Schulpolitik im Saarland Chimäre
Der schulpolitische Fehlstart der Jamaika-Koalition im Saarland
Chimären sind meist bedauernswerte Kreaturen, schwer zu erschaffen, oft hässlich und nicht lange lebensfähig. Im Saarland hat die frisch regierende Jamaika-Koalition gerade die fünfjährige Primarschule geboren – eine schulpolitische Chimäre. Denn die Verlängerung der Grundschule um ein Jahr ist eigentlich niemandes Wunschkind. Die Grünen wollten Gemeinschaftsschulen, CDU und FDP alles beim Alten lassen. Darum einigte man sich – streng nach Wählerstimmenproporz – auf das Mischwesen "Traditionelle Grundschule mit Gesamtschulschwänzchen".
Im Prinzip ist eine spätere Aufteilung der Schüler nach Leistung nicht schlecht, die meisten Länder der Welt machen damit gute Erfahrungen. Insbesondere schwache Schüler profitieren vom längeren Lernen in einer Klasse, während die Starken darunter nicht leiden. Doch wenn man die Schulzeit schon verlängert, müssten es mindestens zwei weitere Jahre sein – wie in Hamburg geplant.
Nur zwölf zusätzliche gemeinsame Monate bewirken pädagogisch wenig. Sie werden die notorische Bildungsungleichheit nicht abfedern helfen, der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum erwartbaren Erfolg.
Denn auch eine kleine Reform verursacht große Aufregung in Lehrerkollegien. Auf Jahre hinaus werden saarländische Schulen damit belastet sein, Pädagogen zu versetzen, Curricula umzuschreiben, Schulgebäude umzubauen. Die enormen Kräfte und Finanzmittel, die das bindet, sollte man lieber in die Verbesserung des Unterrichts investieren. Dann haben alle etwas davon, nicht nur die auf einen Koalitionsfrieden bedachten Politiker.
- Datum 12.11.2009 - 12:54 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
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Jamaika kann auf Dauer nicht klappen - selbst wenn Müller und der Chef der FDP weitgehende Zugeständnisse an den dubiosen Ulrich machten, um weiter regieren zu können.
Ich verstehe leider überhaupt nicht, wo der alles entscheidene Unterschied zwischen 5 und 6 Jahren liegt. Ich kann nur hoffen, dass es zumindest der Autor tut.
Mit wenigen Sätzen offenbart Herr Spiewak, dass er von Bildungspolitik wenig versteht.
"Die meisten Länder der Welt" machen mit längerem gemeinsamen Lernen schlechtere Erfahrungen als Deutschland, jedenfalls wenn man die berühmten PISA-Studien ansieht. Sogar die of beschworenen skandinavischen Länder Schweden, Norwegen und Dänemark lagen zuletzt (PISA 2006) hinter Deutschland.
Dann "müssten es mindestens zwei weitere Jahre sein"? Diese Experimente haben Niedersachsen und Bremen versucht, mit traurigen Ergebnissen für ihre Landeskinder. Berlin und Brandenburg sind noch dabei - ohne Erfolg: Berlin weist den stärksten Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg auf (PISA 2006), zwischen 2000 und 2006 stieg dieser Zusammenhang von allen Bundesländern in Brandenburg am stärksten (PISA 2006). Privatschulen boomen vor allen in diesen Ländern.
Zuzustimmen ist Herrn Spiewak bei der Aufzählung der Nachteile einer Verlängerung der Grundschulzeit. Seine Liste ließe sich noch fortsetzen. Dazu gehörte auch die ungenügende Förderung der starken Schüler; dass diese angeblich nicht leidet, ist sehr umstritten und wurde von Bildungswissenschaftlern zum ersten Mal in diesem Jahr in einem "auf Anregung" des Berliner Senats veröffentlichten Aufsatz behauptet.
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