Service Mehr Ehrlichkeit, weniger Rendite
Banken müssen den Verkaufsdruck verringern und gegen Honorar eine unabhängige Beratung bieten – nur dann vertrauen ihnen die Kunden wieder
Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger sagt, dass sie im Zuge der Finanzkrise erheblich an Vertrauen in die Banken verloren habe. Die Bürger werfen ihnen vor, ihr Vertrauen zu missbrauchen und sich mit den Provisionen für verkaufte Produkte eine goldene Nase zu verdienen, die Risiken einer Anlage nicht genügend transparent zu machen und manchmal selbst nicht mehr durchzublicken. Aus dem Bankbeamten von einst sei ein Produktverkäufer geworden, der auf Ziele und den Bedarf der Kunden nicht ausreichend eingehe.
Das sind harte Vorwürfe. Sie belegen, dass das Bankgewerbe Vertrauen zurückgewinnen muss. Zentral dafür ist das Privatkundengeschäft. Dort gibt es die mit Abstand meisten Kunden und Kontakte. Dort müssen künftig mehr Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit herrschen. Nur mit hohen Marketingetats, Anzeigen oder Werbefilmchen kommt das Vertrauen nicht zurück. Leistungen dürfen nur versprochen werden, wenn sie auch geliefert werden können. Unbequemes, wie die vielfältigen Interessenkonflikte zwischen Bank und Kunde, dürfen nicht verschleiert werden. Denn so bitter es ist: Viele der Vorwürfe treffen zu.
In zahlreichen Banken ist eine reine Verkaufskultur oder der hohe Druck der Hersteller von Finanzprodukten der bestimmende Faktor. Die Leistung der Bankberater wird oft nur noch an erwirtschafteten Erträgen und verkauften Stückzahlen gemessen. In den vergangenen Jahren ist daher die so wichtige Beziehung zwischen Kunde und Berater immer lockerer und konfliktreicher geworden. Die Banken haben sich auf einen immer härteren Preiskampf eingelassen, bei dem das Beratungsgespräch auf der Strecke blieb. Insbesondere im Alltagsgeschäft und im Onlinebanking ging es fast ausschließlich darum, mit Preisanreizen möglichst viel zu verkaufen. Die Folge: Zwei Drittel der Kunde-Bank-Kontakte laufen heute über Internet und Telefon.
Sogar das Beratungsgespräch in der Filiale trägt immer weniger zur Kundenbindung bei. Mehr als die Hälfte der deutschen Bankkunden ist nach einem Filialbesuch unzufrieden. Sie sind unsicher oder sogar misstrauisch, ob sie ihren Wünschen gemäß beraten wurden oder doch nur die Bankinteressen im Vordergrund standen. Das Ergebnis: Deutschlands Banken haben im Vergleich aller großen Industrieländer die niedrigste Kundenbindung.
Zwangsläufig rückt damit der Kundenberater in den Mittelpunkt. Beratung muss erstens besser und innerhalb des Bankbetriebs deutlich aufgewertet werden. Im Idealfall reduziert sie die Komplexität des Anlagegeschäfts für den Kunden. Dazu gehört auch, Erwartungen sehr sorgsam zu managen. Zweifellos wünscht sich jeder Kunde den Berater mit dem »goldenen Händchen«. Aber langfristig sind Ehrlichkeit und Mäßigung das bessere Geschäftsmodell. Wer überzogene Renditeerwartungen schürt, wird seine Kunden verlieren. Zweitens muss der Einfluss der Produzenten sinken. Für die Leistung eines Beraters müssen sein Ansehen bei den Kunden und deren Zufriedenheit mit der Beratung maßgebliche Kriterien sein, so wie Erträge und Stückzahlen.
Inhaltlich muss sich das Privatkundengeschäft wirklich auf den Bedarf der Kunden fokussieren. Großbritannien ist hier Vorreiter: Dort soll die unabhängige Finanzberatung zum Standard werden. Diese muss drei Kriterien genügen: offene Produktpalette, faire Marktanalyse und neutraler Rat. Das kostet Geld – und schreckt die Mehrheit der Kunden ab. In Deutschland haben einige Banken vergeblich versucht, derlei Konzepte einzuführen. Doch spätestens bei der Auswahl der Produkte kam durch die Hintertür wieder das Bankinteresse ins Spiel. Offenkundig waren die Anreizstrukturen nicht stimmig genug.
Dennoch, innerhalb der nächsten zehn Jahre werden die deutschen Banken ein dreigliedriges Beratungsmodell anbieten: Eine unabhängige Beratung gegen Honorar, Beratung über individuelle Anlagekonzepte für vermögendere Kunden und die Produktberatung. Letztere wird auch künftig den weitaus größten Teil des Geschäfts ausmachen – und gerade deshalb den Kunden offen kommunizieren müssen, dass sie nicht unabhängig ist.
Performancestarke Standardangebote haben zuletzt eine gewaltige Wucht entwickelt. Aber nicht nur das Beispiel der Lehman-Zertifikate zeigt, dass sie gefährliche Nebenwirkungen haben können. Anlageprodukte dürfen keine verborgene Überraschung enthalten und erst für die Beratung freigegeben werden, wenn sie einen bankinternen TÜV durchlaufen haben. Zudem ist es höchste Zeit, den Druck von Kampagnen zu lockern: Versteht der Bankberater ein Produkt nicht oder ist er davon nicht überzeugt, handelt er verantwortungsvoll, wenn er es seinen Kunden nicht empfiehlt – wie lohnend das Produkt für die Bank auch sein mag. Kurzfristig kostet das Erträge, langfristig schafft es Vertrauen und damit zufriedene Kunden und neue Geschäftschancen. Der weiter existierende Zwiespalt zwischen Verkaufszielen und kundenorientierter Beratung kann dabei nur »von oben« – durch klare Botschaften der Führung – gelöst werden.
Privatkundengeschäft kann auch in Deutschland sehr rentabel sein. Profitiert haben davon bisher in erster Linie die Eigentümer der Banken, weniger aber Kunden, Mitarbeiter und Gesellschaft. Das muss sich ändern. Das bedeutet zwar, dass die Renditen des Bankgeschäfts sinken – dass es dafür aber umso nachhaltiger ist.
- Datum 15.03.2010 - 17:17 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 05.11.2009 Nr. 46
- Kommentare 8
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Unabhängige Beratung durch Banken ist ein Witz und noch dazu ein schlechter.
Der einzig gute Rat ist, keinem Berater zu trauen. Jeder sollte nur die Geschäfte tätigen, die er selbst durchschaut. Sich beraten zu lassen heißt den Kopf in eine Schlinge zu stecken.
Ein Hase der einem Fuchs vertraut... erinnert mich an eine geschichte aus Kindertagen.
Es ist offensichtlich das die Banken unser bestes wohlen. Eine Beraterin einer Bank hat mich mal so beraten wollen: "Sie haben Girokonten bei anderen Banken: Die müßten Sie dann kündigen" da bin ich wieder gegangen. Ich denke mir, das solche Leute mit meinem Geld nicht gerecht umgehen werden außer es ist vertraglich oder gesetzlich exakt geregelt. Sie werden sich immer zu ihrem Vorteil verhalten. Ohne wenn und aber berechnen Banken wie ein Computer die Vor- und Nachteile und die Kunden als Person sind denen Schlichtweg egal. Die Bank hat keine Gewissen und keinen Geist. Ehrlichkeit und Transparenz wird nicht durch das lamentieren von Herrn Herbert Walter erzeugt, sondern nur durch knallharte Gesetze im Sinne der Kunden. Er selber hätte ja mal nachdenken sollen in was für einem Verein er sich efindet. Mit Verlaub ein echter Witzbold! Und unglaubwürdig noch dazu, da er selbst so ein System mitgetragen hat. Was bildet er sich jetzt ein was von Ehrlichkeit zu fasseln, wenn er selbst solche Vermarktungskampanien geduldet hat damals als Vorstandsvorsitzende und auch die Verantwortung trug. Und außerdem erst !NACH! Bekanntwerden Ende März, verzichtete er selbst auf große Abfindungen bei seiner Entlassung (siehe Wikipedia, Dresdner Bank) und jetzt redet er sowas. Scheinheiliger gehts nicht oder? Lassen sie es gut sein Herr Walter. Sie sind Teil des Problems. Banken sind Werkzeuge und haben keine inneren Werte es sind Geldmaschinen und wir sollten sie wieder dazu degradieren.
Dass ausgerechnet der Mann, der die "Beraterbank" 2000 bis 03 in einer Zeit unmoralischen Geschäftsgebarens vertrat jetzt "bessere Beratung" und Verzicht auf Marge fordert ist total unglaubwürdig. Jahrzehntelang wurde Beratung von Bankern nicht ernst genommen, bzw. nur Richtung provisionsorientierter Verkauf betrieben.
Die jüngste Zeit nach dem Crash zeigt, dass sich das alte Gebaren schon wieder voll etabliert hat. Die meisten Banken schnüren wieder Pakete mit hochriskanten Anlageformen, vgut hinter vertrauenserweckenden Bezeichnungen versteckt und von Mitarbeitern angepriesen, die selbst gar nicht wissen, was sie da verkaufen. Zahlreiche Reportagen haben dies jüngst gezeigt. Die provisionsorientierte Bezahlung der "Kundenberater" war schliesslich ein probates Mittel, aus lethargischen "Sachbearbeitern" durch Druck emsige Verkäufer zu machen und die Profitabilität entscheidend zu erhöhen, auch auf Kosten der Bankkunden natürlich. Oder wie sollen sonst Renditen, wie sie Hr. Ackermann fordert mit normalem Wirtschaften erreicht werden?
Wenn Herr Walter jetzt mit der Moral daher kommt ist das sicher so wirksam, wie wenn der Pfarrer/Pastor seiner Gemeinde ein sündenfreies Leben predigt - letztlich eher reine Imagepflege, um das vergrätzte Melkvieh wieder anzulocken.
Ich zahle garantiert keinem "unabhängigen" Bankberater auch noch Gebühren dafür, dass er mir die z. T. minderwertigen Produkte andreht, die den Gewinn der Bank am meisten erhöhen und dann nachher so tut, als hätte er keinerlei Verantwortung für seine Beratungsleistung.
Das Thema "Beratung" und "Vertrauen" ist für mich im Zusammenhang mit Banken endgültig erledigt. Selbst aus der Finanzkrise, die sie selbst verursacht haben, haben die Banken noch reichlich Gewinn gezogen.
Zitat walter : "Dort müssen künftig mehr Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit herrschen."
Das Wörtchen "mehr" beweist
Es ist nicht einmal im Ansatz ein Wille zur Besserung da,
nur der Wille zu verbesserter Täuschung
"Neutrale Beratung" versprechen alle, mit vertrauenheischendem Lächeln und vollmundigen Versprechungen wie die MLM-Drückerkolonnen, bei denen der Kunde die Hauptrolle spielt, aber wie im PC-Spiel "Moorhuhn". AWD und OVB "beraten" mit ungeschultem Personal, das schnell wechselt, die Banken sind kaum besser, tarnen aber geschickter.
Was will uns Herr Walter also mit beschwörenden Gesten sagen?
1. Die Banker haben verstanden, daß der Schwindel aufgeflogen ist.
2. Sie haben sich gebessert haben, obwohl das Personal dasselbe ist.
Für wie blöd hält man uns?
Kundentäuschung kann auch Unterhaltungswert haben. Gestern sagte Goldman-Sachs-Chef Blankfein Interview wörtlich, die Banken würden "Gottes Werk" verrichten.
Ackermann ist im Namen des Herrn unterwegs, daher der dunkle Anzug, er ist Elwood Blues von den Blues Brothers, (ohne Musik und Anstand).
Für Commerzbank-Apostel gilt das Bibelwort: "Verbrennet die Steuergelder auf daß sie nicht den Armen anheim fallen!"
George Soros ist ein Heiliger, denn er kann mit Milliarden Dollar reden wie Franz von Assisi mit den Tieren, macht dabei aber Milliarden Menschen arm.
Bad Banks sind Klöster der Demut, an die wir unsere Almosen in großen Scheinen abführen.
Die Citigroup handelt im Sinne der Bergpredigt, indem sie die "Speisung der Fünf Manager" vornimmt, mit dem Geld von fünf Millionen Kunden.
Der Papst könnte ja vom Bundesverband Deutscher Banken gestellt werden. Wir sind doch eh Papst, denn wir haben die Aktienmehrheit!
die meisten Autoren keine Stellung beziehen und auf die Kommentare hier Antworten.... aber so wird das wohl immer sein... er ist halt was besseres... letztlich bleibt er bei seiner Meinnung und es ist wieder mal alles für die Katz und so dreht sich der Mist weiter...
... selber so viele Infos zur geplanten Geldanlage einholen wie möglich. Wenn man sich dann beraten lässt, kann man sich direkt eine Meinung bilden. Soll Tagesgeld angelegt werden, hilft http://www.die-tagesgeld-... weiter. Vergleiche sollten auch immer durchgeführt werden. Denn auch damit verschafft man sich einen Überblick über die Angebotspalette.
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