Autoindustrie Panne

GM ist der falsche Eigentümer für Opel. Eigentlich

Opel bleibt amerikanisch. Die Entscheidung von General Motors, Opel nicht zu verkaufen, sorgt in Deutschland für Unmut

Opel bleibt amerikanisch. Die Entscheidung von General Motors, Opel nicht zu verkaufen, sorgt in Deutschland für Unmut

Man mag gar nicht daran denken, was Klaus Franz jetzt durch den Kopf geht. Wie viele Tage und Nächte hat der Vorsitzende des Opel-Betriebsrats dafür gekämpft, dass der deutsche Autobauer Opel vom Mutterkonzern General Motors loskommt. Und jetzt, da nur noch die Unterschrift aus Amerika fehlte, ist alles vorbei. Der Verwaltungsrat von GM hat Dienstag Nacht entschieden, Opel zu behalten. Wenn es ein Unternehmen gibt, an das man die Werke in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern nicht hätte verkaufen wollen, dann ist es sicher GM.

Die US-Amerikaner waren einst der größte Autokonzern der Welt. Sie haben die Mittelschicht der industrialisierten Staaten motorisiert, aber dann in einer schier unglaublichen Weise ihr Kapital verschleudert: Sie haben Geld bei Fiat versenkt, haben in den USA den Anschluss an die moderne Technik der Automobilentwicklung, die so genannten Plattformen, verpasst und dann auch noch in der Produktion kläglich ineffiziente Werke betrieben.

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Da verwundert es nicht weiter, dass sich die Vorstandsetage in einer geradezu aberwitzigen Arroganz und Ignoranz suhlte. So etwas wie die Erderwärmung und ein heraufziehendes Ende des Ölzeitalters hatte doch mit ihnen nichts zu tun! Elektroautos? Spritsparer? All das hat General Motors in den USA verpasst und überdies noch seiner deutschen Tochter Opel mit sinnlosen Vorgaben und undurchsichtigen Verträgen ein jahrelanges Siechtum beschert. Wer diese Vorgeschichte miterlebt hat, kann in der aktuellen Entscheidung nur eine Katastrophe sehen.

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Doch an dieser Stelle gilt es noch einmal an die Ausgangslage zu erinnern. Auf dem europäischen Automarkt gibt es erhebliche Überkapazitäten. Zwar läuft der Opel Insignia gut, aber das alleine reicht eben nicht, um gegen die Konkurrenz zu bestehen. Opel brauchte bereits Staatshilfen von 1,5 Milliarden Euro und weitere drei Milliarden würden für die kommenden Jahre fällig.

Anders ausgedrückt ist Opel ein großes Risiko, egal wer das Unternehmen weiterführt. Es mag sich schlechter anfühlen, wenn GM einen Antrag auf Staatshilfe stellt als wenn es Frank Stronach, der Eigentümer des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna, getan hätte. Aber im Endeffekt bieten beide Eigentümer für die nächsten Jahre geringe Chancen. Die ehrliche Antwort lautet: Bei nüchterner Betrachtung wären Steuergelder überall anders sicherer angelegt als bei Opel.

 

Wenn die Bundesregierung nun mit GM verhandelt – anders kann sie gar nicht –, muss das Ziel lauten: Eine zweite Bürgschaft muss umso geringer ausfallen, je mehr die Finanzkraft von GM steigt. Und der Oktober war schon mal ein guter Monat für den US-Konzern. Rechtfertigen kann die Bundesregierung all das, wenn sie jeden Euro, den sie spart, an anderer Stelle in Greentech oder Bildung steckt. Dann ist die Entscheidung von GM ein Gewinn für alle. So bitter das für jeden Opelaner ist.

 
Leser-Kommentare
    • Jokus
    • 04.11.2009 um 13:56 Uhr

    Ich würde eher - voller kleiner Hoffnung - sagen: "General Motors war (Betonung auf Vergangenheit) ein falscher Eigentümer"---Wer sagt uns denn, ob das so bleiben wird...und vor allem, wer sagt uns, dass Magna soooo viel besser gewesen wäre....

    Ganz davon abgesehen, wer konnte denn so "wahlbeschränkt" weit gucken, dass er offensichtlich nicht mal im Kalkül hatte, das General Motors sich nach einer offenbar gelungenen Insolvenz nicht wieder - mit Staatshilfe - erholen würde... und wer konnte da überhaupt nicht bedenken, dass General Motors ja - buchstäblich von allen vernünftigen Geistern verlassen wäre, würde es sich nicht um "Opel" und das Rüsselheimer Entwicklungszentraum kümmen würde?

    Wer schließlich sonst in der General-Motors -Welt hat so viel "Know-How" um jene Autos zu bauen bzw. zu entwickeln, die den Zeichen der Zeit (auch in den USA, jedoch auch in Europa entsprechen.. Stichwort: Benzinsparend!

    Sollte GM wirklich so blind sein, um beides Europas Markt und die technischen Entwicklungs-Chancen unbeachtet zu lassen...
    Umgekehrt also müsste es heißen: Gerade weil GM sich nun doch um Opel kümmert, deutet an, dass sie von einem einst "falschen" Eigentümer nun doch zu einen recht klugen "Eigentümer" werden könnten.
    Jawohl: auch GM könnte doch lernen!

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    Wenn Sie mit einem Entwicklungzentrum in Rüsselheim und 1-2 Autofabriken in Europa unter starker US-Führung zufrieden sind,
    läuft es jetzt in die richtige Richtung.

    Wenn Sie aber Arbeitsplätze in großem Umfang erhalten wollen und den osteuropäischen und asiatischen Raum mitbedienen wollen, ist es eine herbe Niederlage, die den Staat und die Arbeitslosenversicherung eine Menge Geld kosten wird.

    Und: GM hat in der Vergangenheit großartig versagt und ist jetzt überwiegend in Staatsbesitz.

    Was die US-Regierung tat war gut, was die alte Bundesregierung tat, war Müll?

    Wenn Sie mit einem Entwicklungzentrum in Rüsselheim und 1-2 Autofabriken in Europa unter starker US-Führung zufrieden sind,
    läuft es jetzt in die richtige Richtung.

    Wenn Sie aber Arbeitsplätze in großem Umfang erhalten wollen und den osteuropäischen und asiatischen Raum mitbedienen wollen, ist es eine herbe Niederlage, die den Staat und die Arbeitslosenversicherung eine Menge Geld kosten wird.

    Und: GM hat in der Vergangenheit großartig versagt und ist jetzt überwiegend in Staatsbesitz.

    Was die US-Regierung tat war gut, was die alte Bundesregierung tat, war Müll?

  1. Wenn Sie mit einem Entwicklungzentrum in Rüsselheim und 1-2 Autofabriken in Europa unter starker US-Führung zufrieden sind,
    läuft es jetzt in die richtige Richtung.

    Wenn Sie aber Arbeitsplätze in großem Umfang erhalten wollen und den osteuropäischen und asiatischen Raum mitbedienen wollen, ist es eine herbe Niederlage, die den Staat und die Arbeitslosenversicherung eine Menge Geld kosten wird.

    Und: GM hat in der Vergangenheit großartig versagt und ist jetzt überwiegend in Staatsbesitz.

    Was die US-Regierung tat war gut, was die alte Bundesregierung tat, war Müll?

    Antwort auf "Auch GM kann lernen!"
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    • isualK
    • 05.11.2009 um 0:55 Uhr

    Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder? Sollen wir in Deutschland wirklich Milliarden von Steuergeld ausgeben, um veraltete Technologie herzustellen und die dann in Länder verramschen, in denen die Bevölkerung nicht genug Geld hat, um Autos zu kaufen, die im Hochlohnland Deutschland hergestellt sind? Wurde diese Art der Industriepolitik nicht schon in der ehemaligen DDR versucht? Gibt's heute noch Trabi und Wartburg? Glauben Sie nicht, dass diese im Moment noch zahlungsschwachen Märkte besser Mit Autos auch China bedient werden? Dort sin die Lohnkosten etwa 10% von unseren, d. h. die Produktivität kann 10 mal schlechter sein als unsere und sie sind immer noch konkurrenzfähig. Wollen wir wirklich wieder eine Industrie, die vom "bösen" Markt abgeschirmt ist und hier ohne Arbeitslose vor sich hinproduziert?

    • isualK
    • 05.11.2009 um 0:55 Uhr

    Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder? Sollen wir in Deutschland wirklich Milliarden von Steuergeld ausgeben, um veraltete Technologie herzustellen und die dann in Länder verramschen, in denen die Bevölkerung nicht genug Geld hat, um Autos zu kaufen, die im Hochlohnland Deutschland hergestellt sind? Wurde diese Art der Industriepolitik nicht schon in der ehemaligen DDR versucht? Gibt's heute noch Trabi und Wartburg? Glauben Sie nicht, dass diese im Moment noch zahlungsschwachen Märkte besser Mit Autos auch China bedient werden? Dort sin die Lohnkosten etwa 10% von unseren, d. h. die Produktivität kann 10 mal schlechter sein als unsere und sie sind immer noch konkurrenzfähig. Wollen wir wirklich wieder eine Industrie, die vom "bösen" Markt abgeschirmt ist und hier ohne Arbeitslose vor sich hinproduziert?

    • Jokus
    • 04.11.2009 um 15:34 Uhr

    Mal ganz davon abgesehen, ob "Magna" oder was immer sich da noch verbarg, wirklich ein wunderbarer Autobauer sein würde, so viel ich weiß, wollte auch Magna Arbeitsplätze abbauen...

    So viel ich lese, ist zudem ein Arbeitsplatzabbau in der europäischen Autoindustrie kaum zum umgehen...

    Doch vor allem: Ob wir Deutschen GM nun "gut" finden oder nicht, dass ist unerheblich. Noch war und ist GM Eigentümer. "Magna" jedoch war
    - lediglich - die auch von den Wahlkämpfern genährte Hoffnung - dass es nun alles besser werden könne.....

    Ich sage Hoffnung...uND WILL GAR NICHT KRITISIEREN; DASS HIER beinahe die gesamte vereinigte politische deutsche Klasse für Opel gekämpft hat...doch es war, wie man jetzt sieht, ein Stochern im Nebel...

    Kaum ist der Eigentümer ein wenig erholt, ist doch alles Makulatur!

    Deshalb ist der gegenwärtige große deutsche Politiker-Schimpf höchstens als Fortsetzung des Wahlkampfes zu werden...

    Es wäre vernünftiger, sofort mit dem Eigentümer GM darüber zu verhandeln, was nun noch zu retten ist...

  2. Merkel macht "Männchen" vor den Repräsentanten, und hinter ihrem Rücken zeitgleich das...

    Die Golbalisierung lässt grüßen!

  3. Warum wohl ist die Magna-Aktie heute um fast 10 Prozent in die Höhe geschnellt? Weil sich Magna mit der Opel-Beteiligung das eigene Grab (und jenes von Opel mit) geschaufelt hätte. Magna (grösster Kunde: GM) hat einen drastischen Umsatzeinbruch zu verzeichnen, ist finanziell schmalbrüstig, und so wäre es wohl rasch zum Ausverkauf an die Sberbank und damit an russische Oligarchen gekommen. Die GM-Lösung ist eindeutig besser, deutscher protest hin oder her.

    • Hipper
    • 04.11.2009 um 16:14 Uhr

    Aber vielleicht sollte man doch noch erwähnen, das GM inzwischen ein US-Staatsunternehmen ist. Während man hierzulande unendliche ordnungspolitische Grundsatzdebatten geführt hat, betrieb man in den USA pragmatische Wirtschaftspolitik und verstaatlichte GM kurzerhand.

    • joG
    • 04.11.2009 um 16:38 Uhr

    ...sind meistens keine gute Idee. Sie dazu einzusetzen einen Eigentümer zu nötigen einem bestimmten Investoren Anteile zu verkaufen ist nach EU und daher auch inländischem Recht illegal. Leider war genau das war offenbar die Strategie der Bundesregierung. Ob nun die Regierung zurücktreten kann ist eine Frage, da sie nicht zwischen Unternehmen unterscheiden darf ohne betriebswirtschftlichen Grund.

    Die Fehlungen bei GM sind jedem klar. Der Artikel leitet allerdings weg von den eigentlichen Problemen, die GM in die Lage brachten. Diese lagen weitgehend in den sozialen Einrichtungen der Unternehmung und weniger in der behaupteten Arroganz der Leitungsmanschaft. In sofern scheint der obige Artikel etwas provinziell und eignet sich kaum als Hilfe die Situation einzuschätzen.

    • isualK
    • 05.11.2009 um 0:55 Uhr

    Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst, oder? Sollen wir in Deutschland wirklich Milliarden von Steuergeld ausgeben, um veraltete Technologie herzustellen und die dann in Länder verramschen, in denen die Bevölkerung nicht genug Geld hat, um Autos zu kaufen, die im Hochlohnland Deutschland hergestellt sind? Wurde diese Art der Industriepolitik nicht schon in der ehemaligen DDR versucht? Gibt's heute noch Trabi und Wartburg? Glauben Sie nicht, dass diese im Moment noch zahlungsschwachen Märkte besser Mit Autos auch China bedient werden? Dort sin die Lohnkosten etwa 10% von unseren, d. h. die Produktivität kann 10 mal schlechter sein als unsere und sie sind immer noch konkurrenzfähig. Wollen wir wirklich wieder eine Industrie, die vom "bösen" Markt abgeschirmt ist und hier ohne Arbeitslose vor sich hinproduziert?

    Antwort auf "Zielsetzung?"

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