Netzkultur Unsere Zukunft in der Matrix
Wem gehören unsere Daten? Wer bremst Google? Zerstört das Internet die Mittelschicht? Durch die Vernetzung der Welt bleibt nichts, wie es war. Ein Essay von Nicholas Carr
© Photo by Hulton Archive/Getty Images

Charlie Chaplins Film "Modern Times" karikierte die industrielle Revolution und deren Umwälzungen. Nun erleben wir die digitale und wieder bleibt nichts, wie es war
Im Jahr 1884 errichtete die Deutsche Edison-Gesellschaft in Berlin Deutschlands erstes Elektrizitätswerk. Es handelte sich um eine kleine Generatorenstation in der Friedrichstraße. Der Strom, den das Kraftwerk produzierte, wurde per Kabel an die umliegenden Unternehmen geliefert, auch an das beliebte Café Bayer, das damit seine elektrische Beleuchtung betrieb. Im folgenden Jahr errichtete die Deutsche Edison-Gesellschaft in der Markgrafenstraße eine weitere Anlage, die ebenfalls elektrisches Licht lieferte. Bis zum Jahr 1900 sollten in ganz Deutschland über 200 Kraftwerke in Betrieb gehen. Das moderne Stromnetz war geboren.
Dieses Netz setzte eine ökonomische und soziale Revolution in Gang, deren Konsequenzen sich kaum überschätzen lassen. Das elektrische Licht veränderte die Rhythmen des Lebens. Elektrisch betriebene Fließbänder schufen neue Arbeitsformen. Elektrifizierte Medien verwandelten die Verbreitung von Nachrichten und Unterhaltung. Und elektrische Geräte brachten die industrielle Revolution in die privaten Haushalte. Billiger Strom erschuf die Welt, in der wir heute leben – eine Welt, die noch vor 100 Jahren nicht existierte.
Heute stecken wir erneut inmitten einer epochalen Transformation. Was vor einem Jahrhundert auf dem Gebiet der Produktion von Energie geschah, das geschieht jetzt auf dem Gebiet der Produktion von Information. Die komplexen Softwareanwendungen, die seit Langem auf privaten, aber jeweils isolierten Computersystemen in Privathaushalten oder Büros liefen, werden durch zentralisierte, vernetzte Dienste ersetzt: durch das Internet. Schon heute verändert sich die Art und Weise, in der wir mit unserem Computer umgehen. Statt Softwareprogramme zu kaufen und zu installieren, verwenden wir zunehmend unsere Webbrowser. So lassen wir Anwendungen laufen, die uns aus der Tiefe eines undurchschaubaren weltweiten Datennetzes erreichen. Manche Technologieexperten bezeichnen dieses Netzwerk daher inzwischen als the cloud (»die Wolke«).
Was ist denn ein Unternehmen wie Google anderes als ein gigantisches Informationskraftwerk?
Wenn man im Internet etwas sucht, verwendet man seinen Netzbrowser, um sich mit den gewaltigen Datenzentren verbinden zu lassen, die Google an geheimen Orten rund um die Welt errichtet hat. Man tippt ein Suchwort ein, und schon durchkämmt das Google-Netzwerk aus Hunderttausenden miteinander verbundenen Computern eine aus Milliarden von Webseiten bestehende Datenmasse. Es sucht die Seiten heraus, die dem eingegebenen Begriff entsprechen, ordnet sie nach ihrer Wichtigkeit und sendet das Ergebnis der Recherche durch das Internet zurück auf den eigenen Bildschirm. Das alles dauert meist weniger als eine Sekunde. Diese beeindruckende Rechenleistung findet nicht im Computer des Nutzers statt, sondern viele Kilometer weit entfernt, womöglich am anderen Ende der Welt. Wo befindet sich der Computerchip, der Ihre jüngste Google-Suche bewerkstelligt hat? Sie wissen es nicht, und es ist Ihnen auch gleichgültig – so wie es Ihnen egal ist, welches Elektrizitätswerk den Strom produziert hat, der Ihre Schreibtischlampe versorgt.
Schon heute beherrschen und verbinden Softwareprogramme nicht nur Industrie und Handel, sondern auch Unterhaltung, Journalismus und Bildung, Politik und Streitkräfte. Die durch eine Veränderung der Computertechnologie ausgelösten Schockwellen werden daher intensiv und weitreichend ausfallen. Die ersten Auswirkungen können wir bereits feststellen: Die Herrschaft über Medien verschiebt sich von Institutionen zu Individuen; Menschen fühlen sich zunehmend »virtuellen« statt physisch und real existierenden Gemeinschaften zugehörig; und allerorten wird über Datensicherheit, den Umgang mit privaten Informationen und den Wert der Privatheit diskutiert. Alle diese Trends werden durch den Aufstieg des cloud computing, also des »Rechnens in der Wolke«, ausgelöst. Im selben Maße, wie die Informationskraftwerke an Größe gewinnen, werden die Veränderungen, denen Wirtschaft und Gesellschaft – und wir selbst – ausgesetzt sind, immer ausgeprägter.
Ein Beispiel ist die Wohlstandsverteilung. Historisch führte der Aufstieg neuer Technologien dazu, dass bestimmte Arten von Arbeitsplätzen verlorengingen, schließlich aber viel mehr neue Jobs geschaffen wurden: Die Elektrifizierung brachte viele Handwerker um ihren Broterwerb, schuf aber zugleich viel mehr Arbeitsplätze für ungelernte Fabrikarbeiter und qualifizierte Angestellte. Die Computerisierung hingegen bewirkt etwas völlig anderes. Sie hat es Unternehmen ermöglicht, alle Arten von Arbeitskräften zu ersetzen, qualifizierte wie ungelernte. Aber sie hat nicht gleichzeitig massenhaft neue, gut bezahlte Tätigkeiten geschaffen, die an die Stelle der zerstörten Arbeitsplätze treten könnten.
Der renommierte amerikanische Ökonom Jagdish Bhagwati meint, die Computerisierung sei der entscheidende Grund dafür, dass die Einkommen der amerikanischen Mittelschichten seit zwei Jahrzehnten stagnieren. »Es gibt heute noch Fließbänder, aber diese benötigen keine Arbeiter mehr«, schreibt Bhagwati. »Sie werden von Computern gesteuert, die von hoch qualifizierten Ingenieuren bedient werden.« Unter normalen Umständen würde die Einführung neuer, Arbeitskräfte sparender Technologien die Einkommen nur für kurze Zeit drücken; danach würde der Produktivitätszuwachs, der aus dem Einsatz dieser Technologien resultiert, die Löhne wieder hochtreiben. Aber Informationstechnologie wirke sich anders aus, erklärt Bhagwati. Die Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen werde zu einem »fortwährenden Prozess«, schreibt er. »Der Druck auf die Löhne wird erbarmungslos.«
Das »Rechnen in der Wolke« senkt die Kosten der Computernutzung weiter und schafft ein preisgünstiges Netzwerk für den Vertrieb digitaler Produkte. Auf diese Weise wird die Konzentration des Wohlstands in den Händen weniger Menschen nochmals verstärkt. Als Google Ende 2006 für 1,6 Milliarden Dollar YouTube kaufte, war das Unternehmen erst ein Jahr alt, aber bereits ein blühendes Netzwerkgeschäft. Tag für Tag schauten sich Menschen in aller Welt mehr als 100 Millionen Videos auf YouTube an, Tag für Tag luden sie etwa 65.000 neue Videos ins Netz. Doch zu dieser Zeit hatte YouTube ganze 60 Angestellte. Ihre Arbeit verrichteten sie in einem kleinen Büro im Silicon Valley, das über einer Pizzeria gelegen war. Bei einem Verkaufspreis von 1,6 Milliarden Dollar repräsentierte jeder YouTube-Angestellte einen Marktwert von 27,5 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Die 70.000 Mitarbeiter des ungeheuer profitablen Softwareunternehmens Microsoft haben jeweils einen Marktwert von vier Millionen Dollar.
Es war der schiere Überfluss an preisgünstiger Rechen-, Speicher- und Kommunikationskapazität, der es YouTube ermöglichte, innerhalb sehr kurzer Zeit mit sehr wenigen Mitarbeitern ein sehr großes Unternehmen aufzubauen. Und das Beispiel YouTube ist keineswegs einzigartig. Viele neue Unternehmen nutzen die einem öffentlichen Versorgungsnetz ähnelnden Möglichkeiten des World Wide Web, um fast gänzlich ohne Mitarbeiter einen florierenden Geschäftsbetrieb aufzubauen.
Unternehmen wie YouTube können deshalb mit so wenigen Mitarbeitern so schnell wachsen, weil ihre Produkte vollständig virtuell sind.
Sie existieren nur in Computern oder fliegen als digitale Ziffernfolgen durchs Internet. Die Kosten, die bei der Erstellung einer neuen Kopie eines solchen Produkts entstehen, belaufen sich auf nahezu null. Und weil diese Unternehmen das öffentliche Internet als Vertriebsweg nutzen, fallen viele Kapitalinvestitionen für sie gar nicht erst an, die traditionelle Unternehmen bewältigen müssen. YouTube muss keine Produktionsstudios oder Übertragungsanlagen errichten.
Weil immer mehr Wirtschaftssektoren dazu übergehen, diese einzigartigen Möglichkeiten der Computernetzwerke zu nutzen, werden wir voraussichtlich weitere Arbeitsplatzverluste erleben. Das Elektrizitätsnetz trug einst dazu bei, breite Mittelschichten zu erschaffen; es könnte sein, dass das Computernetz dazu beiträgt, diese Mittelschichten wieder zu zerstören.
Die kulturellen Auswirkungen des cloud computing werden genauso einschneidend sein. Der Prozess der Elektrifizierung beschleunigte die Expansion der Massenkultur. Vermittelt durch populäre Fernsehshows und Radioprogramme, durch Filme, Bücher und Werbesendungen, teilten immer mehr Menschen gemeinsame Erfahrungen. Das Internet, das sich nicht nur zu einem universellen Computer entwickelt, sondern auch zu einem universellen Medium, entfaltet völlig andere Kräfte, die die Kultur unserer Gesellschaften wiederum neu zu formen versprechen.
Die größten Hindernisse bei der Versorgung mit kreativen Produkten – hohe Kosten und Engpässe beim Vertrieb – verschwinden zusehends. Weil die meisten Kulturgüter aus Wörtern, Bildern oder Tönen bestehen, die alle digitalisiert werden können, lassen sie sich so billig reproduzieren und vertreiben wie jedes andere Informationsprodukt auch. Viele Kulturprodukte können heute auch einfacher hergestellt werden; dafür sorgen die Software- und Speicherkapazitäten des cloud computing, aber auch Produktionswerkzeuge wie Camcorder, Digitalkameras und Scanner. Arbeitsgänge, die früher nur mit viel Geld und Fachkenntnissen bewältigt werden konnten, etwa Filmentwicklung oder Tonmischung, können nun von Amateuren daheim erledigt werden. An der enormen Ausbreitung von Blogs, Podcasts und Videoclips zeigt sich die neue Ökonomie der kreativkulturellen Produktion.
Der Wandel von der Knappheit zum Überfluss auf dem Gebiet der Medien bedeutet, dass wir bei der Entscheidung darüber, was wir lesen, sehen oder hören wollen, viel mehr Auswahl besitzen als unsere Eltern und Großeltern. Wir können unseren privaten Vorlieben frönen und uns in unsere maßgeschneiderten Medienkokons zurückziehen. »Früher wurde unsere Kultur durch ihre jeweils populärsten Ausprägungen definiert«, schreibt Chris Anderson, der Autor des Buches The Long Tail. »Jetzt definieren eine Million Nischen unsere Kultur.« Die riesige Zahl der Wahlmöglichkeiten ist aufregend. Ihnen wohnt, wie Anderson schreibt, das Versprechen inne, uns »von der Tyrannei des kleinsten gemeinsamen Nenners« zu befreien und stattdessen »eine Welt der unbegrenzten Vielfalt« zu erschaffen.
Aber mehr Wahlmöglichkeiten bedeuten nicht notwendig auch bessere Wahlmöglichkeiten. Viele kulturelle Güter wie beispielsweise erstklassiger Journalismus bleiben in ihrer Herstellung teuer oder erfordern die sorgfältige Arbeit begabter Fachleute. Darum ist es wichtig zu fragen, wie die Veränderungen der Medienökonomie diese Güter beeinflussen werden. Wird sich weiterhin ein zahlungswilliges Publikum von ausreichender Größe finden, um ihren Fortbestand sicherzustellen? Oder werden sie schließlich von kostenlosen und frei zugänglichen Produkten aus dem Markt gedrängt? Der Zusammenbruch der Zeitungswirtschaft in den Vereinigten Staaten spricht jedenfalls dafür, dass manche der wertvollsten kreativen Arbeiten niemals ihren Platz auf dem Basar der YouTube-Wirtschaft finden werden. Es könnte sich herausstellen, dass die Kultur der Vielfalt, die das Internet erschaffen hat, in Wirklichkeit nur eine Kultur der Mittelmäßigkeit ist – viele Kilometer breit, aber nur ein paar Zentimeter tief.
Das Internet hat für Millionen Menschen das Leben besser gemacht. Aber das Internet hat auch seine dunklen Seiten, und auch diese werden stärker hervortreten, wenn das Netz zum wichtigsten Austauschmedium für Handel, Kommunikation und Kultur wird.
Wem sollte diese elementar wichtige neue Infrastruktur gehören?
Wie jede andere öffentliche Versorgungseinrichtung ist das weltweite Datennetz ebenso sehr ein politisches wie ein kommerzielles Konstrukt. Wem sollte diese elementar wichtige neue Infrastruktur gehören? Brauchen wir neue Regelwerke, um sicherzustellen, dass ein Unternehmen wie Google kein globales Informationsmonopol erlangt? Wie schützen wir lokales Wirtschaften und örtliche Kulturen vor den uniformierenden Wirkungen des weltweiten Informationssystems? Alle diese Fragen erfordern die Aufmerksamkeit von Politikern und Öffentlichkeit. Welche Form die »Wolke« annimmt und wie sie sich auf die Gesellschaft auswirken wird, das hängt wahrscheinlich von Entscheidungen ab, die in den nächsten paar Jahren getroffen werden.
Viele der Merkmale, die unsere moderne Gesellschaft ausmachen, haben sich erst nach der allgemeinen Elektrifizierung entwickelt. Der Aufstieg der Mittelschichten, die Expansion der öffentlichen Bildung, das Aufblühen der Massenkultur, der Umbruch von der industriellen Ökonomie zur Dienstleistungswirtschaft – nichts davon wäre möglich gewesen, hätten nicht Elektrizitätswerke verlässlich billigen Strom zur Verfügung gestellt. Heute unterstellen wir ganz selbstverständlich, diese Entwicklungen seien beständige Kennzeichen unserer Gesellschaft. Aber das ist eine Illusion. Sie sind die Nebenprodukte einer besonderen Kombination ökonomischer Kräfteverhältnisse, die ihrerseits die technologischen Verhältnisse der Zeit widerspiegelten. Vielleicht werden wir schon bald entdecken: Was wir für die zeitlosen Fundamente unserer Gesellschaft gehalten haben, sind in Wirklichkeit nur temporäre Strukturen.
Aus dem Englischen von Tobias Dürr
- Datum 08.11.2009 - 10:53 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle DIE ZEIT, 05.11.2009 Nr. 46
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Gibt es für diesen Artikel eine Online-Adresse für das englische Original?
Thanx,
F. Mayer
Ich bin nicht die Redaktion, aber ich vermute mal (ungeprüft), das Herr Carr ein altes Kapitel aus The Big Switch: Rewiring The World, From Edison to Google mit neuen Erkenntnissen etwas aufgefrischt hat. Quasi ein »Selbstplagiat« was ihm ja auch zusteht. Die aktuelle Variante wird sich wohl erst in seinem nächsten Buch finden, falls es nicht eine spezielle „Zeit“-Version war.
Diese unangenehme Eigenschaft des Internets (Inhalte bleiben erhalten) macht es für Journalisten ja auch so schwierig, die Summe ihre Einzelartikel später etwas aufgefrischt als Sachbücher zu verkaufen. Verständlich, aber erklärbar.
Ich bin nicht die Redaktion, aber ich vermute mal (ungeprüft), das Herr Carr ein altes Kapitel aus The Big Switch: Rewiring The World, From Edison to Google mit neuen Erkenntnissen etwas aufgefrischt hat. Quasi ein »Selbstplagiat« was ihm ja auch zusteht. Die aktuelle Variante wird sich wohl erst in seinem nächsten Buch finden, falls es nicht eine spezielle „Zeit“-Version war.
Diese unangenehme Eigenschaft des Internets (Inhalte bleiben erhalten) macht es für Journalisten ja auch so schwierig, die Summe ihre Einzelartikel später etwas aufgefrischt als Sachbücher zu verkaufen. Verständlich, aber erklärbar.
Nach 25 Jahren Erfahrungen mit Computern, davon fast 20 Jahre beruflich, bin ich überzeugt, daß sich die "einschneidenden Änderungen" überwiegend schon ereignet haben.
Sicher: Wir benötigen kein Telex mehr, und auch das gute Telefax wird weniger wichtig. Reisen kann man manchmal durch Videokonferenzen vermeiden. Und private Datenbestände stehen weltweit durch VPN gesichert zur Verfügung. Aber das ist - wenn man es mit Abstand betrachtet - nur Informations-Logistik.
Die Menschen müssen weiter Brötchen kaufen - die kommen nicht per IP-Protokoll - und müssen weiter wohnen udn Auto fahren. Das baut man auch nicht virtuell. Der Niedergang von Second Life läßt grüßen.
Wir haben bereits ein Qualitätsproblem bei Informationen. Doch dies liegt in der Verantwortung des Kunden, sich verläßliche Quellen zu suchen - und ggf. den Gegenwert zu bezahlen.
Sorgen macht mir die dummen Menschen, die ihre ganzen privaten Datenmüll von Blogs bis zu pikanten Urlaubsphotos im Web publizieren müssen, vorzugsweise bei "kostenlosen" Diensten, denen man dann noch alle Rechte daran abtritt - was die meisten kaum zur Kenntnis nehmen. Doch bleibt die Frage: Wen interessiert der Datenmüll - bis vielleicht auf Marktforscher, Personalchefs, Bekannte und Kriminelle?
Fazit: Meine Daten lagern ausschließlich auf lokalen Systemen. Meine Programm laufen sämtlich lokal. Und Internet-Seiten rufe ich zumeist über deren Adresse direkt auf. Also Google: Ihr könnt ruhig ein paar Tage abschalten und Urlaub machen!
Wie alle Medien steht und fällt das Internet mit dem gesellschaftlichen Bedarf und Willen, es zu nutzen. Zu den ökonomischen Dimensionen des Artikels halte ich lieber meinen Mund, davon habe ich keine Ahnung. Aber über die "dunklen Seiten" des Internets kann ich etwas sagen: Das goldene Zeitalter ist vorbei. Nach 10 Jahren, die wir Early Adopters das Netz (mehr oder weniger) für uns hatten, haben jetzt die Inhaber unserer höchsten Ämter und die großen und kleinen Wirtschaftskapitäne endlich VERSTANDEN, was das Internet wirklich ist. Im kommende Jahrzehnt, wird das Internet zuerst nach ihrem Willen neugestaltet werden. Und es wird eine fürchterliche Gestalt sein, die wir erblicken werden.
Oder um es mal mit Lev Manovich zu sagen.
"A Western artist sees Internet as a perfect tool to break down all hierarchies and bring the art to the people (while in reality more often than not using it as a super-media to promote his / her name ). In contrast, as a post-communist subject, I cannot but see Internet as a communal apartment of Stalin era: no privacy, everybody spies on everybody else, always present line for common areas such as the toilet or the kitchen."
http://www.manovich.net/T... 1996 [sic!]
Und als Schlußwort: Ja! Die scheinbar "zeitlosen Fundamente unserer Gesellschaft […] sind in Wirklichkeit nur temporäre Strukturen." Ja, ja und nochmals ja!
"Unternehmen wie YouTube können deshalb mit so wenigen Mitarbeitern so schnell wachsen, weil ihre Produkte vollständig virtuell sind." ...und weil sie sich nicht um den Erwerb der Rechte kümmern.
Nach ebenfalls 20 Jahren Tätigkeit in Werbung und Journalismus kenne ich dieses Fehlurteil nur zu gut. Der Rechner bleibt, was er immer war - ein dummes Werkzeug, dem man jeden noch so kleinen Schritt erklären muss. Die riesige Internetgemeinde ist, was ihren Auswurf betrifft, nur so gut, wie der Einzelne, der dort schreibt, krickelt oder filmt. Derzeit befinden wir uns in einer Übergangsphase und es ist fraglich, ob hochwertige Angebote in Zukunft noch gänzlich kostenfrei bleiben können. Fraglich ist auch der Inhalt der abermillionen unprofessionellen Websites, die am "Küchentisch" gecoded werden. Die Folge kann durchaus sein, dass die Userschar keine Lust mehr auf halbgare Inhalte hat und hier eine Konsolidierung statt findet. Natürlich gibt der Rechner jedem Menschen erst einmal die Möglichkeit - theoretisch - eine Site zu bauen und auch Texte und Bilder zu kommunizieren. Man kann sich auch eine CNC-Drehbank kaufen und selber Felgen drehen - mit denen man dann am nächsten Baum landet. Das würde man natürlich nicht tun. Bald wird auch der Information-Overkill öde werden und minderwertige Information wird langweilen, das Interesse, für lau zu arbeiten, wird verfliegen. Führt man sich die Ergebnisse vor Augen, sind die Websites/Unternehmen, die bislang übrig blieben, erfolgreich waren - nur sehr wenige - im Vergleich zu der schieren Masse an Versuchen - denn die Ausfallquote ist das eigentlich Auffällige am Netz.
Seit einiger Zeit verfolge ich Kommentare in verschiedenen Qualitaetszeitungen, die zum Ausdruck bringen, dass im Internet sich eine Umsonstkultur breitgemacht habe, die es den Verlegern von Qualitaetsguetern - insbesondere in den USA - das Ueberleben schwermache.
Dabei ist mir um den Journalisten, der heute noch Qualitaet liefert, nicht bange. Dieser schafft es auch noch, seine kommerziellen Interessen zu wahren, indem er beispielsweise einen Essayband zu einem
Themenkomplex zusammenfasst, der ueber die Tagesaktualitaet hinausreicht.
Den Spagat, den ich im Vergleich der ZEIT und ZEIT Online erlebe, ist aus meiner Sicht schwer nachvollziehber.
Waehrend DIE ZEIT sich zu wichtigen Themen mit namhaften Autoren in die Oeffentlichkeit begibt, besteht seit einiger Zeit die Onlinausgabe auch aus mangelhaft Zusammengebasteltem - falls sie es nicht ganz so hart moegen: aus einer Assemblage - von Nachtichtenagenturen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Herausgeber von Qualitaetsblaettern Stiftungen gruenden und Freunde und Foerderer einladen, geistreiches im deutschen Sprachraum zu kommunizieren.
Die Kommentare sind zum Teil interressanter als der Artikel selbst. Das alleine zeigt die Mächtigkeit der sozialen Medien im Internet. Carr ist eine Author der von einem Medienmacher ausgewählt wurde. Es gibt aber viel mehr interessante Meinungen als jene der von Politik und Umsatz getriebenen. 'Wissenschaftler' verabscheuen Wikipedia, weil der 'Laienhafte Unfug' ihnen keine Forschungsgelder und Nobelpreise bringt. Politiker haben vor politischen Blogs Angst. Medienkonzerne fürchten um die Kontrolle des Copyrights.
Leider erlaubt das Internet aber auch den perfekten Überwachungsstaat. Als erstes müßten wir also die sozialen Medien dazu nutzen um uns vor dieser Überwachung zu schützen. Kinderpornographie und Terrorismus sind doch nur Mäntelchen und Angstmacher.
Bezüglich Arbeitlosigkeit und fallendem Lebensstandard ist zu sagen, dass unsere übertriebener Sozialstaat daran Schuld ist der mit Asien in Konkurrenz steht. In USA sind es am ehesten die Militärausgaben, die zum ersten Mal nicht nur die amerikanische Wirtschaft ankurbeln.
Bezüglich Privatsphäre ist klar, dass nicht Unternehmen oder Staat, sondern nur das Individuum darüber entscheiden darf was, wo und wie lange gespeichert wird und von wem inklusive Gerichten verwendet werden darf. Alles andere hätte mit Demokratie nichts zu tun. Vorratsdatenspeicherung ist der Auftrag an die Post jeden Brief zu öffnen und eine elektronische Kopie in einer Volltextsuchdatenbank abzulegen. Die Stasi hätte so etwas geliebt ...
Die Kommentare sind zum Teil interressanter als der Artikel selbst. Das alleine zeigt die Mächtigkeit der sozialen Medien im Internet. Carr ist eine Author der von einem Medienmacher ausgewählt wurde. Es gibt aber viel mehr interessante Meinungen als jene der von Politik und Umsatz getriebenen. 'Wissenschaftler' verabscheuen Wikipedia, weil der 'Laienhafte Unfug' ihnen keine Forschungsgelder und Nobelpreise bringt. Politiker haben vor politischen Blogs Angst. Medienkonzerne fürchten um die Kontrolle des Copyrights.
Leider erlaubt das Internet aber auch den perfekten Überwachungsstaat. Als erstes müßten wir also die sozialen Medien dazu nutzen um uns vor dieser Überwachung zu schützen. Kinderpornographie und Terrorismus sind doch nur Mäntelchen und Angstmacher.
Bezüglich Arbeitlosigkeit und fallendem Lebensstandard ist zu sagen, dass unsere übertriebener Sozialstaat daran Schuld ist der mit Asien in Konkurrenz steht. In USA sind es am ehesten die Militärausgaben, die zum ersten Mal nicht nur die amerikanische Wirtschaft ankurbeln.
Bezüglich Privatsphäre ist klar, dass nicht Unternehmen oder Staat, sondern nur das Individuum darüber entscheiden darf was, wo und wie lange gespeichert wird und von wem inklusive Gerichten verwendet werden darf. Alles andere hätte mit Demokratie nichts zu tun. Vorratsdatenspeicherung ist der Auftrag an die Post jeden Brief zu öffnen und eine elektronische Kopie in einer Volltextsuchdatenbank abzulegen. Die Stasi hätte so etwas geliebt ...
"Es könnte sich herausstellen, dass die Kultur der Vielfalt, die das Internet erschaffen hat, in Wirklichkeit nur eine Kultur der Mittelmäßigkeit ist – viele Kilometer breit, aber nur ein paar Zentimeter tief."
Das hat sich schon längst als unwahr herausgestellt.
Wir brauchen einfach keine "sorgfältige Arbeit begabter Fachleute" mehr, die uns die Informationen unter einer dicken Decke aus Eloquenz und Intelligenz tendenziös aufbereiten.
Institutionell gesteuerte Medien sind immer Interessenvertreter.
Ich, und Millionen andere, konsumieren ihre Informationen am liebsten roh, ungekocht, ohne das Glutamat der Lobbys.
Müssen die Köche jetzt hungern? ;)
Ein Pirat
Wir brauchen sehr wohl Fachleute mit Urteilskraft und den entsprechenden Mitteln, die für eine Recherche nun einmal notwendig sind. Hierzu zählen auch einfach finanzielle Mittel und eine Logistik, die ein Hobbykrickler gar nicht aufbringen kann. Diese ist aber notwendig, um "anständig" berichten zu können. Vielmehr ist es so, dass aus der finanziellen Not heraus nur noch über Dinge berichtet wird, die "billig" zu recherchieren sind. Es kommt also keine Information hinzu, es geht viel davon verloren.
Die angeblich rohe Information ist ebenfalls nicht so roh, wie einfältige Konsumenten meinen - sie ist einfach nur noch weniger objektiv, weil auch sie durch Schreiber aus ihrer Sicht dargestellt wird - nur eben noch weniger kontrolliert und nachvollziehbar, keinem Ethos unterworfen, rechtlich nicht abgesichert und womöglich aus der Quelle Hörensagen.
Wer sich damit zufrieden geben will, mag das tun. Er, sie, es soll sich hinterher aber nicht beschweren.
Wir brauchen sehr wohl Fachleute mit Urteilskraft und den entsprechenden Mitteln, die für eine Recherche nun einmal notwendig sind. Hierzu zählen auch einfach finanzielle Mittel und eine Logistik, die ein Hobbykrickler gar nicht aufbringen kann. Diese ist aber notwendig, um "anständig" berichten zu können. Vielmehr ist es so, dass aus der finanziellen Not heraus nur noch über Dinge berichtet wird, die "billig" zu recherchieren sind. Es kommt also keine Information hinzu, es geht viel davon verloren.
Die angeblich rohe Information ist ebenfalls nicht so roh, wie einfältige Konsumenten meinen - sie ist einfach nur noch weniger objektiv, weil auch sie durch Schreiber aus ihrer Sicht dargestellt wird - nur eben noch weniger kontrolliert und nachvollziehbar, keinem Ethos unterworfen, rechtlich nicht abgesichert und womöglich aus der Quelle Hörensagen.
Wer sich damit zufrieden geben will, mag das tun. Er, sie, es soll sich hinterher aber nicht beschweren.
Wir brauchen sehr wohl Fachleute mit Urteilskraft und den entsprechenden Mitteln, die für eine Recherche nun einmal notwendig sind. Hierzu zählen auch einfach finanzielle Mittel und eine Logistik, die ein Hobbykrickler gar nicht aufbringen kann. Diese ist aber notwendig, um "anständig" berichten zu können. Vielmehr ist es so, dass aus der finanziellen Not heraus nur noch über Dinge berichtet wird, die "billig" zu recherchieren sind. Es kommt also keine Information hinzu, es geht viel davon verloren.
Die angeblich rohe Information ist ebenfalls nicht so roh, wie einfältige Konsumenten meinen - sie ist einfach nur noch weniger objektiv, weil auch sie durch Schreiber aus ihrer Sicht dargestellt wird - nur eben noch weniger kontrolliert und nachvollziehbar, keinem Ethos unterworfen, rechtlich nicht abgesichert und womöglich aus der Quelle Hörensagen.
Wer sich damit zufrieden geben will, mag das tun. Er, sie, es soll sich hinterher aber nicht beschweren.
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