Energie Von Russland lösenSeite 2/2

Verhindern lässt sich zumindest Nord Stream wohl nicht mehr. Bleiben noch die Konkurrenzprojekte South Stream und Nabucco in Südeuropa. Würden beide gebaut, wäre das, als baute man eine ICE-Strecke und parallel dazu eine für den Transrapid. Das zeigt, wie wenig schlüssig die EU, ihre Mitgliedsstaaten und ihre Energiekonzerne agieren. Nabucco wird gebaut, um nichtrussische Quellen anzuzapfen. Unterstützt wird das Projekt von der EU-Kommission und vom Energiekonzern RWE. Frankreich wiederum buhlt um eine Beteiligung an der Pipeline South Stream, bei der auch Italiener und Bulgaren mitreden – und die vor allem russisch ist. Offenbar ist sich Europa uneins, ob Russland zu trauen ist oder nicht. Schneller lässt sich Geld nicht verbrennen.

Auch in der Frage nach der grand strategy spricht Europa nicht mit einer Stimme. Polens Premier Donald Tusk ist für die Atomenergie als »billige und ökologische Energiequelle« und lehnt deshalb neue Gaskraftwerke ab, Großbritannien kündigte gerade den Bau von mindestens zehn Kernkraftwerken an. In Paris hingegen setzt der Stromkonzern EDF auf Gas. Und wie wichtig das Thema Energie ist, darüber scheinen Europas Spitzenpolitiker ebenfalls unterschiedlicher Ansicht zu sein. Auf einem von Bulgarien angestoßenen Energiegipfel war Deutschland im Sommer mit einem Abteilungsleiter aus dem Bundeswirtschaftsministerium vertreten. Etwas wichtiger könnte Berlin die Sorgen just der Osteuropäer um Energiesicherheit schon nehmen.

Dann sind da noch viele offene Fragen: Wo soll Gas gelagert werden? Sollen Konzerne die Hoheit über ihre Gasnetze verlieren, wie es die EU-Kommission wiederholt verlangt? Wie lange sollen Speicher einen Versorgungsengpass überbrücken? Die Regierungen sollten den Schwung der Klimaschutzdebatte nutzen und auch ihre Energiepolitik koordinieren. Damit wäre in Sachen Energiesicherheit schon viel gewonnen. Auch ganz ohne South Stream und Nabucco.

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Leser-Kommentare
  1. "Bleiben noch die Konkurrenzprojekte South Stream und Nabucco in Südeuropa."

    Vor allem die Nabucco-Trasse dürfte Herrn Birol sehr am Herzen liegen, führt sie doch über türkisches Territorium. Die Ostseepipeline würde die Notwendigkeit von Nabucco stark in Frage stellen. Außerdem würde sie den Transitländern wie der Ukraine die Möglichkeit nehmen, über eine Blockade der für Westeuropa bestimmten russischen Gaslieferungen auf Rußland und die europäischen Staaten politischen Druck ausüben zu können.

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