General Electric

»Wir Manager werden verspottet«

Jeffrey Immelt, der Chef des amerikanischen Konzerns General Electric, über das ramponierte Ansehen der Wirtschaftslenker, launenhafte Börsen und seine Hoffnung auf das große Geschäft mit Gesundheit und grüner Energie

Mitarbeiter im Europäischen Forschungszentrum von General Electric in München arbeiten an einem Sonnenkollektor

Mitarbeiter im Europäischen Forschungszentrum von General Electric in München arbeiten an einem Sonnenkollektor

DIE ZEIT: General Electric (GE) war einmal das wertvollste Unternehmen der Welt. Bei Ihrem Antritt als Konzernchef war es an der Börse mehr als 400 Milliarden Dollar wert, heute sind es nur noch 156 Milliarden. Was ist schiefgelaufen?

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Jeffrey Immelt: Unser Börsenwert hängt sehr stark davon ab, wie die Anleger unser Geschäft mit Finanzdienstleistungen bewerten. In den neunziger Jahren ist der Aktienkurs unglaublich stark gestiegen. Damals hat das Unternehmen Gewinne erzielt, die sich in zehn Jahren auf 65 Milliarden Dollar summierten. In der jetzigen Dekade hat GE bereits 170 Milliarden Dollar verdient, also fast dreimal so viel. In den Kursen spiegelt sich dieser Gewinnanstieg aber nicht wider. Die Aktie hat sich nicht so entwickelt, wie wir das gerne hätten.

ZEIT: GE war lange Zeit eine Kathedrale des Shareholder-Values. Hat dieses Konzept ausgedient?

Immelt: Ich bin immer noch ein Anhänger dieser Idee und werde es wahrscheinlich auch immer bleiben. Der Wert entsteht dadurch, dass man die Kunden mit großartigen Produkten und Dienstleistungen zufriedenstellt. Wir machen das auf verantwortliche Weise und über einen langen Zeitraum. Das sollte sich ebenso in einem Shareholder-Value niederschlagen, wie es sich in einem Wert für die Mitarbeiter niederschlägt.

ZEIT: Tut es aber nicht.

Immelt: Schauen Sie, in diesem schwierigen Jahr, mit einer geradezu brutalen Wirtschaftslage, wird das Unternehmen etwa so viel Geld verdienen wie zu der Zeit, als unsere Aktie auf ihrem Rekordhoch notierte. Das wird eines Tages auch wieder anerkannt werden.

China investiert mehr Geld in Windenergie als die USA. Es ist ja nicht so, dass die einfach abwarten und auf uns gucken. Die Welt wird sich auch ohne unser Land bewegen

Jeffrey Immelt

ZEIT: Das ist ein schwacher Trost für die Aktionäre, die mit GE-Aktien viel Geld verloren haben.

Immelt: Das Management kann am ehesten steuern, wie sich die Erträge des Unternehmens entwickeln. Die waren ziemlich ansehnlich. Ich will aber auch nicht behaupten, dass wir nichts falsch gemacht hätten.

ZEIT: Warren Buffett hat in der Krise GE-Aktien für drei Milliarden Dollar gekauft. Glauben Sie, dass der legendäre Investor mit der Wertentwicklung zufrieden ist?

Immelt: Warren kennt das Unternehmen gut. Sonst hätte er gar nicht in uns investiert. Er weiß, wie gut wir im industriellen Geschäft dastehen, ob es um Luftfahrt, den Gesundheitsmarkt oder um Energie geht. Wir sind auf vielen Feldern Weltmarktführer und in allen Ländern präsent, auf die es ankommt.

Jeffrey Immelt
Jeffrey Immelt

Der 53-Jährige steht seit September 2001 an der Spitze von General Electric. Der studierte Mathematiker und Betriebswirt arbeitete seit 1982 auf zahlreichen Positionen für den weltweit tätigen US-Konzern, in dem schon sein Vater als Flugzeugingenieur beschäftigt gewesen ist. Seine Frau Andrea lernte er bei GE kennen. Immelt fing im Marketing an, machte eine Karriere in der Kunststoffsparte und leitete den Hausgerätebereich. Von 1997 bis 2000 war er Chef der Sparte für Medizintechnik, die zu dieser Zeit mit einem Umsatz von acht Milliarden US-Dollar Weltmarktführer war. Der Manager engagiert sich überdies in den Vorständen von Catalyst, einer Organisation, die Frauen im Geschäftsleben fördert, und der Robin Hood Foundation, die sich um Arme in New York City kümmert. Immelt ist Mitglied der Republikanischen Partei.

ZEIT: Der Umsatz und die Aufträge sind im dritten Quartal um ein Fünftel gefallen. Ist GE ein schrumpfender Konzern?

Immelt: Bei den Finanzdienstleistungen von GE Capital schrumpfen wir definitiv. Da hat uns die Krise auf verschiedene Weise getroffen, wir hatten Ausfälle bei den Krediten, und wir mussten die Refinanzierung umstellen. Wir werden die Bilanz bei GE Capital um rund 200 Milliarden Dollar verkleinern. Im Industriegeschäft ist unser Gewinn aber selbst im vergangenen Quartal um vier Prozent gestiegen. Wir sind eines der wenigen Unternehmen, die so etwas von sich sagen können. Und unsere Marke ist die viertwertvollste auf der Welt.

ZEIT: Wäre es nicht vernünftig, das Finanzgeschäft abzuspalten?

Immelt: Das schließe ich aus. Es stimmt, dass sich das Finanzgeschäft negativ auf unseren Aktienkurs auswirkt. Es ist eine extrem schwierige Zeit. Aber grundsätzlich bleiben Finanzdienstleistungen ein gutes Geschäft. Während wir dafür künftig mehr Kapital einsetzen und mit stärkerer Regulierung leben müssen, werden wir es auch mit weniger Wettbewerbern zu tun haben. Die Welt braucht Kapital, und wir können es in einer ganz speziellen Weise anbieten. Wir haben einen sehr starken Cashflow in unserem Industriegeschäft. Dadurch ist es uns möglich, zu sehr niedrigen Zinsen Geld aufzunehmen, das wir dann zu höheren Sätzen verleihen. So machen wir Gewinn. Ich glaube, dass dieses Geschäftsmodell weiter funktioniert. Gerade bei speziellen Diensten wie dem Flugzeugleasing sind wir besser als regionale Banken. Und die Expertise, die wir auf den Finanzmärkten haben, hilft uns auch in unseren industriellen Geschäften.

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Leser-Kommentare

    • 10.11.2009 um 22:53 Uhr
    • frizzi

    Ein höchst interessantes Interview, das ich so in keiner anderen Zeitung erwartet hätte.

    Was für ein Beweis, dass auch der "Anglo-Amerikanische Kapitalismus" grün wird, oder besser gesagt, sich ein grünes Antlitz zu geben versucht.

    Die Welt ändert sich doch, und das so mitzubekommen, ist einfach schön.

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      wedge antilles

    Ich finde es einfach abschäulich mitzubekommen, anhand welcher Kriterien über das Wohl und die Zukunft dieses Planeten enschieden wird: Absatzmärkte, Margen, Shareholder Value.

    Etwas schönes kann ich diesem Interview wirklich nicht entlocken.

  1. 2.

    Ich finde es einfach abschäulich mitzubekommen, anhand welcher Kriterien über das Wohl und die Zukunft dieses Planeten enschieden wird: Absatzmärkte, Margen, Shareholder Value.

    Etwas schönes kann ich diesem Interview wirklich nicht entlocken.

    • 11.11.2009 um 3:32 Uhr
    • Nopp

    Er sagt:"...Im Moment werden wir Manager allesamt verspottet oder verachtet. Die Menschen stehen den großen Konzernen skeptisch gegenüber. Das ist in der Krise einfach so. Im Moment gelten wir Wirtschaftslenker als die Schuldigen, und jede Geschichte braucht einen Bösewicht..."
    Er macht es sich ziemlich einfach: Erst alles vergeigen und dann sagen wenn sich jemand beschwert das ist der Lauf der Dinge. NA DANKE!
    Keine Spur von Verantwortungsbewußtsein. Unverschämtheit. Jetzt erst mit "green investing" loslegen. Das hätten die auch vor Jahren schon machen können, aber jetzt erst ist der Druck hoch genug. Im Gegensatz zu manchen europäischen Firmen wie z.b.: Otto die schon etwas früher mit "green investing" angefangen haben.

    Da klingt der Satz "Wir machen das auf verantwortliche Weise und über einen langen Zeitraum..." wie blanker hohn, allein weil GE schon den Housatonic River mit mehr 100000 Tonnen PCB verschmutzt hat und deswegen zu einer Strafe von 250 Millionen Dollar verknackt worden ist (Siehe Wikipedia, Englische Version) und was im Hudson River zwischen 47 und 77 passiert ist, kann man da auch nachlesen. Ja GE handelt verantwortlich über einen langen Zeitraum. GENAU!

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    Das war schon immer so.

    Gewinne dienen dem Shareholder-Value, die Sanierungen von Gift- und Atommüll-Deponien zahlen wir. Für sowas sind BürgerInnen ja da.

    Sogar die Finanzbranche hat dieses Prinzip für sich entdeckt: Wir zahlen für deren Dreck in Form von HRE und anderen Schrottbanken, die Gewinne landen bei den Aktionären von Deutsche Bank und Co.

    So geht sowas. Das nennt sich Demokratie und Freie Marktwirtschaft.

  2. Das war schon immer so.

    Gewinne dienen dem Shareholder-Value, die Sanierungen von Gift- und Atommüll-Deponien zahlen wir. Für sowas sind BürgerInnen ja da.

    Sogar die Finanzbranche hat dieses Prinzip für sich entdeckt: Wir zahlen für deren Dreck in Form von HRE und anderen Schrottbanken, die Gewinne landen bei den Aktionären von Deutsche Bank und Co.

    So geht sowas. Das nennt sich Demokratie und Freie Marktwirtschaft.

    • 11.11.2009 um 7:37 Uhr
    • Chali

    "Im Moment werden wir Manager allesamt verspottet oder verachtet"

    Welche Sensibilität! Hätte man den Jungens ja gar nicht zugetraut. Es sit eben doch etwas anderes, wenn es sich um Menschen mit Guten Genen handelt, oder um ... na ja. Die Anderen halt.

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