarazin der FDP und gut geeignet eine Diskussion über ein vernachlässigtes Thema anzustoßen.

    Auf allen anderen Posten ist er eine Fehlbeseztung.

    • Chali
    • 05.11.2009 um 8:53 Uhr

    ... ignorieren unsere Werte, die Menschenrechte obendrein ...

    Dass Sie so viel subversives Gedankengut haben einschmuggeln können, liebe Frau Pinzler!
    Bravo! Chapeau! Das nenne ich stilsicher formuliert!

  5. Frau Pinzler schreibt:
    "'Was soll schlecht daran sein, dass wir Chinesen die Bedeutung der Umwelt lehren und sie bei deren Schutz unterstützen?', fragt einer, der dem Süden seit Langem hilft..."

    Leider verrät sie uns nicht, wer das fragt und damit wissen wir auch nicht, welche partikularen Interessen derjenige vertritt - möglicherweise eigene und sehr egoistische? Davon abgesehen trieft die Frage vor uninformiertem Besserwissertum. Wer die Entwicklung verfolgt, weiß, daß China nicht mehr der Dreckspatz von vor 10 Jahren ist, sondern daß vielerorts sehr ernsthafte Anstrengungen zum Umweltschutz unternommen werden. Die Chinesen wissen mittlerweile sehr gut um die Bedeutung der Umwelt. Wenn Frau Pinzler fordert, daß wir mit unserer Entwicklungshilfe den Chinesen helfen sollen, Solarmodule noch billiger zu machen und damit unserer eigenen Solarindustrie noch mehr das Wasser abzugraben, als China es ohnehin schon tut, mutet das angesichts der wirtschaftlichen Realitäten wie Hohn an. Dieses Geld kann wahrhaftig sinnvoller eingesetzt werden.

    Ich glaube, Frau Pinzler ging es nur darum, ihr Hassbild von den bösen Neoliberalen zu pflegen und an Herrn Niebel ihr Mütchen zu kühlen. Von intelligenten Annahmen und Schlußfolgerungen ist ihr Artikel weitgehend frei.

  6. Man kann in Asien nicht sinnlos sparen. Es ist einfach heftig, einerseits z.B. die Subvention von Wohnungseigentum in Deutschland zu streichen, um dann Schwellenländern, in denen Produktion ausgelagert wird, Entwicklungshilfe zu schenken. Das hat etwas von feindlicher Besatzungsmacht im alten Kommunisten-SPD-Style. Es ist gut, dass Herr Niebel dieser Ungerechtigkeit entgegen wirken will.

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