Indexfonds Einfach war gestern

Der Markt für Indexfonds ist rasant gewachsen. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, erfinden die Anbieter komplizierte Produkte

Deutsche Börse in Frankfurt: Die kurze Geschichte der Indexfonds ist ein Wachstumsgeschichte

Deutsche Börse in Frankfurt: Die kurze Geschichte der Indexfonds ist ein Wachstumsgeschichte

Als vor wenigen Wochen zehn neue Fonds des Anbieters Ishares an der Deutschen Börse zum Handel zugelassen wurden, sprach Rainer Riess von einem Meilenstein. Der Managing Director des Bereichs Xetra Market Development bei der Deutschen Börse hatte tatsächlich allen Grund, sich zu freuen. Mit der Zulassung überschritt die Anzahl an der Börse handelbarer Indexfonds die Marke von 500.

Die noch kurze Geschichte der börsengehandelten Indexfonds – auch Exchange Traded Funds (ETFs) genannt – ist eine Wachstumsgeschichte. Im Jahr 2000 mit drei Produkten an der Deutschen Börse gestartet, sind laut Schätzungen von Ishares europaweit inzwischen mehr als 140 Milliarden Euro in gut 800 Produkten investiert. Während klassische Fonds seit Ausbruch der Finanzkrise Marktanteile verloren haben und sich nur langsam wieder erholen, stieg der Geldzufluss in die ETFs in den vergangenen zwölf Monaten weiter.

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Von Anfang an genossen die Indexfonds einen guten Ruf. Und tatsächlich sind ETFs frei von gleich mehreren Makeln der klassischen Publikumsfonds: Es gibt keinen Manager, der sie verwaltet, stattdessen beschränken sie sich darauf, einen Index wie zum Beispiel den Dax abzubilden. Das Argument der ETF-Fans: Nur eine kleine Zahl aktiver Fondsmanager schafft es, deutlich besser abzuschneiden als die großen Aktienindizes. Da keiner im Voraus weiß, wer dazugehört, sei es einfacher, gleich den Index zu kaufen und so zwar nie im besten Fonds investiert zu sein, aber immer zur Spitzengruppe zu gehören.

Der zweite große Vorteil der ETFs sind die niedrigen Kosten. Das liegt daran, dass sie keinen Fondsmanager bezahlen müssen und andererseits über die Börse vertrieben werden. Das spart Geld, weil keine Bank dazwischengeschaltet ist, die einen Ausgabeaufschlag kassiert. Außerdem zahlen ETFs den Banken, bei denen sie im Depot liegen, keine Bestandsprovisionen. Bei herkömmlichen Fonds machen diese jährlichen Zahlungen, die nur dafür fällig werden, dass der Anleger den Fonds weiter im Portfolio behält, oft rund die Hälfte der jährlichen Gebühren aus. Bei Produkten auf die größten Indizes – zum Beispiel Dax oder Euro Stoxx 50 – machen sie meist höchstens 0,2 Prozent des Anlegevolumens aus. Zum Vergleich: Bei einem herkömmlichen Fonds sind es rund zwei bis vier Prozent.

Allerdings drohen die Vorteile aufzuweichen. So schnell der Markt auch wächst – die Zahl der Anbieter wächst schneller. Inzwischen konkurrieren allein auf dem deutschen Markt 13 Anbieter um die Gelder der Anleger.

So mancher Indexfonds ist für Anleger nicht mehr zu verstehen

Da ETFs nicht wie herkömmliche Fonds eine interessante Story rund um ihr Management erzählen können, bleibt den Anbietern wenig Raum für Differenzierung. »Wir beobachten bei neuen Anbietern, dass sie auf zwei Arten versuchen, neues Terrain zu erschließen«, sagt Henning Seeler, Fondsexperte bei der Comdirect-Bank. »Das geht einmal über günstigere Gebühren und andererseits indem sie Produkte auf immer diffizilere Indizes auflegen.« Beim Preis gibt es jedoch gerade bei den beliebten Produkten kaum Luft nach unten. »Hier liegen die Unterschiede auch höchstens im Bereich einzelner Basispunkte«, sagt Seeler. Ein Basispunkt entspricht gerade einmal 0,01 Prozent des Fondsvolumens.

Was bleibt, ist die Abgrenzung vom Wettbewerb durch neue Formen. Und obwohl das ETF-Prinzip Einfachheit ist, wurden die neuen Produkte immer komplexer. Es begann mit solchen, die ähnliche Aktien enthielten wie ein großer Index, aber ihre Gewichtung neu verteilten. Es folgten gehebelte, teilweise gegen Verluste abgesicherte oder invers zum Index verlaufende ETFs.

Inzwischen gibt es viele Beispiele, die so komplex sind, dass sie kaum ein Verbraucher noch verstehen dürfte. Für ihren Currency Valuation ETF schließt etwa X-trackers, die ETF-Sparte der Deutschen Bank, Kredit- und Anlagegeschäfte in sechs Währungen gleichzeitig ab, um Wechselkursdifferenzen auszunutzen. Damit sie den Erfolg dieser Strategie vernünftig einschätzen können, müssten Anleger das Zinsniveau dieser Währungen ebenso einschätzen können wie die Stimmung an den Aktienmärkten und finanzpolitische Entscheidungen der Regierungen.

Thorsten Winkler findet in dem komplexer werdenden Angebot aber keinen Widerspruch zu der Idee, dass ETFs auch für Privatanleger ein gutes Produkt sind. Er managt mehrere ETF-Dachfonds beim Anbieter Veritas. »Natürlich sind kompliziertere Produkte schwieriger zu durchschauen«, sagt Winkler. »Aber es wird ja auch niemand gezwungen, sie zu kaufen. Wer es transparenter haben möchte, der kann und sollte einfach bei den bewährten Standard-ETFs bleiben.« Institutionelle Investoren wie Veritas könnten aber von der Beimischung komplizierterer Versionen profitieren.

»Sie bieten guten Schutz, aber keine Versicherung gegen Verluste«

Für Anleger bedeutet das wachsende Angebot am ETF-Markt vor allem eines: Ein Fonds ist nicht mehr automatisch transparent und einfach zu verstehen, nur weil ETF draufsteht. Thomas Meyer zu Drewer, Deutschlandchef des ETF-Anbieters Lyxor, sieht das ähnlich, vor allem da der Name ETF ja nur bedeute, dass für einen Fonds laufend aktuelle Börsenkurse gestellt werden. »Ein Fondsanbieter könnte sich also durchaus überlegen, seine als Publikumsfonds schlecht laufende Strategie einfach an der Börse anzumelden, weil er dann mit dem Begriff ETF werben kann«, sagt er.

Um im weiter wachsenden Angebot nicht den Überblick zu verlieren, können Anleger auf verschiedene Hilfsmittel zurückgreifen. »Zunächst mal sollte man sich als wenig erfahrener Anleger auf wenige große Indizes beschränken«, sagt Veritas-Experte Winkler. Ein gutes Basisinvestment sei zum Beispiel eine Kombination aus großen Börsenindizes wie dem Weltindex MSCI World oder dem Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets. Auch die Kosten sollten Anleger im Auge behalten. Die entstehen nicht nur durch die jährlichen Gebühren, sondern auch beim Handeln. Je kleiner der sogenannte Spread – die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis –, desto günstiger kommt der Anleger weg. Bei Indizes mit hohem Konkurrenz- und Preisdruck versuchen die Anbieter so zum Teil, verloren gegangene Marge zurückzuholen.

Darüber hinaus geben verschiedene Ratings von Anbietern wie Scope, der European Derivatives Group oder der Internetplattform Fund Explorer Anhaltspunkte, wie gut ein ETF seinen Index abbildet, wie viel Sicherheit der Emittent bietet und wie gut der Index selbst ist. »Trotzdem bleibt es Käufern bei einem passiven Produkt wie ETFs nicht erspart, sich ausführlicher damit auseinanderzusetzen«, sagt Lyxor-Mann Meyer zu Drewer. «

 
Leser-Kommentare
  1. Das kenn' ich doch irgendwoher - ja, aus der Finanzkrise. Wieso lässt die Bankenaufsicht das immer noch zu? Wer sein Geld in so einen Fonds steckt, den er nicht versteht, soll sich hinterher bitte nicht beschweren, wenn das Geld weg ist.

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  • Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
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  • Schlagworte Dax | Finanzen | Deutsche Bank | Fonds
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