Konjunktur Es geht voran
Die Konjunktur entwickelt sich gut, dank des ausgabefreudigen Staates.
Konjunktur paradox: Noch vor wenigen Monaten stand die deutsche Wirtschaft vor dem Kollaps, jetzt reißt der Strom der positiven Meldungen nicht mehr ab. Die Produktion in der Industrie zieht an, der Export legt zu. Das sorgt für einen veritablen Mini-Boom schon im zweiten Halbjahr, und für 2010 gelten neuerdings Wachstumsraten von drei Prozent als realistisch.
Das Wohlstandsniveau von vor der Krise wäre damit zwar noch nicht wieder erreicht. Aber der Kahlschlag am Arbeitsmarkt könnte vermieden werden – sofern die Politik klug agiert.
Diese Krise verläuft genau so, wie es an den Universitäten gelehrt wurde, bevor dort die Staatsskeptiker mit ihrem Glauben an sich selbst regulierende Märkte das große Wort führten: Als Folge der Finanzkrise trat der private Sektor der Volkswirtschaft in eine Art befristeten Streik. Die Firmen investierten nicht mehr, die Verbraucher schraubten ihre Ausgaben zurück.
Der Staat hat die überschüssige Ersparnis aufgesaugt und schleust sie über seine Konjunkturprogramme in den Wirtschaftskreislauf zurück. Dass die Staatsschuld steigt, ist deshalb eine logische Folge der Krisenbekämpfung. Die Regierung leiht sich ja bei ihren Bürgern nur das Geld, das diese aus lauter Angst vor der Zukunft auf Sparkonten getragen haben.
So legten die privaten Haushalte allein im ersten Halbjahr 2009 rund 87 Milliarden Euro zurück. Davon benötigten die Unternehmen aber nur zwei Milliarden für die Finanzierung ihrer Investitionen. Ein Stillstand der Wirtschaft konnte nur dadurch verhindert werden, dass der Staat die übrigen 82 Milliarden Euro einsammelte und einer mehr oder weniger produktiven Verwendung zuführte.
Das Geld wurde also hin und her geschoben, die Verschuldung der Volkswirtschaft insgesamt hat sich trotz der steigenden Etatdefizite kaum verändert. Bei aller berechtigten Kritik an der Steuerpolitik der Regierung, in einem Punkt hat die Kanzlerin ganz recht: Wenn auch der Staat noch sparen würde, dann stünden in Deutschland die Räder still.
Der richtige Zeitpunkt für den Rückzug ist damit definiert: Die Regierung muss ihre Schulden abbauen, wenn die Verbraucher und die Unternehmen wieder bereit sind, selbst Geld auszugeben – also zu konsumieren und zu investieren. Wenn das der Fall ist, konkurrieren Staat und Privatsektor um knappes Kapital, und wenn die öffentliche Hand dann nicht Maß hält, steigen die Zinsen.
Es gibt Anzeichen dafür, dass der Funke überspringt. Schon vergeben die Banken, die das Geld der Sparer bislang in die Kassen der öffentlichen Hand leiteten, mehr Darlehen an die Bürger, auch die Firmen kommen leichter an Kredit.
Noch kann viel schiefgehen. In den Bilanzen der Banken klaffen tiefe Löcher. Doch wenn alles gut läuft, ist die Wirtschaft ab 2011 bereit für die allmähliche Schubumkehr. Statt über Steuersenkungen wäre dann über Steuererhöhungen zu reden.
- Datum 13.11.2009 - 10:59 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
- Kommentare 2
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Einmal mehr bin ich erstaunt, wie bei euch Keynesianern immerfort alles herrlich aufgeht: Da »leiht« sich also der Staat bei »seinen« Bürgern mal eben die Moneten aus, weil der Bürger bedauerlicherweise nichts besseres zu tun hat, als es mitten in der Krise zu sparen.
Menschenskinder, sowas aber auch!
Der Mensch ist bekanntlich von sich aus zunächst einmal blöd, außer natürlich er ist Keynesianer und sitzt in einem Beratungsgremium für die Regierung. Dann weiß er nämlich, daß Sparen ziemlich doof ist, aber gottlob ist da Abhilfe in Sicht: Für Keynesianer ist es vollkommen in Ordnung, daß der Staat sich das Geld bei den einen »leiht« (viz. wegbesteuert, denn Schulden von heute sind diskontierte Steuern von morgen), um die andern dafür zu bezahlen, daß sie es schleunigts wieder verbraten. ZB, indem er die Konjunktur »stimuliert«: Man kann einige Menschen dafür bezahlen, daß sie heute Löcher ausgraben und am nächsten Tag wieder zuschütten. Zwar versteht kein Mensch bei Trost, was das soll, aber hey, immerhin gibt's dafür Lohn, und den kann man verkonsumieren, und wo konsumiert wird, da geht's bekanntlich aufwärts, weil... ja, weil das gar nicht anders sein kann!
Dumm nur, wenn irgendwas nicht so ganz paßt: Wo sehen Sie denn den Aufschwung dräuen, Herr Schieritz? Im Export, ja, richtig. ...
...wenn es denn wirklich so wäre, was Reuters verbreitet und die Medien gierig aufsaugen und bejubelnd kommentieren (nicht ohne den warnenden Zeigefinger sicherheitshalber oben zu lassen).
Die Frage ist nur: Wo geht die Ware hin und wovon/womit wird die bezahlt?
China macht ja derzeit überwiegend einen auf Binnenmarkt (was uns auch sehr gut anstehen würde) und bei den Amis ist auch nichts zu holen.
Oder versteht Destatis mal wieder seine eigenen Zahlen nicht?
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