GM »General Motors steckt im Loch«Seite 2/2

ZEIT: Welche Fabriken wird GM schließen?

Jones: Antwerpen ist veraltet und so gut wie geschlossen, und vielleicht kommt auch Bochum dran. Eisenach ist eine moderne Fabrik, aber Opel braucht profitable Produkte, mit denen es die Fabrik füllen kann.

ZEIT: Bisher sollte ein Mini-Opel in Eisenach gebaut werden. GM setzt bei Kleinwagen eher auf seine koreanische Tochter Daewoo/Chevrolet.

Jones: Es ist bedeutsam, dass Nick Reilly, der einst Vauxhall führte und dann Daewoo sanierte, Opel führen soll. Er ist ein sehr guter Manager. Allerdings wird man für einen Kleinwagen dann wohl koreanisches Design nutzen. Die billigen koreanischen Produkte eignen sich besonders gut für den russischen Markt.

ZEIT: Die Opel-Leute sind frustriert, weil aus der erhofften Eigenständigkeit nichts wird. Wie kann GM den Motivationsverlust stoppen?

Jones: Das wird sehr schwierig, und Opel wird sehr viele gute Leute verlieren. VW und Audi werden sich diese Ingenieure von Opel gleich jetzt stehlen. Dann wird GM noch mehr von koreanischen Produkten abhängig werden.

ZEIT: Warum haben sich denn die GM-Leute all diesen großen Ärger eingehandelt?

Jones: Eine Zeit lang sah es schlecht um GM aus. Aber es gab dort immer zwei Fraktionen – eine wollte Opel behalten, die andere verkaufen. Erstere glaubte, dass ein globaler Autohersteller GM in Europa arbeiten müsse, schon weil man dort so gut weiß, wie man kleinere Autos baut. Hätte man Opel verkauft, wäre das der Beginn des kompletten Ausverkaufs bei GM gewesen.

ZEIT: Wie groß sind die Überkapazitäten in der europäischen Autoherstellung?

Jones: Sehr groß, ohne dass man sie mit einer Zahl belegen könnte. Jeder Hersteller leidet darunter. Die Autoindustrie kann auch nicht so schnell Kapazitäten zusammenstreichen wie etwa die Luftfahrtindustrie. Immer gibt es immense politische Widerstände an den einzelnen Standorten.

ZEIT: Wie wird sich das Gezerre um Opel auf die deutsche Autoindustrie auswirken?

Jones: In jedem Szenario schrumpfen Opel und Vauxhall – je schneller, desto besser. Falls nun auch deutsche Opel-Werke schließen, muss das für die deutsche Autoindustrie kein Nachteil sein. Das würde speziell Volkswagen stärken.

Die Fragen stellte Dietmar H. Lamparter

Daniel T. Jones ist Autor von Bestsellern wie »Die zweite Revolution in der Autoindustrie« und »Lean Thinking«. Er leitet die Lean Management Academy in England

 
Leser-Kommentare
  1. (was ihn angenehm vom Expertendarsteller Professor Dudenhöffer unterscheidet ...). Und er hat recht: Opel/Vauxhall muss radikal schrumpfen – und wahrscheinlich sogar ganz vom Markt verschwinden. Bis auf die Mitarbeiter würde das niemand bemerken. Genausowenig wie ein eventuelles sang- und klangloses Verschwinden des ZDF ...

    • Ranjit
    • 12.11.2009 um 21:05 Uhr

    Krisen, wie hier bei Opel unterstreichen ein grundlegendes Problem:
    Unsere Ausbildung im dualen System ist zu sehr an spezifische Branchen und Tätigkeiten gebunden.

    Aber die Zeiten der lebenslangen Anstellung bei ein und dem selben Betrieb, ja überhaupt in ein und derselben Branche, sind vorbei. Darauf muss auch die Ausbildung eingehen. Dual gut und schön, aber vielleicht weniger auf spezielle Branchen ausgelegt sondern eher auf funktionale Tätigkeitskomplexe. Der praktische Teil sollte dann in mindestens zwei Betrieben, und idealerweise damit in zwei Branchen erfolgen. Auf Seiten der Arbeitnehmer ist kontinuierliches Weiterbilden angesagt. Nur so sind Arbeitnehmer flexibel in der Lage neue Tätigkeiten zu finden, was ihnen letzen Endes eine bessere Verhandlungsbasis garantiert. Nimmt mich der Autobauer nicht, dann gehe ich eben zum Elektrounternehmen.

    Für die Opelaner, die ihren Arbeitsplatz verlieren sind solche Überlegungen natürlich wenig tröstlich. Sie wurden schließlich nach strich und Faden ausgenutzt. Denn das die Magna-Lösung nur ein Placebo war, war allen politischen Beteiligten klar. Opel wurde zu einer riesigen Wahlwerbefläche und jetzt, da die Stimmen im Kasten sind, haben sie ihre Relevanz verloren. Der Böse ist ja hier der Ami. Frau Merkel wird etwas die Faust schütteln, aber dann schwehren Herzens die Opelaner in die Arbeitslosigkeit ziehen lassen und mit ihnen ganze Regionen.

  2. Wir hatten in der Nachkriegszeit stetig einen Überhang der Nachfrage über das Angebot. Den Unternehmen wurden die Produkte aus den Händen gerissen. Dies hat sich gewandelt.

    In den westlichen Gesellschaften haben wir es mit Sättigung zu tun. Deshalb können Unternehmen meist nur noch zu Lasten anderer Unternehmen wachsen. Dies wirkt sich auf die Lebensdauer von Betrieben und damit auch auf die Perspektiven der Menschen / Familien aus. Hinzu kommt der Preiswettbewerb zwischen den Nationen. Bei flexiblen Währungen ist das ein Abenteuer ohne Ende. Die Menschen sind unsicher. Das gilt nicht nur für die Opel-Mitarbeiter. Deshalb ist die Sehnsucht nach stabilen Verhältnissen groß. Dieser Entwicklung müßte Frau Merkel Rechnung tragen, wenn da nicht die FDP wäre.

    Die Krise des Kapitalismus schlägt direkt durch auf den Zusammenhalt der Gesellschaft durch. Stichworte wie lebenslanges Lernen oder Flexibilität sind Zeichen für diese Entwicklung. Die Menschen wollen eine Gesellschaft die stabil ist. Wachstum ist kein Alleinstellungsmerkmal. Stabile Einkommen und stabile Umwelt sind die Sehnsüchte der Menschen.

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