Burberry Im Auftrag ihrer Majestät
Er war der Liebling der Londoner Fashion Week in diesem Herbst - wie Christopher Bailey aus dem Hoflieferanten Burberry die Marke der Saison gemacht hat
© Giuseppe Cacace/AFP/Getty Images

"Der Trench ist ein einzigartiges, sehr demokratisches Kleidungsstück", sagt Burberrys Chefdesigner Christopher Bailey
ZEITmagazin: Mister Bailey, Sie sind ein Anhänger britischer Tradition…
Christopher Bailey: Jetzt kommen Sie nicht mit Klischees wie dem roten Doppeldeckerbus oder den Melonenhüten! Mir gefallen britische Gepflogenheiten, ja. Aber es sind die kleinen Nuancen, die ich meine.
ZEITmagazin: Welche kleinen Nuancen machen Sie britisch?
Bailey: Es gibt eine britische Einstellung, wie man sich anzieht. Britische Männer werfen sich Kleidung regelrecht über, damit es nicht perfekt oder durchchoreografiert, sondern leicht derangiert aussieht.
ZEITmagazin: Und sie kombinieren schräge Farben: Auf den Straßen Londons sieht man Geschäftsleute in schwarzen Anzügen und mit rosa Söckchen.
Bailey: Mit kleinen Details versprühen wir gut dosierte Extravaganz. Das nenne ich den Aufprall von formalem Konservatismus und kreativer Exzentrizität. Wenn diese beiden Welten miteinander kollidieren, kommt jene Britishness heraus, die ich mag. Manchmal entsteht dieser Effekt durch ein einfaches Paar Socken. Wie Sie sehen, trage ich heute selbst grün-blau gestreifte Socken zu einem maßgeschneiderten Nadelstreifenanzug.
ZEITmagazin: Ist es denn ein britischer oder ein italienischer Anzug?
Bailey: Ein britischer Anzug. Wenn ich ein Italiener wäre, sähe ich anders aus. Italiener lieben ihr Outfit auf Hochglanz poliert. Alles ist gebügelt, frisch – und sie sehen wie kleine Pfauen aus. Sie können dieselben Mäntel wie Engländer tragen, aber sie kombinieren sie mit anderen Kleidungsstücken.
ZEITmagazin: Und die Deutschen?
Bailey: Sie mögen formale Kleidung. Sie werfen sich nicht die Kleidung über, sie bemühen sich, schick auszusehen, ohne damit Aufsehen zu erregen. Extravaganz und Opulenz sind ihnen verdächtig.
ZEITmagazin: In Ihrem Büro steht eine Puppe mit einer walisischen Uniformjacke. Wo ist da der Bruch zwischen Tradition und Exzentrik?
Bailey: Schauen Sie sich doch mal das leuchtende Rot der Jacke an! Achten Sie auf die großen glänzenden Knöpfe! Das sind eigentlich Merkmale exzentrischer Kleidung. Trotzdem ist das Stück ganz traditionell und handwerklich meisterhaft geschneidert. Die Jacke ist doppelt genäht, mit einem besonderen Tuch als Innenfutter. Und der Halt ist so perfekt, dass er die die Person formt.
ZEITmagazin: In Ihrer Kollektion für den Sommer 2010 ist eines der schönsten Stücke ein Trenchcoat, der wie ein Minikleid geschnitten ist. Kommt Trench eigentlich nie aus der Mode?
© Ian Gavan/Getty Images

Um die Sommerkollektion 2010 von Burberry zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild
Bailey: Der Trench ist ein einzigartiges, sehr demokratisches Kleidungsstück. Jeder kann ihn tragen. Es gibt so viele verschiedene Größen, Längen und Farben, dass für jeden etwas dabei ist, und das macht ihn so zeitlos. Er ist auch alterslos: Ein 16-Jähriger kann den gleichen Mantel kaufen wie ein 70-jähriger Geschäftsmann, es kommt auf die Art an, wie man ihn trägt. Unser Trench passt zu jedem persönlichen Stil. Deswegen haben wir diese lange Geschichte von der Queen bis zu den Sex Pistols, Bauern und Künstlern. Trench ist geschlechts-, berufs- und altersübergreifend.
- Datum 04.11.2009 - 11:07 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 05.11.2009 Nr. 46
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Das aristokratische Zeitalter ging 1789 unter, das bürgerliche Zeitalter versank 1914, und siehe da: der Trenchcoat wurde paßgenau zur Epochenwende signifikant.
Man kann daher zurecht davon ausgehen, daß er der Nachfahre jener »Uniform der Gesittung« ist, die nach Thomas Mann zuvor der bürgerliche Frack war.
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