Koalitionsvertrag Wo bleibt die Gerechtigkeit?
Steuern senken, ohne vorher der Unterschicht zu helfen – das geht nicht
Das G-Wort fällt dieser Tage nur selten in Berlin. Wachstum, Bildung, Zusammenhalt – so lautet der Titel des Vertrages zwischen CDU, CSU und FDP. Gerechtigkeit war den Koalitionären offensichtlich ein zu großes oder ein zu links belegtes Wort.
Man kann es verstehen. Einerseits. Vor allem den Begriff der Gerechtigkeit zwischen den Generationen sollte Schwarz-Gelb wirklich besser vermeiden. Die umstrittene Rentengarantie hat die neue Koalition vehement bestätigt, die öffentlichen Schulden will man mit Steuersenkungen kräftig erhöhen, ein ökologisches Projekt ist weit und breit nicht zu erkennen: Die Koalition hat eher die heutigen Wähler im Blick als die von morgen. Und dann auch eher Menschen mit etwas Geld als die ganz ohne.
Die »unteren« Einkommen, die von der Steuer entlastet werden sollen, sind de facto mittlere, denn die Armen zahlen keine Einkommensteuer. Dass Hartz-IV-Empfänger künftig mehr Vermögen behalten können, zielt auch nicht auf die Armen von heute, sondern auf die Mittelschicht, die Angst vor dem Abstieg hat. Warum soll man auch nicht die Leistungsträger fördern? Schließlich spricht einiges dafür, in der Krise erst einmal diejenigen zu entlasten, die dann Wachstum für alle schaffen.
Andererseits steht dahinter ein Missverständnis. Schwarz ein wenig und Gelb sehr wollen auf Dauer mehr Raum für private Initiative: Sie soll Jobs schaffen, den Sozialstaat entlasten und dadurch am Ende einen kleineren Staat möglich machen. Doch gerade diese Rechnung geht nicht auf ohne das G-Wort. Wer am unteren Ende dieser so merkwürdig geteilten Gesellschaft nicht für mehr Fairness sorgt, kann am oberen Ende noch so viel entlasten und fördern – er wird von der Ungerechtigkeit eingeholt werden durch fortlaufend hohe Sozialkosten und gesellschaftliche Spannungen.
Klagen über Niedriglöhne zum Trotz: Arbeitslosigkeit ist die große Gefahr
Um das zu sehen, muss man die echten Fairnessprobleme im Land von den vorgeblichen trennen, muss sich die deutsche Gerechtigkeitsdebatte anschauen.
2008, noch bevor die Finanzkrise richtig losbricht, erklärt die Regierung in ihrem Armuts- und Reichtumsbericht, dass die relative Armut kräftig gestiegen sei. 13 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als 60 Prozent dessen, was die Mitte hat, und noch einmal so viele werden nur durch den Sozialstaat vor diesem Schicksal bewahrt. Auch internationale Vergleiche belegen: Zwischen Rhein und Oder ist die Ungleichheit seit dem Jahr 2000 besonders schnell gewachsen. Deutschland gehört nicht mehr zu den sozialen Vorzeigeländern, auch wenn mehr als die Hälfte der Industriestaaten mit mehr Ungleichheit lebt. Vier Fünftel der Deutschen meinten schon vorher, es gehe nicht gerecht zu in der Volkswirtschaft, und jetzt haben sie die Zahlen dazu. Der Schuldige steht fest, bevor die Verhandlung begonnen hat. Die Hartz-IV-Reform wird verurteilt.
Bloß hat man das Kleingedruckte übersehen. National wie international reichen die wesentlichen Daten nur bis zum Jahr 2005, in dem Hartz IV begann. Wenig später melden Verteilungsforscher die Wende: 2006 sind über eine Million Menschen der Armut entronnen. So einfach ist die Gerechtigkeitsdebatte eben nicht zu gewinnen.
Allen Klagen über Niedriglöhne zum Trotz ist das größte Armutsrisiko die Arbeitslosigkeit. Als es auf einmal mehr Jobs in Deutschland gab, da ging auch die Armut zurück. Gewachsen war sie, als viele Arbeitslose keine Perspektive am Markt sahen und ihnen auch keine aufgezeigt wurde. Sie entstand zur Hoch-Zeit von Frühverrentung, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und anderen Formen des marktfernen Dirigismus. Wenn dieses Jahrzehnt also eine Lehre bereithält, dann diese: Man darf Arbeit nicht gegen Gerechtigkeit ausspielen.
Das heißt nicht, bei Hartz IV verliefe alles fair. Man sollte die Regelsätze jährlich mit der Inflation steigen lassen, schließlich markieren sie das Existenzminimum, und darunter darf der Staat nicht gehen. Derzeit hängt die Hilfe an alten Verbrauchsstatistiken und der Rente, deren Höhe sich zu oft im politischen Gerangel entscheidet. Auch ist der Bedarf für die Kinder armer Leute nie offen ermittelt und debattiert worden – es wird Zeit dafür.
Mehr Fairness zu schaffen, soweit es die Arbeit nicht behindert, ist eine gute Leitlinie für Politik in der Hartz-Welt.
- Datum 06.11.2009 - 13:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 05.11.2009 Nr. 46
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Die neoliberalen Tigerenten vergessen sehr gerne, daß die "Leistungsträger" der Gesellschaft ohne Menschen, die ihnen zuarbeiten, gar nichts leisten können.
Außerdem leisten wir uns eine Verschwendung an Potential, wenn wir in Deutschland nicht jedem Menschen die Möglichkeit eröffnen, sein eigenes Potential zu erkennen und optimal auszunutzen. Wie in Amerika der Traum vom "Tellerwäscher zum Millionär" brauchen wir einen Traum wie "vom Arbeiterkind zum Professor/Firmenchef".
Wir tun viel zu wenig in der Grundbildung, d.h. Schule, Berufsausbildung, Studium, aber auch viel zu wenig in der Erwachsenenbildung. Viele Berufstätige wollen sich weiterbilden, finden aber kaum eine richtige Gelegenheit dazu. Es gibt einfach keine vernünftigen Bildungsangebote für Erwachsenen, die Volkshochschulen werden doch auch langsam aber sicher zurückgefahren. Das liegt zum einen daran, daß die Lehrer mit Hungerlöhnen von 20,-EUR abgespeist werden und sie nur als Freiberufler beschäftigt werden, die man schnell wieder entlassen kann. Zum anderen liegt es auch an den Geldgebern, die ihr Geld lieber in Großanbieter wie DEKRA, Kolping, etc.. versenken. Es ist schon seltsam, wenn ein z.B. Computerkurs mit 20 Personen für 300,-EUR (netto) pro Woche und Person der Arbeitsagentur berechnet wird und der Lehrer gerade einmal 800,-EUR der 6.000,-EUR erhält.
Wir brauchen einfach ein neues Verhältnis zur Bildung und vor allem offene Wege zur Weiterbildung, d.h. Erwachsenenbildung.
Ich möchte mich nicht dazu hinreißen lassen, alle Fehlinterpretationen im Artikel einzeln zu widerlegen. Daher meine Darstellung:
In den letzten Jahrzehnten wurde nahezu ausschließlich Politik für die Unterschicht gemacht. Da ufert jetzt so aus, daß ganze Teile der Bevölkerung glauben, ein Recht auf immer mehr Transferleistungen <
eil 2: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf drei Wochen Urlaub auf Mallorca, keinen Anspruch darauf, die Ergebnisse nicht vorhandener Familienplanung vom Staat finanzieren zu lassen, keinen Anspruch auf das jeweils neueste Fahrzeugmodell vor der Tür, keinen Anspruch, ohne jede Ausbildung, ohne den Wille zur Veränderung ein Leben zwar am unteren Level, aber eben doch auskömmlich zu führen. Und das Schlimmste, jeder der kommt, darf bleiben und mit immer mehr Familienangehörigen die Sozialkassen belasten.Gerechtigkeit ist dann gegeben, wenn der, der den Karren zieht, die Früchte seiner Arbeit zumindest so weit behalten darf, daß er das Gefühl hat, es habe sich gelohnt. Meine Oma meinte immer, Mitleid gibt es geschenkt, Neid muß man sich erarbeiten. Eben, ERARBEITEN, nicht auf dem Bürgermeisteramt abholen!
Sie haben Recht. Es wurde in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Politik für die Unterschicht betrieben, wie liesse sich sonst erklären das sich immer mehr Menschen zur prekären Unterschicht zählen? Lohndumping, Zeitarbeit, Hartz4, 1 Eurojobs sind alles Bausteine die konsequent in diese Richtung führen. Und dazu noch das mediale Trommelfeuer von Sarazzin und Co. da geht doch was.
Und unter unserer "neuen" Regierung wird sich diese Entwicklung dynamisch fortsetzen.
Gegenfrage: lohnt sich Knochenarbeit? Wohl kaum. Sie stellen Anforderungen, die Sie wahrscheinlich selbst niemals erfüllen möchten. Sicherlich entziehen Sie sich Arbeiten, die Sie selbst nicht ausführen würden. Dennoch ermöglichen diese Vorleistungen überhaupt eine wirtschaftliche Tätigkeit aufrecht zu halten, und bilden damit die Grundlage für die Gesamtwirtschaftsleistung. Das Leben ist keine akademische Frage, sondern konkret stofflicher Art. Wenn aber die Grundlagenarbeit eine der schlecht bezahltesten in Deutschland ist, während selbst ernannte "Leistungsträger" mittels Friktion eine uneinholbare Marktmacht aufbauen, kann die "Gerechtigkeitsdebatte" noch lange geführt werden, ändern wird sich nichts. Bildung kann helfen, muss aber nicht, Intelligenz war nie eine Frage der Bildung. Leistung kann sich nicht nur an der Vergütung messen. Die Wahrheit ist, dass viele "Leistungsträger" die Früchte fremder Arbeit genüsslich unter sich verteilen und die Verteilungsmodalitäten weiter verschärfen. Die bisher angekündigten Vorhaben der Bundesregierung bedeuten eine jährlich Umverteilung von 100 Milliarden Euro. Beitragsbemessungsgrenzen werden auch weiterhin die Rentensysteme aushebeln. Unter Einbezug von Steuern, Sozialabgaben, Konsum- und Sparneigung wird ein Einkommen von 40'000 Euro im Verhältnis gleich stark belastet wie eines von 400'000 Euro. Wer hats ermöglicht? Die Grundleger.
Wenn Sie für Vollbeschäftigung mit ausreichendem Einkommen für ein Lebenswertes Leben sorgen! Wenn Sie das nicht können, dann sind Ihre ausführungen Unsinn!
Ihre Oma hat Recht! Und da der Neid auf die, die kräftig abkassieren, ohne irgendwas geleistet zu haben, am größten ist, folgt daraus, dass diese am meisten geleistet haben. Sehr gut!
Sie haben Recht. Es wurde in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Politik für die Unterschicht betrieben, wie liesse sich sonst erklären das sich immer mehr Menschen zur prekären Unterschicht zählen? Lohndumping, Zeitarbeit, Hartz4, 1 Eurojobs sind alles Bausteine die konsequent in diese Richtung führen. Und dazu noch das mediale Trommelfeuer von Sarazzin und Co. da geht doch was.
Und unter unserer "neuen" Regierung wird sich diese Entwicklung dynamisch fortsetzen.
Gegenfrage: lohnt sich Knochenarbeit? Wohl kaum. Sie stellen Anforderungen, die Sie wahrscheinlich selbst niemals erfüllen möchten. Sicherlich entziehen Sie sich Arbeiten, die Sie selbst nicht ausführen würden. Dennoch ermöglichen diese Vorleistungen überhaupt eine wirtschaftliche Tätigkeit aufrecht zu halten, und bilden damit die Grundlage für die Gesamtwirtschaftsleistung. Das Leben ist keine akademische Frage, sondern konkret stofflicher Art. Wenn aber die Grundlagenarbeit eine der schlecht bezahltesten in Deutschland ist, während selbst ernannte "Leistungsträger" mittels Friktion eine uneinholbare Marktmacht aufbauen, kann die "Gerechtigkeitsdebatte" noch lange geführt werden, ändern wird sich nichts. Bildung kann helfen, muss aber nicht, Intelligenz war nie eine Frage der Bildung. Leistung kann sich nicht nur an der Vergütung messen. Die Wahrheit ist, dass viele "Leistungsträger" die Früchte fremder Arbeit genüsslich unter sich verteilen und die Verteilungsmodalitäten weiter verschärfen. Die bisher angekündigten Vorhaben der Bundesregierung bedeuten eine jährlich Umverteilung von 100 Milliarden Euro. Beitragsbemessungsgrenzen werden auch weiterhin die Rentensysteme aushebeln. Unter Einbezug von Steuern, Sozialabgaben, Konsum- und Sparneigung wird ein Einkommen von 40'000 Euro im Verhältnis gleich stark belastet wie eines von 400'000 Euro. Wer hats ermöglicht? Die Grundleger.
Wenn Sie für Vollbeschäftigung mit ausreichendem Einkommen für ein Lebenswertes Leben sorgen! Wenn Sie das nicht können, dann sind Ihre ausführungen Unsinn!
Ihre Oma hat Recht! Und da der Neid auf die, die kräftig abkassieren, ohne irgendwas geleistet zu haben, am größten ist, folgt daraus, dass diese am meisten geleistet haben. Sehr gut!
Die wichtigere Frage ist doch
Wo bleibt der Anstand?
... also von Gerechtigkeit.
Das Wesen jeder Gerechtigkeit besteht doch darin, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird?
Das grundlegende Konstriktionsprinzip des heutigen Sozialstaates besteht doch darin, dass der 5o-jährige Maurer, der 55-jährige Ingenieur (jeweils mit 30, 35 Beitragsjahren) mit dem 25jährigen Junkie, mit dem bildungsunwilligen Migranten undundund in einen Topf geworfen wird, so dass die hier so reichlich vertretenen Meo-Liberalen und Neo-Feudalisten reichlich Beispiele für allerlei "Ge-Brauch", von solchen Leuten gern auch als "Miss-Brauch" bezeichnet.
Und da komme ich wieder auf den Begriff "Anstand" zurück:
Was beweist ein, zwei, hundert Beispiele - für den Einzelnen, für sein Schicksal?
Ein Beispiel beweist ... Nichts. Gar nichts.
Aber das "Gerechtigkeit gegen Jedermann üben" interessiert heute ja gar nicht mehr. Ein Eid, in dem Gott als Zeuge genommen wird, ist zu einer bedeutungslosen Lappalie verkommen.
Und darf sich ein jeder Schwätzer herausnehmen, andere Leute zu bevormunden. Wann sie aufstehen, was sie über Tag tun, vor welcher Art Fernseher sie sitzen. Was sie rauchen, was sie trinken.
Wenn wir in der Bundesrepublik von Gerechtigkeit reden, dann reden wir zu allererst vom Artikel 1 des Grundgesetzes. Und dort ist von Würde, nicht vom Wert die Rede, und es ist von dem Menschen die Rede, nicht von einer Gruppe, in der Menschen von interessierter Seite eingeteilt werden.
... also von Gerechtigkeit.
Das Wesen jeder Gerechtigkeit besteht doch darin, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird?
Das grundlegende Konstriktionsprinzip des heutigen Sozialstaates besteht doch darin, dass der 5o-jährige Maurer, der 55-jährige Ingenieur (jeweils mit 30, 35 Beitragsjahren) mit dem 25jährigen Junkie, mit dem bildungsunwilligen Migranten undundund in einen Topf geworfen wird, so dass die hier so reichlich vertretenen Meo-Liberalen und Neo-Feudalisten reichlich Beispiele für allerlei "Ge-Brauch", von solchen Leuten gern auch als "Miss-Brauch" bezeichnet.
Und da komme ich wieder auf den Begriff "Anstand" zurück:
Was beweist ein, zwei, hundert Beispiele - für den Einzelnen, für sein Schicksal?
Ein Beispiel beweist ... Nichts. Gar nichts.
Aber das "Gerechtigkeit gegen Jedermann üben" interessiert heute ja gar nicht mehr. Ein Eid, in dem Gott als Zeuge genommen wird, ist zu einer bedeutungslosen Lappalie verkommen.
Und darf sich ein jeder Schwätzer herausnehmen, andere Leute zu bevormunden. Wann sie aufstehen, was sie über Tag tun, vor welcher Art Fernseher sie sitzen. Was sie rauchen, was sie trinken.
Wenn wir in der Bundesrepublik von Gerechtigkeit reden, dann reden wir zu allererst vom Artikel 1 des Grundgesetzes. Und dort ist von Würde, nicht vom Wert die Rede, und es ist von dem Menschen die Rede, nicht von einer Gruppe, in der Menschen von interessierter Seite eingeteilt werden.
Ich selbst bin jedes Jahr auf mehreren Seminaren zur beruflichen Qualifikation. Wenn ich nur unser Ortsblättchen aufschlage, finde ich in jeder Ausgabe extrem günstige Angebote, gerade für die immer wieder verlangten Computerkurse. Wozu eigentlich? Es gibt Bücher, die kann man sich ausleihen!, lesen und des Gelesene ausprobieren. Ich kann mir auch selbst Grundlagen erarbeiten, wenn ich dies denn will. Wenn sich bei mir jemand mit einem Computerkurszertifikat bewerben würde, wäre ich schon mißtrauisch. Kann der sich nicht selbst weiterhelfen? Braucht der immer eine führende Hand?
Die Gretchenfrage: Warum macht der Lehrer, statt für 20 EUR/h zu arbeiten, nicht einfach selbst eine Firma auf und bietet die Leistungen eigenständig an?
mir nochmal so richtig zur Brust nehme, fällt mir dann doch noch mehr auf.
Einerseits erzählen Sie von massenhaft angebotenen Kursen im Amtsblatt, die die Arbeitssuchenden ja bitte besuchen könnten. Andererseits meinen Sie, Sie wären skeptisch, sobald sich Einer mit einem solchen Kurszertifikat bei Ihnen bewerben würde. Ja bitte, da haben wir schon den casus knaxus. Ich glaube, nichts weiter dazu sagen zu müssen. Man soll sich also weiterbilden - aber das Ergebnis ist sowieso egal, wenn nicht schädlich.
Zweiter Punkt, Weiterbildung nur durch eigene Anstrengung. Sie haben einen Punkt an ihrer schönen Theorie vergessen, nämlich die Praxis. Gesetzt den Fall, man bekäme all die schicken Programme, die in Unternehmen heute Mode sind, mal eben kostenfrei von irgendwoher. Wie bitte soll der geneigte Selbstbilder sich das Netzwerk dazu herholen. Tausende Kundendaten erfinden, nur um was zum "Ausprobieren" zu haben usw.
Von dem Wissen, was Dreiviertel des Jobs ausmacht, aber in keinem Buch steht, nicht zu reden.
Praxis kann nur im Arbeitsverhältnis erworben werden. Das heißt, man müsste erstmal reinkommen. Wer investiert heut noch in gescheite Einarbeitung neuer Kollegen (die immer notwendig ist, da können Sie Profi sein wie sie wollen)? Es sind die Fimen, die aus- und weiterbilden müssten. Wer stellt heut noch Lehrlinge ein? Das Ergebnis: Es werden Fachkräfte gesucht, die nicht vorhanden sind, weil kein Schwein den Aufwand und die Kosten von Lehrstellen eingehen wollte.
mir nochmal so richtig zur Brust nehme, fällt mir dann doch noch mehr auf.
Einerseits erzählen Sie von massenhaft angebotenen Kursen im Amtsblatt, die die Arbeitssuchenden ja bitte besuchen könnten. Andererseits meinen Sie, Sie wären skeptisch, sobald sich Einer mit einem solchen Kurszertifikat bei Ihnen bewerben würde. Ja bitte, da haben wir schon den casus knaxus. Ich glaube, nichts weiter dazu sagen zu müssen. Man soll sich also weiterbilden - aber das Ergebnis ist sowieso egal, wenn nicht schädlich.
Zweiter Punkt, Weiterbildung nur durch eigene Anstrengung. Sie haben einen Punkt an ihrer schönen Theorie vergessen, nämlich die Praxis. Gesetzt den Fall, man bekäme all die schicken Programme, die in Unternehmen heute Mode sind, mal eben kostenfrei von irgendwoher. Wie bitte soll der geneigte Selbstbilder sich das Netzwerk dazu herholen. Tausende Kundendaten erfinden, nur um was zum "Ausprobieren" zu haben usw.
Von dem Wissen, was Dreiviertel des Jobs ausmacht, aber in keinem Buch steht, nicht zu reden.
Praxis kann nur im Arbeitsverhältnis erworben werden. Das heißt, man müsste erstmal reinkommen. Wer investiert heut noch in gescheite Einarbeitung neuer Kollegen (die immer notwendig ist, da können Sie Profi sein wie sie wollen)? Es sind die Fimen, die aus- und weiterbilden müssten. Wer stellt heut noch Lehrlinge ein? Das Ergebnis: Es werden Fachkräfte gesucht, die nicht vorhanden sind, weil kein Schwein den Aufwand und die Kosten von Lehrstellen eingehen wollte.
Sie haben Recht. Es wurde in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Politik für die Unterschicht betrieben, wie liesse sich sonst erklären das sich immer mehr Menschen zur prekären Unterschicht zählen? Lohndumping, Zeitarbeit, Hartz4, 1 Eurojobs sind alles Bausteine die konsequent in diese Richtung führen. Und dazu noch das mediale Trommelfeuer von Sarazzin und Co. da geht doch was.
Und unter unserer "neuen" Regierung wird sich diese Entwicklung dynamisch fortsetzen.
... also von Gerechtigkeit.
Das Wesen jeder Gerechtigkeit besteht doch darin, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird?
Das grundlegende Konstriktionsprinzip des heutigen Sozialstaates besteht doch darin, dass der 5o-jährige Maurer, der 55-jährige Ingenieur (jeweils mit 30, 35 Beitragsjahren) mit dem 25jährigen Junkie, mit dem bildungsunwilligen Migranten undundund in einen Topf geworfen wird, so dass die hier so reichlich vertretenen Meo-Liberalen und Neo-Feudalisten reichlich Beispiele für allerlei "Ge-Brauch", von solchen Leuten gern auch als "Miss-Brauch" bezeichnet.
Und da komme ich wieder auf den Begriff "Anstand" zurück:
Was beweist ein, zwei, hundert Beispiele - für den Einzelnen, für sein Schicksal?
Ein Beispiel beweist ... Nichts. Gar nichts.
Aber das "Gerechtigkeit gegen Jedermann üben" interessiert heute ja gar nicht mehr. Ein Eid, in dem Gott als Zeuge genommen wird, ist zu einer bedeutungslosen Lappalie verkommen.
Und darf sich ein jeder Schwätzer herausnehmen, andere Leute zu bevormunden. Wann sie aufstehen, was sie über Tag tun, vor welcher Art Fernseher sie sitzen. Was sie rauchen, was sie trinken.
Wenn wir in der Bundesrepublik von Gerechtigkeit reden, dann reden wir zu allererst vom Artikel 1 des Grundgesetzes. Und dort ist von Würde, nicht vom Wert die Rede, und es ist von dem Menschen die Rede, nicht von einer Gruppe, in der Menschen von interessierter Seite eingeteilt werden.
(fast) ALLE! Die Tasache ist:
MEHR Geld hilft der Unterschicht nichts! Lesen Sie die treffende Analyse im STERN hier: "Das Wahre Elend"
http://www.stern.de/polit...
(fast) ALLE! Die Tasache ist:
MEHR Geld hilft der Unterschicht nichts! Lesen Sie die treffende Analyse im STERN hier: "Das Wahre Elend"
http://www.stern.de/polit...
wir kommen langsam in der Klassengesellschaft an. Wer kein Brot hat, soll gefälligst Kuchen fressen.
Im Ernst. Bewerben Sie sich mal und faseln dann was von "selber" weitergebildet, kein Zertifikat, keine Praxiserfahrung. Da lacht jeder Personaler.
Welchen Chef interessiert noch Weiterbildung? DIE Zeiten dürften vorbei sein, wo man auf Firmenkosten mit ein, zwei Kollegen im schicken Hotel ein kleines Seminar besucht (was nichts bringt, außer einer läppischen Urkunde, die das Papier nicht wert ist, auf dem sie gedruckt wurde). Klar, als Chef würd ich das auch nicht bezahlen.
Kniet sich der Angestellt privat in die Weiterbildung, wird er hinterher auch nicht belohnt. Ich rede aus Erfahrung, kenne Ex-Kollegen, die sich vom Steuerfachgehilfen aus eigener Anstrengung bis zum Steuerberater hochgelernt haben (eine starke Leistung!). Der Kommentar des Chefs? Schön für Sie!
Ein Punkt an der ganzen Sache ist richtig - und gleichzeitig das A und O:
Leistung muss sich wieder lohnen!
Solange sie das nicht tut, hat kein Mensch der "Unterschicht" einen Anreiz, seinen Hintern zu bewegen. Solange den Arbeitsämtern nichts Gescheiteres einfällt, als Kurse zur Floristik und dem Ein- und Ausschalten des PC anzubieten, wird sich daran auch nichts ändern.
Die Sache mit den Ich-AGs hat ja nun auch nicht wirklich was gebracht, oder worauf wollten Sie hinaus mit ihrem Lehrer, der sich selbständig macht? Ich glaube, es ging hier auch um Unterschichten, wozu Lehrer eher nicht gehören.
"Im Ernst. Bewerben Sie sich mal und faseln dann was von "selber" weitergebildet, kein Zertifikat, keine Praxiserfahrung. Da lacht jeder Personaler."
Sie haben prinzipiell natürlich recht, aber in Teilbereichen kann man da schon was machen, z.B. während der Arbeitslosigkeit ehrenamtlich als Systemadministrator im benachbarten Kindergarten aushelfen, Internet-Präsenzen aufbauen oder auch in der Autowerkstatt für schwer erziehbare Jugendliche als ehrenamtlicher Helfer mitarbeiten und sich so weiterqualifizieren (oder einfach nur im Beruf bleiben). Das kann man dann auch als Praxiserfahrung vorweisen und ich habe auch schon Personaler erlebt (insbesondere in mittelständischen Betrieben), die sowas honoriert haben.
"Solange den Arbeitsämtern nichts Gescheiteres einfällt, als Kurse zur Floristik und dem Ein- und Ausschalten des PC anzubieten, wird sich daran auch nichts ändern."
Diese Kurse sind ja auch nicht dazu da, Leute weiterzuqualifizieren (da gibt es ja tatsächlich empirische Untersuchungen, daß ein Bewerbungskurs bei der Arbeitsagentur die Chancen auf einen Job verschlechtert), sondern schön paritätisch aus dem Geld der Versicherung und Steuergeldern die Fortbildungseinrichtungen der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände zu alimentieren.
"Im Ernst. Bewerben Sie sich mal und faseln dann was von "selber" weitergebildet, kein Zertifikat, keine Praxiserfahrung. Da lacht jeder Personaler."
Sie haben prinzipiell natürlich recht, aber in Teilbereichen kann man da schon was machen, z.B. während der Arbeitslosigkeit ehrenamtlich als Systemadministrator im benachbarten Kindergarten aushelfen, Internet-Präsenzen aufbauen oder auch in der Autowerkstatt für schwer erziehbare Jugendliche als ehrenamtlicher Helfer mitarbeiten und sich so weiterqualifizieren (oder einfach nur im Beruf bleiben). Das kann man dann auch als Praxiserfahrung vorweisen und ich habe auch schon Personaler erlebt (insbesondere in mittelständischen Betrieben), die sowas honoriert haben.
"Solange den Arbeitsämtern nichts Gescheiteres einfällt, als Kurse zur Floristik und dem Ein- und Ausschalten des PC anzubieten, wird sich daran auch nichts ändern."
Diese Kurse sind ja auch nicht dazu da, Leute weiterzuqualifizieren (da gibt es ja tatsächlich empirische Untersuchungen, daß ein Bewerbungskurs bei der Arbeitsagentur die Chancen auf einen Job verschlechtert), sondern schön paritätisch aus dem Geld der Versicherung und Steuergeldern die Fortbildungseinrichtungen der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände zu alimentieren.
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