Ist dieser Hund ein größerer Klima-Killer als ein Toyota Land Cruiser? © Mario Tama/ Getty Images

Ein Hund belastet das Klima mehr als ein Toyota Land Cruiser, wenn man den Berechnungen von Robert und Brenda Vale glauben darf. Die gehen so: Ein mittelgroßer Hund verzehrt im Jahr 164 Kilogramm Fleisch und 95 Kilogramm Getreide. Zur Produktion sind 0,84 Hektar landwirtschaftliche Fläche nötig. Dagegen reicht zur Betankung und Herstellung eines Geländewagens angeblich die Biomasse von 0,41 Hektar. Dieser Vergleich brachte die Vales auf den Titel ihres Buches: Time to Eat the Dog?

Das neuseeländische Autorenpaar meint es gar nicht lustig: »Die Entscheidungen, die wir auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft treffen müssen, können so schwer sein, wie darüber nachzudenken, den eigenen Hund zu essen.« Als umweltverträgliches Haustier empfehlen sie das Kaninchen – vorausgesetzt, es werde mit Garten- und Küchenabfällen gefüttert und später gegessen.

Der bereits im Juni erschienene Ökoratgeber vom anderen Ende der Welt fiel nicht weiter auf, bis sich vorvergangene Woche der New Scientist seiner annahm. »Der beste Freund des Menschen hat sich als Feind des Planeten herausgestellt«, poltert das Editorial und fordert die unverzügliche Reduktion des ökologischen Pfotenabdrucks. Dabei stützt sich das populäre englische Wissenschaftsmagazin auf Autoren, die schwerlich als Naturwissenschaftler durchgehen. Robert und Brenda Vale sind zwar beide Professoren an der Universität Wellington, unterrichten aber Architektur.

Bereits vor zwei Jahren veröffentlichte die deutsche Beratungsfirma Climate Partner CO₂-Bilanzen fünf typischer Haustiere. Keiner trat damals zur Ehrenrettung der Katze an, die aufgrund von zu viel Katzenstreu und Verpackungsmüll am schlechtesten abschnitt. Die gute Ökobilanz des Wellensittichs hat den Absatz des Gefieders nicht gefördert. Abgesehen von einem Nachbericht in Bild war die Resonanz mau.

Für die englischen Medien ist der Klimakiller Haustier ein gefundenes Fressen. Die Leser geizen nicht mit Kommentaren. Viele fragen, wie fair es sei, die aufwendige Fleischproduktion unseren haarigen Mitbewohnern in die Klimarechnung zu stellen, wenn sie doch hauptsächlich die vom Menschen verschmähten Teile verzehrten. Warum fehlt in der Bilanz, dass Herrchen und Frauchen seltener Fernreisen machen? Praktischere Naturen geben Tipps, wie Dackel an vegetarische Kost zu gewöhnen sind. Wieder andere sehen die Ursache allen Übels in der Überbevölkerung und verweisen auf höhere Emissionen bei Anschaffung eines Babys.

Dass diese Debatte gerade in Großbritannien hochkocht, ist kein Zufall. Es ist die Heimat der radikalen Tierschützer und der ältesten Tierschutzgesetze. Und der Klimawandel beschäftigt das Inselvolk seit einigen Jahren so, als hätte es den auch erfunden. Selbstredend gibt es ein Ministerium, das den Klimawandel im Namen trägt.

Derzeit erregt es das Volk mit einer Fernsehreklame, in der ein Vater seiner vierjährigen Tochter eine Gutenachtgeschichte über den Klimawandel vorliest. Während er erzählt, dass Wissenschaftler zu viel Kohlendioxid als Ursache nennen und die Kinder des Landes die schrecklichen Folgen zu tragen haben, stürzen Fluten über die Bilderbuchlandschaft herein, und traurig dreinschauende Haustiere ertrinken darin. Ängstlich fragt das Mädchen, ob die Geschichte ein glückliches Ende nimmt. »Es liegt an uns«, verkündet eine Stimme aus dem Off und ruft dazu auf, die Kampagne »Act on CO₂« zu googeln.