Jugendsprache
Die Pausenbrücke
Was Eltern aus Jugendwörterbüchern lernen können.
© Tanya Constantine

Die Jugend spricht ihre eigene Sprache: Pons, Langenscheid und Der Duden beschäftigen sich schon länger mit ihr und bringen zu dem Thema eigene Wörterbücher heraus
Es ist ja nicht wirklich obama. Wenn das Jahr zu Ende geht, werden gern Bäume, Vögel oder Sportler des Jahres gewählt. Bei Langenscheidt wird demnächst ein Jugendwort gekürt. Auf der Shortlist stehen unter anderem: Don Promillo (Betrunkener), hartzen (sinnlos rumhängen), Schnecken-TÜV (diese Übersetzung bitte im Internet nachlesen) oder eben obama (neu). Krass abgespaced, die Ausdrücke, um kurz ein paar Vokabeln zu verwenden, die laut dem Wörterbuch der Jugendsprache von Pons besonders "uncool" sind.
Darf man uncool eigentlich noch sagen, wenn cool ein No-go ist? Gott, ist das alles kompliziert geworden. Kein Wunder, dass sich die Profis eingeschaltet haben. Erst Pons, dann Langenscheidt. Der Duden fing schon 2000 an, sich mit einem verwandten Thema, der Szenesprache, zu beschäftigen, und aktualisiert gerade. Neu dabei: Blogorrhoe (durchfallartige Geschwätzigkeit im Internet) oder overchicked (hässlicher Mann, hübsche Freundin). In den Buchhandlungen liegen die Jugendwörterbücher Seite an Seite.
Das Interessante dabei: Es gibt wenig Gemeinsamkeiten, sieht man ab von Schöpfungen wie Feinkostgewölbe (dicker Bauch) oder Ähnlichkeiten wie Achseldackel (stark behaarte Achseln) bei Pons und Achselkatze bei Langenscheidt. So finden sich die Pausenbrücke (Schulstunde), die Einschlafhilfe (Lehrer) und der Heuchlerbesen (Blumenstrauß) nur in dem einen, die Würstelstation (Toilette) und das Grundschulabitur (Hauptschulabschluss) nur in dem andern. Was hat das zu bedeuten? Sollte die Jugend keine gemeinsame Sprache mehr haben? Oder sollen die Supporter (Eltern) etwa beide Bücher kaufen? Na dufte!
- Datum 12.11.2009 - 11:41 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
- Kommentare 8
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Nur empfohlene Kommentare anzeigen
das thema ist neu und interessant.
-.-
Kurt Tucholksky schrieb 1924:
"Eines Tages beschloß der Berliner, etwas Schönes, Angenehmes, Liebliches, etwas, das das Herz erfreut, mit
Knorke
zu bezeichnen...
Aber ›knorke‹ war doch das schönste von allen. Wenn das Wort ausgesprochen wurde, hatte man mit dem angezogenen rechten Unterarm vertikal zur Fußstellung eine kurze Bewegung nach der rechten Brusthälfte hin zu machen, was das Wort wesentlich unterstrich. Dadurch wurde ›knorke‹ erst knorke.
Die Knorkitis wütete. Alles war knorke: Essen, Frauen, Börsengewinste – (es ist schon lange her, schon lange her!) – Anzüge, Renntips und Kinogrößen.
...
Der Fall Knorke war ein bitterer Fall. Knorke überschwemmte alles: die Straßenbahngespräche, die Volksversammlungsreden, die Diskussionen, die Telefongespräche, die Lieder, die Scherzgedichte – knorke, knorke! Wer aber genau hinhorchte, konnte dem gesunden Wort etwas anhören. Es trug seinen Untergangskeim in sich. Auf dem Höhepunkt angelangt, verfiel es der Krankheit seiner Art.
Als eines Abends ein frecher Lümmel das Wort in die volle Untergrundbahn hineinbrüllte, lachte kein Mensch mehr. Das Wort erschrak und ließ sich nochmal brüllen. Es geschah nichts dergleichen. Die Knorke erstarb dem Knaben im Munde. Was war geschehen –?
...
Lebe wohl, ›Knorke‹. Ruhe sanft. Hab keine Angst: deine Familie stirbt nicht aus. Du bekommst Nachfolger. Die Menschen brauchen das wohl, etwas, das alle sagen, etwas, das alle tun, etwas, woran alle glauben. ...
Chorus mysticus: »Knorke!«"
" Was hat das zu bedeuten? Sollte die Jugend keine gemeinsame Sprache mehr haben? Oder sollen die Supporter (Eltern) etwa beide Bücher kaufen? Na dufte! "
Ich glaube eher das die beiden herausgeber sich nur irgendwelche "jugendlich" klingenden Begriffe ausgedacht haben um mal wieder ein nutzloses Buch auf den Markt bringen zu können
Dito!
Jugendsprache ist mehr oder weniger abhängig von individuellen Subkulturen und regionalen Gegebenheiten (Stadt-Landbevölkerung; Dialekt, soziale Herkunft etc.). Davon ab reden Jugendliche ohnehin wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, auch wenn die eben genannten Faktoren eine Rolle spielen.
Ob das wirklich "Jugendwoerter" sind, laesst sich heutzutage so einfach wie noch nie herausfinden: einfach mal danach googlen.
Pausenbruecke und Heuchlerbesen tauchen nur im Zusammenhang mit dem Buch auf. Würstelstation und Grundschulabitur tauchen auch in anderen Zusammenhaengen auf, nur eben mal gar nicht mit den angegebenen Bedeutungen.
Dito!
Jugendsprache ist mehr oder weniger abhängig von individuellen Subkulturen und regionalen Gegebenheiten (Stadt-Landbevölkerung; Dialekt, soziale Herkunft etc.). Davon ab reden Jugendliche ohnehin wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, auch wenn die eben genannten Faktoren eine Rolle spielen.
Ob das wirklich "Jugendwoerter" sind, laesst sich heutzutage so einfach wie noch nie herausfinden: einfach mal danach googlen.
Pausenbruecke und Heuchlerbesen tauchen nur im Zusammenhang mit dem Buch auf. Würstelstation und Grundschulabitur tauchen auch in anderen Zusammenhaengen auf, nur eben mal gar nicht mit den angegebenen Bedeutungen.
Es ist doch immer wieder amüsant zu sehen, was die erwachsene Welt so von mir weiß, andererseits ist dies auch deprimierend, denn sie weiß wohl sehr wenig.
Könnten sich die Herren und Damen von Langenscheidt/Pons und wie die anderen Sprachpanscher heißen mögen sich erstmal ein wenig in der "Szene" umsehen, bevor sie solchen Müll produzieren?
Nahezu sämliche Wörter, die mit "uns" Jugend in Verbindung gebracht werden waren mir bis zur Nennung unbekannt, "unsere" Sprache existiert nicht, je nach soz. Umfeld, Region, ja sogar Schule unterscheidet sich diese Sprache, die übrigens viel näher am Hochdeutsch angelehnt ist, als allgemein gedacht (wer sich kryptisch ausdrückt wird bloß ausgelacht).
Ein Merkmal zeichnet allerdings alle diese Begriffe aus(die, die überlebten):
Wer sie hört, versteht was gemeint ist, vorausgesetzt er/sie hat auch nur ein bisschen Ahnung, weshalb es nie Kommunikationsschwierigkeiten unter "uns" gibt.
Grüße von eurer "Zukunft"
Hintergrund ist doch, dass der junge (& vielleicht auch der nicht mehr ganz junge) Mensch im Erfinden von neuen Wörtern sich die Sehnsucht erfüllt, selbst kreativ zu sein, - in einer Welt, in der fast alles vorgefertigt scheint. An ein sicheres Einnisten in den deutschen Sprachschatz denkt dabei wahrscheinlich niemand, man erlebt sich als kreativ & die Augen leuchten schon, wenn das Wort von vielen Mitmenschen aufgegriffen wird. Förderlich ist es sicher, wenn das neue Wort Denk- oder Sprechblockaden entschärft oder wenn es allzu beschönigendes Werbe- oder Politikgeschwafel ironisch brandmarkt.
Sollte Ihr Artikel nur in der Funktion geschrieben sein, Vorschläge für Weihnachtsgeschenke zu machen, kann man ihn akzeptieren. Nicht vergessen sollten wir aber dabei, dass wir im Kindesalter Worte kreieren, nicht "lernen" (& dabei oft auch gerne lachen). Wer sich dies bis ins Jugendalter bewahrt hat, wird wahrscheinlich später zu den Tüchtigeren im Beruf gehören!
Nur nicht den Kindern schenken. Das wäre eine peinliche Einmischung. Aber es geht auch Zuhören.
Gabs auch früher schon. In Bravo, Stern u. a. Die Frage ist ja auch, ob Erwachsene und Eltern alles wissen müssen. Das ist ja mittlerweile auch schnellebig. Wer also mit Veraltetem auftrumpft, hat erst recht verloren.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren