Leider nicht mehr zuständig
Leider nicht mehr zuständig
Früher saß hier immer Thomas Steg, der Sozialdemokrat und Schröder-Mann, der in der Großen Koalition für Merkel sprechen musste und das so gut machte, dass seine Genossen argwöhnten, Steg sei von der Kanzlerin umgedreht worden. Am Tag zwei nach der Kanzlerinnenwahl sitzt in der Bundespressekonferenz Christoph Steegmans, bisher Sprecher der FDP-Fraktion und nun neuer stellvertretender Regierungssprecher. Routiniert trägt er die Termine der Kanzlerin vor und, noch ungewohnt für Journalistenohren, die von »Vizekanzler Guido Westerwelle«. Mehrfach wird Steegmans darauf angesprochen, dass »Ihre Partei« doch früher auf den unterschiedlichen Feldern ganz andere Auffassungen gehabt habe als jetzt und wie sich das vertrage – mal geht es um die Zukunft von Opel, mal um das Entwicklungshilfeministerium, das die FDP eigentlich abschaffen wollte und nun besetzt, mal um die Gesundheitspolitik, die die Liberalen einer Komplettrevision unterziehen wollten. Steegmans grinst und bedauert, »an der Stelle« könne er leider nicht weiterhelfen, da er nicht zuständig sei. Er bitte aber, sich an die Bundesgeschäftsstelle der FDP zu wenden, »deren Nummer ich aus dem Kopf wüsste«.
Ein Journalist versucht es trotzdem noch einmal. Wie es denn der Vizekanzler finde, dass der neue Bundesfinanzminister Schäuble den Staatssekretär und SPD-Mann Jörg Asmussen behalte, dessen Rücktritt doch die FDP in der Finanzkrise so vehement gefordert habe. Das, sagt Steegmans mit Unschuldsmiene, wisse er schlicht nicht. Mit Westerwelle habe er nämlich »schon seit zwei Tagen nicht mehr telefoniert«. »Oooooohhhh«, schallt es da spöttisch aus der Bundespressekonferenz. Steegmans, da sind sich die meisten hinterher einig, hat die Sache an seinem ersten Tag nicht schlecht gemacht. Die Schonfrist allerdings, das gilt für all die altbekannten und echten Novizen der ersten Wochen, die mit spöttisch-freundlicher Neugier beäugt werden, die wird bald vorbei sein.
Marc Brost, Peter Dausend, Christiane Grefe, Tina Hildebrandt, Jörg Lau und Dagmar Rosenfeld
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- Datum 05.11.2009 - 12:39 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.11.2009 Nr. 46
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