SachsenIm Osten was Neues

Warum die ZEIT Sachsen zwei eigene Seiten widmet von 

Dresden: Immer eine Reise wert

Dresden: Immer eine Reise wert  |  © Sean Gallup/Getty Images

Liebe Leserin, lieber Leser,

es waren Sachsen, die mir vor zwanzig Jahren eine journalistische Lehrstunde erteilt haben. Anfang Dezember 1989 reiste ich für die Süddeutsche Zeitung nach Leipzig, um über die Montagsdemonstrationen zu berichten. Aus den Medien kannte ich die Bilder von einem friedlichen Volksaufstand, und eine andere Wirklichkeit konnte ich mir nicht vorstellen.

Doch in Leipzig war von einträchtigem Aufbruch nichts zu spüren; die Stimmung war aggressiv. Anhänger der Bürgerbewegung, die für die Reform einer eigenständigen DDR demonstrierten, prallten auf Menschen, die wütend die Wiedervereinigung forderten. Der Ruf »Wir sind ein Volk« übertönte das »Lasst euch nicht BRDigen«.

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Ich konnte kaum glauben, dass die Szene von anderen beherrscht wurde als von den Bürgerbewegten, mit denen viele West-Journalisten sympathisierten. Nie werde ich vergessen, mit welchen Worten eine ältere Frau für die sofortige Wiedervereinigung eintrat: »Ich geh bald in Rente, ich will doch auch noch was vom Leben haben.« Damals lernte ich, dass manche Dinge sich nur aus der Biografie heraus verstehen lassen.

Die Presse der alten Bundesrepublik hat es in den neuen Ländern schwer. Das könnte daran liegen, dass Zeitungen ein Teil der Geschichte ihrer Leser sein müssen, um akzeptiert zu werden. Aber auch daran, dass sie nur gekauft werden, wenn sie das Leben der Menschen, die sie lesen sollen, abbilden. Genau das ist vielen Zeitungen, auch der ZEIT, bisher nur begrenzt gelungen.

Die häufigen Berichte über Arbeitslosigkeit, Entvölkerung, Rechtsextremismus oder schaurige Verkehrsunfälle geben eben nur einen Teil der Wirklichkeit im Osten wieder. Um dieses Defizit zu beheben, haben wir in Dresden ein Korrespondentenbüro eröffnet. Von nun an werden unsere Autoren jede Woche auf zwei Seiten über regionale Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft schreiben. Die Sachsen-Seiten sollen die Initialzündung dafür sein, künftig viel mehr aus den östlichen Bundesländern zu berichten – in der gesamten ZEIT.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre! 

Ihr

Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur

Liebe Leser, bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung über die neuen Sachsen-Seiten, entweder per Mail an sachsen@zeit.de oder an DIE ZEIT, Ostra-Allee 18, 01067 Dresden.

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Leserkommentare
  1. Sehr oft habe ich mich darüber geärgert, dass die ZEIT auf dem östlichen Auge entweder blind war oder sich der in manchen Fragen (Waldschlösschenbrücke, Paulineraula) schlicht unerträglich demagogischen Evelyn Finger bedient hat (oder diese sich der ZEIT?). Da Sie sicher auf ihre ansonsten unbestrittenen Qualitäten nicht verzichten werden, habe ich die Hoffnung, dass sie nicht in das Dresdener Korrespondentenbüro einziehen und sich also die Berichterstattung aus Sachsen nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ verbessern wird. Der Anfang ist geglückt.

    JoshWolf - Brückengegner

  2. Lieber Giovanni di Lorenzo,

    wir freuen uns sehr über Ihr Interview mit Message (http://www.message-online...)- danke für die freundlichen Komplimente! Schön zu sehen, dass Sie sich wirklich mit Sachsen und dem Osten auseinander gesetzt haben, Ihre Mitstreiter hier sehr genau studieren und sie auch anerkennen (da sind wir Ossis ja etwas empfindlich). Wir werden auch genau aufpassen und lesen weiterhin gespannt jede Woche die Sachsen-Sicht der ZEIT.

    Ihr Kollege Jochen Wolff hat das web-gerecht zusammengefasst: http://media.superillu.de...

    Mit herzlichem Gruß an die Elbe
    Kathrin Koehler

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  • Schlagworte Medien | Arbeitslosigkeit | Biografie | DDR | Giovanni di Lorenzo | Liebe
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