Koalitionsvertrag Wo bleibt die Gerechtigkeit?Seite 3/3

Das Ergebnis ist eine Gesellschaft, in der vor allem drei einander überlappenden Gruppen die Armut droht: den Geringqualifizierten, den Alleinerziehenden und den Migranten. Deren Kinder sind wiederum so sehr benachteiligt wie in wenigen vergleichbaren Ländern. Die Indizien:

Drei von vier Millionen neuen Einkommensschwachen kämen aus Migrantenfamilien, erklärte das ehemalige Institut für Wirtschaft und Gesellschaft von Meinhard Miegel im vorigen Jahr.

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Die OECD kommt zum Schluss, einer der wichtigsten Gründe für die neue deutsche Ungleichheit sei die wachsende Zahl Alleinerziehender. Jedenfalls hat sich in zehn Jahren die Zahl der Ein-Eltern-Familien von 1,3 Millionen auf 1,6 Millionen erhöht, von denen rund 40 Prozent mit Hartz IV leben.

Die EU setzt Deutschland bei den Berufschancen für Geringqualifizierte auf den drittletzten Rang. Schon vor der Krise waren mehr als 17 Prozent der Erwerbspersonen mit einfachem Bildungsniveau arbeitslos und nicht einmal vier Prozent der gut Ausgebildeten.

Vor allem aber ist die Unfairness in den Bildungskarrieren beunruhigend. Sie fängt früh an. Kinder aus ärmeren Familien gehen seltener in den Kindergarten. Beim Übergang aufs Gymnasium werden die Kinder aus Arbeiterhaushalten oft stark benachteiligt, und wenn sie Abitur machen, studieren sie seltener. Das Ergebnis: Vier von fünf Akademikerkindern gehen an die Uni, und nur eins von fünf Arbeiterkindern studiert. Allein mit Begabung lässt sich dieser Unterschied nicht erklären.

Jährlich fallen rund 150.000 Jugendliche ganz aus dem Fahrstuhl heraus, weil sie gar keine Ausbildung beginnen. Dieses Drama wurde in Deutschland anders als in den meisten Industrieländern zuletzt auch noch größer. Es ist schändlich, weil es unfair ist. Und es ist schädlich, weil die Volkswirtschaft mehr qualifizierte Arbeitnehmer braucht und weniger Transferempfänger.

Da ist sie, die große Gerechtigkeitsaufgabe – vom Kinderhort bis zur Weiterbildung. Vom frühesten Kindesalter an muss eine flächendeckende Betreuung angeboten werden. Viele Kindergärten brauchen eine bessere Ausstattung, um auch individuelle Hilfe zu leisten. Überall sollten Ganztagsschulen entstehen, die zudem die Mittel haben, um Begabungen zu erkennen und zu fördern. Der Weg zum Gymnasium muss auf gleichen Chancen gründen. Die Schulen sollten in einen fairen, aber echten Leistungswettbewerb miteinander treten. Sie brauchen die Mittel und Möglichkeiten, auf Einzelne einzugehen, gute Lehrer zu belohnen und schlechte weiterzubilden oder nicht einzustellen.

Über die Details wird zu Recht gestritten, aber eines ist deutlich: Zu wenig Betreuung für kleine Kinder, Schule nur am Vormittag, das Verlassen auf private Nachhilfe und allzeit präsente Eltern – all das setzt Kinder am unteren Ende der Gesellschaft zurück. Und das zu ändern kostet Geld.

Die Boston Consulting Group hat es nachgewiesen: Migrantenkinder zu fördern lohnt sich. Heute sind mehr als ein Drittel der erwachsenen Migranten ohne Berufsausbildung – gegenüber zwölf Prozent im Rest der Nation. Andererseits dürften der Volkswirtschaft bald Millionen Facharbeiter fehlen. Also fordern die Unternehmensberater den Staat auf, frühe Sprachförderung und eine kostenlose Vorschule zu finanzieren, Ganztagsschulen mit echtem pädagogischen Konzept und mehr Personal. Und nach der Schulzeit sollte es mehr Angebote zur beruflichen Qualifizierung geben. Mindestens fünf Milliarden Euro müssten jährlich investiert werden, um den Kindern der Einwanderer gleichwertige Bildungschancen zu schaffen, rechnen die Berater vor. Dann kommt es: Hielte man dieses Programm bis 2030 durch, würde der Staat sechsmal so viel Geld durch zusätzliche Einnahmen und den Wegfall von sozialen Hilfen gewinnen, wie er investieren müsste.

Mehr Gerechtigkeit kostet zunächst einfach Geld

Man muss nicht jede Zahl glauben, um zu sehen: Das Land muss in seine untere Schicht investieren, wenn es reicher werden will. Jedes Kind, das sich anstrengt und dann an die Glasdecke der Unterschicht stößt, bedeutet eine Niederlage. Und jedes, das sich gar nicht mehr anstrengt, auch.

Doch anders als bei den Steuern hielt die alte und hält die neue Koalition hier für ein großes Problem nur eine kleine Lösung bereit. Die Kleinkinderbetreuung wird langsam ausgebaut, die Bildungsausgaben gehen etwas nach oben, für die Weiterbildung gibt es ein paar Anreize, die Integration soll forciert werden. Der große Aufbruch, tunlichst mit den in weiten Teilen zuständigen Ländern, ist nicht erkennbar.

Dabei liegt doch auf der Hand: Die Einkommensteuern um zusätzliche 24 Milliarden Euro zu senken und die Bildungs- und Forschungsausgaben des Bundes um drei Milliarden Euro zu steigern – es passt nicht zusammen. Eine solche Steuersenkung würde die Bundesrepublik künftig unter einen enormen Sparzwang setzen, ohne dass die grundlegende und ökonomisch kostspielige Unfairness behoben werden könnte.

Da liegt die Dialektik für die neue Koalition und ihre Mehrheit im Bundesrat: Ohne Investition in die Gerechtigkeit muss jeder Versuch scheitern, den Staat zu verkleinern. Nur in einer Gesellschaft mit funktionierendem Fahrstuhl, die möglichst viele Talente fördert, lässt sich die Last des sozialen Staates senken, ohne einfach mehr Menschen der Armut zu unterwerfen.

 
Leser-Kommentare
    • gquell
    • 06.11.2009 um 8:06 Uhr

    Die neoliberalen Tigerenten vergessen sehr gerne, daß die "Leistungsträger" der Gesellschaft ohne Menschen, die ihnen zuarbeiten, gar nichts leisten können.
    Außerdem leisten wir uns eine Verschwendung an Potential, wenn wir in Deutschland nicht jedem Menschen die Möglichkeit eröffnen, sein eigenes Potential zu erkennen und optimal auszunutzen. Wie in Amerika der Traum vom "Tellerwäscher zum Millionär" brauchen wir einen Traum wie "vom Arbeiterkind zum Professor/Firmenchef".
    Wir tun viel zu wenig in der Grundbildung, d.h. Schule, Berufsausbildung, Studium, aber auch viel zu wenig in der Erwachsenenbildung. Viele Berufstätige wollen sich weiterbilden, finden aber kaum eine richtige Gelegenheit dazu. Es gibt einfach keine vernünftigen Bildungsangebote für Erwachsenen, die Volkshochschulen werden doch auch langsam aber sicher zurückgefahren. Das liegt zum einen daran, daß die Lehrer mit Hungerlöhnen von 20,-EUR abgespeist werden und sie nur als Freiberufler beschäftigt werden, die man schnell wieder entlassen kann. Zum anderen liegt es auch an den Geldgebern, die ihr Geld lieber in Großanbieter wie DEKRA, Kolping, etc.. versenken. Es ist schon seltsam, wenn ein z.B. Computerkurs mit 20 Personen für 300,-EUR (netto) pro Woche und Person der Arbeitsagentur berechnet wird und der Lehrer gerade einmal 800,-EUR der 6.000,-EUR erhält.
    Wir brauchen einfach ein neues Verhältnis zur Bildung und vor allem offene Wege zur Weiterbildung, d.h. Erwachsenenbildung.

  1. Ich möchte mich nicht dazu hinreißen lassen, alle Fehlinterpretationen im Artikel einzeln zu widerlegen. Daher meine Darstellung:

    In den letzten Jahrzehnten wurde nahezu ausschließlich Politik für die Unterschicht gemacht. Da ufert jetzt so aus, daß ganze Teile der Bevölkerung glauben, ein Recht auf immer mehr Transferleistungen <

  2. eil 2: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf drei Wochen Urlaub auf Mallorca, keinen Anspruch darauf, die Ergebnisse nicht vorhandener Familienplanung vom Staat finanzieren zu lassen, keinen Anspruch auf das jeweils neueste Fahrzeugmodell vor der Tür, keinen Anspruch, ohne jede Ausbildung, ohne den Wille zur Veränderung ein Leben zwar am unteren Level, aber eben doch auskömmlich zu führen. Und das Schlimmste, jeder der kommt, darf bleiben und mit immer mehr Familienangehörigen die Sozialkassen belasten.Gerechtigkeit ist dann gegeben, wenn der, der den Karren zieht, die Früchte seiner Arbeit zumindest so weit behalten darf, daß er das Gefühl hat, es habe sich gelohnt. Meine Oma meinte immer, Mitleid gibt es geschenkt, Neid muß man sich erarbeiten. Eben, ERARBEITEN, nicht auf dem Bürgermeisteramt abholen!

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    Sie haben Recht. Es wurde in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Politik für die Unterschicht betrieben, wie liesse sich sonst erklären das sich immer mehr Menschen zur prekären Unterschicht zählen? Lohndumping, Zeitarbeit, Hartz4, 1 Eurojobs sind alles Bausteine die konsequent in diese Richtung führen. Und dazu noch das mediale Trommelfeuer von Sarazzin und Co. da geht doch was.
    Und unter unserer "neuen" Regierung wird sich diese Entwicklung dynamisch fortsetzen.

    Gegenfrage: lohnt sich Knochenarbeit? Wohl kaum. Sie stellen Anforderungen, die Sie wahrscheinlich selbst niemals erfüllen möchten. Sicherlich entziehen Sie sich Arbeiten, die Sie selbst nicht ausführen würden. Dennoch ermöglichen diese Vorleistungen überhaupt eine wirtschaftliche Tätigkeit aufrecht zu halten, und bilden damit die Grundlage für die Gesamtwirtschaftsleistung. Das Leben ist keine akademische Frage, sondern konkret stofflicher Art. Wenn aber die Grundlagenarbeit eine der schlecht bezahltesten in Deutschland ist, während selbst ernannte "Leistungsträger" mittels Friktion eine uneinholbare Marktmacht aufbauen, kann die "Gerechtigkeitsdebatte" noch lange geführt werden, ändern wird sich nichts. Bildung kann helfen, muss aber nicht, Intelligenz war nie eine Frage der Bildung. Leistung kann sich nicht nur an der Vergütung messen. Die Wahrheit ist, dass viele "Leistungsträger" die Früchte fremder Arbeit genüsslich unter sich verteilen und die Verteilungsmodalitäten weiter verschärfen. Die bisher angekündigten Vorhaben der Bundesregierung bedeuten eine jährlich Umverteilung von 100 Milliarden Euro. Beitragsbemessungsgrenzen werden auch weiterhin die Rentensysteme aushebeln. Unter Einbezug von Steuern, Sozialabgaben, Konsum- und Sparneigung wird ein Einkommen von 40'000 Euro im Verhältnis gleich stark belastet wie eines von 400'000 Euro. Wer hats ermöglicht? Die Grundleger.

    Wenn Sie für Vollbeschäftigung mit ausreichendem Einkommen für ein Lebenswertes Leben sorgen! Wenn Sie das nicht können, dann sind Ihre ausführungen Unsinn!

    • Manu84
    • 06.11.2009 um 15:01 Uhr

    Ihre Oma hat Recht! Und da der Neid auf die, die kräftig abkassieren, ohne irgendwas geleistet zu haben, am größten ist, folgt daraus, dass diese am meisten geleistet haben. Sehr gut!

    Sie haben Recht. Es wurde in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Politik für die Unterschicht betrieben, wie liesse sich sonst erklären das sich immer mehr Menschen zur prekären Unterschicht zählen? Lohndumping, Zeitarbeit, Hartz4, 1 Eurojobs sind alles Bausteine die konsequent in diese Richtung führen. Und dazu noch das mediale Trommelfeuer von Sarazzin und Co. da geht doch was.
    Und unter unserer "neuen" Regierung wird sich diese Entwicklung dynamisch fortsetzen.

    Gegenfrage: lohnt sich Knochenarbeit? Wohl kaum. Sie stellen Anforderungen, die Sie wahrscheinlich selbst niemals erfüllen möchten. Sicherlich entziehen Sie sich Arbeiten, die Sie selbst nicht ausführen würden. Dennoch ermöglichen diese Vorleistungen überhaupt eine wirtschaftliche Tätigkeit aufrecht zu halten, und bilden damit die Grundlage für die Gesamtwirtschaftsleistung. Das Leben ist keine akademische Frage, sondern konkret stofflicher Art. Wenn aber die Grundlagenarbeit eine der schlecht bezahltesten in Deutschland ist, während selbst ernannte "Leistungsträger" mittels Friktion eine uneinholbare Marktmacht aufbauen, kann die "Gerechtigkeitsdebatte" noch lange geführt werden, ändern wird sich nichts. Bildung kann helfen, muss aber nicht, Intelligenz war nie eine Frage der Bildung. Leistung kann sich nicht nur an der Vergütung messen. Die Wahrheit ist, dass viele "Leistungsträger" die Früchte fremder Arbeit genüsslich unter sich verteilen und die Verteilungsmodalitäten weiter verschärfen. Die bisher angekündigten Vorhaben der Bundesregierung bedeuten eine jährlich Umverteilung von 100 Milliarden Euro. Beitragsbemessungsgrenzen werden auch weiterhin die Rentensysteme aushebeln. Unter Einbezug von Steuern, Sozialabgaben, Konsum- und Sparneigung wird ein Einkommen von 40'000 Euro im Verhältnis gleich stark belastet wie eines von 400'000 Euro. Wer hats ermöglicht? Die Grundleger.

    Wenn Sie für Vollbeschäftigung mit ausreichendem Einkommen für ein Lebenswertes Leben sorgen! Wenn Sie das nicht können, dann sind Ihre ausführungen Unsinn!

    • Manu84
    • 06.11.2009 um 15:01 Uhr

    Ihre Oma hat Recht! Und da der Neid auf die, die kräftig abkassieren, ohne irgendwas geleistet zu haben, am größten ist, folgt daraus, dass diese am meisten geleistet haben. Sehr gut!

    • Chali
    • 06.11.2009 um 8:20 Uhr

    Die wichtigere Frage ist doch

    Wo bleibt der Anstand?

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    • Chali
    • 06.11.2009 um 9:20 Uhr

    ... also von Gerechtigkeit.

    Das Wesen jeder Gerechtigkeit besteht doch darin, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird?

    Das grundlegende Konstriktionsprinzip des heutigen Sozialstaates besteht doch darin, dass der 5o-jährige Maurer, der 55-jährige Ingenieur (jeweils mit 30, 35 Beitragsjahren) mit dem 25jährigen Junkie, mit dem bildungsunwilligen Migranten undundund in einen Topf geworfen wird, so dass die hier so reichlich vertretenen Meo-Liberalen und Neo-Feudalisten reichlich Beispiele für allerlei "Ge-Brauch", von solchen Leuten gern auch als "Miss-Brauch" bezeichnet.

    Und da komme ich wieder auf den Begriff "Anstand" zurück:
    Was beweist ein, zwei, hundert Beispiele - für den Einzelnen, für sein Schicksal?
    Ein Beispiel beweist ... Nichts. Gar nichts.

    Aber das "Gerechtigkeit gegen Jedermann üben" interessiert heute ja gar nicht mehr. Ein Eid, in dem Gott als Zeuge genommen wird, ist zu einer bedeutungslosen Lappalie verkommen.

    Und darf sich ein jeder Schwätzer herausnehmen, andere Leute zu bevormunden. Wann sie aufstehen, was sie über Tag tun, vor welcher Art Fernseher sie sitzen. Was sie rauchen, was sie trinken.

    Wenn wir in der Bundesrepublik von Gerechtigkeit reden, dann reden wir zu allererst vom Artikel 1 des Grundgesetzes. Und dort ist von Würde, nicht vom Wert die Rede, und es ist von dem Menschen die Rede, nicht von einer Gruppe, in der Menschen von interessierter Seite eingeteilt werden.

    • Chali
    • 06.11.2009 um 9:20 Uhr

    ... also von Gerechtigkeit.

    Das Wesen jeder Gerechtigkeit besteht doch darin, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird?

    Das grundlegende Konstriktionsprinzip des heutigen Sozialstaates besteht doch darin, dass der 5o-jährige Maurer, der 55-jährige Ingenieur (jeweils mit 30, 35 Beitragsjahren) mit dem 25jährigen Junkie, mit dem bildungsunwilligen Migranten undundund in einen Topf geworfen wird, so dass die hier so reichlich vertretenen Meo-Liberalen und Neo-Feudalisten reichlich Beispiele für allerlei "Ge-Brauch", von solchen Leuten gern auch als "Miss-Brauch" bezeichnet.

    Und da komme ich wieder auf den Begriff "Anstand" zurück:
    Was beweist ein, zwei, hundert Beispiele - für den Einzelnen, für sein Schicksal?
    Ein Beispiel beweist ... Nichts. Gar nichts.

    Aber das "Gerechtigkeit gegen Jedermann üben" interessiert heute ja gar nicht mehr. Ein Eid, in dem Gott als Zeuge genommen wird, ist zu einer bedeutungslosen Lappalie verkommen.

    Und darf sich ein jeder Schwätzer herausnehmen, andere Leute zu bevormunden. Wann sie aufstehen, was sie über Tag tun, vor welcher Art Fernseher sie sitzen. Was sie rauchen, was sie trinken.

    Wenn wir in der Bundesrepublik von Gerechtigkeit reden, dann reden wir zu allererst vom Artikel 1 des Grundgesetzes. Und dort ist von Würde, nicht vom Wert die Rede, und es ist von dem Menschen die Rede, nicht von einer Gruppe, in der Menschen von interessierter Seite eingeteilt werden.

  3. Ich selbst bin jedes Jahr auf mehreren Seminaren zur beruflichen Qualifikation. Wenn ich nur unser Ortsblättchen aufschlage, finde ich in jeder Ausgabe extrem günstige Angebote, gerade für die immer wieder verlangten Computerkurse. Wozu eigentlich? Es gibt Bücher, die kann man sich ausleihen!, lesen und des Gelesene ausprobieren. Ich kann mir auch selbst Grundlagen erarbeiten, wenn ich dies denn will. Wenn sich bei mir jemand mit einem Computerkurszertifikat bewerben würde, wäre ich schon mißtrauisch. Kann der sich nicht selbst weiterhelfen? Braucht der immer eine führende Hand?

    Die Gretchenfrage: Warum macht der Lehrer, statt für 20 EUR/h zu arbeiten, nicht einfach selbst eine Firma auf und bietet die Leistungen eigenständig an?

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    mir nochmal so richtig zur Brust nehme, fällt mir dann doch noch mehr auf.

    Einerseits erzählen Sie von massenhaft angebotenen Kursen im Amtsblatt, die die Arbeitssuchenden ja bitte besuchen könnten. Andererseits meinen Sie, Sie wären skeptisch, sobald sich Einer mit einem solchen Kurszertifikat bei Ihnen bewerben würde. Ja bitte, da haben wir schon den casus knaxus. Ich glaube, nichts weiter dazu sagen zu müssen. Man soll sich also weiterbilden - aber das Ergebnis ist sowieso egal, wenn nicht schädlich.

    Zweiter Punkt, Weiterbildung nur durch eigene Anstrengung. Sie haben einen Punkt an ihrer schönen Theorie vergessen, nämlich die Praxis. Gesetzt den Fall, man bekäme all die schicken Programme, die in Unternehmen heute Mode sind, mal eben kostenfrei von irgendwoher. Wie bitte soll der geneigte Selbstbilder sich das Netzwerk dazu herholen. Tausende Kundendaten erfinden, nur um was zum "Ausprobieren" zu haben usw.

    Von dem Wissen, was Dreiviertel des Jobs ausmacht, aber in keinem Buch steht, nicht zu reden.

    Praxis kann nur im Arbeitsverhältnis erworben werden. Das heißt, man müsste erstmal reinkommen. Wer investiert heut noch in gescheite Einarbeitung neuer Kollegen (die immer notwendig ist, da können Sie Profi sein wie sie wollen)? Es sind die Fimen, die aus- und weiterbilden müssten. Wer stellt heut noch Lehrlinge ein? Das Ergebnis: Es werden Fachkräfte gesucht, die nicht vorhanden sind, weil kein Schwein den Aufwand und die Kosten von Lehrstellen eingehen wollte.

    mir nochmal so richtig zur Brust nehme, fällt mir dann doch noch mehr auf.

    Einerseits erzählen Sie von massenhaft angebotenen Kursen im Amtsblatt, die die Arbeitssuchenden ja bitte besuchen könnten. Andererseits meinen Sie, Sie wären skeptisch, sobald sich Einer mit einem solchen Kurszertifikat bei Ihnen bewerben würde. Ja bitte, da haben wir schon den casus knaxus. Ich glaube, nichts weiter dazu sagen zu müssen. Man soll sich also weiterbilden - aber das Ergebnis ist sowieso egal, wenn nicht schädlich.

    Zweiter Punkt, Weiterbildung nur durch eigene Anstrengung. Sie haben einen Punkt an ihrer schönen Theorie vergessen, nämlich die Praxis. Gesetzt den Fall, man bekäme all die schicken Programme, die in Unternehmen heute Mode sind, mal eben kostenfrei von irgendwoher. Wie bitte soll der geneigte Selbstbilder sich das Netzwerk dazu herholen. Tausende Kundendaten erfinden, nur um was zum "Ausprobieren" zu haben usw.

    Von dem Wissen, was Dreiviertel des Jobs ausmacht, aber in keinem Buch steht, nicht zu reden.

    Praxis kann nur im Arbeitsverhältnis erworben werden. Das heißt, man müsste erstmal reinkommen. Wer investiert heut noch in gescheite Einarbeitung neuer Kollegen (die immer notwendig ist, da können Sie Profi sein wie sie wollen)? Es sind die Fimen, die aus- und weiterbilden müssten. Wer stellt heut noch Lehrlinge ein? Das Ergebnis: Es werden Fachkräfte gesucht, die nicht vorhanden sind, weil kein Schwein den Aufwand und die Kosten von Lehrstellen eingehen wollte.

  4. Sie haben Recht. Es wurde in den letzten Jahrzehnten eine konsequente Politik für die Unterschicht betrieben, wie liesse sich sonst erklären das sich immer mehr Menschen zur prekären Unterschicht zählen? Lohndumping, Zeitarbeit, Hartz4, 1 Eurojobs sind alles Bausteine die konsequent in diese Richtung führen. Und dazu noch das mediale Trommelfeuer von Sarazzin und Co. da geht doch was.
    Und unter unserer "neuen" Regierung wird sich diese Entwicklung dynamisch fortsetzen.

    Antwort auf "Falsch! Teil 2"
    • Chali
    • 06.11.2009 um 9:20 Uhr

    ... also von Gerechtigkeit.

    Das Wesen jeder Gerechtigkeit besteht doch darin, dass Gleiches gleich und Ungleiches ungleich behandelt wird?

    Das grundlegende Konstriktionsprinzip des heutigen Sozialstaates besteht doch darin, dass der 5o-jährige Maurer, der 55-jährige Ingenieur (jeweils mit 30, 35 Beitragsjahren) mit dem 25jährigen Junkie, mit dem bildungsunwilligen Migranten undundund in einen Topf geworfen wird, so dass die hier so reichlich vertretenen Meo-Liberalen und Neo-Feudalisten reichlich Beispiele für allerlei "Ge-Brauch", von solchen Leuten gern auch als "Miss-Brauch" bezeichnet.

    Und da komme ich wieder auf den Begriff "Anstand" zurück:
    Was beweist ein, zwei, hundert Beispiele - für den Einzelnen, für sein Schicksal?
    Ein Beispiel beweist ... Nichts. Gar nichts.

    Aber das "Gerechtigkeit gegen Jedermann üben" interessiert heute ja gar nicht mehr. Ein Eid, in dem Gott als Zeuge genommen wird, ist zu einer bedeutungslosen Lappalie verkommen.

    Und darf sich ein jeder Schwätzer herausnehmen, andere Leute zu bevormunden. Wann sie aufstehen, was sie über Tag tun, vor welcher Art Fernseher sie sitzen. Was sie rauchen, was sie trinken.

    Wenn wir in der Bundesrepublik von Gerechtigkeit reden, dann reden wir zu allererst vom Artikel 1 des Grundgesetzes. Und dort ist von Würde, nicht vom Wert die Rede, und es ist von dem Menschen die Rede, nicht von einer Gruppe, in der Menschen von interessierter Seite eingeteilt werden.

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    (fast) ALLE! Die Tasache ist:
    MEHR Geld hilft der Unterschicht nichts! Lesen Sie die treffende Analyse im STERN hier: "Das Wahre Elend"
    http://www.stern.de/polit...

    (fast) ALLE! Die Tasache ist:
    MEHR Geld hilft der Unterschicht nichts! Lesen Sie die treffende Analyse im STERN hier: "Das Wahre Elend"
    http://www.stern.de/polit...

  5. wir kommen langsam in der Klassengesellschaft an. Wer kein Brot hat, soll gefälligst Kuchen fressen.

    Im Ernst. Bewerben Sie sich mal und faseln dann was von "selber" weitergebildet, kein Zertifikat, keine Praxiserfahrung. Da lacht jeder Personaler.

    Welchen Chef interessiert noch Weiterbildung? DIE Zeiten dürften vorbei sein, wo man auf Firmenkosten mit ein, zwei Kollegen im schicken Hotel ein kleines Seminar besucht (was nichts bringt, außer einer läppischen Urkunde, die das Papier nicht wert ist, auf dem sie gedruckt wurde). Klar, als Chef würd ich das auch nicht bezahlen.

    Kniet sich der Angestellt privat in die Weiterbildung, wird er hinterher auch nicht belohnt. Ich rede aus Erfahrung, kenne Ex-Kollegen, die sich vom Steuerfachgehilfen aus eigener Anstrengung bis zum Steuerberater hochgelernt haben (eine starke Leistung!). Der Kommentar des Chefs? Schön für Sie!

    Ein Punkt an der ganzen Sache ist richtig - und gleichzeitig das A und O:

    Leistung muss sich wieder lohnen!

    Solange sie das nicht tut, hat kein Mensch der "Unterschicht" einen Anreiz, seinen Hintern zu bewegen. Solange den Arbeitsämtern nichts Gescheiteres einfällt, als Kurse zur Floristik und dem Ein- und Ausschalten des PC anzubieten, wird sich daran auch nichts ändern.

    Die Sache mit den Ich-AGs hat ja nun auch nicht wirklich was gebracht, oder worauf wollten Sie hinaus mit ihrem Lehrer, der sich selbständig macht? Ich glaube, es ging hier auch um Unterschichten, wozu Lehrer eher nicht gehören.

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    • leudoc
    • 06.11.2009 um 9:37 Uhr

    "Im Ernst. Bewerben Sie sich mal und faseln dann was von "selber" weitergebildet, kein Zertifikat, keine Praxiserfahrung. Da lacht jeder Personaler."
    Sie haben prinzipiell natürlich recht, aber in Teilbereichen kann man da schon was machen, z.B. während der Arbeitslosigkeit ehrenamtlich als Systemadministrator im benachbarten Kindergarten aushelfen, Internet-Präsenzen aufbauen oder auch in der Autowerkstatt für schwer erziehbare Jugendliche als ehrenamtlicher Helfer mitarbeiten und sich so weiterqualifizieren (oder einfach nur im Beruf bleiben). Das kann man dann auch als Praxiserfahrung vorweisen und ich habe auch schon Personaler erlebt (insbesondere in mittelständischen Betrieben), die sowas honoriert haben.
    "Solange den Arbeitsämtern nichts Gescheiteres einfällt, als Kurse zur Floristik und dem Ein- und Ausschalten des PC anzubieten, wird sich daran auch nichts ändern."
    Diese Kurse sind ja auch nicht dazu da, Leute weiterzuqualifizieren (da gibt es ja tatsächlich empirische Untersuchungen, daß ein Bewerbungskurs bei der Arbeitsagentur die Chancen auf einen Job verschlechtert), sondern schön paritätisch aus dem Geld der Versicherung und Steuergeldern die Fortbildungseinrichtungen der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände zu alimentieren.

    • leudoc
    • 06.11.2009 um 9:37 Uhr

    "Im Ernst. Bewerben Sie sich mal und faseln dann was von "selber" weitergebildet, kein Zertifikat, keine Praxiserfahrung. Da lacht jeder Personaler."
    Sie haben prinzipiell natürlich recht, aber in Teilbereichen kann man da schon was machen, z.B. während der Arbeitslosigkeit ehrenamtlich als Systemadministrator im benachbarten Kindergarten aushelfen, Internet-Präsenzen aufbauen oder auch in der Autowerkstatt für schwer erziehbare Jugendliche als ehrenamtlicher Helfer mitarbeiten und sich so weiterqualifizieren (oder einfach nur im Beruf bleiben). Das kann man dann auch als Praxiserfahrung vorweisen und ich habe auch schon Personaler erlebt (insbesondere in mittelständischen Betrieben), die sowas honoriert haben.
    "Solange den Arbeitsämtern nichts Gescheiteres einfällt, als Kurse zur Floristik und dem Ein- und Ausschalten des PC anzubieten, wird sich daran auch nichts ändern."
    Diese Kurse sind ja auch nicht dazu da, Leute weiterzuqualifizieren (da gibt es ja tatsächlich empirische Untersuchungen, daß ein Bewerbungskurs bei der Arbeitsagentur die Chancen auf einen Job verschlechtert), sondern schön paritätisch aus dem Geld der Versicherung und Steuergeldern die Fortbildungseinrichtungen der Gewerkschaften und der Arbeitgeberverbände zu alimentieren.

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