Friedrich Fröbel (1782-1852): Er erfand den Kindergarten und entwarf neues Holzspielzeug © Hulton Archive/Getty Images

»Mein rechter, rechter Platz ist frei. Ich wünsche mir den Friedrich Fröbel herbei!«
»Als was soll ich kommen?«
»Als Längetäfelchen!«
Klack, klack, klack, klack, klack...

Friedrich Fröbel hat der Welt nicht nur den Kindergarten geschenkt, sondern auch eine Reihe sogenannter Spielgaben: einfache Gegenstände wie Kugel, Würfel, Kegel – und eben die Längetäfelchen: fünf Zentimeter lange, zweieinhalb Zentimeter breite und eineinviertel Zentimeter tiefe Bauklötze aus Holz. Aus acht Längetäfelchen können Kinder einen Würfel zusammensetzen. Sie können auch Burgen oder Schiffe daraus bauen. Oder eine Schlange aus hochkant aneinandergereihten Klötzchen und sich an der Kettenreaktion erfreuen, die sich durch das Kippen des ersten Klötzchens auslösen lässt.

Die heutzutage oft technokratisch geführte Bildungsdebatte weckt Sehnsucht nach einem Typen wie Friedrich Fröbel. Ein Mann mit einem solchen Lebenslauf hebt sich aus der Masse der grauen Pädagogenmäuse heraus: Sechstes Kind eines Pfarrers, im ersten Lebensjahr stirbt die Mutter. Schwere Kindheit, Studienabbruch, Arbeit als Feldmesser, mit dem Lützowschen Freikorps bei zwei Feldzügen gegen Napoleon, Studium der Naturwissenschaften.

Fünfzig deutsche Vorbilder von gestern – für die Welt von morgen © Corbis

Dazu seine Stationen als Pädagoge: Lehrer an Pestalozzis Musterschule, Arbeit als Hauslehrer und Lehrerausbilder, Gründer und Leiter eines Internats, mehrerer Privatschulen und schließlich einer »Pflege-, Spiel- und Beschäftigungsanstalt« für Kleinkinder, die er später in »Kindergarten« umbenennt. Auch als Verfasser etlicher bildungstheoretischer Schriften tritt er in Erscheinung – und eben als Entwickler von Spielmaterial mit pädagogischem Anspruch.

An Fröbel fasziniert, dass er seinen eigenen Weg ging und dabei schon vor zweihundert Jahren erkannte, was heute in der Debatte um Bildung und Erziehung als neuester Schrei gilt: die Bedeutung der frühkindlichen Bildung für das Gelingen des Nachwuchses.

Friedrich Fröbel ist nicht etwa Verfechter des »freien Spiels«, als dessen Kronzeuge er der Reformpädagogik des 20. Jahrhunderts herhalten musste. Er plädiert für das Spiel unter Anleitung von Erwachsenen und kreiert damit gleichzeitig einen neuen Beruf: den der Kindergärtnerin, einer Art professionellen Mutter.

Bei Fröbel wird lebendig, was heute oft mit dem schwammigen Begriff der ganzheitlichen Erziehung erschlagen wird: Der Nachwuchs arbeitet praktisch im Garten, beim angeleiteten Spiel geht er emotionale Bindungen ein, beim Umgang mit wohlgeformten Spielgaben bekommen die Kinder ein Gefühl für Schönheit, und sie erkennen Raum-, Zahlen-, Zeit- und Bewegungsverhältnisse.

Der Pädagoge folgte dabei der von ihm entwickelten Philosophie des »Sphärischen«, in die viele seiner Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Mathematik und den Naturwissenschaften einfließen, die aber letztlich normativ-metaphysisch ausgerichtet ist. Die Erziehung soll jeden Menschen dazu befähigen, handelnd und reflektierend die Welt, den göttlichen Plan – und letztlich sich selbst zu erkennen.

Das Konzept des Kindergartens hat noch zu Fröbels Lebzeiten weltweite Verbreitung gefunden, und das Wort »Kindergarten« überstrahlt als eines der schönsten und erfolgreichsten deutschen Exportwörter solche zweifelhaften Welterfolge wie »Weltschmerz«, »Angst« und »Blitzkrieg«.

Der Schöpfer dieses wunderbaren Wortes wird nicht zuletzt als Sprachpfleger dringend gebraucht. Ungetüme wie »Kita« und »Erzieherin« haben sich im frühkindlichen Bildungsraum breitgemacht. Sie müssen wieder dem wohlklingenden »Kindergarten« und der charmanten »Kindergärtnerin« Platz machen!

Weitere Informationen:
Froebel-Museum
Kindergartenpädagogik