Studentenproteste "Befreit die Uni!"

Wird es auch in Deutschland eine große Protestwelle an den Unis geben? Die protestierenden Studenten in Österreich hoffen darauf, denn sie werden langsam müde.

Besetzter Hörsaal an der Uni Innsbruck

Besetzter Hörsaal an der Uni Innsbruck

Zuerst ist es nur ein Gerücht. In Deutschland haben sie das erste Audimax besetzt, erzählt jemand, bald fallen auch Städtenamen: Heidelberg, Potsdam, Münster. Und immer wieder die Rückfragen: Stimmt das? Echt? Die Innsbrucker Studenten, die seit Ende Oktober tapfer in einem Hörsaal der Sozialwissenschaftlichen Fakultät ausharren, wollen es nur allzu gern glauben. Sie hocken inmitten von Transparenten, Computerterminals und Schlafsäcken, müde gekämpft in immer neuen, öffentlichkeitswirksamen Protestaktionen.

Unter dem Motto "University for sale" haben sie vor der Aula Inventar, Studiengänge und sogar die Studenten ihrer Hochschule versteigert, mit schwarzen Masken und aufgemalten Matrikelnummern sind sie durch die Innenstadt gezogen, um ein Zeichen gegen den vermeintlichen Uniformitätszwang der neuen Bachelorstudiengänge zu setzen. Und dann ist da das fast schon heilige Banner "Free Uni", das erst an der Salzburger Festung gehangen hat und dann an der Innsbrucker Europabrücke.

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Jetzt ist es unterwegs nach München, raunen sie sich im Sowi-Hörsaal zu. Als aus dem Gerücht von den deutschen Uni-Besetzungen Realität wird, bricht Jubel aus in Innsbruck. Und nicht nur dort: Auch die Wiener Studenten, die gerade noch den Berufsverkehr mit ihrer Demo lahmgelegt haben, und ihre Mitstreiter von Salzburg bis Linz halten den Atem an: Springt jetzt der Funke über zum großen Nachbarn im Norden? Schnell werden Online-Schaltungen organisiert, Wien ruft Heidelberg, und Potsdam ist auch schon im Livestream.

Auch wenn es in Innsbruck in den letzten Tagen noch keiner so sagen mochte: Deutschland ist die neue, große Hoffnung der streikenden Österreicher, denn ihnen droht allmählich die Puste auszugehen. Vor mittlerweile drei Wochen haben die Besetzungen in Wien ihren Anfang genommen, die Studenten des Alpenstaats haben etwas geschafft, was ihren deutschen Kommilitonen beim Uni-Streik des vergangenen Sommers nicht gelungen war: einen Protest zu organisieren, der dauerhaft ist und nicht nach ein paar Aktionstagen im Sand verläuft.

Dann hatte den Innsbrucker Besetzern sogar noch ein Mitglied der konservativen ÖVP einen Riesengefallen getan: Der Student hatte über die angeblich schweigende Mehrheit der Studenten räsoniert, die ihren Hörsaal unverzüglich zum Studieren wiederhaben wolle. Keine Parole der Besetzer hätte einen größeren Mobilisierungsschub für die Fortsetzung der Proteste auslösen können, der Antrag scheiterte mit 370 zu 7 Gegenstimmen, am Ende war sogar der kleinlaute Antragsteller für die Besetzung.

Jetzt setzt die Erschöpfung ein. Die allabendlich wiederkehrenden stundenlangen Grundsatzdebatten über Basisdemokratie und geeignete Repräsentationsformen fordern ihren Tribut. Dazu kommt, dass die Besetzer mühsam nach Feinbildern suchen. Der Rektor? Unterstützt die Proteste von Anfang an. Und die Vizerektorin für Lehre und Studierende, in deren Zuständigkeit die viel kritisierte Bolognareform fällt, setzt sich abends schon mal gern ins Besetzerplenum und lauscht den Reden. All das passt zum ausgeprägten Bedürfnis der Protestierer, gemocht zu werden.

"Wir sind seit einer Woche hier, dafür sieht der Hörsaal doch echt sauber aus, oder?", sagt Stephanie Rauscher, 29. Ein bärtiger Student berichtet stolz, bisher sei nichts kaputtgegangen, und den Müll räumten sie auch weg. "Wir wollen die Unterstützung der Öffentlichkeit, keinen Stress", sagt Rauscher, die sich nach der Versteigerungsaktion nett bei der Vizerektorin für die Möglichkeit zum Demonstrieren bedankt hat. Ohne das gewisse Quäntchen Konfrontation aber fällt das Motivieren schwer.

Immerhin ist Verlass auf den unpopulären ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn, der die Wellen der Wut regelmäßig hochschlagen lässt. Er wechselt zwar bald als EU-Kommissar nach Brüssel, verfügt aber immer noch über Aussitzerqualitäten. Über die bereits zugesagten 34 Millionen Euro und eine für den 25. November zugesagte Dialogveranstaltung hinaus sehe er keine Notwendigkeit zu zusätzlichen Maßnahmen, verkündet er überall.

Auch eine repräsentative Umfrage hat den für eine offene Uni kämpfenden Studenten zugesetzt: 86 Prozent der Österreicher sprechen sich, ganz im Sinne der Konservativen, für Zugangsbeschränkungen aus, um der Überfüllung der Hochschulen Herr zu werden. So geht der Blick der Besetzer immer öfter in Richtung Deutschland, von wo täglich neue Belagerungsmeldungen eintreffen – aus Tübingen, Greifswald, Duisburg-Essen, aus Potsdam, Berlin, München. Und am 17. November soll dort dann auch offiziell der Bildungsstreik vom Sommer weitergehen. Die Innsbrucker spüren: Wenn die Proteste in Deutschland abheben, kann ihnen das den Stimmungsschub geben, den sie so dringend brauchen.

 
Leser-Kommentare
  1. bereits vor 1 Woche gingen die Meldungen durch Mailinglisten und Facebook: immer mehr Unis im Land sind besetzt. Tübingen, München, Braunschweig auch Heidelberg. Um nur einige zu nennen! Doch der deutsche Blätterwald schwieg! Schön, dass die Redaktionsstuben langsam aufwachen. Heute Moren der DLF, nun die ZEIT. Vielleicht berichtigte ein holländisches Blatt über die besetzten deutschen Unis? Sodass unsere Presse, 4. Säule der Demokratie, die Tatsache nicht mehr ignorieren konnte?
    Allzu zuversichtlich bin ich trotz allem nicht. Bei den letzten Studentenprotesten marschierten plötzlich Volksvertreter ganz vorne im Demonstrationszug. Ein 'ihr habt ja so recht' auf den Lippen. Die Sache verlief sich dann bald! Auch heute wird die hohe Politik Möglichkeiten finden dem Protest Wind aus den Segeln zu nehmen. Und mit einem Bildung für alle auf den Lippen die Unis weiter zu schleifen.

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    • j-ap
    • 12.11.2009 um 14:52 Uhr

    Soweit ich das sehe, sind die einzigen, die die Uni aktuell schleifen, ihre Besetzer.

    Was soll übrigens dieser lächerliche Slogan für »freien Zugang« zu Bildung (für »alle«, versteht sich—naja, außer für die, die gerade nicht protestieren wollen), wenn man eben diesen freien Zugang gerade recht körperbetont blockiert?

    • macdoc
    • 12.11.2009 um 16:15 Uhr

    solche Nichtberichterstattungen kennen wir zur Genüge. Da werden Protestveranstaltungen der Ärzte mit tausenden Beteiligten organisiert, und in den Medien: NIX!
    Die Presse ist heutzutage-leider- sehr häufig den Interessen der Brötchengeber (sprich: Bertelsmann und Springer) verpflichtet. Dort wird entschieden, was (für sie) wichtig ist und was nicht!
    Leider!

    • j-ap
    • 12.11.2009 um 14:52 Uhr

    Soweit ich das sehe, sind die einzigen, die die Uni aktuell schleifen, ihre Besetzer.

    Was soll übrigens dieser lächerliche Slogan für »freien Zugang« zu Bildung (für »alle«, versteht sich—naja, außer für die, die gerade nicht protestieren wollen), wenn man eben diesen freien Zugang gerade recht körperbetont blockiert?

    • macdoc
    • 12.11.2009 um 16:15 Uhr

    solche Nichtberichterstattungen kennen wir zur Genüge. Da werden Protestveranstaltungen der Ärzte mit tausenden Beteiligten organisiert, und in den Medien: NIX!
    Die Presse ist heutzutage-leider- sehr häufig den Interessen der Brötchengeber (sprich: Bertelsmann und Springer) verpflichtet. Dort wird entschieden, was (für sie) wichtig ist und was nicht!
    Leider!

    • j-ap
    • 12.11.2009 um 14:52 Uhr

    Soweit ich das sehe, sind die einzigen, die die Uni aktuell schleifen, ihre Besetzer.

    Was soll übrigens dieser lächerliche Slogan für »freien Zugang« zu Bildung (für »alle«, versteht sich—naja, außer für die, die gerade nicht protestieren wollen), wenn man eben diesen freien Zugang gerade recht körperbetont blockiert?

    • joG
    • 12.11.2009 um 14:57 Uhr

    ...striked man nicht.

  2. Lieber Herr Wiardar,

    vorerst ist es schön dass nun endlich auch die deutschen Medien beginnen über die andauernden Besetzungen zu berichten.

    Allerdings möchte ich Sie bezüglich der erwähnten Studie auf ein paar Kritikpunkte hinweisen. Sie beziehen augenscheinlich mit den "86 Prozent der Österreicher sprechen sich, ganz im Sinne der Konservativen, für Zugangsbeschränkungen aus" auf eine Telefonumfrage, durchgeführt von dem IMAS.

    Den TeilnehmerInnen der Studie wurde folgende Frage gestellt:

    "In nahezu allen europäischen Ländern gibt es Aufnahmeprüfungen und Zugangsbeschränkungen an den Universitäten. Daher kommt es jedes Jahr in Österreich zu einem Ansturm ausländischer Studenten, die in ihrer Heimat nicht zum Studium zugelassen würden. Halten Sie es unter diesen Umständen für sinnvoll, bestimmte Zugangsbeschränkungen bzw. Aufnahmeprüfungen einzuführen, oder sind Sie gegen solche Beschränkungen?"

    In keiner seriösen Studie würde solch eine Fragestellung durchgehen. Die Frage ist hochgradig suggestiv. Auch sind die angefügten Argumente mehr als zweifelhaft (~ 7% der Studierenden in Österreich sind aus dem Ausland, die machen "die Sau auch nicht fett" - sprich: diese sind nicht der "eigentliche" Grund für die überfüllten Vorlesungen)...

    Na ja, aber dennoch schön dass endlich die Medien beginnen zu berichten.

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    • j-ap
    • 12.11.2009 um 15:14 Uhr

    »(...) diese sind nicht der "eigentliche" Grund für die überfüllten Vorlesungen«

    Da haben Sie recht. Der Grund für die überfüllten Universitäten ist schlicht der, daß jeder Agricola mittlerweile kraft allerhöchsten Beschlußes binnen dreier Jahre fünf »Bildungszertifikate« haben soll, dazu sowohl Matura als auch Abitur auf die entsprechenden Minderniveaus abgesenkt wurden (wie will man sonst 40% eines Jahrgangs zu höheren Bildungsweihen verhelfen?) und sich somit die vorherige Exzellenzauswahl unter den Studenten zeitlich nach hinten verlagerte: Wer früher durch's Abi fiel, steht halt heute nach dem Examen auf der Straße.

    • j-ap
    • 12.11.2009 um 15:14 Uhr

    »(...) diese sind nicht der "eigentliche" Grund für die überfüllten Vorlesungen«

    Da haben Sie recht. Der Grund für die überfüllten Universitäten ist schlicht der, daß jeder Agricola mittlerweile kraft allerhöchsten Beschlußes binnen dreier Jahre fünf »Bildungszertifikate« haben soll, dazu sowohl Matura als auch Abitur auf die entsprechenden Minderniveaus abgesenkt wurden (wie will man sonst 40% eines Jahrgangs zu höheren Bildungsweihen verhelfen?) und sich somit die vorherige Exzellenzauswahl unter den Studenten zeitlich nach hinten verlagerte: Wer früher durch's Abi fiel, steht halt heute nach dem Examen auf der Straße.

  3. "freier Zugang" ist in diesem Sinne etwas abstrakter gemeint als ausschließlich der "physische Zugang". Und sollte man dir das wirklich erklären müssen, na ja. Wobei, sollte der Rest deines Beitrages ebenfalls ernst gemeint sein würde es passen. Wie auch immer.

    • j-ap
    • 12.11.2009 um 15:14 Uhr

    »(...) diese sind nicht der "eigentliche" Grund für die überfüllten Vorlesungen«

    Da haben Sie recht. Der Grund für die überfüllten Universitäten ist schlicht der, daß jeder Agricola mittlerweile kraft allerhöchsten Beschlußes binnen dreier Jahre fünf »Bildungszertifikate« haben soll, dazu sowohl Matura als auch Abitur auf die entsprechenden Minderniveaus abgesenkt wurden (wie will man sonst 40% eines Jahrgangs zu höheren Bildungsweihen verhelfen?) und sich somit die vorherige Exzellenzauswahl unter den Studenten zeitlich nach hinten verlagerte: Wer früher durch's Abi fiel, steht halt heute nach dem Examen auf der Straße.

    Antwort auf "Umfrage unseriös"
    • macdoc
    • 12.11.2009 um 16:15 Uhr

    solche Nichtberichterstattungen kennen wir zur Genüge. Da werden Protestveranstaltungen der Ärzte mit tausenden Beteiligten organisiert, und in den Medien: NIX!
    Die Presse ist heutzutage-leider- sehr häufig den Interessen der Brötchengeber (sprich: Bertelsmann und Springer) verpflichtet. Dort wird entschieden, was (für sie) wichtig ist und was nicht!
    Leider!

  4. Ich kann zwar bei Weitem nicht für alle Studenten unserer Uni sprechen, sondern nur für mich und meine engen Kolleginen, aber ich glaube kaum, dass die österreicherischen Proteststudenten Unterstützung von der Universität St. Gallen /Schweiz) erhalten werden. Wir haben Studiengebühren, Zulassungsbeschränkung für ausländische Studenten und im ersten Jahr wird auch nochmals tüchtig ausgesiebt - und niemand hier hat ein Problem damit.

    Ja, Bildung soll für alle sein - bis zu einem gewissen Grad, aber wer ein Studium absolvieren will, soll 1.) Einsatzbereitschaft und Intelligenz mitbringen (schliesslich kann man ja auch keine Mauererlehre machen, wenn man nicht dafür geeignet ist, wieso soll dann JEDER studieren können sollen?) und 2.) wenigstens einen Teil der Kosten selbst tragen, da er/sie nach dem Studium ja meist mehr verdient (und sonst hat er halt das falsche studiert). Diejenigen, deren Eltern oder die selbst nicht viel Geld besitzen, kann man immer noch über Stipendien finanzieren.

    Bisher klappt alles wunderbar. Unsere Uni ist modern und sauber (nur ein bisschen klein mittlerweile, weil so viele hier studieren möchten), die Betreuung gut, die Lehre ausgezeichnet. Aber eben, das halt halt alles seinen Preis. Wenn man nichts bezahlen will, darf man sich nicht wundern, wenn man dafür auch nichts bekommt.

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    • Hp55
    • 12.11.2009 um 19:14 Uhr

    Die Aussagen rund um Studiengebühren und Selbstbeteiligung könnte man so stehen lassen...wenn es die Steuern nicht gäbe.
    In Österreich zahlt man erst ab einem Einkommen von ca.10.000€ überhaupt Einkommenssteuer. Viele Österreicher -oft ohne Hochschulbschluss - zahlen deshalb nichts.
    Gut Ausgebildete hingegen zahlen...und das nicht zu knapp. Wer über 10.000€/Jahr verdient zahlt am Anfang gleich 36, dazwischen 43 und bei einem Einkommen über 60.000€ 50 Prozent Einkommenssteuer. Schafft es z.B. der (gratis und gut) ausgebildete Anwalt für den Rest seines Lebens 100.000€ im Jahr zu verdienen zahlt er ca.40.000€/Jahr an Abgaben. Schafft er "nur" 50.000 zahlt er immerhin noch so um die 20.000.
    Und von den Verbrauchssteuern gar nicht zu reden...aus rein finanzieller Sicht ist ein Studium keine milde Gabe vom Staat sondern die beste Investition schlechthin...und das gilt wohl in den meisten europäischen Staaten.
    Der Staat profitiert vom Studium also nicht weniger als der Bürger selbst...und sollte eigenlich ein sehr vitales Interesse an vielen Hochschulabgängern haben.

    • maja.
    • 12.11.2009 um 20:51 Uhr

    Würden die Studienbedingungen bei uns ähnlich gut sein, wie bei Ihnen beschrieben, würden wir vermutlich auch nicht besetzen. Unsere Erstsemestler müssen in Übungen, die dem Verständnis für die Mathematik dienen sollen, zu 100 sitzen. Gerade in der Mathematik sind die ersten 2 Semester wichtig. Hier werden die Grundlagen für das komplette Studium gelegt. Wenn da so ungünstige Bedingungen vorliegen, ist die hohe Abbrecherquote nicht verwunderlich. Doch diese Quote sollte nicht Ziel der Uni sein. Klar, aussortiert wird - das wird aber auch, wenn Übungen für 20 Leute angeboten werden. Das traurige ist, dass die Uni das gerne machen möchte. Wir haben leider weder Personal noch Räume um Zusatzangebote zu ermöglichen. Die Leute, die ohne Einsatzbereitschaft (sowohl geistig als auch finanziell) zur Uni kommen, die merken auch schnell, dass es nicht geht. Uns geht es darum, dass die Bedingungen erstmal besser werden - gerade in den Anfangssemestern. Wenn das an Ihrer Uni so ist, dann können Sie sich wirklich glücklich schätzen. Aber verurteilen Sie nicht diejenigen, die für solche Bedingungen streiken und auf sich aufmerksam machen.

    Wenn man Ihren Kommentar liest, koennte man meinen, Studenten seien die Einzigen, die davon profitieren, dass sie sich hoch qualifizieren wollen. Was ja auch richtig ist, schliesslich haben wir hier im deutschsprachigen Raum ja genug Bodenschaetze, mit deren Export wie die Volkswirtschaft am Laufen halten. Was soll man denn da mit einem immateriellen Gut wie Bildung und Wissen anfangen, das bringt doch gar kein Geld ein o.O

    • Hp55
    • 12.11.2009 um 19:14 Uhr

    Die Aussagen rund um Studiengebühren und Selbstbeteiligung könnte man so stehen lassen...wenn es die Steuern nicht gäbe.
    In Österreich zahlt man erst ab einem Einkommen von ca.10.000€ überhaupt Einkommenssteuer. Viele Österreicher -oft ohne Hochschulbschluss - zahlen deshalb nichts.
    Gut Ausgebildete hingegen zahlen...und das nicht zu knapp. Wer über 10.000€/Jahr verdient zahlt am Anfang gleich 36, dazwischen 43 und bei einem Einkommen über 60.000€ 50 Prozent Einkommenssteuer. Schafft es z.B. der (gratis und gut) ausgebildete Anwalt für den Rest seines Lebens 100.000€ im Jahr zu verdienen zahlt er ca.40.000€/Jahr an Abgaben. Schafft er "nur" 50.000 zahlt er immerhin noch so um die 20.000.
    Und von den Verbrauchssteuern gar nicht zu reden...aus rein finanzieller Sicht ist ein Studium keine milde Gabe vom Staat sondern die beste Investition schlechthin...und das gilt wohl in den meisten europäischen Staaten.
    Der Staat profitiert vom Studium also nicht weniger als der Bürger selbst...und sollte eigenlich ein sehr vitales Interesse an vielen Hochschulabgängern haben.

    • maja.
    • 12.11.2009 um 20:51 Uhr

    Würden die Studienbedingungen bei uns ähnlich gut sein, wie bei Ihnen beschrieben, würden wir vermutlich auch nicht besetzen. Unsere Erstsemestler müssen in Übungen, die dem Verständnis für die Mathematik dienen sollen, zu 100 sitzen. Gerade in der Mathematik sind die ersten 2 Semester wichtig. Hier werden die Grundlagen für das komplette Studium gelegt. Wenn da so ungünstige Bedingungen vorliegen, ist die hohe Abbrecherquote nicht verwunderlich. Doch diese Quote sollte nicht Ziel der Uni sein. Klar, aussortiert wird - das wird aber auch, wenn Übungen für 20 Leute angeboten werden. Das traurige ist, dass die Uni das gerne machen möchte. Wir haben leider weder Personal noch Räume um Zusatzangebote zu ermöglichen. Die Leute, die ohne Einsatzbereitschaft (sowohl geistig als auch finanziell) zur Uni kommen, die merken auch schnell, dass es nicht geht. Uns geht es darum, dass die Bedingungen erstmal besser werden - gerade in den Anfangssemestern. Wenn das an Ihrer Uni so ist, dann können Sie sich wirklich glücklich schätzen. Aber verurteilen Sie nicht diejenigen, die für solche Bedingungen streiken und auf sich aufmerksam machen.

    Wenn man Ihren Kommentar liest, koennte man meinen, Studenten seien die Einzigen, die davon profitieren, dass sie sich hoch qualifizieren wollen. Was ja auch richtig ist, schliesslich haben wir hier im deutschsprachigen Raum ja genug Bodenschaetze, mit deren Export wie die Volkswirtschaft am Laufen halten. Was soll man denn da mit einem immateriellen Gut wie Bildung und Wissen anfangen, das bringt doch gar kein Geld ein o.O

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