Sonderschule "Sonderweg in die Sackgasse"Seite 3/3

ZEIT: Warum können gerade Sonderpädagogen mit dieser Vision oft so wenig anfangen?

Stein: Weil auch sie im heutigen System sozialisiert wurden und viele glauben, dass Kinder am besten gefördert werden, wenn man sie getrennt unterrichtet. Viele Sonderpädagogen – aber auch Eltern – sind zudem skeptisch, dass sämtliche der frei werdenden Ressourcen im integrativen System tatsächlich ihren Schützlingen zugutekommen. Und sicherlich spielt bei manchem auch die Angst eine Rolle, in der allgemeinen Schule schwerer zurechtzukommen.

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ZEIT: Diese Lehrer haben Angst vor der normalen Schule?

Stein: In gewisser Weise ja. Diese Unsicherheit ist ja auch nicht ganz unberechtigt. Hätten wir überall finnische Schulen, dann wäre die Skepsis gegenüber der Inklusion wesentlich geringer. Dennoch haben die vielen Bewerbungen zum Jakob Muth-Preis für inklusive Schulen, den wir kürzlich veranstaltet haben, gezeigt, dass es in vielen Schulen einen Aufbruch gibt. Diese Beispiele zeigen, dass Leistung und Gerechtigkeit im Bildungssystem kein Widerspruch sind.

Die Fragen stellte Martin Spiewak

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 16.11.2009 um 8:06 Uhr

    ...Symptom der Lüge Sozialstaat. Wie die Kundenbetreuer ihre Kunden ausnahmen mit Zertifikaten und Schrottanleihen und miesen Versicherungpolicen, versprachen die Volksparteien gross und viel. Sie taten es um ihre Jobs zu sichern und wir bezahlten ihre Jobs. Nun bezahlen wir ihre Pensionen und stellen fest, dass die Politiker und Beamten ihren Vertrag nicht erfüllten. Wo bleiben die Klagen vor Gericht? Ist das nicht wie bei den Bankern auch Betrug und Veruntreuung? Warum gilt es hier nicht als Verbrechen? Die Versprechen waren doch auch zur persönlichen Bereicherung dieser Leute. Sie waren doch die Fachleute, die sagten sie würden machen, obwohl sie wußten oder hätten wissen müssen, dass das alles unmöglich war. Nicht anders als der krimminelle Anlageberater, der das sprichwörtliche alte Omachen Schweinebauchwarenterminzertifikate zur Sicherung ihres Lebensabends verkauft.

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    Ähm, was hat ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun?

    Da alles so eingefahren, festgedrückt und wenig Änderungswille herrscht, sehe ich schwarz für obige Veränderungen.

    Zudem wer entscheidet, dass jemand förderungsbedürftig ist? Ich möchte meinen, einige Lehrer wären auch besser dran, wenn man sie mehr fördert.

    Ähm, was hat ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun?

    Da alles so eingefahren, festgedrückt und wenig Änderungswille herrscht, sehe ich schwarz für obige Veränderungen.

    Zudem wer entscheidet, dass jemand förderungsbedürftig ist? Ich möchte meinen, einige Lehrer wären auch besser dran, wenn man sie mehr fördert.

  1. 2.

    Ähm, was hat ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun?

    Da alles so eingefahren, festgedrückt und wenig Änderungswille herrscht, sehe ich schwarz für obige Veränderungen.

    Zudem wer entscheidet, dass jemand förderungsbedürftig ist? Ich möchte meinen, einige Lehrer wären auch besser dran, wenn man sie mehr fördert.

    Antwort auf "Und wieder ein..."
  2. Ich fürchte, wenn die Frage nach dem verwendeten Geld die wesentliche Frage ist, dann wird aus der Förderung nichts g`scheites mehr.

    M.E. liegen die Probleme auf anderen Ebenen:
    - Zuallererst ist doch das Kind in den Mittelpunkt zu stellen, sein Förderbedarf - und die Möglichkeiten wer diese Leistungen für das Kind am Besten erbringen kann.
    - Gibt es denn auch genügend Pädagogen, die diese Förderung durchführen können? Nach meiner Erfahrung (die allerdings schon 15 Jahre zurückliegt) ist dies sicherlich nicht der Fall.
    - Die Rolle der Eltern spielt hier ebenfalls eine sehr große Rolle. Das fängt an bei der Akzeptanz, dass ich ein Kind habe, das entsprechend gefördert werden muss und geht weiter bei den Eltern der nicht-behinderten Kinder, dass ein behinderter Mitschüler die Chancen des eigenen Kindes nicht beeinträchtigt.
    - Die Fragwürdigkeit der Diagnosen sind im Artikel ja schon angesprochen worden - wenn die einzelnen Beeinträchtigungen in den verschiedenen Bundesländern weit auseinanderliegen, dann liegt das wohl weniger an den Kindern als an den Diagnosen.

    Viel wäre schon geholfen, wenn nicht das in unserem Schulsystem immanente Kastendenken immer wieder durchbrechen würde so nach dem Motto "Ich bin schließlich Sonderpädagoge, ich weiß besser, was das Kind braucht".

    Und natürlich sollte es auch erlaubt sein zu überlegen, welchen Schulabschluss ein Kind mit Handycap überhaupt schaffen kann und seine Förderung auch darauf abstellen.

    • HSIL
    • 16.11.2009 um 20:16 Uhr

    "Sie treffen sich in den Pausen, lernen unter einem Dach, machen zusammen Projekte und gehen auf eine Schule. Das ist ein Riesenunterschied zur heutigen Situation."

    ...und da es an der Regelschule ja so etwas wie Stigmatisierungen, physische wie psychische Gewalt nicht gibt, leben alle fröhlich unter einem Dach!!

  3. Den Bertelsmännern geht es darum, dass Humankapital über einen Kamm zu scheren - und zwar kostengünstig.

  4. Und das ist für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung häufig nicht viel. Die UN-Konvention fordert eine Schule für ALLE, nicht für "mehr Förderschüler" wie von Frau Stein ausgelegt...
    Außerdem lässt sich Inklusion nicht einfach per Gesetzbeschluss erzeugen. Die Gesellschaft, und in Bezug auf Bildung ganz besonders die Gruppe der Lehrer und Erzieher, muss mit der Thematik vertraut gemacht und von deren Möglichkeiten und Chancen überzeugt werden. Wird diese Vorarbeit ausgelassen und "Inklusion" einfach durch bauliche Umbaumaßnahmen und räumliche Zusammenführung von sogenannten Förderschülern mit Regelschülern übers Knie gebrochen, ist das Ganze zum Scheitern verurteilt und mit Sicherheit keine Inklusion.
    Um Integration oder gar Inklusion zu leben, benötigt es die Offenheit und das Vertrauen in jeden Schüler, dass er alles lernen kann, wenn man es ihm richtig vermittelt. Inklusion ist nur auf Basis einer entwicklungslogischen Didaktik möglich, die den gemeinsamen Unterricht von homogenen Lerngruppen durch innere Differenzierung sinnvoll gestaltbar macht. Lernen in dieser Form wäre für alle ein Gewinn, einschließlich der Lehrkräfte.
    Aber die Initiierung dieses Prozesses benötigt sehr viel Energie, so dass es in Kombination mit den zahlreichen gesellschaftlichen Vorbehalten immens schwer ist, eine umfassende und gewinnbringende Umsetzung des großen Ziels der "Inklusion" zu realisieren.
    Dennoch ist es mehr als lohnenswert diese Energie aufzubringen!

  5. Allerdings nicht erst oder gar ausschließlich für den Bereich der Schule, sondern für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens.
    Wenn ALLE Kinder bereits im Vorschulalter gemeinsam spielen und lernen und entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen Unterstützung erhalten können sie sich miteinander zu mündigen Mitgliedern unserer Gesellschaft entwickeln. Dadurch lösen sich so manche Vorurteile bereits vor der Schulzeit in Luft auf, da ALLE vom gemeinsamen Lernen profitieren und zumindest bei den Kindern selbst keine Barrieren in den Köpfen entstehen!

    Bei Inklusion im Bildungsbereich geht es nicht um mehr Plätze für Förderschüler an Regelschulen, sondern um eine bessere Bildung für ALLE von Anfang an!

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