Rumänien Weltstars im HinterhofSeite 3/3
Sie kommen als Musiker und gehen als Zigeuner, sagt der Reisebegleiter
Obwohl die Roma seit Jahrhunderten in Rumänien leben, sind sie nie Teil der Gesellschaft geworden. Zwar ist nach einer aktuellen Umfrage die Toleranz der Bürger ein wenig gestiegen: Jetzt sind noch 20,8 Prozent dagegen, dass Roma in Rumänien leben, statt der 28,3 Prozent vor sieben Jahren. Aber einen Rom oder eine Romni in die Familie einheiraten lassen? Davon halten zwei Drittel aller Rumänen nach wie vor nichts. Wirklich beliebt sind die Roma nur als Spielleute auf Festen. »Und auch da gilt oft: Sie kommen als Musiker und gehen als Zigeuner«, sagt der Reisebegleiter Helmut Neumann, der das Land seit vielen Jahren kennt.
Am heutigen Abend aber sind es die eigenen Leute, die für Unmut sorgen. Frauen aus der Nachbarstraße stehen schimpfend hinter dem Zaun. Die Inderin, stellt sich heraus, hat Geld verteilt. Jetzt fordern die Leerausgegangenen ihren Anteil. Die Hausherrin hält dagegen. Beschimpfungen fliegen hin und her, und während die Gäste sich ratlos ansehen, bricht offenbar vieles auf: Neid auf den wohlgedeckten Tisch und auf den erfolgreichen Nachbarn. Fragend sehen die Besucher sich an, ratlos nach der Erfahrung einer Fremdheit, die nicht einfach wegzulächeln ist.
Helmut Neumann weigert sich, die Flüche zu übersetzen. »Auf Deutsch klingt alles viel zu dramatisch. Streit flackert hier öfter mal auf, und kurze Zeit später ist alles vergessen.« Tatsächlich ist der Wutausbruch nach wenigen Minuten vorbei. Der Bassist verstaut sein Instrument auf dem Dach des winzigen Dacia und braust nach Hause ins Nachbardorf. Der Akkordeonist und der Geiger treten vor die Tische und überbieten sich mit immer rasanteren Soli.
Am nächsten Tag geht es nach Bukarest, in die musikalische Gegenwart. In einer Diskothek wird Manele-Musik gespielt, der allgegenwärtige Klangteppich des Balkans. Um die Umstellung zu erleichtern, verteilt der Reiseleiter Ohropax. Schwester eins hat die Speicherkarte voll, Schwester zwei will noch eine Rotmähnige mit einem Top aus Goldlamé erwischen. Der Berufsschullehrer gönnt sich eine letzte Sause, die Inderin erklärt noch einmal die Sache mit dem Offbeat, der bei Romamusik so unwiderstehlich zum Tanzen zwingt. Und der Mann von Adel mahnt, auf »das Janitscharische in dieser Musik« zu achten: »Die türkischen Militärkapellen, hört ihr sie nicht?«
So endet um drei Uhr morgens eine Reise, die alle, die sie machten, in Erinnerung behalten werden. »Alle!«, bekräftigt Schwester eins. »Und zwar ein Leben lang!«
© ZEIT Grafik
Rumänien
Veranstalter: Die geführte Rundreise »Romamusik live« dauert neun Tage und kostet pro Person 1190 Euro inklusive Übernachtung im Doppelzimmer und Halbpension. Nächster Termin: September 2010, weitere Termine auf Anfrage möglich. Information und Buchungen über transilvania. aktiv- und kulturreisen, Fleetstraße 26, 28219 Bremen, Tel. 0421/3804460, www.transilvania-aktiv.de
Musik: Über Konzerte und CDs der Band Fanfare Ciocărlia informiert die Webside www.asphalt-tango.de/fanfare/artist.html
Die Tourdaten der Band Taraf de Haidouks erfährt man unter www.divanoprod.com
Auskunft: Rumänisches Touristenamt, Tel. 030/2419041, www.rumaenien-tourismus.de
- Datum 16.11.2009 - 10:17 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






Auch wer nicht auf organisierter Musikreise unterwegs ist, kann in Rumänien Entdeckungen machen, im Bauernland am Kartpatenbogen, wo Rumänen, Ungarn, Sachsen (die deutschstämmigen Siebenbürger) und Roma
auf Tuchfühlung leben. Die größten Romaburgen mit ihren bizarren "Pagoden"dächern habe ich in Hermannstadt/Sibiu gesehen. Die eine gehört dem Roma-Kaiser, die andere dem -König. Auch die Sachsen haben ihre Burgen. Die mittelaterlichen Wehrkirchen mit Tor, Turm und Mauerring stehen in fast jedem Dorf. Wer mehr erfahren möchte, lese den Blog: "Stille Tage in Siebenbürgen" auf meiner Homepage www.edithwerner.com
So sind die Musiker aus Zece Prajini die Stars einer wachsenden Fan-Gemeinde und das Weltweit. Die Musik ohne Noten ist ein neuer Stil der traditionellen Tanzmusik mit orientalischem Einflüssen. Bei Hochzeiten oder Familienfeiern als auch bei Erntefesten zu Spielen ist nach wie vor eine eine gern nachgegangene Beschäftigung nach einer Tournee. http://www.romamusik.blog...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren