General Electric »Wir Manager werden verspottet«Seite 3/3

ZEIT: Fehlt es an politischem Willen?

Immelt: Ich habe von meinen deutschen Managerkollegen gehört, dass die Bundeskanzlerin sie auf ihre Auslandsreisen mitnimmt. Das hat es bei einem amerikanischen Präsidenten niemals gegeben.

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ZEIT: Sie haben einmal davon gesprochen, dass sich das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Staat durch die Krise verändert habe.

Immelt: Solange ich im Beruf bin, hat der Staat niemals eine größere Rolle in der Wirtschaft gespielt. Hätte man mich früher nach Washington eingeladen, hätte ich gar nicht gewusst, was ich da sollte. Das hat sich geändert. Der Einfluss der Regierungen ist heute überall viel größer, nicht nur in den USA, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt. Ob es um das Gesundheitswesen geht oder die Finanzwirtschaft oder Energiefragen. Das scheint mir ein grundlegender Wandel zu sein, auf den wir Manager uns einstellen müssen. Ich bin ein Republikaner und glaube an freie Märkte, aber die Spielregeln sind jetzt einfach andere.

ZEIT: Glauben Sie, dass der Klimagipfel in Kopenhagen ein Erfolg wird?

Immelt: Kopenhagen ist schon jetzt ein Erfolg. Es hat einen großen Fortschritt gegeben, es gibt eine globale Debatte über den Klimawandel. Viele Unternehmen engagieren sich auf diesem Feld. Was der Gipfel bringen wird, weiß ich wirklich nicht.

ZEIT: Das klingt nicht gerade optimistisch?

Immelt: Die Probleme sind lösbar. In Kopenhagen soll vereinbart werden, den Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Mit den richtigen Anreizen und Investitionen geht das.

ZEIT: Ihr Unternehmen spricht sich für ehrgeizige Klimaziele aus, weil Sie sich davon ein gutes Geschäft versprechen. Wo verläuft der Graben innerhalb der amerikanischen Wirtschaft?

Immelt: Sie müssen wissen: Kohle ist ein sehr wichtiger Teil der Geschichte meines Landes und wohl auch seiner Zukunft. Wenn bei uns jemand das Wort »Umwelt« sagt, und es ist jemand dabei, der aus einem der kohlereichen Bundesstaaten kommt, dann geht es gleich rund. Wir bei GE, die wir uns mit großen Veränderungen auskennen, sehen die Klimafrage als eine große Chance. Aber es gibt in der amerikanischen Wirtschaft eben auch Stimmen, die sagen: Wenn der Strom teurer wird, müssen wir Leute entlassen.

ZEIT: Haben die nicht auch recht?

Immelt: Ich persönlich glaube, dass green investing eine der großen Wachstumsindustrien des 21. Jahrhunderts ist. Da muss man schnell sein und sich an die Spitze setzen oder man hat das Nachsehen. China wird dieses Jahr mehr Geld in die Windenergie investieren als die USA. Es ist ja nicht so, dass die einfach abwarten und gucken, was wir machen. Die Welt wird sich auch ohne unser Land bewegen. Und mir liegt viel daran, dass GE ein Teil dieser Bewegung ist.

ZEIT: Ihr Konkurrent Siemens hat eine riesige Korruptionsaffäre hinter sich samt teurer Schwierigkeiten mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Aber auch Ihr Unternehmen hatte Ärger mit der SEC. Sie zahlten 50 Millionen Dollar Strafe für falsche Bilanzierungen.

Immelt: Zu der SEC-Untersuchung kann ich wirklich nichts sagen. Nur so viel: Wir haben das gründlich aufgearbeitet.

ZEIT: Siemens hat Sie nach eigenen Angaben in zwei Disziplinen überholt. Die Münchner sagen, sie seien Weltmarktführer bei umweltschonender Infrastruktur und auch in der Medizintechnik.

Immelt: Ich glaube, das beides so nicht stimmt. Unser Gesundheitsgeschäft ist größer als das von Siemens. Wir haben höhere Margen und höhere Gewinne.

ZEIT: Und wie sieht es aus bei Umwelttechnik?

Immelt: (lacht) Die Tatsache, dass Siemens seine Führung herausstellt, bedeutet, dass sie in Wahrheit Zweiter sind. Aber ich respektiere Siemens, und ich mag Peter…

ZEIT: Siemens-Chef Peter Löscher, der zuvor auch bei GE gearbeitet hat…

Immelt: …wir beobachten Siemens sehr genau, wir nehmen sie sehr ernst. Und ich glaube, es ist sehr gesund, dass wir uns gegenseitig das Leben schwer machen.

Das Gespräch führten Uwe Jean Heuser und Rüdiger Jungbluth

Jeffrey Immelt steht seit 2001 an der Spitze von General Electric. Der Mischkonzern, mit dem Siemens weltweit konkurriert, fertigt unter anderem Lokomotiven, Windräder, Kohlemeiler und Computertomografen

 
Leser-Kommentare
    • frizzi
    • 10.11.2009 um 22:53 Uhr

    Ein höchst interessantes Interview, das ich so in keiner anderen Zeitung erwartet hätte.

    Was für ein Beweis, dass auch der "Anglo-Amerikanische Kapitalismus" grün wird, oder besser gesagt, sich ein grünes Antlitz zu geben versucht.

    Die Welt ändert sich doch, und das so mitzubekommen, ist einfach schön.

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    Ich finde es einfach abschäulich mitzubekommen, anhand welcher Kriterien über das Wohl und die Zukunft dieses Planeten enschieden wird: Absatzmärkte, Margen, Shareholder Value.

    Etwas schönes kann ich diesem Interview wirklich nicht entlocken.

    Ich finde es einfach abschäulich mitzubekommen, anhand welcher Kriterien über das Wohl und die Zukunft dieses Planeten enschieden wird: Absatzmärkte, Margen, Shareholder Value.

    Etwas schönes kann ich diesem Interview wirklich nicht entlocken.

  1. 2.

    Ich finde es einfach abschäulich mitzubekommen, anhand welcher Kriterien über das Wohl und die Zukunft dieses Planeten enschieden wird: Absatzmärkte, Margen, Shareholder Value.

    Etwas schönes kann ich diesem Interview wirklich nicht entlocken.

    • Nopp
    • 11.11.2009 um 3:32 Uhr

    Er sagt:"...Im Moment werden wir Manager allesamt verspottet oder verachtet. Die Menschen stehen den großen Konzernen skeptisch gegenüber. Das ist in der Krise einfach so. Im Moment gelten wir Wirtschaftslenker als die Schuldigen, und jede Geschichte braucht einen Bösewicht..."
    Er macht es sich ziemlich einfach: Erst alles vergeigen und dann sagen wenn sich jemand beschwert das ist der Lauf der Dinge. NA DANKE!
    Keine Spur von Verantwortungsbewußtsein. Unverschämtheit. Jetzt erst mit "green investing" loslegen. Das hätten die auch vor Jahren schon machen können, aber jetzt erst ist der Druck hoch genug. Im Gegensatz zu manchen europäischen Firmen wie z.b.: Otto die schon etwas früher mit "green investing" angefangen haben.

    Da klingt der Satz "Wir machen das auf verantwortliche Weise und über einen langen Zeitraum..." wie blanker hohn, allein weil GE schon den Housatonic River mit mehr 100000 Tonnen PCB verschmutzt hat und deswegen zu einer Strafe von 250 Millionen Dollar verknackt worden ist (Siehe Wikipedia, Englische Version) und was im Hudson River zwischen 47 und 77 passiert ist, kann man da auch nachlesen. Ja GE handelt verantwortlich über einen langen Zeitraum. GENAU!

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    Das war schon immer so.

    Gewinne dienen dem Shareholder-Value, die Sanierungen von Gift- und Atommüll-Deponien zahlen wir. Für sowas sind BürgerInnen ja da.

    Sogar die Finanzbranche hat dieses Prinzip für sich entdeckt: Wir zahlen für deren Dreck in Form von HRE und anderen Schrottbanken, die Gewinne landen bei den Aktionären von Deutsche Bank und Co.

    So geht sowas. Das nennt sich Demokratie und Freie Marktwirtschaft.

    Das war schon immer so.

    Gewinne dienen dem Shareholder-Value, die Sanierungen von Gift- und Atommüll-Deponien zahlen wir. Für sowas sind BürgerInnen ja da.

    Sogar die Finanzbranche hat dieses Prinzip für sich entdeckt: Wir zahlen für deren Dreck in Form von HRE und anderen Schrottbanken, die Gewinne landen bei den Aktionären von Deutsche Bank und Co.

    So geht sowas. Das nennt sich Demokratie und Freie Marktwirtschaft.

  2. Das war schon immer so.

    Gewinne dienen dem Shareholder-Value, die Sanierungen von Gift- und Atommüll-Deponien zahlen wir. Für sowas sind BürgerInnen ja da.

    Sogar die Finanzbranche hat dieses Prinzip für sich entdeckt: Wir zahlen für deren Dreck in Form von HRE und anderen Schrottbanken, die Gewinne landen bei den Aktionären von Deutsche Bank und Co.

    So geht sowas. Das nennt sich Demokratie und Freie Marktwirtschaft.

    • Chali
    • 11.11.2009 um 7:37 Uhr

    "Im Moment werden wir Manager allesamt verspottet oder verachtet"

    Welche Sensibilität! Hätte man den Jungens ja gar nicht zugetraut. Es sit eben doch etwas anderes, wenn es sich um Menschen mit Guten Genen handelt, oder um ... na ja. Die Anderen halt.

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