Hoteltest
Gestatten, 407!
Das CitizenM in Amsterdam versteht sich als "Luxushotel für jedermann". Der Luxus besteht darin, dass man alles selbst machen muss
© Citizen M Hotels

Der Duschzylinder ist etwas für Menschen, die sich gerne zeigen
Kein anderer Bereich im Tourismus ruft so oft neue Trends aus wie die Hotellerie. Der neueste heißt Pod Hotel, der Begriff ist von iPod abgeleitet. Diese Hotels beherbergen keine Gäste, sondern mobile citizens , ihre Zimmer sind klein wie Raumkapseln und werden zum Beispiel nano rooms genannt. Und damit sich das Ganze gut verkaufen lässt, hat jedes natürlich seine eigene »Philosophie«. Im Amsterdamer Hotel CitizenM lautet sie: »Erschwinglicher Luxus für jedermann«. Wer einmal das Glück hatte, in einem wahren Fünfsternehotel nächtigen zu dürfen, wem ein Butler einmal das Badewasser einließ und vorm Schlafengehen noch einen Verbena-Tee ans Bett brachte, von provenzalischen Bäuerinnen hand-verlesen, der weiß, wie wenig plausibel dieses Credo ist. Es liegt ja in der Natur des Luxus, dass er nicht für alle erschwinglich sein kann. Oder sollte man eines Besseren belehrt werden?
Das CitizenM befindet sich außerhalb des Altstadtkerns von Amsterdam. Wer Grachten und Museen besichtigt hat, muss mit der Straßenbahn an den Stadthotels vorbei in den Finanzdistrikt fahren, was kein Problem, aber auch kein Komfort ist. Der schlichte Neubau des Hotels mit seiner Glasfassade steht zwischen Wohnhäusern aus den sechziger Jahren und futuristischen Bürotürmen. Kaum ist man eingetreten, blickt man auf große Computer – und wird von jetzt an und für die Zeit seines Aufenthaltes Angestellter des Hotels. Man checkt selbst ein, indem man mit dem Finger einen weiteren Flecken auf den Bildschirm tippt und schließlich eine Plastikkarte zum Eintreten ins Zimmer codiert. Es ist der Moment, in dem man eine Nummer wird: CitizenM 407.
Beim Gang zum Aufzug sieht man Königin Beatrix – ein echter Warhol, der so dezent platziert ist, dass er von keinem anderen CitizenM beachtet, somit aber auch von keinem geklaut wird. Im Aufzug steht man dann mit anderen mobilen Bürgern.Zwei asiatische Gäste spielen Room-Service, sie tragen große Tabletts, auf denen Plastikschachteln mit Fertiggerichten liegen.
Zimmer 407 ist eine weiße, kunstfreie Zone, in der zwei Glaszylinder stehen. Der linke aus Milchglas (Toilette), der rechte aus Klarglas (Dusche). Gleich dahinter füllt das Bett (mit toller Matratze) den Rest des Raumes. Alle 215 Zimmer des Hotels wurden in einer Fabrik gefertigt und dann über dem Erdgeschoss zu einem fünfstöckigen Gebäude aufeinandergestapelt. Sie sind jeweils so groß wie der begehbare Kleiderschrank eines Luxushotels. Als Paar muss man sich hier schon recht gut verstehen, denn was auch immer der eine tut, der andere ist dabei – da ist auch das Milchglas nicht milchig genug. Dafür lassen sich die Zylinder wahlweise grün, blau und lila beleuchten.
»Luxus für jedermann« beginnt im CitizenM bei 69 Euro pro Zimmer. Ein fairer Preis für dieses Hotel. In Zeiten hoher Nachfrage steigt er jedoch auf bis zu 149 Euro. Das Frühstück wird extra berechnet. Nur fällt es schwer, sich am nächsten Morgen zu entscheiden. Im Kühlregal des Restaurants, das CanteenM genannt wird und einem futuristischen Supermarkt gleicht, stapeln sich Plastikboxen. Ein kleiner Klecks vorgefertigtes Instant-Rührei mit einer Tomatenscheibe und einem Hauch von Salami kostet 7,90 Euro. Für das Geld bekommt man in einem Hotel gehobener Kategorie ein frisch zubereitetes Ei an den Tisch gebracht. Im CitizenM schiebt man es selbst in die Mikrowelle.
Ein Croissant lächelt. Da kann man wirklich nicht widerstehen. Man packt noch einen Kaffee, der bitter ist, aufs Tablett und spaziert in die Lobby. Die mobile citizens , die ihren Kaffee aus Pappbechern schlürfen und im Internet etwas gegen die Einsamkeit tun, sitzen hier zum Beispiel auf einem Marshmallow-Sofa von George Nelson, Rundpolster, 18 Farben, schön bunt. Oder auf den von den Schweizer Brüdern Bouroullec entworfenen Vegetal chairs, die ein wenig aussehen wie zu Stühlen umfunktionierte Plastikpflanzen. Nein, um Luxus geht es hier nicht. Es geht um den Willen, Design zu demokratisieren. Das CitizenM hat seine Lobby zu einer kleinen Ausstellungshalle der Firma Vitra gemacht und weist stolz darauf hin. Zumindest das Marketing ist wirklich zukunftsweisend in diesem Hotel.
Nach fast einer Stunde wird der Pappbecher von CitizenM 407 abgeräumt.
CitizenM, Prinses Irenestraat 30, 1077 WX Amsterdam, Niederlande, Tel. 0031-20/8117090, DZ 69 bis 149 Euro, www.citizenmamsterdamcity.com
- Datum 15.11.2009 - 14:09 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
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Die Bezeichnung "pod" ist mitnichten von "iPod" abgeleitet. Vielmehr leitet sich das "Pod Hotel" - wie auch das Produkt aus dem Hause Apple - von "pod" ab:
"a usually protective container or housing:
a: a streamlined compartment (as for fuel) under the wings or fuselage of an aircraft
b: a compartment (as for personnel, a power unit, or an instrument) on a ship or craft.
"pod." Merriam-Webster Online Dictionary. 2009. Merriam-Webster Online. 15 November 2009
Just me being a smartass.
Jetzt also sogar in Hotels. Was kommt als nächstes, muss ich jetzt mein Zimmer vor dem Verlassen noch selber saubermachen? DAS wäre doch mal eine Maßnahme zur Kostensenkung!
Und dann wundern wir uns über Massenarbeitslosigkeit, hohe Steuern und Sozialabgaben.
Nicht jeder kann Abitur machen oder sogar an einer Universität studieren, es muss daher immer auch genug Arbeit für gering qualifizierte Personen geben. Nehmen wir diesen Personen diese Chance, sorgen wir nur dafür, dass sie kein menschenwürdiges Leben führen können -- denn im Gegensatz zu dem von BILD kolportierten Schmarotzer-Image leben die Allermeisten nur sehr ungern von Sozialleistungen.
j
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