Verstehen Sie das, Herr Schmidt?
di Lorenzo: Wann war das erste Mal?
Schmidt: Das erste Mal war, als er in öffentlicher Rede gesagt hat, mit meinen Sekundärtugenden könne man auch ein KZ leiten.
di Lorenzo: Das war verletzend.
Schmidt: Sollte es auch sein. Hat auch gewirkt.
di Lorenzo: Und das berühmte Wort von Willy Brandt: »Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört«, für das er ja angegriffen worden ist, traf das Ihre Seelenlage auch?
Schmidt: Ja. Es vermied alle juristischen Implikationen und sprach das Gemüt an, wie es Willy Brandts Art gewesen ist.
di Lorenzo: Er war der geschichtlichen Herausforderung gewachsen.
Schmidt: Ja, Helmut Kohl aber auch.
di Lorenzo: War das damals mehr eine Vereinigung oder mehr ein Anschluss?
Schmidt: Es war beides zugleich. Aber das ist zwanzig Jahre her, und inzwischen ist es eine Vereinigung geworden. Die Misslichkeiten des Anschlusses verlieren an Bedeutung, in weiteren zwanzig Jahren werden sie verschwunden sein.
di Lorenzo: Haben wir nicht die Biografien von Millionen von Deutschen einfach plattgemacht?
Schmidt: Ich war absolut dagegen, ehemalige Kommunisten so zu behandeln, wie das in der deutschen Öffentlichkeit geschehen ist.
di Lorenzo: Sie meinen die Ausgrenzung zum Beispiel im öffentlichen Dienst?
Schmidt: Ja, das war ein Pfahl im Fleische einer Nation, die zusammenwachsen sollte und wollte. Da war Adenauer klüger als die Berliner Strafjustiz; er hat nichts dabei gefunden, schlimme Nazis in den Dienst zu nehmen. Kurt Schumacher hat auch nichts dabei gefunden, junge SS-Leute in die SPD aufzunehmen.
di Lorenzo: Aber Sie haben zu Recht auch immer wieder beklagt, dass die Deutschen viel zu nett gewesen sind zu den ehemaligen Nazis.
Schmidt: Man muss sorgfältig unterscheiden: Jemand, der andere Leute in ernsthafter Weise geschädigt oder gar zu Tode gebracht hat, der gehört vor Gericht und verurteilt. Aber jemand, der nichts getan hat, als Informationen über seinen Nachbarn zu sammeln, der war ein normaler Mensch, denn der Nachbar hat über ihn womöglich auch Informationen gesammelt.
di Lorenzo: Wir haben also die Nazis besser behandelt als die ehemaligen SED-Mitglieder?
Schmidt: Ja. Jemanden, der eine Maschinenfabrik oder ein Elektrizitätswerk in Ost-Berlin geleitet hat, nur deswegen abzulösen, weil er der Stasi Mitteilungen gemacht hat, war abwegig.
Die Sache wurde zusätzlich dadurch erschwert, dass ehemalige SED-Mitglieder, heute sind es eigentlich nur noch die ehemaligen Stasi-Zuträger, abgelehnt wurden, während die »Blockflöten«, die Mitglieder der Blockparteien, alle aufgenommen wurden, obwohl sie auch nicht anders waren als die anderen DDR-Bürger. Außerdem kam hinzu, dass in der ehemaligen DDR über Nacht 80.000 oder 100.000 westdeutsche Paragrafen in Kraft traten, mit denen dort niemand umgehen konnte, weshalb viele Ämter und Behörden mit zweitklassigen Wessis besetzt werden mussten. So haben mehrere Faktoren ganz erheblich zur Verzögerung des Zusammenwachsens beigetragen.
Ihre als Buch erschienenen Interviews »Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt« sind längst ein Bestseller. Vor Kurzem kehrten Giovanni di Lorenzo und Helmut Schmidt mit einer neuen Reihe ins ZEITmagazin zurück, die in loser Folge erscheint. In »Verstehen Sie das, Herr Schmidt?« befragt der ZEIT-Chefredakteur den ZEIT-Herausgeber zur aktuellen Politik.
- Datum 12.11.2009 - 11:43 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 12.11.2009 Nr. 47
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Gott ist der Mann altklug.
Bisher hatte ich eigentlich immer eine vage, hohe Meinung über den Altkanzler.
Aber mit diesem Interview gestaltet sich mein Bild über diesen Mann nicht vorteilhaft.
Wie kann man ernsthaft behaupten, wir seien mit den ehemaligen SED Leuten nicht korrekt umgegangen? Ein bisserl Denunzieren unter Nachbarn scheint OK zu sein - auch wenn dabei schlimmste Folgen den Betroffenen anheimfielen.
Wie kann man eigentlich in der Öffentlichkeit so altklug daher reden und sich mit Allen Freund machen wollen?! Ja, morgen kommt der Bundespräsident zum Mittagessen - "du Horst, alles klaro im Amt?"..."joooooah!"
Dann wird da in Zeile (...) des Koalitionsvertrages irgendein Satz hervorgehoben, so als stiller Fingerzeig gegen die Regierung. Mehr will man ja nicht sagen, weil man will ja noch mit Merkel Essen gehen.
Und alle haben wir uns lieb, weil es uns allen ja soooo gut geht, Herr Schmidt. Dir gehts gut Helmut, hast n Chaufeur und genug Knete in der Kasse. Deshalb lebt es sich ja auch so nett, gell?! Immer schön lächeln...
Verstehen Sie, was ich meine?
was heißt hier altklug. Herr Altkanzler Schmidt ist wie ein wohlschmekender in der Sonne ausgereifter Apfel, zumindestens nach den Worten zu urteilen die aus seinem Munde kommen.
ich empfinde ihren beitrag als peinlich. das soll keine beleidigung sein. nur eine empfindung.
BC
...
Ich rate dir, Loddfafnir -
den Rat nimm an!
Er nützt dir, vernimmst du ihn;
er frommt dir, befolgst du ihn -:
des grauen Sprechers
spotte niemals:
gut ist oft Greisenwort!
Verstehen Sie, was ich meine?
was heißt hier altklug. Herr Altkanzler Schmidt ist wie ein wohlschmekender in der Sonne ausgereifter Apfel, zumindestens nach den Worten zu urteilen die aus seinem Munde kommen.
Sowas würde ich vielleicht über 'ne brasilianische Strandschönheit sagen - aber doch nicht über den Altkanzler.
Herr Schmidt sagt von sich desöfteren er sei ein alter Mann. Das mag schon sein, denn es liegt an unserer Natur älter zu werden. Trotzdem möchte ich hiermit herausstellen, dass es wohl einer der wenigen Menschen in der Bundesrepublik ist von denen ich mir eine ellenlange Amtszeit als Kanzler gewunschen hätte. Kurzum wäre es sicher besser gewesen, wenn Kohl und Schmidt getauscht hätten. Deutschland braucht Menschen wie Schmidt! Leider gibt es nur einen davon.
Sehr geehrter Herr Schmidt!
Ach, wie sozialdemokratisch. Den gemäß nächsten Schritt in der Analyse zu finden.
Eine Frage bleibt vor dem Hintergrund, daß Millionen ehemalige Bürger der DDR soetwas wie Deutsche mit Migrantenhintergrund im eigenen Land geworden sind, was die SPD mit den Sozis der DDR, ob sie nun parteilos oder in der Linken sind vor hat; Wie eine Mehrheit links von CDU/CSU/FDP zu organisieren ist?
Was können Sozialdemokraten machen, um die Türen zu öffnen und Verletzungen zu versorgen?
Der Satz, der mit "Eine Frage" beginnt, ist verbaut oder ich vernagelt.
Können Sie noch mal in einfachen kurzen Sätzen sagen, was Sie sagen wollen. Ich würde Sie gerne verstehen.
"Nur Kinder, Narren und sehr alte Leute können sich erlauben, die Wahrheit zu sagen".
(Fand das mal in ner Adenauer-Biografie von Gerboth). Hat, glaube ich, Churchill mal gesagt. Genau dieser Vorzug, geschöpft zudem aus reicher und verantwortlicher Lebenserfahrung ist es, der mich hier so fasziniert.
Altklug finde ich diese Aussagen des Altkanzlers gerade eben nicht.
Die Aussagen haben stets das Potential, gegen den etablierten mainstream zu gehen, dabei doch der Wahrheit Ehre zu machen. Ich erkenne auch einen hanseatischen? preußischen? Zug, ein den Menschen gerechtes Urteil zu fällen.
Z.B. spricht der Altkanzler aus, daß man bei als Kriterium bei der Beurteilung ehemaliger Mitläufer Verletzungen der Gesetze heranziehen sollte, keine Pauschalverurtleilungen. Die im Grunde auf der Hand liegende Wahrheit, dass die Bundesrepublik ehemalige Nazis besser behandelte als ehemalige SED-Mitglieder, wird hier ausgesprochen. Damit fühlt man bei Hr. Schmidt im Gegensatz dem bundesdt. Mainstream, wie etwa von FAZ oder DLF als perpetuum mobile vorgetragen, wie im Himmel der Wahrhaftigkeit.
ja nur ungern, aber dafür, dass er mal allerhöchstens ein mittelmäßig erfolgreicher Kanzler war, nimmt er den Mund ganz schön voll.
Ich habe auf einen solchen Kommentar gewartet. Was haben denn speziell Sie erreicht, sich hier als Richter aufzuspielen - wenn wir schon von ERFOLG sprechen?
Sollten Sie sich auch nur annähernd ein wenig mit der Biographie des Herrn Schmidt auseinandergesetzt haben, wird Ihnen schnell bewusst werden, dass dieser Mann, fernab von Konventionen, einfach das Herz am rechten Fleck hat und sich auch nicht scheut, Wahrheiten auszusprechen.
Und nur weil ein junger Politiker (der, wie sich im nachhinein herausstellte, oftmals gelogen hat, in Affären verwickelt war und Schmiergeldskandale befeuert hat - der alles aussaß und dann das Glück der Geschichte hatte, dass der Mauerfall in seine Amtsperiode fiel) diesen Kanzler dann durch ein Misstrauensvotum (ermöglicht durch das Fähnchen im Winde, die FDP) von seinem Amt 'entfernte', uns AKW und Nato-Nachrüstung brachte, uns trotz der Beweise öffentlich BELOG(!!!) und dann die D-Mark auch noch auf dem Altar der Europäischen Einigung zum Opfer brachte - schliessen Sie daraus, dass uns die Kanzlerschaft des Herrn Schmidt nichts gebracht hat, mittelmässig war.
Mir war Herr Schmidt allemal lieber als alle verlogenen (bewiesenen) Betrüger die nach ihm kamen. Aber jeder hat ein Recht auf seine Meinung - ich lasse Ihnen Ihre, verwehre mich aber gegen ein solches Urteil. Zumal im Hinblick auf Helmut Kohl...welcher kanzler der BRD hat den wirklich 'etwas bewegt' das aus Ihrem Mittelmass herausragt? Das würde mich mal interessieren...
Wobei ich mich daran erinnern kann, dass Schmidt einmal zugegeben hatte,
dass nicht alles, was in seiner Regierung abgelief, auch richtig war.
Sowas hört man von Politikern nicht sehr oft.
Die Zeit, als Helmut Schmidt der Verstand und die Realität und Willy Brandt das Herz und die Idee der SPD waren, diese Zeit, sie fehlt...
Eine Zeit in der man wusste, dass nichts törichtes, ideologisch verfälschtes, getan wird dank Schmidt und trotzdem jeder wusste, dass Brandt nicht zulassen würde, dass jemand zurückgelassen wird. Warum ist das heute nicht mehr möglich? Wieso kann man heutzutage nur noch unterscheiden zwischen Extreme:Entweder politikern als Mitarbeitern und Zuarbeitern der Wirtschaftschefs mit Beihilfe zur Kostenminimierung und Profitmaxmierung oder Extremisten, die meinen, dass Menschen, die Geld verdienen, kriminell sind.
Es wurden dmals unwillentlich Fleischtöpfe angesetzt, die kleiner werden und zu Verteilungskämpfen führen. Schmidt war gegen zweistellige Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst. Hat aber auch selber keine Brioni Anzüge getragen und 30 DM Zigarren geraucht. Wie sagt der Volksmund: Der Vater erstellt`s, der Sohn erhält`s und beim Enkel zerfällt`s.
"Die Zeit, als Helmut Schmidt der Verstand und die Realität und Willy Brandt das Herz und die Idee der SPD waren, diese Zeit, sie fehlt..."
Schmidt und Brandt waren sich spinnefeind. Von den visionären Zielen eines Willy Brandt war Schmidt Galaxien entfernt. Schmidt war halt ein typisch hamburgischer Sozialdemokrat, dem die Pfeffersäcke eben näher stehen als der gemeine sozialdemokratische Wähler. Was daran altersweise sein soll, wenn man wie Schmidt einen cholerischen Spinner wie Herrn Sarazin, der auf gesellschaftliche Randgruppen eindrischt, verteidigt, erschließt sich mir nicht.
Und wer, wie Schmidt, den Egomanen und Selbstdarsteller "Putin ist ein lupenreiner Demokrat" Gerhard Schröder lobt, der die Sozialdemokratie dorthin gebracht hat, wo sie jetzt steckt, hat bei mir jedes Ansehen und jeden Respekt verwirkt.
Man verschone uns mit den "Altersweisheiten" eines Helmut Schmidt.
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