Vertrauen in die Leitwährung Alles außer Dollar!Seite 2/2
Bloß droht viel Ärger mit dem Rest der Welt, wenn man dieses Spiel zu weit treibt. Amerikas Handelspartner leiden inzwischen spürbar unter dem schwachen Dollar. Erst in der vergangenen Woche beschwerte sich der Chef des europäischen Flugzeugbauers EADS, Louis Gallois, vor einem französischen Parlamentsausschuss über diese Entwicklung. »Die Situation ist kritisch für ein Unternehmen, das seine Ausgaben in Euro abrechnet und seine Einnahmen in Dollar bezahlt bekommt«, klagte er. Hierzulande schauen exportorientierte Branchen, etwa der Maschinenbau, ähnlich sorgenvoll auf die Entwicklung.
In dieser heiklen Lage finden sich im Augenblick nur wenige Leute, die sich offen äußern wollen. Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hält am Donnerstag dieser Woche wieder einmal eine Pressekonferenz im Frankfurter Euro-Tower – und wieder einmal wird er auf Fragen nach dem Dollar ausweichend antworten. So wie sie alle ausweichend antworten, die Herren des Geldes – ob Ben Bernanke, der Gouverneur der US-Zentralbank, oder Masaaki Shirakawa, der Chef der Bank von Japan. Man will schließlich die Märkte nicht verunsichern. Man will erst recht nicht den Sturz des Dollar noch weiter beflügeln.
Solange die Exporte nicht anziehen, wird der Wechselkurs nicht groß verändert.
Jiang Jianjun, chinesisches Handelsministerium
Hinter den Kulissen aber ist die amerikanische Währung Topthema. Die Chinesen sind bereits dabei, dem Absturz des Dollar Einhalt zu gebieten. Haben sie in den vergangenen Jahren eine leichte Aufwertung ihrer Währung gegenüber dem Dollar zugelassen, so ist ihr Kurs jetzt felsenfest an den Greenback gekoppelt. Das soll die chinesischen Exporteure schützen. Jiang Jianjun, der stellvertretende Direktor der Außenhandelsabteilung des Handelsministeriums, bemerkt dazu kurz angebunden: »Solange die Exporte nicht anziehen, wird der Wechselkurs nicht groß verändert.« Das chinesische Versprechen an asiatische oder europäische Hersteller, auch deutsche, lautet in diesen Tagen: Kommt wieder nach China, und produziert hier für den amerikanischen Markt! Ein Währungsrisiko gegenüber dem Dollar habt ihr nicht zu befürchten! Die Rechnung geht offenbar auf. Allein im Juli und August kamen insgesamt schon wieder zwölf Milliarden US-Dollar an Investitionen ins Land.
Andere ziehen nach. Eine ganze Reihe asiatischer Länder wie Thailand, Malaysia und Südkorea hat zuletzt mit Worten oder Taten in den Währungsmarkt eingegriffen, um den Dollarsturz zu bremsen – und damit auch den Aufstieg ihrer Währungen im Vergleich zum chinesischen Renminbi. Brasilien führte eine zweiprozentige Steuer auf Kapitalzuflüsse ein, um die Aufwertung der Landeswährung Real gegenüber dem Dollar zu bremsen – und auch um der Kapitalflut Herr zu Werden. Neuerdings ziehen viele Investoren ihr Geld aus den USA ab – oder leihen sich dort welches – und legen es dann in Brasilien an.
Und wie interessant die Reaktion im Nahen Osten auf einen Zeitungsbericht im britischen Independent ausfiel! In dem Artikel stand, dass Araber mit asiatischen Nationen über ein Ende des Dollar als Ölwährung verhandelt hätten. Kaum war der Artikel gedruckt, rutschte der Dollar ab – und prompt hallte ein vielfaches Nein aus den Golfstaaten zurück. Der saudische Zentralbankchef, der Ölminister von Qatar, der kuwaitische Finanzminister, die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate – sie alle schüttelten heftig die Köpfe.
Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass man am Golf den Dollar satthat. Es will nur niemand riskieren, dass er noch weiter abstürzt. Ein allzu schwacher Dollar, erzählt ein Banker aus Bahrain, schade auch der Golfwirtschaft. Die Währung vieler Golfländer sei nun mal am Dollar ausgerichtet, doch Konsum- und Industriegüter kaufe man eher in Asien und Europa ein. Also heize der schwache Dollar die Inflation am Golf an.
Dabei räumen auch Araber und Chinesen hinter vorgehaltener Hand ein, dass es im Prinzip richtig war, dass der Dollar gefallen ist, und dass er wohl noch ein wenig weiter fallen sollte. Nur ein billiger Dollar kann dabei helfen, jene riesigen Ungleichgewichte abzubauen, die sich seit den späten Neunzigern gebildet hatten. In jener verrückten Ära, als die Amerikaner auf Pump immer mehr konsumierten und Länder wie Deutschland und China Exportüberschüsse auf die Weltmärkte kippten.
Diese Logik spricht eher dafür weiterzumachen wie bisher: den Dollar als Leitwährung behalten, zumindest auf mittlere Sicht, und höchstens ganz langsam den Einstieg in ein neues Weltwährungssystem vorbereiten. Zusehen, wie der Greenback an Wert verliert, und bei den notwendigen Anpassungen mitspielen. Notgedrungen akzeptieren, dass sich die Amerikaner dabei geschickt eines Teils ihrer Schulden entledigen.
Zu Ende wäre dieses Spiel erst dann, wenn der Dollarkurs plötzlich sehr schnell fiele. Wenn er drohte, ins Bodenlose zu fallen. In diesem Fall könnte nämlich schnell Chaos an den Märkten ausbrechen. In einem solchen Fall würden wohl viele Herren des Geldes wie Jean-Claude Trichet fix ihr Schweigen brechen. Und mit frischem Zentralbankgeld den Dollar stützen und für Ruhe sorgen.
Mitarbeit: Frank Sieren und Michael Thumann
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- Datum 05.11.2009 - 15:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.11.2009 Nr. 46
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... wird kommen, genauso sicher wie die Krise, die nämlich noch gar nicht richtig losgegangen ist. Wer auf den verschiedenen Ökonomenblogs querliest, der wird derzeit extrem selten über Optimismus stolpern. Es weiß zwar niemand genau was passieren wird und in welcher Reihenfolge, aber dass es nochmal richtig kracht scheint sicher.
Fassen wir mal zusammen, wie die Lage aussieht:
1) Die Regierungen sind überschuldet, dank Bankenrettung und fehlendem Mut (bzw. Lobbyhörigkeit) dem Theater ein Ende zu setzen, die Banken zu zerschlagen und notfalls zu verstaatlichen.
2) Es gehen immer noch jeden Monat Banken pleite, erst kürzlich die größte Mittelstandsbank der USA (die im Ggs. zur Goldman-Sucks Roulette Bank keine Hilfe zu erwarten hat), insgesamt über 100 Banken in 2009. Während gleichzeitig Bankenübernahmen boomen, die entstehenden Banken werden also noch größer sein als beim letzten Crash.
3) Die Spekulationen gehen munter weiter, fast ohne nennenswerte Einschränkungen, sogar Kreditverbriefungen werden wieder gehandelt, dem billigen Geld von den Zentralbanken sei Dank, gestützt durch Fantasie-Bilanzierungsregeln für die Banken.
4) Die unterschiedlichen Währungsräume reagieren unterschiedlich und da in diesem Müllsystem auch mit und gegen Währungen spekuliert
wird, kommt damit eine weitere Unsicherheit hinzu.
Fazit: so gut wie nichts wurde verbessert, vieles verschlechtert, während die Situation bereits historisch übel ist. Was wird wohl daraus folgen?
Wenn man das als "Problem" beschreibt, dann, weil man sich selbst eines daraus macht - man kann auch umstellen. Nicht alle Märkte auf einmal, aber wenn Airbus Flugzeuge an europäische Fluggesellschaften verkauft, dann würde ich auf alle Fälle den Vertrag in Euro machen - beide Seiten sparen sich das Währungsrisiko und sind glücklich.
Und für China gilt: Auch der Euro-Raum ist enorm wichtig. Man wird den Euro in der Bandbreite 9-11 Yuan lassen, wie man das schon die letzten 7 Jahre durchgehalten hat. Die eigene Währung einem Dollarcrash hinterherwerfen (der ja auch zur Folge hat, dass international schnell alles auf Euro umstellt), das werden die Chinesen nicht tun. Nicht umsonst habt die chinesische Staatsbank ihr Dollar-Portfolio auf eher kurzfristige Anlagen umgeschichtet - das stützt den Dollar momentan, man kann ihn aber auch jederzeit fallen lassen.
Natürlich wird niemand, der vorhat, den Dollar fallen zu lassen, das vorher ankündigen.
Zum einen haben die Amis (nun ja - eher die FED) das Gold fast aller Länder gegen Dollars eingesammelt und horten das selber (aber eben nicht als Währungsreserve), drucken stattdessen weiter Unmengen von Papier in grün.
Was aber liegt in den Tresoren der jeweiligen nationalen Landesybanken als Währungsreserve? Tonnenweise wieder dieses wertlose grüne Papier.
Bei der EZB für den Euro sind es wohl um 80%.
Sollte sich die Währungsparität Euro/Dollar nur aufgrund der 20% europäischem Eigenanteil schon so stark verschoben haben, wie soll das werden, wenn der Dollar richtig in den Keller geht?
Denn irgendwas wird und muss passieren, um das System zu "resetten" (und Schulden "verschwinden" zu lassen) für einen zumindest teilweisen Neustart, der dann alle vorhandenen Sachwerte weitgehend unberührt läßt (bis auf eine kurze Phase der Unterbewertung), aber ansonsten Geldwerte massiv reduziert - und damit die Masse der Bevölkerungen verarmt und um ihre Ersparnisse bringt.
Vielleicht auch ein Grund, warum "Investoren" seit Jahren (möglichst kreditfinanziert) alles an Sachwerten aufkaufen, was nicht bei drei auf dem Baum ist?
"Vielleicht auch ein Grund, warum "Investoren" seit Jahren (möglichst kreditfinanziert) alles an Sachwerten aufkaufen, was nicht bei drei auf dem Baum ist?"
"Vielleicht auch ein Grund, warum "Investoren" seit Jahren (möglichst kreditfinanziert) alles an Sachwerten aufkaufen, was nicht bei drei auf dem Baum ist?"
Der Vertrauensverlust der Welt begann mit Bush. Er hat so schonungslos und unsensibel klar gemacht wie das Imperium tickt, dass sich die Welt nach neuen Freunden umgesehen hat. Dieser hatte einen Machtverlust zur Folge (Koalition der Willigen mit den Fidschi-Inseln usw.), die Abwertung des Dollars ist eine Folge dessen, auch wenn es so aussieht, als wäre es hauptsächlich ein Problem der Finanzmärkte.
"Vielleicht auch ein Grund, warum "Investoren" seit Jahren (möglichst kreditfinanziert) alles an Sachwerten aufkaufen, was nicht bei drei auf dem Baum ist?"
Im gestrigen Monatsbericht bestätigte die US-Fed erneut, den Dollarzins weiterhin auf dem Nullpunkt halten zu wollen, ebenso wie auch die EZB weiter am Eurozins von nur 1% festhalten will. Sämtliche Dollarländer profitieren enorm vom niedrigen Zins. Dies ist auch der Grund, warum das an den Dollar gekoppelte China laufend hunderte von Milliarden an Dollaranleihen aufkauft, obschon es bereits Billionen davon besitzt. Träte China nicht allmonatlich massiv als Hauptkäufer auf, so sähen sich die USA gezwungen, den Zins zu erhöhen, um andere Käufer anzulocken. Doch eine Zinserhöhung liegt keineswegs im Exportinteresse der G-2 (USA-China).
[Link entfernt, bitte verzichten Sie auf Werbung. Danke. /Die Redaktion pt.]
Nicht dass die Abwertung des Dollar auf Wechselkursverhältnisse, die weit über der Kaufkraftparität liegen, ein gesundes Zeichen wäre. Den Finanzmärkten geht es aber mit dem schwachen Dollar offensichtlich sehr gut, während sie unter einem starken Dollar leiden. Die Krise wird erst wiede sichtbar werden, wenn auch der Dollar wieder steigt. Dollarkrise und Finanzkrise, das sind zwei entgegengesetzte und aufeinanderfolgende Phänomene.
Die USA sind wohl nach wie vor das Zentrum der Weltwirtschaft. Es bleibt kein anderer Schluss übrig, denn immer wenn Kapital aus den USA in den Rest der Welt strömt und damit der Dollar abwertet, geht es der Weltwirtschaft gut. Das war von Mitte 2002 bis Mitte 2008 so, und das ist wieder seit März 2009 so. Nur in der kurzen Zwischenphase zwischen Juli 2008 und Dezember 2008/März 2009 stürzte die ganze Weltwirtschaft regelmächt ab und mit ihr die Rohstoffpreise.
Dass die Weltwirtschafskrise also ihren technischen Auslöser (nicht den tieferen Grund) im steigenden und nicht im fallenden Dollar hat, liegt also auf der Hand.
Doch als Mittel zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie taugt die Dollarabwertung nicht. Dann hätte sich das US-Leistungsbilanzdefizit bereits in der noch stärkeren Abwertungsphase von 2002 bis Mitte 2008 signifikant verringern müssen, doch es stieg an. Langjährige Entwicklungen durch unzureichende Kreditvergabe für Investitionn der US-Industrie lassen sich nicht mal eben durch eine Währungsawertung stoppen.
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