CSU "Wirst du noch gebraucht?"Seite 4/4

Huber: Keiner kann sich von Mitverantwortung freisprechen. Aber sowenig es richtig war, nach der Landtagswahl Huber und Beckstein für alles verantwortlich zu machen, so falsch wäre es nun, alles Horst Seehofer in die Schuhe zu schieben. Die Strategie im Bundestagswahlkampf war gewiss nicht immer hilfreich. 

ZEIT: Wie fällt heute Ihr Blick auf Stoiber aus?

Huber: Edmund Stoiber hat für Bayern und die CSU Enormes geleistet. Ich sehe seine Zeit als Ministerpräsident in zwei Abschnitten. Bis 2003 hat er unserer Politik eine Vision gegeben, Stichwort Laptop und Lederhose. Hightech und Bayern – das sind dank Stoiber Synonyme geworden. 1993 bis 2003 war ein großartiges Jahrzehnt. Doch leider hat die Kanzlerkandidatur 2002 und der Wahlsieg 2003 Edmund Stoiber verändert. Es gab weniger Kommunikation, weniger Mannschaftsgeist, es gab mehr einsame Beschlüsse und deswegen Irritationen. Aber es wäre viel zu billig, dies nur Edmund Stoiber vorzuwerfen. Wir von der Parteispitze haben ihn wegen seiner Erfolge in diese absolute Machtposition hineinwachsen lassen. Stoiber wurde mächtiger als Franz Josef Strauß. Wir haben alles Wichtige an ihn delegiert. Dies ist dann letztlich ein Teil unseres Verhängnisses geworden. Dazu kam das Hin und Her, Umzug nach Berlin und schließlich die nicht erklärbare Kehrtwende, er bleibe doch in Bayern. Das hat sehr geschadet.

ZEIT: Dachten Sie irgendwann: Stoiber muss weg?

Huber: Nein. Um es ganz konkret zu sagen: Ich bin einer der Mitverfasser des Präsidiumsbeschlusses vom Januar 2007 gewesen, mit dem wir Edmund Stoiber das Vertrauen ausgesprochen haben. Wir wollten mit ihm in die Zukunft. Das war meine felsenfeste Überzeugung, als ich zu der berühmten Klausurtagung nach Kreuth fuhr. Dort war dann alles anders, ich wurde überrascht von der Aggressivität und dem aufgestauten Frust. Die Abgeordneten brachten die Stimmung aus dem Volk mit. Da hat sich dann vieles verselbstständigt.

ZEIT: Der Rücktritt von Stoiber…

Huber: …war wie so vieles letztlich eine einsame Entscheidung von ihm selbst, er hat uns eine halbe Stunde vor der Presse informiert.

ZEIT: Wann sind Sie eigentlich zum ersten Mal Karl-Theodor zu Guttenberg begegnet?

Huber: Das weiß ich noch sehr genau, es war im Landkreis Lichtenfels bei einer Kundgebung im Herbst 2005. Ich war damals Minister, und er hat ein Grußwort gesprochen. Er ist mir aufgefallen, weil er eine originelle, klare, von Schablonen freie Sprache geführt hat. Da habe ich mir gedacht, na, das ist zwar alter Adel, aber ein ganz frischer Kopf.

ZEIT: Guttenberg stammt aus einer alten Adelsfamilie, Sie sind als uneheliches Kind einer Witwe auf einem Bauernhof groß geworden…

Huber: Ja, ja, er kommt von oben, ich komme von unten. Der Zugang zu Politik und Gesellschaft ist ein völlig anderer. Das zu ermöglichen ist übrigens eine starke Leistung einer Volkspartei. Wenn man sich vorstellt, dass aus dem Einödbauernbuben Erwin Huber, 1946 geboren irgendwo in einem Nest in Niederbayern, einmal ein Minister und Parteivorsitzender wird – das hätte keiner für möglich gehalten, ich am allerwenigsten. Dass ein Karl-Theodor zu Guttenberg mal Minister wird – das war abzusehen.

Das Gespräch führten Matthias Krupa und Stephan Lebert

 
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