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Das 140 Meter lange Schiff CS Ile de Sein kann stundenlang auf der Stelle ausharren. Zentimetergenau. Selbst bei Windstärke 9, wenn sich die Wellen zehn Meter hoch türmen. »Nicht mehr als eine Handbreit weicht es ab«, sagt Kapitän Frédéric Dubois.

CS steht für Cable Ship, Kabelschiff. Und die Ile de Sein ist eines der mächtigsten der Welt. Mehrere Tausend Pferdestärken Schubkraft – 2000 PS alleine für seitliche Bewegungen – halten mit GPS-Hilfe das Schiff auf Kurs. Sonst könnte das Seekabel reißen und in den Tiefen des Ozeans verschwinden. Und damit Hunderte Millionen Telefonleitungen.

Mehr als 150 Jahre nachdem das erste Unterwasserkabel durch den Ärmelkanal gelegt wurde, hat das Seekabel auch im Satellitenzeitalter keineswegs ausgedient. Im Gegenteil, über 90 Prozent des Sprach- und Internetverkehrs laufen heute darüber. Es ist billiger, bietet mehr Übertragungskapazität und verursacht keine lästigen Echos oder Verzögerungen während des Telefongesprächs.

Die Ile de Sein fasst die Tausende Kilometer lange Leitung direkt aus der Fabrik, der Alcatel Submarine Networks im Hafen von Calais . In Küstennähe kann das Kabel nur im Schneckentempo verlegt werden. Denn hier droht die größte Gefahr. Über die Hälfte der Schadensfälle geht auf Schleppnetze und ankernde Schiffe zurück. Deshalb kommt ein stärker armiertes, schwereres Kabel zum Einsatz. Stellenweise wird es im Meeresboden mit einem ferngesteuerten Roboter-Pflug vergraben. Auf hoher See wird es mit zehn Kilometern pro Stunde einfach auf den Meeresgrund gelassen.

Muss ein Kabel repariert werden, erfolgt die Bergung mit einem Haken , der das Kabel angelt und an Bord hievt. Ist das Seekabel vergraben, kommen vorher unbemannte Mini-U-Boote zum Einsatz. Der Tiefenrekord für einen Reparatureinsatz liegt bei 9400 Metern im Japanischen Meer.

Was aber kann einem Kabel in den unendlichen Tiefen der Meere schon passieren? 1986 verstummte eine Leitung zwischen Tene­riffa und Gran Canaria. Als das Reparaturschiff der Telefongesellschaft AT&T das ­Kabel aus mehr als 1000 Meter Tiefe hochzog, steckten 50 Haifischzähne in der Polymer-Schutzhülle.

Vermutlich wurden die Tiere vom elektromagnetischen Feld angezogen. Fortan schützte ein spezieller Metallmantel die Faserpaare auch in der Tiefsee.