Theater Robert LepageSeite 2/2

Lepage reist derzeit mit drei neuen Inszenierungen um die Welt, dem Mammutwerk Lipsynch sowie zwei Stücken, in denen er selbst spielt. Der blaue Drachen handelt vom heutigen Leben des Pierre Lamontagne, einer Figur, die als Alter Ego ihres Schöpfers in mehreren Werken auftaucht. Eonnagata ist ein Tanzabend, den er zusammen mit Sylvie Guillem und Russel Maliphant entwickelte. Der Titel bezieht sich auf den Chevalier d’Eon, einen Dragonerhauptmann und Spion im Frankreich des 18. Jahrhunderts, der die erste Hälfte seines Lebens als Mann lebte, die zweite als Frau. Zugleich ist der Titel eine Anspielung auf den onnagata, den männlichen Frauendarsteller des japanischen Kabuki-Theaters. Präsentiert wird das vollkommene, das dritte Geschlecht in exquisit glamourösen Bildern, aufwendigen Kostümen und stimmungsvollem Halbdunkel.

Lipsynch schließlich ist ein Stück für neun Personen, neun Geschichten, neun Stunden, das mit der Sängerin Ada beginnt, die Zeugin eines mysteriösen Todesfalls wird. Eine junge Frau mit einem Baby im Arm stirbt im Flugzeug. Ada ist davon so aufgewühlt, dass sie das Kind ausfindig macht und sogar adoptiert. Als Erwachsener wird der Adoptivsohn Jeremy nach seiner leiblichen Mutter forschen, die als junges Mädchen aus Nicaragua in ein Hamburger Bordell verkauft wurde, und einen Film über ihr Leben drehen… Lepages Geschichten werden nicht linear erzählt. Wie im Leben folgen sie einer launischen Dramaturgie des Zufalls, doch anders als im Leben sind sie immer aufregend. Tatsächlich wuchs das Stück sich in zahlreichen Workshops über fünf Jahre hinweg zur weltumspannenden Zeitreise aus – Lepages bislang größte und ehrgeizigste Unternehmung. Was kann danach noch kommen? Eigentlich nur noch Der Ring des Nibelungen – und er kommt auch: 2010 bis 2012 an der Met in New York.

"Eonnagata" ist vom 12. bis 15. November bei den Berliner Festspielen zu Gast, www.berlinerfestspiele.de. Im Alexander Verlag Berlin erscheint im November "Nahaufnahme – Robert Lepage: Gespräche mit Renate Klett"; 208 S. + DVD "Die andere Seite des Mondes"

 
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