Geschichtspolitik Unversöhnlich

Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach provoziert – und Guido Westerwelle beweist Standhaftigkeit

In der deutschen Geschichtspolitik bahnt sich ein Durchbruch an. Und der unwahrscheinliche Initiator ist Guido Westerwelle, der neue Außenminister.

In seiner ersten Woche im Amt hat er nicht nur rund 20.000 Flugkilometer absolviert, ohne in einem einzigen Fettnäpfchen zu landen. Er hat auch gleich etwas richtig gemacht: Sein erster Besuch führte ihn nach Warschau – gemäß dem Wahlversprechen, er werde das Verhältnis zu unserem östlichen Nachbarn so vertrauensvoll gestalten wie das deutsch-französische längst schon ist. Die umstrittene Bundesstiftung zum Gedenken an die Vertreibungen sei ein Beitrag dazu, sagte der Minister in Warschau. »Wir werden alles unterlassen, was diesem Gedanken entgegensteht.«

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Das heißt: Westerwelle ist dagegen, dass die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach, Mitglied im Beirat der Bundesstiftung werden kann. Wie recht der neue Außenminister damit hat, zeigte sich an Steinbachs unverschämter Reaktion. Sie warf ihm vor, »Vertrauen zu anderen Ländern durch Opfergaben zulasten eigener Bürger oder Organisationen erkaufen« zu wollen. Im Klartext: Frau Steinbach sieht den Außenminister ihrer eigenen Koalition als eine Art Landesverräter, weil der ihr nicht zutraut, den Posten satzungsgemäß auszufüllen.

Guido Westerwelle hat offenbar erkannt, dass es höchste Zeit ist, die deutsche Erinnerungskultur endlich aus der Geiselhaft dieser Frau zu befreien. Es sieht so aus, als würde er standhaft bleiben: Es sei verständlich, dass Steinbach in Polen auf Ablehnung stoße, weil sie 1990 gegen die Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze gestimmt habe, konterte Westerwelle Steinbachs Attacke trocken.

In Wahrheit ist Frau Steinbach längst nicht nur den Polen, sondern auch vielen hierzulande schwer als Versöhnerin vermittelbar. Beim diesjährigen Pfingsttreffen ihres Vereins hat sie wieder einmal erklärt, die Vertriebenen seien für Hitler in »Kollektivhaftung« genommen worden. Sie wüssten darum »elementarer als andere«, dass Hitler »die Büchse der Pandora« geöffnet habe. »Elementarer« als die Polen, deren Land ausgelöscht werden sollte?

Dass Frau Steinbach ihre Klientel immer wieder in eine Konkurrenz um den Opferstatus rückt, ist auch vielen Vertriebenen und deren Nachkommen unerträglich. Denn es gibt zum Glück länger schon eine große Bereitschaft, sich mit den deutschen Opfern vorbehaltlos zu beschäftigen – auch in Polen, Tschechien und Ungarn. Die Europäisierung der Erinnerung an Flucht und Vertreibung hat begonnen, nicht zuletzt durch den persönlichen Einsatz vieler Vertriebener. Doch Erika Steinbach tut immer noch so, als müsse sie eine gefühlstaube Welt darüber belehren, dass auch Deutsche gelitten haben. Dass es ein innerer Widerspruch ist, selbstherrlich und schneidend aufzutreten, wenn man als Opfer anerkannt werden will, hat sie nie verstanden.

Anfang des Jahres sah es anders aus: Als die BdV-Präsidentin im März vorerst darauf zu verzichten schien, einen Sitz in der Stiftung anzustreben, ist ihr viel Respekt zuteilgeworden. Endlich schien eine Deeskalation möglich: Man dachte, sie stelle die Verwirklichung des »sichtbaren Zeichens« zum Andenken an das Leid der Vertriebenen über ihr persönliches Interesse. Jetzt zeigt sich, dass dies nur Taktik war. Steinbach wusste, dass die Sozialdemokraten im Kabinett ihre Berufung verhindern würden. Sie hoffte, der kleinere Partner in der neuen schwarz-gelben Regierung werde sich fügen und ihr ins Amt helfen.

Da war es allerdings eine Torheit, dass sie beim Pfingsttreffen Verständnis dafür zeigte, dass die Ostpolitik von den Vertriebenen als »Verrat« denunziert wurde. Neben Willy Brandt waren dafür nämlich auch Walter Scheel und sein Nachfolger Hans-Dietrich Genscher verantwortlich. Nun muss Frau Steinbach zur Kenntnis nehmen, dass der neue liberale Außenminister das Bekenntnis zur Entspannungspolitik ernst meint.

Wie ernst, wird sich an seiner Standfestigkeit in der Causa Steinbach zeigen. Von der Bundeskanzlerin kann er stille Unterstützung erwarten. Angela Merkel hat in ihrer Danziger Rede zum deutschen Überfall auf Polen klargestellt: »Kein Land hat so lange unter deutscher Besatzung gelitten wie Polen.« Sie stellte deutsches Leid in den Zusammenhang der »Verantwortung Deutschlands, die am Anfang von allem stand«. Solche Worte machen es den Polen leichter, des an Deutschen begangenen Unrechts zu gedenken.

In den kommenden Tagen wird der Bund der Vertriebenen entscheiden, ob man Steinbach nominiert. Der BdV steht am Scheideweg: Was ist wichtiger – die Profilierung Erika Steinbachs oder die wachsende Empathie unserer Nachbarn auch für deutsche Opfer?

 
Leser-Kommentare
  1. Frau Steinbach wurde durch Zufall in Polen geboren, Ihrer Vater
    gehörte zur " Hitler-Truppe" die damals Polen besetzte.
    Davon schweigt man....

  2. 2. Wann

    zeigt man dieser ewig gestrigen [...] endlich einmal ihre Grenzen auf.
    [entfernt: Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/vv]
    Solange wir solche Leute und ihre faschistoiden Hirnkrämpfe dulden, wird unser Land auf vor 1945 reduziert. Diese Truppe spielt doch nur der braunen Minderheit in die Hände.

    Die Vertriebenen (West) sind entschädigt worden, wenn auch vielleicht gering. Nur sollte man auch nicht Schuld und Verlust aufrechnen. Die Vertriebenen, die es nur bis zur Elbe geschafft haben gingen leer aus.

    Verlangen wir doch einfach mal von den Vertriebenen, sich wieder in ihre alte Heimat anzusiedeln. Dort zu wohnen, zu arbeiten. Es wird immer so getan, als wenn alle Vertriebenen dort Land und Grundbesitz hatten, das waren die wenigsten. Heimat bedeutet doch für viele nur nach all diesen Jahren noch Geld ergaunern. Wer von den Nachkommen der Vertriebenen würde denn hier seinen Wohlstand aufgeben und in das Land seiner Väter umsiedeln.

    Diejenigen die es getan haben (Beispiel im eigenen Freundeskreis), nach Polen oder Tschechien gegangen sind (natürlich nicht ihr ehemaliges Haus bzw. Wohnung bekommen haben), haben sich dort integriert und sind von der Bevölkerung anerkannt und geachtet.

    Aber vielleicht muss man sich auch nur etwas in Toleranz üben und noch ein paar Jahre warten, die biologische Uhr tickt auch bei diesen Menschen unserer Gesellschaft.

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    die meisten Vertriebenen dürften sich hier integriert haben, Zeit genug hatten sie ja. Ihre Heimat ist verloren und mit weiterem Geld nicht zurück zu erlangen. Wer soll denn das von der Tschechei geforderte Geld dann bezahlen ? Da dieser Staat nichts hat, das gleiche gilt für Polen,könnten nicht betroffene Bundesbürger über einen Lastenausgleich dafür aufkommen ? Mitnichten, Frau Steinbach, es wäre ja noch schöner, wenn sie mit ihren Querschüssen die Politik hier torpedieren könnten. Zur Abwehr ist nicht die geballte Manneskraft des H. Westerwelle erforderlich, es genügt, wenn Fr.Merkel ihrer angeblichen "Freundin" nicht beisteht. das letzte Wort für die Besetzung des fraglichen Postens hat ja die Regierung. Übrigens verwundert mich, wenn 20.000 Flugkilometer schon als "Leistung" anerkannt werden. Ein wneig mehr darf es sicher schon sein.

    die meisten Vertriebenen dürften sich hier integriert haben, Zeit genug hatten sie ja. Ihre Heimat ist verloren und mit weiterem Geld nicht zurück zu erlangen. Wer soll denn das von der Tschechei geforderte Geld dann bezahlen ? Da dieser Staat nichts hat, das gleiche gilt für Polen,könnten nicht betroffene Bundesbürger über einen Lastenausgleich dafür aufkommen ? Mitnichten, Frau Steinbach, es wäre ja noch schöner, wenn sie mit ihren Querschüssen die Politik hier torpedieren könnten. Zur Abwehr ist nicht die geballte Manneskraft des H. Westerwelle erforderlich, es genügt, wenn Fr.Merkel ihrer angeblichen "Freundin" nicht beisteht. das letzte Wort für die Besetzung des fraglichen Postens hat ja die Regierung. Übrigens verwundert mich, wenn 20.000 Flugkilometer schon als "Leistung" anerkannt werden. Ein wneig mehr darf es sicher schon sein.

  3. 3. Gut so

    die meisten Vertriebenen dürften sich hier integriert haben, Zeit genug hatten sie ja. Ihre Heimat ist verloren und mit weiterem Geld nicht zurück zu erlangen. Wer soll denn das von der Tschechei geforderte Geld dann bezahlen ? Da dieser Staat nichts hat, das gleiche gilt für Polen,könnten nicht betroffene Bundesbürger über einen Lastenausgleich dafür aufkommen ? Mitnichten, Frau Steinbach, es wäre ja noch schöner, wenn sie mit ihren Querschüssen die Politik hier torpedieren könnten. Zur Abwehr ist nicht die geballte Manneskraft des H. Westerwelle erforderlich, es genügt, wenn Fr.Merkel ihrer angeblichen "Freundin" nicht beisteht. das letzte Wort für die Besetzung des fraglichen Postens hat ja die Regierung. Übrigens verwundert mich, wenn 20.000 Flugkilometer schon als "Leistung" anerkannt werden. Ein wneig mehr darf es sicher schon sein.

    Antwort auf "Wann"
  4. Was soll das Gerangel, der Krieg ist seit fast 65 Jahre vorbei. Es sollte Schluß sein. Der Streit um des Kaisers Bart ist hinfällig.
    Der Herr Westerwelle ist da auf dem richtigen Wege.

  5. "Guido Westerwelle hat offenbar erkannt, dass es höchste Zeit ist, die deutsche Erinnerungskultur endlich aus der Geiselhaft dieser Frau zu befreien. Es sieht so aus, als würde er standhaft bleiben:"

    Wenn es nur um Standhaftigkeit und Beharrlichkeit geht, könnte man diese hier positiv konnovierte Eigenschaft auch auf Erika Steinbach anwenden, die sich gegen erheblichen politischen Druck von allen Seiten und auch aus den eigenen Reihen weigert, auf ihren Sitz im Vertriebenrat zu verzichten.

    "In Wahrheit ist Frau Steinbach längst nicht nur den Polen, sondern auch vielen hierzulande schwer als Versöhnerin vermittelbar."

    Ebenso ist die Haltung der polnischen Regierung vielen in Deutschland nicht vermittelbar, die glaubt, sich in Dinge einmischen zu können, die ausschließlich Sache der deutschen Regierung sind. Unabhängig davon, was die Ziele des BdV sind, der doch im Grunde nicht mehr die ehemaligen Ostgebiete heim ins Reich holen will: Eine solche Einmischung ist eine Anmaßung in nationale Souveränitätsrechte, welche die polnische Regierung, würde das jemand mit Polen versuchen, auf das Schärfste zurückweisen würde.

    "Dass Frau Steinbach ihre Klientel immer wieder in eine Konkurrenz um den Opferstatus rückt, ist auch vielen Vertriebenen und deren Nachkommen unerträglich."

    Diese 12 Millionen Vertriebenen und die 2 Mio Tote auf den Trecks nach Westen waren Opfer, den es handelt sich hier um Zivilisten, die aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben wurden.

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    Sie argumentieren wie Frau Steinbach. Und wie diese vergessen auch Sie, wer mit töten, internieren in Ghettos und vertreiben angefangen hat.
    Dass Frau Steinbach heute immer wieder nur die Deutschen Vertriebenen in den Mittelpunkt stellt mag vielleicht teil ihrer Aufgabe sein, aber die rechthaberische Art und das beharrliche Weglassen der deutschen Schuld verärgert nicht nur die Polen sondern erschreckt vermutlich auch Engländer und Franzosen. Denn es ist diese Rechthaberei und einseitigkeit, mit der das Elend und die Ungerechtigkeit anfängt. Der Rest ist eine Folge davon.

    "Diese 12 Millionen Vertriebenen und die 2 Mio Tote auf den Trecks nach Westen waren Opfer, den es handelt sich hier um Zivilisten, die aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben wurden."

    Diese Aussage beziehen Sie aber bitte lieber nicht auf die Familie Steinbach. Vater Steinbach ist als Besatzungssoldat in Polen gewesen. Dort ist sie 1943 geboren.

    Ob Standhaftigkeit positiv oder negativ gesehen wird, hängt davon ab, wofür man sich Standaht einsetzt...
    ----
    Und da ist mir jemand, der sich für Versöhnung einsetzt deutlich lieber als eine ewiggestrige!
    ----
    Die Vertriebenen haben - ob berechtigt oder unberechtigt - nur den Preis des hitlerschen Wahnsinns bezahlt. Dem ein Großteil von Ihnen ein paar Jahre vorher vermutlich laut zugejubelt hattte...
    ----

    Sie argumentieren wie Frau Steinbach. Und wie diese vergessen auch Sie, wer mit töten, internieren in Ghettos und vertreiben angefangen hat.
    Dass Frau Steinbach heute immer wieder nur die Deutschen Vertriebenen in den Mittelpunkt stellt mag vielleicht teil ihrer Aufgabe sein, aber die rechthaberische Art und das beharrliche Weglassen der deutschen Schuld verärgert nicht nur die Polen sondern erschreckt vermutlich auch Engländer und Franzosen. Denn es ist diese Rechthaberei und einseitigkeit, mit der das Elend und die Ungerechtigkeit anfängt. Der Rest ist eine Folge davon.

    "Diese 12 Millionen Vertriebenen und die 2 Mio Tote auf den Trecks nach Westen waren Opfer, den es handelt sich hier um Zivilisten, die aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben wurden."

    Diese Aussage beziehen Sie aber bitte lieber nicht auf die Familie Steinbach. Vater Steinbach ist als Besatzungssoldat in Polen gewesen. Dort ist sie 1943 geboren.

    Ob Standhaftigkeit positiv oder negativ gesehen wird, hängt davon ab, wofür man sich Standaht einsetzt...
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    Und da ist mir jemand, der sich für Versöhnung einsetzt deutlich lieber als eine ewiggestrige!
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    Die Vertriebenen haben - ob berechtigt oder unberechtigt - nur den Preis des hitlerschen Wahnsinns bezahlt. Dem ein Großteil von Ihnen ein paar Jahre vorher vermutlich laut zugejubelt hattte...
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  6. Sie argumentieren wie Frau Steinbach. Und wie diese vergessen auch Sie, wer mit töten, internieren in Ghettos und vertreiben angefangen hat.
    Dass Frau Steinbach heute immer wieder nur die Deutschen Vertriebenen in den Mittelpunkt stellt mag vielleicht teil ihrer Aufgabe sein, aber die rechthaberische Art und das beharrliche Weglassen der deutschen Schuld verärgert nicht nur die Polen sondern erschreckt vermutlich auch Engländer und Franzosen. Denn es ist diese Rechthaberei und einseitigkeit, mit der das Elend und die Ungerechtigkeit anfängt. Der Rest ist eine Folge davon.

    Antwort auf "Standhaftigkeit"
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    • th
    • 13.11.2009 um 11:07 Uhr

    wir sollen nicht "aufrechnen"?

    Wofür wurden denn die mehreren Millionen nichtdeutschen Opfer der stalinschen Zwangsumsiedlungen "bestraft"?

    "Sie argumentieren wie Frau Steinbach."

    Ich argumentiere wie ich, stefanicello.

    "Und wie diese vergessen auch Sie, wer mit töten, internieren in Ghettos und vertreiben angefangen hat."

    Wollen Sie das eine Verbrechen mit dem anderen rechtfertigen? Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen, mit welchen Motiven man es auch begründen mag. Kein Geringerer als Otto Schily, einstmals ein eifriger Grüner und später ein mindestens ebenso eifriger SPD-Mann, hat die Vertreibung als Verbrechen bezeichnet. So wie ich Steinbach verstanden habe, geht es ihr darum, daß diese Vertreibung als das akzeptiert und bezeichnet wird, was es ist: Nämlich ein Verbrechen.

    "Dass Frau Steinbach heute immer wieder nur die Deutschen Vertriebenen in den Mittelpunkt stellt mag vielleicht teil ihrer Aufgabe sein, aber die rechthaberische Art und das beharrliche Weglassen der deutschen Schuld verärgert nicht nur die Polen sondern erschreckt vermutlich auch Engländer und Franzosen. Denn es ist diese Rechthaberei und einseitigkeit, mit der das Elend und die Ungerechtigkeit anfängt."

    Diese Argumentation zeugt von Unkenntnis der Sachlage. Steinbach läßt eben nicht die deutsche Schuld außer Acht, sondern will im Gegenteil, daß auch die Schuld der anderen Seite, sprich der polnischen wie auch der alliierten Mächte, anerkannt wird. Mehr steckt da nicht dahinter. Die ehemaligen deutschen Ostgebiete sind heute Ausland, und das ist in Deutschland bei der Bevölkerung und bei den regierenden Eliten so anerkannt.

    >>Sie argumentieren wie Frau Steinbach. Und wie diese vergessen auch Sie, wer mit töten, internieren in Ghettos und vertreiben angefangen hat.<<

    @stefanicello, wenn Sie nur in Kategorien wie Deutsche-Tschechen bzw. Deutsche-Polen denken, fallen Sie auf nationalistische Denkstrukturen herein: Natürlich waren diejenigen, die mit dem Morden, Vertreiben und Ghettoisieren begonnen haben (wenn man die Massendeportationen unter Stalin mal als Innenpolitik weglässt), Deutsche - aber eben nicht oder höchstens zum Teil dieselben Deutschen wie die später nicht nur Vertriebenen, sondern oft auch Vergewaltigten, Gefolterten und Ermordeten (mit besonderer Brutalität sollen sich - neben der Roten Armee - Tschechische Nationalisten hervorgetan haben).
    Nicht einmal überzeugte Antinazis oder gar deutsche Juden entgingen den Misshandlungen, die Übergriffe waren reine "hate crimes", modern ausgedrückt.
    Dass schon die Nazis sich ähnlich verhalten hatten und vermutlich ibn größerem Ausmaß, ist nicht überraschend, denn diese Verachtung Anderer als "Untermenschen" war ja Kern ihrer Ideologie.
    Die vermeintlichen Rächer (die nicht einmal vor Kindern haltmachten) hingegen wähnten sich den Nazis moralisch überlegen und hätten es sicher weit von sich gewiesen, ebensolche Herrenmenschen und Rassisten zu sein wie die Nazis auch - taten aber das gleiche. Sie sahen in den Deutschen keine Individuen, sondern nur Exemplare eines in ihren Augen kollektiv schuldigen Volkes. Das nennt man Sippenhaft.

    • th
    • 13.11.2009 um 11:07 Uhr

    wir sollen nicht "aufrechnen"?

    Wofür wurden denn die mehreren Millionen nichtdeutschen Opfer der stalinschen Zwangsumsiedlungen "bestraft"?

    "Sie argumentieren wie Frau Steinbach."

    Ich argumentiere wie ich, stefanicello.

    "Und wie diese vergessen auch Sie, wer mit töten, internieren in Ghettos und vertreiben angefangen hat."

    Wollen Sie das eine Verbrechen mit dem anderen rechtfertigen? Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen, mit welchen Motiven man es auch begründen mag. Kein Geringerer als Otto Schily, einstmals ein eifriger Grüner und später ein mindestens ebenso eifriger SPD-Mann, hat die Vertreibung als Verbrechen bezeichnet. So wie ich Steinbach verstanden habe, geht es ihr darum, daß diese Vertreibung als das akzeptiert und bezeichnet wird, was es ist: Nämlich ein Verbrechen.

    "Dass Frau Steinbach heute immer wieder nur die Deutschen Vertriebenen in den Mittelpunkt stellt mag vielleicht teil ihrer Aufgabe sein, aber die rechthaberische Art und das beharrliche Weglassen der deutschen Schuld verärgert nicht nur die Polen sondern erschreckt vermutlich auch Engländer und Franzosen. Denn es ist diese Rechthaberei und einseitigkeit, mit der das Elend und die Ungerechtigkeit anfängt."

    Diese Argumentation zeugt von Unkenntnis der Sachlage. Steinbach läßt eben nicht die deutsche Schuld außer Acht, sondern will im Gegenteil, daß auch die Schuld der anderen Seite, sprich der polnischen wie auch der alliierten Mächte, anerkannt wird. Mehr steckt da nicht dahinter. Die ehemaligen deutschen Ostgebiete sind heute Ausland, und das ist in Deutschland bei der Bevölkerung und bei den regierenden Eliten so anerkannt.

    >>Sie argumentieren wie Frau Steinbach. Und wie diese vergessen auch Sie, wer mit töten, internieren in Ghettos und vertreiben angefangen hat.<<

    @stefanicello, wenn Sie nur in Kategorien wie Deutsche-Tschechen bzw. Deutsche-Polen denken, fallen Sie auf nationalistische Denkstrukturen herein: Natürlich waren diejenigen, die mit dem Morden, Vertreiben und Ghettoisieren begonnen haben (wenn man die Massendeportationen unter Stalin mal als Innenpolitik weglässt), Deutsche - aber eben nicht oder höchstens zum Teil dieselben Deutschen wie die später nicht nur Vertriebenen, sondern oft auch Vergewaltigten, Gefolterten und Ermordeten (mit besonderer Brutalität sollen sich - neben der Roten Armee - Tschechische Nationalisten hervorgetan haben).
    Nicht einmal überzeugte Antinazis oder gar deutsche Juden entgingen den Misshandlungen, die Übergriffe waren reine "hate crimes", modern ausgedrückt.
    Dass schon die Nazis sich ähnlich verhalten hatten und vermutlich ibn größerem Ausmaß, ist nicht überraschend, denn diese Verachtung Anderer als "Untermenschen" war ja Kern ihrer Ideologie.
    Die vermeintlichen Rächer (die nicht einmal vor Kindern haltmachten) hingegen wähnten sich den Nazis moralisch überlegen und hätten es sicher weit von sich gewiesen, ebensolche Herrenmenschen und Rassisten zu sein wie die Nazis auch - taten aber das gleiche. Sie sahen in den Deutschen keine Individuen, sondern nur Exemplare eines in ihren Augen kollektiv schuldigen Volkes. Das nennt man Sippenhaft.

  7. "Diese 12 Millionen Vertriebenen und die 2 Mio Tote auf den Trecks nach Westen waren Opfer, den es handelt sich hier um Zivilisten, die aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben wurden."

    Diese Aussage beziehen Sie aber bitte lieber nicht auf die Familie Steinbach. Vater Steinbach ist als Besatzungssoldat in Polen gewesen. Dort ist sie 1943 geboren.

    Antwort auf "Standhaftigkeit"
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    ...es hat seinen Grund, das aktiv Krieg führen so eine hirnverbrannte Idee ist.

    Genau aus diesem Grund: wenn man ihn verliert (und die Deutschen haben volle Kanne verloren), dann leiden alle, die zu der Gemeinschaft gehören, die den Krieg von Zaum gebrochen hat. Dann ist es egal, ob man ein braver Bauer in Pommern war oder Tochter eines Soldaten des Angriffsheeres.

    Wer Krieg anfängt und ihn dann auch noch verliert, der ist auf reine Gnade angewiesen und hat keinen Anspruch auf Gewährung.

    DESWEGEN kotzt mich unser dummer Krieg in Afghanistan so an. Törichte Politiker haben sich in ihn verstricken lassen, 70% der Bevölkerung sind gegen ihn und TROTZDEM muss sich jeder in Deutschland alle Folgen dieses Krieges anrechnen lassen.

    "Diese Aussage beziehen Sie aber bitte lieber nicht auf die Familie Steinbach. Vater Steinbach ist als Besatzungssoldat in Polen gewesen. Dort ist sie 1943 geboren."

    Das ist irrelevant. Steinbach tut als Vertreterin und Beauftragte des BdV das, wofür sie gewählt ist.

    ...es hat seinen Grund, das aktiv Krieg führen so eine hirnverbrannte Idee ist.

    Genau aus diesem Grund: wenn man ihn verliert (und die Deutschen haben volle Kanne verloren), dann leiden alle, die zu der Gemeinschaft gehören, die den Krieg von Zaum gebrochen hat. Dann ist es egal, ob man ein braver Bauer in Pommern war oder Tochter eines Soldaten des Angriffsheeres.

    Wer Krieg anfängt und ihn dann auch noch verliert, der ist auf reine Gnade angewiesen und hat keinen Anspruch auf Gewährung.

    DESWEGEN kotzt mich unser dummer Krieg in Afghanistan so an. Törichte Politiker haben sich in ihn verstricken lassen, 70% der Bevölkerung sind gegen ihn und TROTZDEM muss sich jeder in Deutschland alle Folgen dieses Krieges anrechnen lassen.

    "Diese Aussage beziehen Sie aber bitte lieber nicht auf die Familie Steinbach. Vater Steinbach ist als Besatzungssoldat in Polen gewesen. Dort ist sie 1943 geboren."

    Das ist irrelevant. Steinbach tut als Vertreterin und Beauftragte des BdV das, wofür sie gewählt ist.

    • th
    • 13.11.2009 um 11:05 Uhr

    wenn sie die Vertriebenen einschließt: sonst ist sie Heuchelei.

    Das Aussprechen von Tatsachen ist für Herrn Lau schon eine "Unverschämtheit":
    "Vertrauen zu anderen Ländern durch Opfergaben zulasten eigener Bürger oder Organisationen erkaufen"

    Es sind die Steinbach-Gegner, welche nie den Versuch gemacht haben, der Anti-Steinbach-Kampagne in Polen die Spitze zu nehmen, sondern stets behauptet haben, "entweder Steinbach oder Verständigung mit Polen".
    Jetzt soll schon das Aussprechen dieser Tatsache "unverschämt" sein?

    "Die Vertriebenen wüssten darum »elementarer als andere«, dass Hitler »die Büchse der Pandora« geöffnet habe."
    Das bezieht sich doch auf Deutsche, wird aber sofort als Angriff auf die Polen ausgelegt:
    "»Elementarer« als die Polen, deren Land ausgelöscht werden sollte?"

    Woher dieser Hass auf eine Frau, die standhaft eine andere Meinung vertritt?

    Ich teile Steinbachs Standpunkt nicht: ich habe seit 42 Jahren die Ansicht vertreten, dass die Oder-Neisse-Linie anerkannt werden muss. Aber ich sehe nicht ein, dass wir Leuten, die vor 10 Jahren anderer Ansicht waren, deshalb den Mund verbieten sollten. Und wie einst Marion Gräfin Dönhoff und Willy Brandt meine ich, dass die Anerkennung eine äußerst schmerzhafte, wenn auch notwendige, Angelegenheit war, dass die Vertriebenen durchaus Opfer Hitlers und Stalins waren (der Hauptverursacher der Zwangsumsiedlungen in Mittel/Osteuropa wird ständig aus der Diskussion rausgelassen?) waren, wenn auch keineswegs schuldlose.

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    Die linksliberale gesellschaftliche Mitte gründet ihre vermeintliche moralische Überlegenheit zu einem guten Teil auf eine vom Standpunkt der Vernunft her unverständliche Selbstbezichtigung in nationalen und kulturellen Belangen. Dies zeigen etliche Reaktionen hier. Dagegen erweisen sich besonnene, fundierte Argumente, wie sie Sie hier vorbringen, als wirkungslos.

    Die linksliberale gesellschaftliche Mitte gründet ihre vermeintliche moralische Überlegenheit zu einem guten Teil auf eine vom Standpunkt der Vernunft her unverständliche Selbstbezichtigung in nationalen und kulturellen Belangen. Dies zeigen etliche Reaktionen hier. Dagegen erweisen sich besonnene, fundierte Argumente, wie sie Sie hier vorbringen, als wirkungslos.

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