Tatort Fernsehen »Es wird Trauer sein und Schmerz«
Ein Heckenschütze läuft zur Hochform auf, während Kommissarin Lindholm gegen ihre Zuneigung zum Kollegen Bergmann kämpft. Eine meisterhafte Folge, die uns lange in Erinnerung bleiben wird.
© NDR/Marc Meyerbröker

Kommissar Kai Bergmann (Sven Lehmann) und Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ermitteln und flirten miteinander
Der reiche Bäcker Petersen wird vor den Augen seiner Frau von einem Heckenschützen ermordet. In Niedersachsen geht der Sniper um, er sucht sich scheinbar wahllos seine Opfer aus. Amok auf Raten, brüllt Kommissar Kohl; er ist der Leiter der Sonderkommission, die ihm zugestellte Kollegin Lindholm würde er am liebsten in einen Fußpflegesalon abschieben.
Die Kommissarin ist aber schön genug und kennt sich im harten Leben aus. Tötet hier ein Soldat, der im Feindesland kirre wurde und nun in der Heimat in jedem Zivilisten einen Todfeind sieht? Daran mag Lindholm nicht so recht glauben, wir geben ihr sofort recht. Der Heckenschütze schickt nach jeder Tat an die Hinterbliebenen eine Karte. Darauf stehen die dunklen Worte der Verzweiflung: »Stille Leere Trauer Schmerz«.
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Die frisch verwitwete Frau Beate Petersen schluckt Pillen, sie hat Angst, auf wüster Männer Hilfe angewiesen zu sein. Tatsächlich bietet sich der Bäcker Wenzel fürsorglich an; er lebte in schön stumpfer Ehe mit Beate, bis Petersen Frau und Bäckerei übernahm. Da schlägt der Sniper erneut zu, diesmal liegt ein Vertreter, von Kopfschüssen niedergestreckt, auf dem Steinboden seiner Garage. Die Männer und Frauen hinter dem rot-weißen Absperrband, was tun sie? Sie recken die Hälse und glotzen, sie halten ihre Handys und Digitalkameras hoch und drücken auf den Knopf. Das Opfer eines Serienkillers gehört zur Prominenz.
Der Tatort ist für den Gaffer der wahre Ort der Tat – er will nicht wie seine Oma hinter den Spitzengardinen lauern, um eine Verfehlung zur Anzeige zu bringen. Die kranke Neugier treibt ihn hinaus. Er ergötzt sich am Leid der anderen, es rast sein Herz beim Anblick von Unfalltoten im Autowrack. Die kühle Kommissarin fühlt Überdruss, wenn sich die Linsen der technischen Geräte auf sie richten. Der Mörder ist ihr einen Schritt voraus, so lange, bis er gefasst wird. Wieso verklärt man ihn im Internet fast zum Idol? Lindholm aber lässt sich nicht beirren noch einschüchtern vom Kollegen Kohl. Es glaubt jeder Gauner, dass er klüger sei als die Polizei – Kohl will den Beweis antreten, dass er sich täuscht, der blöde Gauner.
Lindholm hat sich in Kommissar Bergmann verschaut, die Säure der Zuneigung ätzt ihren Selbstschutzpanzer. Polizisten sehen Zerstörung und Tod, und sie müssen so tun, als ginge es nur darum, ein Verbrechen aufzuklären. Die Liebe macht der Kommissarin deshalb fast mehr zu schaffen als die Morde des zur Höchstform auflaufenden Heckenschützen.
Bergmann sagt: Ich schaue hinter jedes Gebüsch, wenn ich privat unterwegs bin, es macht mich wahnsinnig. Er und Lindholm ringen sich mit letzter Kraft zur Nüchternheit durch, denn es gilt, den erfolgsbesoffenen Mörder einzuholen. Wir sind sehr beeindruckt von der meisterhaften Geschichte und den meisterhaften Schauspielern: Dies ist ein Ausnahme-Tatort, diese Folge wird uns lange in Erinnerung bleiben.
ARD, Sonntag, 15. November, 20.15 Uhr
- Datum 11.11.2009 - 17:23 Uhr
- Serie Tatort Fernsehen
- Quelle DIE ZEIT, 12.11.2009 Nr. 47
- Kommentare 12
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Ich kann die überbewertete Frau Burda nicht meehr sehen!
Die Dialoge erscheinen wie Abziehbilder von Gefühlsausbrüchen. Ob das mehr an der fehlenden Spielfähigkeit des Ensembles liegt, oder an der wahrscheinlich autistisch abgelaufenen Regieführung, die sich offensichtlich an unorganischen Bewegungsabläufen und Figurien berauscht, anstatt überhaupt nur den Versuch zu unternehmen, dem Ensemble irgend eine Spielmotivation an die Hand zu geben, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Frau Furtwänglers Spiel wäre in einer auch nur von halbwegs möglicher Qualität getragenen Produktion allenfalls mittelmäßig, sowie nahezu alle anderen Rollen anders besetzt. Mein Gott, selbst die Bildgestaltung wäre wahrscheinlich nicht ganz so reizlos und flach, wie sie in diesem Tatort ist. Solche TV-Produktionen sind einer der Hauptgründe dafür, dass in diesem Land so viel Filmemachertalent in Resignation versandet. Das, und die Tatsache, dass Institutionen, denen man ein qualitätswachsames Auge zutrauen möchte, solchen äußerlich mit Scheintiefe angestrichenen trivialen Käse auch noch in den Himmel loben, und damit ahnungslose Bürger vor den Fernseher locken. Merke: Ein Thema und ein auf dem Papier interessant aussehender Konflikt machen noch keinen guten Film. Dieser Tatort ist ein perfektes mausgraues Beispiel dafür.
Guten Abend
sorry, dieser tatort war absoluter blödsinn. sämtliche männer wurden als völlig degenerierte, testosterongesteuerte, irrationale, pathologisch kranke typen dargestellt. nur eine hat mal wieder den durchblick: frau lindholm. soviel klischee war selten in einem tatort. warum die zeit diesen schwachsinn auch noch anpreißt, erschließt sich mir nicht.
Herr Burda hat viel Einfluß! Seine Frau bekommt Rollen zur Primetime und er sorgt dafür, dass sie in der Presse gut da steht!
Welcher Journalist, der von seiner Arbeit leben möchte, würde sich dagegen stellen?
So läuft das in unserer Lobbykratie!
Maria Furtwängler??? Das ist mir ein Rätsel ... super langweilig wie meine Vorredner schon sagten : Klischee über Klischee ... der Krimi des Abends kam auf 3Sat sehr aktuell, dunkel, Stoff um einige kontroverse Diskussionen zu führen und nachzudenken !!!
Frau Furtwängler ist ja recht attraktiv anzusehen, aber das tröstet leider auch nicht über die im Kern interessante Geschichte, die leider relativ flach umgesetzt wurde.
Ja, ein echter Ausnahme-Tatort - ich bin total unbeeindruckt und hab ihn schon vergessen!
Das Lob über die heutige Tatortfolge ist von mir nicht nachzuvollziehen...
Eine schwache, vollkommen unrealistische Geschichte, vollkommen weltfremde, immer überforderte männliche Rollen, ein Frau Kommissarin ohne jedes Identifikationspotential... [...] Auf jeden Fall: Bitte verschonen Sie uns in Zukunft mit solchen Beiträgen!
[Gekuerzt, bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Danke. /Die Redaktion pt.]
Die vielen negativen Kommentare über die gestrige Tatort-Folge kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Dieser Tatort war alles andere als klischeehaft und langweilig. Ich würde ihn auch als Ausnahme-Tatort bezeichnen und wünsche mir für die Zukunft mehr "Tatorte" mit diesem Format.
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