Kampagne für Ost-Unis Abenteuer in LeipzigSeite 3/3

Doch der Nachbar der "Abenteuer-WG" versteht die Ironie nicht. Und die Kampagne hat, sehr wahrscheinlich, noch keinen einzigen Weststudenten davon überzeugt herzukommen. Zwar behaupten Mitarbeiter der Kampagne, die Zahl der Studienanfänger aus dem Westen habe sich seit Beginn der Kampagne allein in Leipzig verdoppelt. Rektor Franz Häuser hält dagegen. Tatsächlich haben zum Wintersemester mehr als 700 Studenten im ersten Fachsemester in Leipzig neu angefangen, doppelt so viele wie im Vorjahr. Aber wer gerade den Bachelor geschafft hat und nun an derselben Uni das Masterstudium aufnimmt, wird wieder als Erstsemester gezählt. Studenten, die vorher schon in Leipzig waren, zählen als neu gewonnen. In Wahrheit ist die absolute Zahl der Weststudenten an der Uni Leipzig zum neuen Semester gesunken.

Die neue Uni-Bibliothek ist eine schöne, stille Welt, 24 Stunden am Tag geöffnet

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Die bundesweite Kampagne kostet jährlich übrigens zwei Millionen Euro. Geld, das die Unis selbst gebrauchen könnten. Um zu bewerben, was sie zu bieten haben. Wer in Leipzig zum Beispiel um drei Uhr nachts in die Bibliothek will, der geht einfach hin. Hier öffnet sich Studenten rund um die Uhr, sieben Tage die Woche vollautomatisch eine schöne, stille Welt. Mit weichen Sofas und harten Holztischen. Mit Blick übers Buch auf die wilde Nacht und Feiernde im Studentenclub Moritzbastei. Das wäre doch ein Argument. "Ein Abiturient schaut ganz genau nach solchen Aspekten. Er will wissen, wie die Bedingungen an Ort und Stelle sind", sagt Tobias Peter, Hochschulexperte der Grünen im Sächsischen Landtag. Deshalb solle jede Uni die Chance haben, in eigener Sache zu werben. Mit einem nennenswerten eigenen Etat.

Rektor Häuser hat da auch schon eine Idee. Wie wäre es, fragt er, wenn seine Professoren aus dem Westen, einige Hundert sind es, ein einziges Mal an ihre alten Gymnasien zurückgingen und dort erzählten, wie wunderbar es sei, in Leipzig zu studieren?

An der Leipziger Uni befürchtet man, dass Übles passieren könnte, wenn man stattdessen eine Kampagne wie "Studieren in Fernost" laufen lässt. Denn die mit Albernheiten Angeworbenen, die im Westen nichts abbekommen haben – das sind vielleicht gerade nicht die Exzellenten, die Wissenschaftler von morgen. Wenigstens eine Frage werden sie aber beantworten können, die erkämpften Neu-Immatrikulierten; vielleicht wird man mit der Antwort eines Tages sogar eine Reise gewinnen, wer weiß.

Abenteuer mit fünf Buchstaben? Osten.

 
Leser-Kommentare
    • eras
    • 14.11.2009 um 16:28 Uhr

    für den Osten, und wer wird damit beauftragt? Natürlich eine WESTdeutsche Werbeagentur. Die können das Gute am Osten bestimmt nicht am Besten erklären, sind aber zweifelsohne honorarmässig ganz oben mit dabei...

    Zur Kampagne selbst fällt einem eigentlich nicht mehr allzuviel ein. Scholz und Friends war auch schon mal innovativer.

  1. 2.

    nach nur 20 jahren!!!

  2. wird z.B. der neue tolle Uni-Campus der Leipziger Uni genannt. Aber bitte, welche wirksame Werbung soll denn von dem Ding ausgehen, dass eigentlich zur 600 Jahr Feier hätte fertig seien sollen und heftigst umstritten, mit vielen Geschichten insolventer Architekten usw. verknüpft ist und vor allem Symbol dafür ist, dass die Uni ihre Altlasten des vergangenen Systems noch nicht bewältigt hat. Weltoffen, tollerant und verantwortzungsvoll der eigenen Geschichte gegenüber wäre es gewesen die gesprengten Uni-Kirche adäquaten zu ersetzen. Das wäre Werbung in besonderer Weise gewesen.

    Gruß

  3. Als ich im Jahre 1995 zum Wintersemester an die Uni- Leipzig kam, waren meine KommilitonInnen aus praktisch allen Bundesländern! Wir studierten zusammen, gingen auf Partys und alles war normal. Man hatte nicht den Eindruck einer Ossi- und einer Wessifraktion. Die meisten Westdeuschen fühlten sich wohl und wussten das damals sehr schillernde Kulturleben zu schätzen.
    Nach 15! Jahren meint man nun mit idiotischen Kampagnen eine längst im westdeusch geprägtem Einerlei angekommene Region ostspezifisch (natürlich ironisch..) vermarkten zu müssen. Wie seit Ihr denn drauf?

    Warten wir noch 15 Jahre, dann gibts für den Klausi aus Köln Ostbeihilfe für sein BWL- Studium in Rostock oder Chemnitz.

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