Finanzmärkte "Fair Value ist nicht fair"Seite 4/4
ZEIT: Aber langfristig: Können Sie sich eine Welt vorstellen, in der sowohl Deutschland als auch Frankreich ausgeglichene Budgets aufstellen?
de Castries: Es wäre der einzige verantwortliche Weg. Wir wollen auf Dauer kein System, in dem die jetzige Generation auf Kosten der künftigen lebt.
ZEIT: In Deutschland denken viele, die französische Wirtschaft sei staatsfixiert, dominiert seit den Zeiten von Jean-Baptiste Colbert, dem Begründer des Merkantilismus, von einer starken Industriepolitik.
de Castries: Mal abgesehen davon, dass Colbert einer meiner Vorfahren ist: Der Staat ist heutzutage weniger aktiv als früher, weil er viel privatisiert hat. Die Regierung hat auch vermieden, in der Krise eine Bank zu verstaatlichen, während die britische Bankbranche zu großen Teilen in staatliche Hände geriet. Nur in zwei Fällen hat Frankreich überhaupt Anteile gekauft. Ansonsten gehören dem Staat noch einige Versorgungsunternehmen und Rüstungsfirmen. Aber immer weniger. Wir haben im Übrigen Stärken, die Sie als Deutsche nicht haben, und umgekehrt. Ihre größte Stärke ist der Mittelstand: Produktionsfirmen, die technologisch führend sind und viel exportieren – unterstützt dadurch, dass die Schwellenländer sich ausrüsten. Das Risiko liegt im Technologietransfer in diese Länder. Wir in Frankreich haben es dagegen geschafft, eine ganze Reihe unserer Konzerne zu Weltmarktführern zu machen. Veolia. Carrefour. L’Oréal. Danone. Axa. Diese Firmen sind eher dienstleistungsorientiert. Deutschland nimmt das kaum wahr, doch dort gibt es weniger globale Konzerne, die vorangekommen sind.
ZEIT: Immerhin haben wir die Allianz.
de Castries: Als ich begann, war die Allianz eine – wenn nicht die – beherrschende Versicherung. Sie ist immer noch eine Macht. Vom Börsenwert her sind wir jetzt größer als sie, so um eine kleine Milliarde, aber immerhin. (lacht fröhlich) Vor allem musste die Allianz den Fehler verkraften, die Dresdner Bank gekauft zu haben. Wenn ich mal zynisch sein darf: Das war das Beste, was Axa geschehen konnte.
ZEIT: Sie waren immer gegen die Idee eines Allfinanzkonzerns.
de Castries: Mit einem simplen Argument: Nur weil Sie die Milch wollen, müssen Sie nicht die Kuh kaufen. Im Jahr 1980 hatten wir umgerechnet 200 Millionen Euro Umsatz, jetzt sind es 91 Milliarden. Ein erhebliches Wachstum, immer im selben Geschäft. Mein Vorgänger Claude Bébéar…
ZEIT: …der die Firma gegründet hat…
De CastrieS: …ja, er und ich waren gegen das Allfinanzprinzip, weil es zwei Bilanzen mit höchst unterschiedlichen Triebkräften vermischt. Wir haben eine andere Strategie: Das Wesen des Versicherungsgeschäfts ist es, den Menschen zu helfen, ihre Risiken zu verstehen, und ihnen zu helfen, sie einzugehen – und das macht man am günstigsten, wenn man das Geschäft über viele Menschen und viele Länder streut. Dadurch verringert man das eigene Risiko. Wenn ich nur ein lokaler Versicherer in einer Flussgegend bin, ist mein Systemrisiko eine Flut, wenn ich aber 80 Millionen Kunden weltweit habe, ist mein Systemrisiko nur die Explosion des Planeten. Weniger wahrscheinlich.
ZEIT: Ihr größter weltweiter Wettbewerber ist nach wie vor die Allianz?
de Castries: Ja, aber obwohl Axa und Allianz die größten Konkurrenten sind, haben wir gemeinsam nur drei Prozent des globalen Marktes. Deshalb hat man lokal jeweils andere stärkste Wettbewerber.
ZEIT: Und Sie können schön weiterwachsen.
de Castries: Das ist fraglich. Eine Lektion aus dieser Krise ist doch, dass einige Organisationen zu groß waren. Wir wollen gewiss keine zweite Citigroup werden, die in der Krise abstürzte.
ZEIT: Wo liegt das nächste große Risiko für Sparer?
de Castries: Der nächste Krieg ist niemals die Wiederholung des alten Krieges. Das Risiko ist das, was die Franzosen das »Maginot-Syndrom« nennen. (lacht) Extrem teurer Schutz, der absolut nichts bringt. Aber im Ernst, wir glauben, das nächste Risiko für die Kunden ist ein Anstieg der Zinsen. Wir entwickeln in den USA jetzt Produkte, die drei bis vier Prozent garantieren statt der gegenwärtigen fünf Prozent, aber mit Zusatzgewinn, wenn die Zinsen höher steigen.
ZEIT: Wo könnte die nächste Blase entstehen?
de Castries: Im Markt für Staatsanleihen. Denn die langfristigen Zinsen sind derzeit zu niedrig.
ZEIT: Wie gefährlich ist das?
de Castries: Für uns gar nicht. Unsere Verbindlichkeiten laufen ähnlich lang wie die Forderungen. Der Unterschied ist weniger als ein Jahr, also können wir die Staatsanleihen auch bis zum Ende behalten. Doch generell liegt die Gefahr in den langfristigen Zinsen. Das Beste wäre es, wenn sie gleichmäßig und im Aufschwung zunehmend stiegen. Aber wenn sie plötzlich nach oben schießen sollten, hätte eine ganze Reihe von Akteuren neue Probleme.
Das Gespräch führten Uwe Jean Heuser und Gero von Randow
- Datum 15.11.2009 - 11:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
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Dieses Gespräch ist sehr erhellend, da es mit einfachen (verständlichen) Worten die Szenerie beschreibt, und es gibt Hoffnung, dass der Finanz-Wahnsinn vielleicht doch noch gebändigt wird.
Dake für diese guten Fragen und die guten Antworten.
Und im Übrigen ist zu lernen, dass man das Richtige wollen und sogar tun kann, ohne dabei in Trübsinn zu verfallen. Im Ernst noch vergnüglich zu sein, ist gelegentlich wirklich - erholsam.
...in vielfacher Hinsicht und beleuchtet die Thematik aus dem Eigeninteresse des Management seines Konzerns, während es versucht die Argumente mit dem üblichen "Wir gegen Die" emotional zu stärken. Es geht hier nicht um eine "angeksächsische" versus einer "europäsche" Vorgehensweise, sondern ist eine technische Frage der Entscheidung und Bewertung bei Unsicherheit. Im ZEIT Einwurf Deutschland habe gedacht die Krise träfe sie nicht (damals sprach man von Entkopplung) ist alles gesagt. Man weis nicht wie der Verlauf der Dinge sein wird.
Worin er sicherlich Recht hat, ist die Beobachtung, dass die IAS seine Schwierigkeiten mit sich bringt. Die Marktwertbewertung einzelner Positionen erzeugt Verwerfungen in der GuV sowie der Bilanz. Auch ist der Mechanismus in sich prozyklisch und verstärkt daher auf der volkswirtschaftlichen Ebene Blasenbildungen sowie Krisen.
Die Forderung sich von ihr abzuwenden und langfristigere Bewertungsmethoden zu verwenden greift allerdings etwas kurz. Da keiner weiss, wie sich das Geschäft in Zukunft entwickeln wird, ist der einzige Wert einer Position, die sicher ist der heutige Wert. So wird es wohl darauf hinauslaufen eine zweifache Wertbetrachtung vorzunehmen, die zeigt, was der heutige und was der geschätzte Geschäftswert sind. Dabei wird man die asymetrische Bewertung unterschiedlicher Positionen aufgeben müssen.
Mir ist nicht klar, was de Castries mit Fair Value meint? Eigentliche doch Marktwert? Das ist ihm zu volatil. Das IASB (und die Banken) versuchen jedoch, sich mit den FV möglichst vom Markt zu entfernen, indem sie den merkwürdigen Tatbestand einführen, daß der Markt die tatsächlichen Werte nicht mehr richtig abbilde.
Obwohl man mit dem IFRS 9 dem Wunsch der G20-Staaten nach weniger Komplexität nachkommen wollte, wurde er in Brüssel schon nach wenigen Stunden auf Ende 2010 vertagt.
Was dahinter steckt hat sich mir noch nicht erschlossen. Die Banken ließen verlauten, sie könnten damit leben. Die Komplexität hat sich noch einmal erhöht – aber das war nicht der Grund.
Mit dem FV alà „mark-to-model“ kommt über die Derivate erst recht Volatilität in die Märkte. Angenommen die Isländischen Staatsanleihen: Deren Kurse gingen doch zurecht zurück? Gut, eine Stützungsaktion des IWF konnte man vermuten. Dann ging es wieder aufwärts.
Mir ist nicht klar, was de Castries mit Fair Value meint? Eigentliche doch Marktwert? Das ist ihm zu volatil. Das IASB (und die Banken) versuchen jedoch, sich mit den FV möglichst vom Markt zu entfernen, indem sie den merkwürdigen Tatbestand einführen, daß der Markt die tatsächlichen Werte nicht mehr richtig abbilde.
Obwohl man mit dem IFRS 9 dem Wunsch der G20-Staaten nach weniger Komplexität nachkommen wollte, wurde er in Brüssel schon nach wenigen Stunden auf Ende 2010 vertagt.
Was dahinter steckt hat sich mir noch nicht erschlossen. Die Banken ließen verlauten, sie könnten damit leben. Die Komplexität hat sich noch einmal erhöht – aber das war nicht der Grund.
Mit dem FV alà „mark-to-model“ kommt über die Derivate erst recht Volatilität in die Märkte. Angenommen die Isländischen Staatsanleihen: Deren Kurse gingen doch zurecht zurück? Gut, eine Stützungsaktion des IWF konnte man vermuten. Dann ging es wieder aufwärts.
... über das Verhalten der einheimischen Finanz- und Bankenaufsicht, all das unsolide Gebaren der angloamerikanischen Bankster zu kopieren. Eigentlich sollte man annehmen, daß die beim Studium die althergebrachten und sterbenslangweilig stocksoliden kaufmännischen Regeln einer ordentlichen Buchführung gelernt haben sollten. Wenn aber die Gier das Gehirn wegfrißt, nützt das auch nichts mehr. Assistiert dabei noch die einheimische Politik dabei, die gern kritiklos alles das nachäfft, was der ach so große, weise und mächtige Bruder in Übersee da alles zusammenfabriziert, wird es vollends Mist.
500 Milliarden Euro haben die Usa von uns erhalten und uns wurde jahrzehntelang Sparen auf allen Ebenen gepredigt. Offensichtlich ist unsere Regierung durchsetzt mit Transaltlatikern, wie hätte das sonst funktionieren können??????????????
Vom Gender geplagt,von der FED diktiert,
von Medien gezielt uninformiert
macht die Blase mit Krieg frech Geschäfte
das wollte Gott nicht
es ist nun passiert
Was sind nun die Menschenrechte?
Fabriziert auf Papier, gemacht für den Hund
der Hölle,um leichter Nationen zu destabilisieren,
Cerebrus macht die Gesetze der Welt
und will uns Menschen negieren.
Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz
gepriesen von Mächtigen der Welt,
steht doch dem Klimawandel im Weg.
sie merken es nicht
Sie jagen nach Geld
Profite heiligen Phrasen.
Fabriziert auf Papier,gemacht für den Hund
der Hölle, um leichter zu destabilisieren,
Cerebrus machte Gesetze der Welt
und wollte uns Menschen negieren.
Systemrelevant sind die Banken
binden ihre gläubigen Kranken,
Unglaube dient dem die Geschäft nicht.
Wag es , denk selber
Die Sonne scheint noch
viel kostbarer ist uns ihr Licht
Fabriziert auf Papier, gemacht für den Hund
der Hölle, um mich zu destabilisieren
erkenn ich den Wahn, kehre endlich um
und lebe mein Leben nun endlich.
Mir ist nicht klar, was de Castries mit Fair Value meint? Eigentliche doch Marktwert? Das ist ihm zu volatil. Das IASB (und die Banken) versuchen jedoch, sich mit den FV möglichst vom Markt zu entfernen, indem sie den merkwürdigen Tatbestand einführen, daß der Markt die tatsächlichen Werte nicht mehr richtig abbilde.
Obwohl man mit dem IFRS 9 dem Wunsch der G20-Staaten nach weniger Komplexität nachkommen wollte, wurde er in Brüssel schon nach wenigen Stunden auf Ende 2010 vertagt.
Was dahinter steckt hat sich mir noch nicht erschlossen. Die Banken ließen verlauten, sie könnten damit leben. Die Komplexität hat sich noch einmal erhöht – aber das war nicht der Grund.
Mit dem FV alà „mark-to-model“ kommt über die Derivate erst recht Volatilität in die Märkte. Angenommen die Isländischen Staatsanleihen: Deren Kurse gingen doch zurecht zurück? Gut, eine Stützungsaktion des IWF konnte man vermuten. Dann ging es wieder aufwärts.
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