Stimmt's?

Kalte Jahreszeit

"Wird der Winter besonders hart, wenn es im Herbst viele Eicheln gibt?", fragt Guido Stepan aus Hamburg

Damit es viele Eicheln gibt, muss der Baum schon im Herbst des Vorjahres viele Blütenansätze gebildet haben

Damit es viele Eicheln gibt, muss der Baum schon im Herbst des Vorjahres viele Blütenansätze gebildet haben

»Viele Eicheln im September, viel Schnee im Dezember«, lautet eine alte Bauernregel, und wenn sie stimmte, dann stünde uns in diesem Jahr ein schneereicher, harter Winter bevor. Begründet wird die Regel oft so: Wenn der Winter streng wird, dann müssen Eichhörnchen einen besonders großen Vorrat anlegen, und die Natur sorgt dafür.

Aber erstens verfügen Tiere nicht über solche prognostischen Fähigkeiten – sie können mit ihren feinen Sinnen vielleicht vorhersehen, dass es bald regnet, aber eine Vorhersage über zwei Monate oder mehr beherrscht kein Eichhörnchen. Und selbst wenn es supersensible Eichhörnchen gäbe – zusätzlich müsste das ja auch noch die Eiche merken und sozusagen aus Solidarität mehr Eicheln herstellen.

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So funktioniert die Natur nicht. Die Zahl der Eicheln lässt nur auf das vergangene Wetter schließen. Damit es viele Eicheln gibt, muss der Baum schon im Herbst des Vorjahres viele Blütenansätze gebildet haben. Außerdem muss er gut über den Frühling gekommen sein – Nachtfrost kann noch im Mai die Blüten und Früchte schädigen. Aber dass aus diesen vergangenen Wetterdaten Rückschlüsse auf den kommenden Winter zu ziehen wären, dafür gibt es keine Anzeichen.

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leser-Kommentare

    • 15.11.2009 um 23:39 Uhr
    • wenixx

    Täuschen mich meine Augen oder sind auf dem Foto Haselnüsse statt Eicheln abgebildet?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Liebe(r) wenixx,

    bis eben waren tatsächlich Haselnüsse auf dem Foto zu dem Artikel zu sehen. Wir haben es geändert.

    Grüße aus der Redaktion

  1. Liebe(r) wenixx,

    bis eben waren tatsächlich Haselnüsse auf dem Foto zu dem Artikel zu sehen. Wir haben es geändert.

    Grüße aus der Redaktion

    • 18.11.2009 um 13:45 Uhr
    • jamzee

    Der Autor trifft genau den Kern einer interessanten Sache, zieht aber leider gleichwohl eine voreilige Schlussfolgerung wenn er sagt:

    "Aber dass aus diesen vergangenen Wetterdaten Rückschlüsse auf den kommenden Winter zu ziehen wären, dafür gibt es keine Anzeichen."

    In der Statistik spricht man hier vom Phänomen der Regression zur Mitte: Nach einem besonders milden Winter, der wie oben ausgeführt tendentiell zu mehr Eicheln führt, ist die Wahrscheinlichkeit per definitionem wesentlich größer, dass danach wieder ein härterer Winter folgt. Damit wäre der subjektive Eindruck aus der Bauernweißheit möglicherweise tatsächlich die Reflektion eines einfachen statistischen Verteilungsphänomens, ohne dafür weitere kausale Zusammenhänge postulieren zu müssen.

    Die Plausibilität dieser Erklärung ist dann nur abhängig davon, inwiefern der vorherige Winter als Vergleichsmaßstab herangezogen wird. Es ist aber zu vermuten, dass der Eindruck eines typischen Winters stark von den im Gedächtnis hoch verfügbaren Wintern der letzten Jahre beeinflusst ist.

    Gruß, jamzee

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  • Von Christoph Drösser
  • Datum 15.11.2009 - 19:22 Uhr
  • Serie Stimmt's
  • Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
  • Kommentare 3
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