Strafverfolgung Entscheidung in ManhattanSeite 3/3
Zu Ende war die Sache damit allerdings nicht: Etliche Beteiligte bei KPMG und anderen Beratungsfirmen wie Ernst & Young und BDO sowie Steueranwälte sind seither verurteilt worden oder bekannten sich gleich schuldig, um ein Verfahren zu vermeiden; einer ist ins Ausland geflohen. Unterdessen haben viele Privatanleger die Deutsche Bank angegriffen. »Die Deutsche Bank war entscheidend für das Geschäft mit den Steuersparmodellen«, behauptet Blair Fensterstock, ein New Yorker Anwalt, der eine Reihe von Klägern laut eigener Aussage »erfolgreich« vertreten hat. Nachdem die Deutsche Bank sich jahrelang vehement gewehrt hatte, einigte sie sich im Februar 2007 mit einem Schlag auf einen Vergleich mit 340 Investoren. Über die Summe wurde Stillschweigen vereinbart. »Meine Kunden sind sehr zufrieden«, erklärte der Anwalt David Deary gegenüber der New York Times.
Ärger genug. Dabei sind das nur die alten Geschichten.
Der Mann im amerikanischen Justizministerium, der jetzt im Juni die Anklage gegen Daugerdas und seine Helfer bei der Deutschen Bank bekannt machte, heißt John DiCicco. »Unehrliche und betrügerische Steuerfachleute, ob Berater, Anwälte oder Banker, sollten aufmerken und sich diese Anklage genau anschauen«, sagt er. Es ist derselbe Mann, der für das Vorgehen gegen die UBS zuständig war.
In der jetzt erhobenen Anklage stehen auch zwei ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank vor Gericht: Craig Brubaker, der in der Deutsche-Bank-Niederlassung in Dallas arbeitete, und David Parse, ein Anlageberater der Bank in Chicago. Der Staatsanwalt sagt: Nicht nur diese beiden angeklagten Mitarbeiter waren bei der Bank an den Steuerspartransaktionen beteiligt. Das lässt vermuten, dass diese Anklage nur ein Anfang ist. Allein hätte ein Mann wie Brubaker es wohl nie geschafft, diese Wunder des Finanz-Engineerings herbeizuführen.
Die Staatsanwälte glauben, dass Brubaker die Devisenhändler der Bank aufgefordert hat, die Wertpapiere so zu konstruieren, dass die Wahrscheinlichkeit eines (höchst unpassenden) Gewinns so gering wie ein Volltreffer beim Lotto war. Und selbst den, behauptet die Staatsanwaltschaft, hätte die »Bank A« im Ernstfall noch verhindert. Die Steuervermeidungshelfer hätten gewusst, dass »Bank A dafür sorgen würde, dass die Option niemals einen Lotteriegewinn erzielen würde«. Der Ankläger wirft den Bankern also nicht nur vor, die Finanztransaktion geplant und ausgeführt zu haben – sondern auch, bereit gewesen zu sein zu manipulieren. Ein schwerwiegender Vorwurf gegen eine international agierende Großbank.
Der Staatsanwalt zitiert Schreiben zwischen den Angeklagten, die die Ermittler in die Finger bekamen. In einer E-Mail an einen der beteiligten Wirtschaftsprüfer erklärt der Deutsche-Bank-Berater Brubaker, warum es besser sei, Währungsoptionen statt etwa Aktienoptionen für die Steuersparmodelle einzusetzen. »Die Devisenmärkte sind deutlich weniger reguliert, es wird 24 Stunden gehandelt und so weiter, und es ist für die Jungs einfacher, den Markt von diesen Treffern wegzubewegen.«
Es wird der Deutschen Bank kaum gelingen, dass es um die Affäre so still bleibt wie bisher. Einer der beschuldigten Wirtschaftsprüfer hat sich bereits vor Prozessbeginn schuldig bekannt. Der Steueranwalt Daugerdas beteuert weiter seine Unschuld und will fest davon überzeugt sein, dass »die Steuerberatung, die er seinen Mandanten erteilte, durch die damals herrschende Steuergesetzgebung abgedeckt war«, wie er über eine Sprecherin ausrichten ließ. David Parse sieht sich zu Unrecht vor Gericht. »Er ist kein Steuerexperte, er war Investmentbroker«, sagt seine Anwältin. Brubaker ist nicht erreichbar.
Und die Deutsche Bank selbst? Sie hat in einem Zwischenbericht vom 30. September 2009 unter der Rubrik »Sonstige Eventualverbindlichkeiten« eingeräumt, dass das US-Justizministerium (DOJ) »strafrechtliche Ermittlungen wegen steuerbezogener Geschäfte« durchführe. Geschäfte, »die etwa zwischen 1997 und Anfang 2002« stattgefunden hätten. »Die Ermittlungen des DOJ dauern an«, heißt es da. Die Deutsche Bank führe Gespräche über die Einstellung des Verfahrens.Die Deutsche Bank bestätigt auch die Anklage gegen »zwei ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen ihrer Beteiligung an bestimmten steuerbezogenen Geschäften während der Dauer ihrer Beschäftigung bei der Deutschen Bank«. Darüber hinaus lehnt die Deutsche Bank über diesen Fall aber Auskünfte ab. Sie verweist auf das laufende Verfahren.
»Die Frage ist nicht, ob, sondern wann die Deutsche Bank dran ist«, sagt Rechtsexperte Peter Henning, der selbst früher einmal ein Ermittler beim US-Justizministerium war. Er hält es für möglich, dass die Deutsche Bank eine Milliarde Dollar zahlen muss, um das Ermittlungsverfahren abzuschütteln. Diese Einschätzung teilen auch andere befragte Experten.
Es wird jetzt ernst. Das Bundesgericht in Manhattan hat für den 4. Dezember ein erstes Treffen in der Sache Daugerdas angesetzt.
- Datum 14.11.2009 - 19:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
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Dabei dachte ich ja immer,dass die Milliardengewinne auf ehrliche und moralisch einwandfreie Art und Weise zustande gekommen sind...Wer hätte sich DAS bloss denken können?tsts,Sachen gibts!
Weil es in D-land eine Verquickung von Staatsgewalt und Bankern gibt, für die eine eigene Rechtsprechung gilt und diese auch durch die Beteiligten massiv beeinflusst werden kann. Nennt man hier drüben realexistierenden Neoliberalismus oder auch crony capitalism.
Und wieder ein Beitrag, in dem zum Teil blindlings wiedergegebene Sachverhalte eigentlich nur Behauptungen sind, die aber auch sehr geeignet sind, zum x-ten mal mit dem Feindbild Kapitalismus auf die Inärenz moralischer Verwerflichkeit von Unternehmen anzuspielen. Siehe geistige Ergüsse ("tarasenko"&"laudatio"). Wichtiger wäre ein kritischer Blick auf die wahre Motivation der amerikanischen Justiz für solche Anschuldigungen.
Wer fragt einmal danach, warum sich US-Klagen, vorangetrieben oft von einfluss- und geldge*len Staatsanwälten oder US-Kanzleien, auffallend häufig gegen "nicht-amerikanische Banken und Unternehmen" richten, die mit US-Personen direkt oder mittelbar geschäften?
Was mögen Hauptgründe dafür sein, dass fast immer europäische Firmen die Betroffenen sind? Welchen Einfluss spielt ggfs. ein Listing an der SEC?
Bereits haben mehrere europäische Länder inkl. Gr.Brit. als auch die EU-Kommission Einsprachen beim obersten US-Gerichtshof lanciert, weil sich immer mehr US-Gerichte als zuständig für Rechtsangelegenheiten ausserhalb ihres Zuständigkeitsberichs erklären und Recht Richtung Millarden-Schadenersatzklagen pervertiert (UBS, Dt.Bank, Siemens, Infineon, EADS, HoffRoche u.a.m.)
Es gibt gute Gründe, sehr vorsichtig mit solchen Beschuldigungen aus dem US-Raum zu sein. In Tat und Wahrheit geht es um einen Wirtschaftskrieg gegen Europa, in dem der Kauf von Whistleblowern, juristische Erpressung, Nötigung uam valide Mittel sind, und weniger um Steuergerechtigkeit!
"Bereits haben mehrere europäische Länder inkl. Gr.Brit. als auch die EU-Kommission Einsprachen beim obersten US-Gerichtshof lanciert, weil sich immer mehr US-Gerichte als zuständig für Rechtsangelegenheiten ausserhalb ihres Zuständigkeitsberichs erklären und Recht Richtung Millarden-Schadenersatzklagen pervertiert (UBS, Dt.Bank, Siemens, Infineon, EADS, HoffRoche u.a.m.)"
Ich bin dankbar dafür, dass es überhaupt jemanden gibt, der diesen korrupten Instituten auf die Finger klopft.
Übrigens verffolgen US Staatsanwälte nicht nur Ausländer.
Sie sind aber durchaus zuständig, wenn deren Verbrechen in den USA und gegen die Gesetze der USA stattfinden.
Dass sich Siemens und UBS kriminell betätigt haben ist ja wohl unstrittig und dass die Deutsche Bank von Dutzenden deutscher Städte wenn auch erfolglos beklagt wurde sollte einen zu dieser wohl auch auf kluge kritische Distanz gehen lassen.
In den Kommentaren drück sich zu Recht der Frust über die deutsche und andere europäische Regierungen aus, die mit diesen "Leuten"(schweren Herzens versage ich mir hier einen polemischen Ausdruck) ein wenig zu eng verflochten ist
"Bereits haben mehrere europäische Länder inkl. Gr.Brit. als auch die EU-Kommission Einsprachen beim obersten US-Gerichtshof lanciert, weil sich immer mehr US-Gerichte als zuständig für Rechtsangelegenheiten ausserhalb ihres Zuständigkeitsberichs erklären und Recht Richtung Millarden-Schadenersatzklagen pervertiert (UBS, Dt.Bank, Siemens, Infineon, EADS, HoffRoche u.a.m.)"
Ich bin dankbar dafür, dass es überhaupt jemanden gibt, der diesen korrupten Instituten auf die Finger klopft.
Übrigens verffolgen US Staatsanwälte nicht nur Ausländer.
Sie sind aber durchaus zuständig, wenn deren Verbrechen in den USA und gegen die Gesetze der USA stattfinden.
Dass sich Siemens und UBS kriminell betätigt haben ist ja wohl unstrittig und dass die Deutsche Bank von Dutzenden deutscher Städte wenn auch erfolglos beklagt wurde sollte einen zu dieser wohl auch auf kluge kritische Distanz gehen lassen.
In den Kommentaren drück sich zu Recht der Frust über die deutsche und andere europäische Regierungen aus, die mit diesen "Leuten"(schweren Herzens versage ich mir hier einen polemischen Ausdruck) ein wenig zu eng verflochten ist
Die hohe Politik in Deutschland will die Steuerhinterziehung nicht bekämpfen.
In Hessen wurden bekanntlich mehrere hochmotivierte und erfolgreiche Steuerfahnder mit Hilfe eines gefälligen ärztlichen Gutachters für verrückt erklärt und kalt gestellt.
Schließlich leben wir in einer Bananenrepublik.
"Bereits haben mehrere europäische Länder inkl. Gr.Brit. als auch die EU-Kommission Einsprachen beim obersten US-Gerichtshof lanciert, weil sich immer mehr US-Gerichte als zuständig für Rechtsangelegenheiten ausserhalb ihres Zuständigkeitsberichs erklären und Recht Richtung Millarden-Schadenersatzklagen pervertiert (UBS, Dt.Bank, Siemens, Infineon, EADS, HoffRoche u.a.m.)"
Ich bin dankbar dafür, dass es überhaupt jemanden gibt, der diesen korrupten Instituten auf die Finger klopft.
Übrigens verffolgen US Staatsanwälte nicht nur Ausländer.
Sie sind aber durchaus zuständig, wenn deren Verbrechen in den USA und gegen die Gesetze der USA stattfinden.
Dass sich Siemens und UBS kriminell betätigt haben ist ja wohl unstrittig und dass die Deutsche Bank von Dutzenden deutscher Städte wenn auch erfolglos beklagt wurde sollte einen zu dieser wohl auch auf kluge kritische Distanz gehen lassen.
In den Kommentaren drück sich zu Recht der Frust über die deutsche und andere europäische Regierungen aus, die mit diesen "Leuten"(schweren Herzens versage ich mir hier einen polemischen Ausdruck) ein wenig zu eng verflochten ist
Die DEUTSCHE BANK hat in den USA die weltweite Wirtschaftskreise durch den Verkauf von Schrottimmobilien mitverursacht. In Deutschland ist sie an der Pleite verschiedener Banken beteiligt. Und als guter Freund unserer Bundeskanzlerin, Frau Dr. Merkel, durfte der DEUTSCHE BANK-Chef Ackermann eine Geburtsfeier für Geschäftsfreunde im Bundeskanzleramt veranstalten. Dazu passt der Satz aus dem sehr interessanten Biographie von Ingeborg Proir "Sophies Vermächtnis" (KNAUR 2006): Die Deutschen ..."Sie haben ihre Moral verloren. Sie denken nur an Geld" (S. 266).
Herzliche Grüsse
Klaus Metzger
HILDESHEIM
www.twitter.com/klmmetzger
ich frage mich, warum die hiesige Staatsanwaltschaft nie solche Dinge entdeckt,
Tut sie doch gelegentlich: Z. B. Zumwinkel und (auch wenn's da nicht primär um Steuerhinterziehung ging) der Prozess um die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone.
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