Paris Wo die Einheimischen essenSeite 3/3

Jamie Cat Callan macht es vor, als wir uns von Dessous und dessus schon wieder verabschieden müssen. Das Wochenende soll nicht ohne einen Besuch bei Jim Haynes zu Ende gehen. Über den gebürtigen Amerikaner gibt es seitenlange Einträge im Internet, sogar das Public Radio in den USA wirbt für seine Partys. Sein Haus liegt im 14. Arrondissement, in einem romantisch verwucherten Hinterhof. Einst gehörte es der Familie des französischen Malers Henri Matisse. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten viele Künstler hier am südlichen Stadtrand.

Haynes, 75, mächtiger weißer Schnurrbart, ist eher ein Lebenskünstler. In einer gestreiften Schürze sitzt er auf einem Barhocker in seiner Wohnküche, wo in riesigen Kesseln Chili con Carne brodelt. Die Bauchtasche wölbt sich über den Couverts, die er von seinen Gästen einsammelt. Mit Visitenkarte und einer »Spende« von 25 Euro. »Stay home and get paid« ist eine seiner Lebensweisheiten.

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Auch zu Haynes kommen die Leute, um neue Bekanntschaften zu schließen, vor allem aber kommen sie, um den Geschichten aus seinem Leben zu lauschen. Wie war das damals mit Mick Jagger und Keith Richards? Was machten Yoko Ono und John Lennon bei dieser Performance in der Royal Albert Hall? Haynes hat in England Theater gemacht, das Erotik-Magazin Suck und die linke Zeitung International Times ins Leben gerufen sowie das Traverse Theatre in Edinburgh, aus dem das Festival Edinburgh Fringe hervorging. Ende der sechziger Jahre war in Paris Platz für einen Typen wie ihn und einen Lehrauftrag für Kommunikationslehre und sexuelle Politik. Irgendwann begann er, Partys für Freunde zu organisieren. »Und jetzt lassen mich die Leute nicht mehr aufhören.« Nachbarn sind da, Paris-Touristen aus Spanien, Korea, Norwegen, Finnland.

Wenn Haynes der Meinung ist, genug erzählt zu haben, reicht er einen weiter. »Kennst du schon XY? Ich glaube, ihr würdet euch gut verstehen.« Ein guter Kuppler ist er auch. Am Ende hat man das Gefühl, die halbe Welt auf wenigen Quadratmetern getroffen zu haben. Und den vielleicht buntesten Vogel von ganz Paris.

Information Paris

Meeting the French: Mit 90 Euro pro Person nicht ganz billig, aber ideal für alle, die nicht so sehr auf Partys und viele unbekannte Menschen stehen. Gastgeberliste im Internet, Terminwahl ist frei. Meeting the French, Paris, Tel. 0033-1/42511980, www.meetingthefrench.com

Michael Muszlak: Er organisiert fast jeden Samstagabend ein Fest in seiner Wohnung. Nach Voranmeldung (mindestens einen Tag vor der Party) unter michael@muszlak.com erfolgt die Bestätigung mit Adressangabe. Kosten: 20 Euro

Paris Soirees: Patricia Laplant veranstaltet ihre Abende wie literarische Zirkel. Wer in ihrem Verteiler steht (einmalige E-Mail genügt: parissoirees@gmail.com), erhält jede Woche das Programm. Kosten: 20 Euro

Jim Haynes: Jim (jim_haynes@ wanadoo.fr) braucht eine Bühne. Seit er nicht mehr vor großem Haus Theater spielt, inszeniert er sich in seiner Wohnung. Kosten: 25 Euro

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