Es gibt ein neues Geräusch auf Pekings Straßen. Zwischen dem Hupen der Autos und dem Motorenlärm der Busse ist es kaum zu hören und doch unverkennbar: das Surren von Elektrorollern.

Mehr als 60 Millionen solcher Gefährte sind schon in China unterwegs, jährlich werden über 20 Millionen Stück produziert. Die Planzahlen im »Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität« der deutschen Bundesregierung wirken dagegen mickrig: Auch auf unseren Straßen sollen bis 2020 Elektro-Fahrzeuge rollen – eine Million zumindest. Das chinesische E-Roller-Phänomen könnte da nicht nur als Lehrstück für Entwicklungsländer dienen, sondern auch für die Städte der Industrienationen. Bei der Internationalen Energieagentur denkt schon eine Arbeitsgruppe darüber nach: »Warum Regierungen Elektroräder fördern sollten – und wie«.

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Die Frage nach dem Warum ist schnell geklärt. »Die chinesischen Stadtregierungen wollten vor allem die Luftqualität verbessern, auch die Ölknappheit spielte eine Rolle«, sagt Jonathan Weinert von der University of California in Davis. Der Klimaschutz ist ein Nebeneffekt, aber kein kleiner. Ein E-Roller stößt in China pro Kilometer rund viermal weniger CO2 aus als ein klassisches Moped, bis zu zehnmal weniger als ein Auto und immerhin bis zu dreimal weniger als ein Bus pro Passagier. Der Grund für die gute Bilanz: Die Vehikel sind oft kaum mehr als bessere Fahrräder – leicht und langsam (20 Kilometer pro Stunde sind erlaubt) mit Motorleistungen zwischen 0,2 und 0,5 Kilowatt.

Ein massives Problem sind aber ihre Bleiakkus. Nach groben Schätzungen gelangen 30 bis 70 Prozent des giftigen Akkustoffs bei der Produktion und beim Recycling in die Umwelt. Die erschreckend hohen Verluste entstehen vor allem deshalb, weil ein großer Teil des Bleis in kleinen Fabriken mit veralteter Technik und Bleierzen von sehr schlechter Qualität hergstellt wird. Im Umkreis solcher Schmelzereien gab es wiederholt schwere Bleivergiftungen, vor allem bei Kindern.

Über Klima- und Umweltfragen machen sich die chinesischen E-Roller-Piloten wenig Gedanken. »Für sie ist es wichtig, billig mobil zu sein«, sagt Yang Xinmiao, Professor am Institute of Transportation Engineering der Tsinghua-Universität in Peking. Die Elektrogefährte sind inzwischen erschwinglich. Ihr Preis ist auf wenige Hundert Euro gesunken, das Einkommen der Chinesen gestiegen. Mit den gesparten Nahverkehrskosten reiche das recht genau, um sich so einen Roller zu leisten, hat Weinert berechnet.

Die wendigen Fahrzeuge haben zudem einen großen Vorteil: Sie schnurren auf dem Radweg einfach an feststeckenden Autos vorbei. Viele Pekinger sind täglich drei Stunden zur Arbeit und zurück unterwegs, einen Großteil davon stehen sie im Stau. Da erscheinen die vorbeiziehenden Elektrozweiräder besonders reizvoll. Ihre Batterieladung reicht bis zu 50 Kilometer, abends schleppen die Fahrer den Akku in ihre Hochhauswohnung zum Auftanken an der Steckdose.

Für die Zukunft des Verkehrs in Peking sieht Yang zwei Optionen. »Erstens die öffentlichen Verkehrsmittel ausbauen. Das geschieht, ist aber teuer und dauert lange, sicher bis 2012. Zweitens Autos, die noch mehr Staus verursachen und Abgase.« Deshalb solle die Stadtregierung E-Roller unbedingt unterstützen.«