Die Kundgebung am 10. November 1989 vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin ist vor allem durch zwei Dinge in Erinnerung geblieben: die etwas schräge Darbietung der Nationalhymne durch die erste Garde der Westpolitiker – und durch Willy Brandts Zitat "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört".

Aber hört man die Tonaufnahmen ab, dann fällt der Satz überhaupt nicht. Vielmehr sagte der Altkanzler: "Jetzt erleben wir, und ich bin dem Herrgott dankbar dafür, dass ich dies miterleben darf: Die Teile Europas wachsen zusammen." Im Lauf des Tages muss sich das Zitat in seinem Kopf zurechtgerüttelt haben, denn in anderen Interviews vom selben Tag ist es in seiner berühmten Form dokumentiert.

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Ein paar Wochen später war es schon ein geflügeltes Wort. Als der SPD-nahe Dietz-Verlag später das Buch …was zusammengehört mit Brandt-Reden zur Nation herausgab, stellte man fest, dass das Titelzitat nirgends vorkam. Brandt selber fügte es dann handschriftlich in die Schöneberger Rede ein, die er wohl selbst für seine historisch wichtigste hielt. Das hat der Historiker Bernd Rother von der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung rekonstruiert.

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