Finanzkrise Eisenbach kämpft

Das Dorf im Schwarzwald lebt seit Jahrzehnten von der Autoindustrie. Vor einem Jahr brach die Krise über die Idylle herein. Seitdem haben Jörg Burger und Marian Blasberg die Eisenacher auf ihrem schweren Weg in die Zukunft


Michael Grieshaber ist pleite, und die Männer vor dem Firmentor haben das Geld.

Weggeschickt haben sie ihn, die Männer in den dunklen Nadelstreifen, mit einer Handbewegung, als wäre er ein lästiger Hund, haben ihm gesagt, sie müssten was bereden, ohne ihn, und jetzt schleicht er mit eingezogenem Kopf über den Hof der Firma, die noch immer seinen Namen trägt, läuft eingehüllt in eine Bomberjacke ziellos durch den Schnee und lehnt sich schließlich an einen Müllcontainer, aus dem der ölige Geruch von Eisenspänen strömt. Er sieht so aus, als müsste er gleich kotzen.

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Zwei Stunden lang hat Grieshaber sie durch den Betrieb geführt, der seit 125 Jahren im Besitz seiner Familie war. Er hat gelächelt, als sie lachten angesichts des ölverschmierten Bodens. Hat versucht, nicht hinzuhören, als sie seinen Maschinenpark mit einem alten Opel Astra verglichen. Hat erzählt, dass er sich von seiner Frau getrennt hat und nach 30 Jahren wieder in sein Elternhaus gezogen ist, um näher am Betrieb zu sein. Er hat versucht, nicht als Versager dazustehen, aber sein Schicksal liegt jetzt in der Hand der anderen.

Grieshaber reißt sich zusammen. Er richtet seine Brille, blickt hinüber, doch er kann ihren Gesichtsausdruck nicht deuten. Kein Zeichen, ob der Wahnsinn bald ein Ende hat.

Zehn Millionen Euro hat seine Feinmechanikfirma jedes Jahr mit Schnecken, Zahnrädern und Ritzeln umgesetzt, Ware für die großen Autozulieferer in Mexiko, in Osteuropa und China. Es schien, als liefen die Geschäfte gut. Nicht lange her, dass Grieshaber in den veralteten Maschinenpark investierte, aber im Herbst ging plötzlich gar nichts mehr. Mit den Banken fing es an, dann erwischte es die Autobauer in Amerika, dann schwappte sie herüber, diese Krise, in den Hochschwarzwald, nach Eisenbach, wo dem Unternehmer Grieshaber nun alles wegbrach. Im Dezember waren seine Auftragsbücher völlig leer, er konnte die Kredite nicht mehr zahlen, und als er feststellte, dass er nicht mal die Löhne überweisen konnte, meldete er Insolvenz an.

Jetzt ist es März 2009, und diese Männer, die Grieshaber am Morgen durch den Betrieb geführt hat, sind bereits die Dritten, die sich dafür interessieren, was bei ihm zu holen ist. Er will sie nicht, aber er kann auch nicht ohne sie. Er braucht zum Überleben fremdes Kapital. Er wirkt am Ende mit den Kräften, wie er da an diesem Müllcontainer lehnt, ein Mann in seinen besten Jahren, der um Fassung ringt, um eine Zukunft. Wie Grieshaber geht es dem ganzen Dorf.

Eisenbach im Hochschwarzwald. Das sind 2116 Einwohner, verteilt auf vier Weiler, die seit Monaten unter einer Schneedecke begraben liegen wie in einem tiefen, traumlosen Schlaf. Ein Bäcker, ein Friseur, ein Kiosk. Ein paar Bauernhöfe, Landgasthöfe mit fleischlastiger Karte. Der älteste Skilift der Welt. Eisenbach könnte eine Idylle sein, wären da nicht die Fabrikhallen, die wie Ufos in der Landschaft stehen. Wäre da nicht der Krach der Laster, die sich in normalen Zeiten im Konvoi durch die Fichtenwälder schieben, immer höher bis auf 1000 Meter über dem Meer.

Gear Valley nennen die Eisenbacher ihr Tal, das so unauffällig ist wie all die millimeterkleinen Präzisionsdrehteile, die hier produziert werden, wie die Milliarden Schnecken, Schrauben und Zahnräder, die später in Zentralverriegelungen, Servolenkungen und Fensterhebern auf der ganzen Welt verschwinden. Gear Valley sagen sie, als wäre Eisenbach so etwas wie das Getriebe dieser Republik. Ein unbekannter Ort, an dem das Wirtschaftswunder nie aufzuhören schien. Solange es hier oben gut ging, dachten viele, konnte es im Tal nicht schlecht gehen, und so gesehen war Eisenbach auch immer so was wie ein Drehzahlmesser, der die Verfassung dieses Landes anzeigt.

Leser-Kommentare
  1. Wir haben inzwischen massive Überkapazitäten von allem. Das weltweite Angebot an Arbeitskräften und Produktionskapazitäten ist in den letzten 20 Jahren förmlich explodiert.

    Egal ob Schrauben, LCD-Panels oder Autos. Fast alles kann heute überall in fast unbeschränkter Menge hergestellt werden.

    Nur gibt es weltweit nicht annähernd genügend Abnehmer für die potentiell möglichen Produkte. Also sinkt überall die Auslastung, Produktionslinien stehen still und Fabriken schliessen.

    Das System hat seine Grenzen erreicht.

  2. was macht man mit einem System, das nicht mehr funktioniert?

    Bislang gab es ausreichend Kriege, um in gewissen Zeiutabständen, das System zumindest teilweise zu "resetten" (Vernichtung von Menschenleben, Sachwerten und Währungen) und zumindest teilweise haben die aktuellen Kriegsereignisse ja auch solchen Verzögerungscharakter.

    Ansonsten hätte die jetzige Krise wohl schon um 2001/2002 stattgefunden (wird jedenfalls von einigen Fachleuten behauptet).

    Wenn die prall aufgeblasene Dollarblase irgendwann platzt, wird es gewaltig rappeln auf der Welt.

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    Man hätte diesen Artikel anders schreiben können. Als Journalist hat man eine Verantwortung gegenüber den Betroffenen und der Öffentlichkeit objektiv zu berichten.
    Wem hilft diese einseitige Berichterstattung, die zudem inhaltlich nicht immer ganz korrekt ist und den Istzustand falsch darstellt und den Ort in ein negatives Licht stellt?
    Ist dies das der Anspruch der Zeitschrift Zeit?
    Solch ein Artikel mag vielleicht für die Öffentlichkeit amüsant zu lesen sein, aber hilft bestimmt niemandem weiter.
    Ich hoffe interessierte Leser machen sich ein objektives Bild.
    Eine Möglichkeit zum Beispiel:
    TV Südbaden: http://www.tv-suedbaden.d...

    Man hätte diesen Artikel anders schreiben können. Als Journalist hat man eine Verantwortung gegenüber den Betroffenen und der Öffentlichkeit objektiv zu berichten.
    Wem hilft diese einseitige Berichterstattung, die zudem inhaltlich nicht immer ganz korrekt ist und den Istzustand falsch darstellt und den Ort in ein negatives Licht stellt?
    Ist dies das der Anspruch der Zeitschrift Zeit?
    Solch ein Artikel mag vielleicht für die Öffentlichkeit amüsant zu lesen sein, aber hilft bestimmt niemandem weiter.
    Ich hoffe interessierte Leser machen sich ein objektives Bild.
    Eine Möglichkeit zum Beispiel:
    TV Südbaden: http://www.tv-suedbaden.d...

  3. Wenn man Ihren Artikel in Bezug auf die Lebensverhältnisse in Eisenbach ließt, müßte man meinen, hier wohnen nur eigenbrödlerische und starrsinnige Leute. Das Gegenteil ist der Fall. Die Dorfgemeinschaft funktioniert hervoragend. Gerät jemand in große Not, so helfen alle mit. Es gab bereits 2 große Spendenaktionen für behinderte Menschen im Ort, eine weitere läuft gerade. Als eine Familie durch einen Brand ihr ganzes Hab und Gut verlor, boten viele Mitmenschen materielle und finanzielle Hilfe an. Die Vereine leisten großartiges. Jugendliche des Musikernachwuchses stellen eine "Wetten dass...?"-Show auf die Beine, die die Veranstaltungshalle bis auf den letzten Platz füllte. So könnte man noch vieles aufzählen.
    Auch in den Firmen ist das Betriebsklima nicht so schlimm, wie es hier dargestellt wird. Die Mitarbeitervertretungen arrangieren sich mit den Geschäftsleitungen zum Wohle aller, zur Sicherung der Arbeitsplätze.
    Sicherlich hinterläßt die derzeitige Wirtschaftskrise überall ihre Spuren - auch im Hochschwarzwald. Aber wer hier lebt und sich auf die Menschen hier einläßt ist immer herzlich willkommen. Er kann das Gegenteil zur Anonymität in der Großstadt erleben. Fragen Sie mal die letzte Dorfschreiberin, die kam aus Berlin und fühlte sich "sauwohl". Man muss halt wollen. Ihre Reporter wollten wohl eher nicht. Schade.

  4. Man hätte diesen Artikel anders schreiben können. Als Journalist hat man eine Verantwortung gegenüber den Betroffenen und der Öffentlichkeit objektiv zu berichten.
    Wem hilft diese einseitige Berichterstattung, die zudem inhaltlich nicht immer ganz korrekt ist und den Istzustand falsch darstellt und den Ort in ein negatives Licht stellt?
    Ist dies das der Anspruch der Zeitschrift Zeit?
    Solch ein Artikel mag vielleicht für die Öffentlichkeit amüsant zu lesen sein, aber hilft bestimmt niemandem weiter.
    Ich hoffe interessierte Leser machen sich ein objektives Bild.
    Eine Möglichkeit zum Beispiel:
    TV Südbaden: http://www.tv-suedbaden.d...

  5. Nachdem ich über diesen Artikel http://www.badische-zeitu... auf diesen Bericht gestossen bin und viele Jahre in Eisenbach gelebt habe, kann ich mir einen Kommentar nicht verkneifen.
    Um an "Schwarzwaldidylle" anzuknüpfen, hat ein Journalist auch die Pflicht sorgfältig und korrekt zu berichten. Dies kann ich dem, am Anfang verstümmelten und mit Tippfehlern versehenen, Artikel nicht ganz abnehmen. Und ob ein Unternehmer an nicht vorhandene "Ampeln" (ein Eisenbacher möge mich gerne korrigieren, aber wo gibt es in Eisenbach eine Ampel?) "kotzen" muss, weiß ich auch nicht so genau. Ein journalistisches Filetstück jedenfalls ist der Bericht m.E. nicht.
    Es ist aber mit Sicherheit interessant über eine Gemeinde mit diesen Strukturen in heutigen Zeiten zu berichten. Und Eisenbach sollte sich vielleicht manche Zeile in dem Bericht unvoreingenommen(er) durchlesen.
    Vielleicht sollte man einmal nachdenken, ob die Firma Grieshaber den Herrn Schneider nicht hätte früher fortbilden sollen. Ob Herr Tritschler nicht die richtige Frage gestellt hat.
    Der aktuelle Bürgermeister macht es vielleicht doch besser, als sein Vorgänger, in dem er ein Gewerbegebiet erschliesst und mit einer guten Kinderversorgung für eine arbeitnehmerfreundliche Infrastruktur sorgt und keine Festhalle baut?
    Eines noch an "Einheimische" zur Hilfsbereitschaft: da haben Sie in der Tat recht, hilfsbereit sind sie und eine Erwähnung im Artikel wäre es wert gewesen.

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    • bueb04
    • 26.11.2009 um 18:11 Uhr

    Ich bin vor einem Jahr nach Eisenbach gezogen der Arbeit wegen und ich kann das von den „Reportern“ dargestellte Eisenbach absolut nichts wieder erkennen.
    Als gebildete Person die sich dem Journalismus verschrieben hat und eigentlich über ein gewisses Maß an Wahrheitsliebe verfügen sollte kann ich diesen 8 Seitigen (Un-)berricht über Eisenbach nicht nachvollziehen.
    Sicherlich ist es durch die Finanazkrise auch hier zu Kurzarbeit usw gekommen ABER die ansässigen Firmen haben auf diese Krise richtig reagiert durch gemeinsame Einsparunge durch nutzen der Kurzarbeiterregelung und durch das Zusammen-anpacken der zum größten Teil familiärgeführten Unternehmen und deren Belegschaft konnte größere Schaden abgewendet werden bei IMS Gear konnte die Stammbelegschaft zu der ich mich auch zählen darf gehalten werden
    Den von ihnen zitierten Teilereiniger kenne ich persönlich und ich bin mir sicher das er das was hier zitiert wurde so nie gesagt hat.
    Und wie erklären sich die „Reporter“ das die Firma Framo erst dieses Jahr eine Erweiterungsbau in Eisenbach vollendet hat?
    Wie lässt sich die Lage die jetzt in den Betrieben herrscht erklären ohne das man den befragten Personen die Wörter auf unredliche weise im Mund herumdreht und Eisenbach als ein Dorf voller Träumer und Deppen darstellt?
    Ich weiß ehrlich gesagt nicht was die Reporter sich dabei gedacht haben so einen „Bericht„ zu verfassen und um ehrlich zu sein ich will es auch gar nicht wissen.

    • bueb04
    • 26.11.2009 um 18:11 Uhr

    Ich bin vor einem Jahr nach Eisenbach gezogen der Arbeit wegen und ich kann das von den „Reportern“ dargestellte Eisenbach absolut nichts wieder erkennen.
    Als gebildete Person die sich dem Journalismus verschrieben hat und eigentlich über ein gewisses Maß an Wahrheitsliebe verfügen sollte kann ich diesen 8 Seitigen (Un-)berricht über Eisenbach nicht nachvollziehen.
    Sicherlich ist es durch die Finanazkrise auch hier zu Kurzarbeit usw gekommen ABER die ansässigen Firmen haben auf diese Krise richtig reagiert durch gemeinsame Einsparunge durch nutzen der Kurzarbeiterregelung und durch das Zusammen-anpacken der zum größten Teil familiärgeführten Unternehmen und deren Belegschaft konnte größere Schaden abgewendet werden bei IMS Gear konnte die Stammbelegschaft zu der ich mich auch zählen darf gehalten werden
    Den von ihnen zitierten Teilereiniger kenne ich persönlich und ich bin mir sicher das er das was hier zitiert wurde so nie gesagt hat.
    Und wie erklären sich die „Reporter“ das die Firma Framo erst dieses Jahr eine Erweiterungsbau in Eisenbach vollendet hat?
    Wie lässt sich die Lage die jetzt in den Betrieben herrscht erklären ohne das man den befragten Personen die Wörter auf unredliche weise im Mund herumdreht und Eisenbach als ein Dorf voller Träumer und Deppen darstellt?
    Ich weiß ehrlich gesagt nicht was die Reporter sich dabei gedacht haben so einen „Bericht„ zu verfassen und um ehrlich zu sein ich will es auch gar nicht wissen.

    • bueb04
    • 26.11.2009 um 18:11 Uhr
    6. hallo?

    Ich bin vor einem Jahr nach Eisenbach gezogen der Arbeit wegen und ich kann das von den „Reportern“ dargestellte Eisenbach absolut nichts wieder erkennen.
    Als gebildete Person die sich dem Journalismus verschrieben hat und eigentlich über ein gewisses Maß an Wahrheitsliebe verfügen sollte kann ich diesen 8 Seitigen (Un-)berricht über Eisenbach nicht nachvollziehen.
    Sicherlich ist es durch die Finanazkrise auch hier zu Kurzarbeit usw gekommen ABER die ansässigen Firmen haben auf diese Krise richtig reagiert durch gemeinsame Einsparunge durch nutzen der Kurzarbeiterregelung und durch das Zusammen-anpacken der zum größten Teil familiärgeführten Unternehmen und deren Belegschaft konnte größere Schaden abgewendet werden bei IMS Gear konnte die Stammbelegschaft zu der ich mich auch zählen darf gehalten werden
    Den von ihnen zitierten Teilereiniger kenne ich persönlich und ich bin mir sicher das er das was hier zitiert wurde so nie gesagt hat.
    Und wie erklären sich die „Reporter“ das die Firma Framo erst dieses Jahr eine Erweiterungsbau in Eisenbach vollendet hat?
    Wie lässt sich die Lage die jetzt in den Betrieben herrscht erklären ohne das man den befragten Personen die Wörter auf unredliche weise im Mund herumdreht und Eisenbach als ein Dorf voller Träumer und Deppen darstellt?
    Ich weiß ehrlich gesagt nicht was die Reporter sich dabei gedacht haben so einen „Bericht„ zu verfassen und um ehrlich zu sein ich will es auch gar nicht wissen.

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