CSU "Wirst du noch gebraucht?"

Vor einem Jahr endete die Karriere des damaligen CSU-Vorsitzenden Erwin Huber. Ein Gespräch über das Leben nach dem Sturz und die Krise der CSU.

Edmund Stoiber pendelt weiter zwischen München, Berlin und Brüssel. Günther Beckstein war gerade im Himalaya wandern, ein Jugendtraum. Und Erwin Huber? Der 63-Jährige begrüßt die Besucher in seinem kleinen Büro im Bayerischen Landtag, ein Freitagnachmittag im Oktober, auf dem Tisch liegt eine Zeitschrift mit der Schlagzeile »Wer wird was in Berlin?«. Vor vier Jahren wäre Huber fast Chef des Kanzleramtes geworden, Angela Merkel hatte ihn gefragt. Später wurde er CSU-Chef. Heute, ein Jahr nach seinem Rücktritt, ist Huber aus dem Rennen. Ein Ehemaliger, der dennoch weitermacht – als Abgeordneter und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag.

Die ZEIT: Herr Huber, wie haben Sie den Tag der Bundestagswahl, den 27. September, erlebt?

Erwin Huber: Ich habe bei mir zu Hause, im Mittelpunkt der Welt, in Reisbach in Niederbayern, meine Partei gewählt und bin am späteren Nachmittag nach München zu unserer Wahlparty gefahren. Ich kannte die ersten bundesweiten Zahlen schon vor 18 Uhr und war frohgemut, dass es für Schwarz-Gelb reichen würde. Doch dann war das bayerische CSU-Ergebnis wie ein Schock für mich.

ZEIT: Trotz Ihres Sturzes ist es für Sie immer noch selbstverständlich an einem solchen Abend in München dabei zu sein?

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Huber: Ja, das ist für mich selbstverständlich. Ich lebe inmitten meiner Partei und möchte auch präsent sein.

ZEIT: Ein Jahr zuvor hatten Sie als CSU-Chef ein Debakel bei der Landtagswahl erlebt. Ist man als Politiker im Inneren auf eine solche Niederlage vorbereitet? Hatten Sie vor dem Wahltag einen Plan B im Kopf, für den Fall, dass es richtig schiefgeht?

Huber: Ich hatte damals keinen solchen Plan, überhaupt nicht. Und ich glaube, dass keiner von uns Politikern auf ein solches Ergebnis wirklich vorbereitet ist. Schauen Sie, zum Wahlkampf gehören Optimismus, Motivieren und Mitreißen, das führt zu einer Art von Suggestion, man lebt also mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele in dieser besonderen Welt. Sie sind im Wahlkampf ja auch vorwiegend von Anhängern umgeben, man hat das Gefühl, das läuft doch gut.

ZEIT: Das bekannte Phänomen: Alle Politiker sagen im Wahlkampf, es läuft alles bestens.

Huber: Das ist nicht gelogen. Der Politiker gibt seine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke wieder. Aber das ist kein objektives Bild.

ZEIT: Ist das nicht problematisch, wenn Politiker die Stimmung im Lande nicht richtig mitbekommen – Sie sagen sogar: nicht mitbekommen können?

Huber: Ja, ein Problem. Natürlich liest man jeden Tag Zeitungen, und natürlich bekommt man die Umfrageergebnisse, die 2008 bis wenige Tage vor der Wahl gut waren. Und Sie müssen Selbstbewusstsein ausstrahlen, Sie müssen begeistern. Wie soll das gehen, wenn man als Fragezeichen vor die Wahlversammlungen tritt? 

ZEIT: Und dann kommt der Moment der Wahrheit: Das Ergebnis der Wahlen. Die CSU erreichte bei der Landtagswahl 2008 für bayerische Verhältnisse bis dahin unvorstellbare 43,4 Prozent.

Huber: Mich hat das getroffen wie ein Hagelschlag, wie ein Blitz. Das schmerzt sehr stark. Man weiß, man muss das erst mal verarbeiten, bewältigen, aber hat eben nicht die Zeit dafür.

ZEIT: Denn draußen warten die Kameras.

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