Die andere DDR Es gab uns wirklichSeite 5/5

Und man könnte über die These von Frank Schäfer diskutieren, Szenefriseur in Prenzlauer Berg: Wenn Ossis sich an die DDR erinnerten, werde oft vergessen, dass sie sich an ihre Jugend erinnerten. "Nehmen Sie mich: Ich war hübsch. Ich war jung. Ich war schwul und überall der Hit, wo ich auftauchte. Soll ich das mit dem Leben von heute vergleichen?" Die Leute verwechselten die DDR mit ihrer Jugend, und alle jammerten auf hohem Niveau, sagt Schäfer. Er steht in seinem Laden, ziemlich tätowiert, ziemlich beringt. Man muss 14 Tage vorher anrufen, um einen Termin zu kriegen, so gut läuft das Geschäft. Er sagt, er habe der DDR etwas zu verdanken, "mein Halt waren die Grenzen der Diktatur. Im Westen wäre ich ein Junkie geworden, vermute ich. Im Osten hatte ich diese Nische, als hübscher, schwuler Punk. Für mich war es eine gute Zeit."

Auch von ihm gibt es ein Foto: die legendäre Tropenparty im März 1984, er als Blondine verkleidet. "Ich weiß nicht, ob die Party so wild war, wie wir uns erinnern, aber ich glaube schon: Sie war wild." Die Frau neben ihm – eine echte – wurde dann verhaftet, kam in den Knast für mehr als ein Jahr wegen angeblicher Republikfluchtpläne. Schäfer war der Sohn des populären DDR-Schauspielers Gerd E. Schäfer, das half ihm, wenn es Ärger mit der Polizei gab.

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Aber nicht immer.

Einmal kam er für eine Nacht ins Gefängnis und wurde von einem Volkspolizisten vergewaltigt. Eine Erinnerung von der üblen Sorte. Er könnte ein Leben lang an ihr tragen. "Nee", sagt Frank Schäfer, "es war wirklich übel, aber ich habe es abgebucht als schlechten Sex." Schäfer schmunzelt. "Es hat funktioniert."

 
Leser-Kommentare
    • hamkon
    • 09.11.2009 um 8:16 Uhr

    Und diese Wirklichkeitsverdrängungsmethode der guten alten Bundesrepublik Deutschland hat in den vielen Jahren seit 1949 immer einen entscheidenden Grund gehabt: Die Selbstgefälligkeit, die Selbstgerechtigkeit, die geistig-moralisch Bequemlichkeit des saturierten und manierierten Besitzbürgertums.

    Warum also sollte sich irgendjemand in den Westzonen für die Wirklichkeit und Realität der Ostzone interessieren. Das einzig den "Wessi" wirklich interessierende Moment war stets das gleiche: "Wie komme ich billig an die Ergebnisse der - an der Kaufkraft bemessenen - Sklavenlohnarbeit der Ossis heran."

    INTERZONENHANDEL. Das ist eine Quelle des sogen. Wirtschaftswunders der rheinischen Republik, der Bundesrepublik Deutschland. Hier liegt eine der so höchst kompromittierenden Verbindungsachsen zwischen der Herrschaftselite der Bonner Republik und der Kaderfunktionärselite der stalinistischen DDR-Diktatur vor. Wer sich einmal der real-existierenden Strukturen des innerdeutschen Wirtschaftssystems widmet, deren Fakten be-, aus- und hinterleuchtet, analysiert sowie nüchtern und rational interpretiert, der wird wohl zu der Einsicht gelangen, dass es sicherlich mehr als 30% aller Vermögen der Bonner Republik sind, die aus der Arbeitsleistungserpressung und der Sklavenlohnarbeit des deutschen Gulag DDR stammen.

    • hamkon
    • 09.11.2009 um 8:20 Uhr

    Der Gesamtwert dieser "gestohlenen Vermögen" wurde bis zum heutigen Tage noch nicht durch die Transferzahlungen von West nach Ost repatriiert. Eher trifft das Gegenteil zu, denn der Vermögenstransfer von Ost nach West hat sich ja mit den Steuersubventionen für den "Wiederaufbau Ost" so abgespielt, dass aus den Steuerkassen die Subventionen mehrheitlich auf die Konten jener <15% aller deutschen Privathaushalte, die, lt. Statistischem Bundesamt 2009, über > 85% aller Privatvermögen verfügen.

    Das ist die Wirklichkeit der Kohlschen Wiedervereinigung. Das ist der gewaltige Betrug an den ca. 18 Millionen Ossis, die doch tatsächlich geglaubt hatten, „wir wären das Volk.“.

    Nitschewo. Eurer „Volk“ ist dem ständisch-feudalistischen Besitzbürgeradel dieser Republik herzlich gleichgültig, solange Ihr nur alle recht fleißig für immer niedrigere Löhne ordentlich leitstet, damit sich die Herren und Damen der < 15% aller deutschen Privathaushalte nur recht ordentlich etwas leisten können.

    • hamkon
    • 09.11.2009 um 8:20 Uhr

    Dies ist der Kern des Begriffs „Dienstleistungsgesellschaft“ nach der Diktion derer, die als Söhne und Töchter von Kohl, Genscher, Lambsdorf und Weigel sich heute auf den Regierungsbänken herum lümmeln und als Abgeordnete längst nicht mehr ihre Diäten verdienen, sondern sich in den Besitz der Machtfunktionen gebracht haben, in denen sie für ihre gegenleistungslosen Apanage-einkünften, die Theorie von der Alternativlosigkeit ihrer Alphatier- und Ausplünderelitegesellschaft verkünden, so wie einst die stalinistische Kaderfunktionärselite der DDR.

    Das ist die Kontinuität der deutschen Geschichte seit 1989.

    • Janee
    • 09.11.2009 um 8:26 Uhr

    ...für einen Artikel, der einmal der anderen Seite gewidmet ist.
    Als Ostdeutscher befindet man sich ständig in einer Verteidigungsposition. Wenn man nicht der Meinung ist, daß das Leben im Osten vor 1989 einfach nur grau, trist und furchtbar unterdrückt war, muß man sich sofort rechtfertigen.
    Bei der Berichterstattung über die Wende, die wir ja aus aktuellem Anlass im Übermaß zu hören bekommen, rollen die meisten Ossis bloss mit den Augen und hören weg. Mein persönlicher Gedanke beim Weghören ist dann immer "Gottseidank, das wächst sich in den nächsten Generationen aus." Aber mich persönlich verletzt diese einseitige Betrachtungsweise trotzdem jedesmal.

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    Sehe das genauso. Im übrigen hat beinahe das gleiche der Taxifahrer gesagt, der mich eben heim gefahren hat. Offenbar ist diese Wende-Feier nicht so Rosa-Rot und aus Plüsch wie Frau Merkel uns ihre nationalisierungskollone uns glauben machen will.

    Sehe das genauso. Im übrigen hat beinahe das gleiche der Taxifahrer gesagt, der mich eben heim gefahren hat. Offenbar ist diese Wende-Feier nicht so Rosa-Rot und aus Plüsch wie Frau Merkel uns ihre nationalisierungskollone uns glauben machen will.

  1. ...Danke für diesen Artikel. Das große Schweigen beim Thema DDR... besser kann man es nicht benennen. Mit Westdeutschen über die DDR reden? Unmöglich, es führt mit größter Regelmäßigkeit zu nichts. Man muss diesen Teil seiner Biographie irgendwo tief innen verschließen.
    Die diversen Dokus, Berichte, Spielfilme in den Medien ignoriere ich, ich kann das nicht ertragen.

  2. [entfernt wegen Doppelposting/ Redaktion; svb]

  3. Komisch, auch nach 20 Jahren deutscher Einheit fühle ich mich noch als DDR-Bürger!
    Nicht, weil ich straff zu Partei- und Staatsführung auf sah, sondern deshalb, weil mir (uns) stets vorgehalten wird, wie wir eigentlich hätten sein sollen, wenn es nach den Vorstellungen dieser ewigen Besserwisser jenseits von Elbe und Havel geht.
    Warum sind alle, die sich nicht als "DDR"-Bürger gefühlt haben nicht auch gleich mit rüber?

    Die Frage ist doch ganz klar:

    Auch diese Leute haben sich mit dem System in irgendeiner Weise arrangiert.

    Trotz aller ideologischen Hindernisse und Repressalien lebten unsere "intellektuellen" oft besser wie ein normaler Arbeiter, fuhren oft eher die "Westwagen", die von der DDR importiert wurden, sogar ohne lange Wartezeit.
    Die Vertreter der Kirchen und deren Angestellten bekamen einen Teil ihres Gehaltes sogar in D-Mark ausbezahlt bzw. hatten Konten in der BRD.
    Eine Frau Merkel war in der FDJ "dicke da", konnte kostenlos studieren - sogar in Moskau - , obwohl sie mit ihren eigenen Worten davon sprach, in der DDR keine richtige Deutsche gewesen zu sein.
    Heute reden sich viele "Wendehälse" damit heraus, dass sie in die SED eintreten mussten - wären sie standhaft geblieben, dann hätten sie es nicht tun müssen.
    Wer heute Karriere machen will, der muss genau so die Fahne in den Wind drehen und sich anbiedern - heute nennt man das "Bewerbungsgespräch" - ein Gespräch, bei dem man auch sehr gut aufpassen muss, was man von sich gibt. Sonst Job NEIN - Hartz IV JA!

  4. Das hatten wir doch alles schonmal: Versuchen Sie mal, vom "normalen" Leben unter Adolf I. zu berichten...

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    • Janee
    • 09.11.2009 um 9:14 Uhr

    was ich mit "Verteidigungsposition" meinte. Und das ist genau der Grund dafür, warum die Ostdeutschen nicht mehr darüber reden wollen.

    Mir fallen tausen Dinge ein, die ich erwidern könnte, aber nachdem ich diese Diskussion nun auch schon oft genug geführt habe, weiß ich, dass Sie ohnehin nicht zuhören werden. Sie haben dem Artike selbst ja offensichtlich auch keine Aufmerksamkeit geschenkt.

    • Janee
    • 09.11.2009 um 9:14 Uhr

    was ich mit "Verteidigungsposition" meinte. Und das ist genau der Grund dafür, warum die Ostdeutschen nicht mehr darüber reden wollen.

    Mir fallen tausen Dinge ein, die ich erwidern könnte, aber nachdem ich diese Diskussion nun auch schon oft genug geführt habe, weiß ich, dass Sie ohnehin nicht zuhören werden. Sie haben dem Artike selbst ja offensichtlich auch keine Aufmerksamkeit geschenkt.

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