Liebeskolumne
Wie deutlich muss sie werden?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Wie geht man Missverständnissen aus dem Weg?
Die Frage: Esther und David sind jetzt seit drei Jahren zusammen. Sie verstehen sich gut, streiten aber gelegentlich darüber, ob David sich mehr anstrengen müsste, Esther zu verstehen, oder Esther umgekehrt klarer sagen sollte, was sie eigentlich will. Ein typisches Beispiel: Sie steigen zusammen in den Zug München–Florenz für einen lang geplanten Städteurlaub. Esther hat Reisefieber und hat kaum gefrühstückt; David dagegen ist die Ruhe selbst. In Rosenheim rutscht Esther auf ihrem Platz im Abteil herum und fragt David: "Hast du Hunger?" – "Nein", sagt David und liest einfach weiter in seinem Krimi. In Innsbruck fragt Esther: "Hast du jetzt Hunger?" und erhält darauf dieselbe Antwort. Am Brenner schnaubt Esther: "So, ich esse jetzt was, dir ist ja offenbar egal, wie’s mir geht!"
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Warum sagt Esther nicht klar, dass sie Hunger hat? Sie will vermeiden, einen gierigen Eindruck zu machen. Sie möchte sich nicht egoistisch äußern, ohne David einzubeziehen. Vielleicht ist sie Opfer der in vielen Familien beliebten Erziehung zur Bescheidung – "Kinder sieht man, aber man hört sie nicht!" David hingegen hätte hier keinerlei Hemmungen, Hunger zu bekunden. Für ihn ist es das Selbstverständlichste der Welt, sich etwas Essbares zu greifen, wenn er Lust darauf hat. Wenn Esther und David sich mit diesen Unterschieden in ihrem Umgang mit Wünschen und mit Egoismus beschäftigen, können sie mehr übereinander lernen als durch eine hitzige Debatte darüber, welches Verhalten nun richtig gewesen wäre – die klare Ansage oder die einfühlende Entschlüsselung.
Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.
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- Datum 3.11.2009 - 11:43 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 05.11.2009 Nr. 46
- Kommentare 7
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es erinnert ein wenig an Loriot´s 4 minuten Ei
ein Problemchen das gerne zum grossen Drama wird wenn Er Ihren geheimsten Wünsche ,in dem Fall etwas gemeinsam zu essen wo man doch alles gemeinsam machen sollte,partout nicht Folge leisten will
so muss die Ärmste wieder mal alleine in den sauren Apfel beissen
der alltägliche Beziehungswahn halt
Esther hat PMS.
witzigerweise ist diese antwort nicht disqualifizierend für esther sondern für dich, wenngleich soweit ich weiß der energiebedarf in diesem zeitraum ansteigt ;-)
@ topic: kommunikationsgewohnheiten dieser art sind verbessserungswürdig. wer nicht sagt was er will, kriegt es eben nicht.
witzigerweise ist diese antwort nicht disqualifizierend für esther sondern für dich, wenngleich soweit ich weiß der energiebedarf in diesem zeitraum ansteigt ;-)
@ topic: kommunikationsgewohnheiten dieser art sind verbessserungswürdig. wer nicht sagt was er will, kriegt es eben nicht.
Nee,Hr.Mcharlie,ist nicht disqualifizierend für mich,spreche als Insiderin und mit einem zwinkernden Auge ;-) Also, keep cool.
Nee,Hr.Mcharlie,ist nicht disqualifizierend für mich,spreche als Insiderin und mit einem zwinkernden Auge ;-) Also, keep cool.
um zu wissen, dass jemand, der frägt, ob man denn Hunger habe, Hunger hat.
Ich finde die Art zu fragen sogar sehr diplomatisch, sie ist der Schlüssel zu Kompromissen, denn wer so frägt will noch nicht sofort essen, sondern schlägt vor bald mal ans Essen zu denken. So kann sich auch der andere darauf einstellen. Und, wer so frägt, ist meiner Erfahrung nach auch Kompromissbereit - vorrausgesetzt, er fühlt sich verstanden.
Aber zugeben, es ist ein schmaler Grad, flexibel zu sein, und doch den Eindruck zu wissen man wisse was man will.
und das ist genau der irrtum, der diese mißverständnisse hervorruft:
beim anderen vorraussetzen, daß er die um fünf-ecken-herum-gemachten andeutungen versteht.
wer das für besser hält, soll es gerne so machen, aber dann bitte kein geweine, wenn et nischt zu fressen gibt.
und das ist genau der irrtum, der diese mißverständnisse hervorruft:
beim anderen vorraussetzen, daß er die um fünf-ecken-herum-gemachten andeutungen versteht.
wer das für besser hält, soll es gerne so machen, aber dann bitte kein geweine, wenn et nischt zu fressen gibt.
... dieses Beispiel ist doch geradezu harmlos. Das ist nicht einmal eine Ecke, geschweige denn fünf Ecken.
Meine Antwort auf die Frage wäre gewesen: "Nein - und Du?"
Das wäre schon das absolute Minimum an Höflichkeit, die ich bei einer Unterhaltung erwarten und gewähren würde - besonders bei Menschen an denen mir etwas liegt.
Allerspätestens bei der zweiten Frage wäre eine entsprechende Rückfrage geboten gewesen.
Der David des Beispiels ist einfach ein maulfauler Stoffel, egal ob die Esther jetzt deutlicher werden könnte, oder nicht.
... dieses Beispiel ist doch geradezu harmlos. Das ist nicht einmal eine Ecke, geschweige denn fünf Ecken.
Meine Antwort auf die Frage wäre gewesen: "Nein - und Du?"
Das wäre schon das absolute Minimum an Höflichkeit, die ich bei einer Unterhaltung erwarten und gewähren würde - besonders bei Menschen an denen mir etwas liegt.
Allerspätestens bei der zweiten Frage wäre eine entsprechende Rückfrage geboten gewesen.
Der David des Beispiels ist einfach ein maulfauler Stoffel, egal ob die Esther jetzt deutlicher werden könnte, oder nicht.
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