Roger Willemsen fragt Stephan Kulle Stellt der Buddhismus Ihren christlichen Glauben infrage?
Auf den Rat des Theologen und Journalisten Stephan Kulle hört der Vatikan. Dort berichtet er auch vom Kloster des Dalai Lama, wo er 40 Tage verbrachte
© Gaby Gerster/ Fischerverlag

Theologe und Journalist Stephan Kulle: "Der Buddhismus fordert dem Menschen manchmal mehr ab als das Christentum."
ZEITmagazin: Sie reisen als gläubiger Katholik in die Welt des Dalai Lama, leben 40 Tage in seinem Kloster und kehren spirituell erneuert zurück?
Stephan Kulle: Mein Wissen über die Spiritualität des Ostens war Studien- und Erzählwissen. Doch wollte ich erfahren, was macht sie, was macht die Menschen aus, die sie verkörpern, und warum ist dies alles so attraktiv für den Westen? Was liegt unter dem Lächeln des Dalai Lama?
ZEITmagazin: Im Westen löst er bisweilen schon Spott aus.
Kulle: Den Komischen, den Kindlichen habe ich auch erlebt, doch im nächsten Augenblick wird er ganz still, alle werden still, er hält wie mit einer Hand ein Karussell an. Dann sagt er ein paar Worte, man sieht diesen Mann wachsen. Er wechselt spielerisch vom »quietschfidelen Mönch« zum »Gottkönig«, erst in diesem Wechsel der Persönlichkeiten erfährt man die ganze Person.
ZEITmagazin: Konnten Sie eine Schnittmenge identifizieren zwischen dem, was man im Christentum und im Buddhismus Spiritualität nennt?
Kulle: Die Fähigkeit, sich zu transzendieren, in spirituelle Welten hinüberzugehen, die wir für unmöglich halten. Wo das Ende der Fahnenstange der christlichen Glaubenspraxis erreicht scheint, geht es dort erst richtig los.
ZEITmagazin: Ein großes Wort.
Kulle: Ich saß mit einem alten, todkranken Mönch auf dem Dach des Klosters, schaute mit ihm zum Himalaya, er drückte mir drei Finger auf die Stirn, schickte mich in einen anderen Zustand. Ich habe im Priesterseminar Meditation gelernt, aber das war nichts dagegen. Das kann hier keiner. Hier höre ich von Exorzismus und Blut weinenden Gipsfiguren der Muttergottes, aber dort erlebte ich eine Einpflanzung, die ich heute noch aktivieren kann.
ZEITmagazin: Was passiert in diesem Zustand?
Kulle: Ich denke nicht. Ich denke nicht einmal, dass ich nicht denke. Ich saß als Europäer, als Theologe, auch als Journalist da und dachte: Machen die sich lustig über dich? Es widerspricht unserem Verstand, da kriegt man mal eben einen Beweis für eine Wiedergeburt.
ZEITmagazin: Wie?
Kulle: Ein zehnjähriger Mönch erkennt eine Musik wieder, die er nicht kennen kann! Er identifiziert auch den Sonnengesang des heiligen Franziskus...
- Datum 11.11.2009 - 14:56 Uhr
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- Serie Roger Willemsen fragt
- Quelle ZEITmagazin, 12.11.2009 Nr. 47
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Der Journalist wurde doch in Tibet erwartet, man bereitete sich auf ihn vor und zeigte ihm ein paar Taschenspielertricks. Warum fragt Willemsen nicht kritisch nach? Das Interview ist ein reiner Verkaufsgag und voll von mystischem Gebrabbel. Beispiel: "Ich saß mit einem alten, todkranken Mönch auf dem Dach des Klosters, schaute mit ihm zum Himalaya, er drückte mir drei Finger auf die Stirn, schickte mich in einen anderen Zustand." Diese Technik ist verboten. Ich wette, dass der alte Mönch inzwischen tot ist. Wenn man Kulle richtig vorbereitet hätte, dann hätte er dies auch zu stoppen gewusst, weil es einen unzulässigen Eingriff in sein Bewusstsein darstellt. Mir schwant Übles, wenn nun auch der Vatikan in den Dalai Lama-Hype eingestimmt werden soll.
Es kann innerhalb der buddhistischen Lehrlogik keine Wiedergeburt geben, weil nichts Personales existiert, es gibt Inkarnation (der ewigen Buddha-Natur), aber ohne "Re", also kein Wiederkehren - auch nicht eines Dalai Lama oder seiner personalen Züge. Die "Energie, die nicht verlorengeht", um es physikalisch auszudrücken, bindet sich nicht an ein fortgesetztes Individuelles. Die Buddha-Natur, die sich inkarniert, ist jedoch allen Lebewesen gemein (insofern wir praktisch alle Dalai Lama wären).
Dass die Tibeter über keine tatsächlichen Zauberkräfte von Belang verfügen, zeigt nicht nur ihre Machtlosigkeit gegenüber China, sondern auch die Tatsache, dass der Dalai Lama einst nicht die Gefährlichkeit des AUM-Sektenführers erkannte.
habe mich auch schon in die erste reihe geschummelt, wo ich ich eigentlich nichts zu suchen hatte ... geht es hier um namen?
habe mich auch schon in die erste reihe geschummelt, wo ich ich eigentlich nichts zu suchen hatte ... geht es hier um namen?
Ich glaube, es geht hier nicht um "Zauberkräfte".
habe mich auch schon in die erste reihe geschummelt, wo ich ich eigentlich nichts zu suchen hatte ... geht es hier um namen?
ich bin noch nicht abgeklärt genug, über diesen Kommentar zu lächeln; er strotzt vor Dummheit und Halbwissen - und bösem Willen: z.B. "Diese Technik ist verboten. Ich wette, dass der alte Mönch inzwischen tot ist." Wer hat denn diese Technik verboten? - wenn es denn eine "Technik" ist und nicht einfach ein Taschenspielertrick!
Dass die verstorbenen Lamas recht gezielt in ihrer nächsten Inkarnation gesucht, gefunden und identifiziert werden, kann man inzwischen sogar schon im Kino sehen - es sei denn, man ist so "verschlossen" wie otaku00.
Willemsen hat hier einfach nur gefragt und sich nicht durch blödsinnige Einwände blamiert; vielleicht fehlt ihm dazu auch das "Fachwissen", vielleicht war er aber auch nur beeindruckt von der Art, wie Kulle erzählt?
Der "Taschenspielertrick" ist innerhalb der Ordensregeln (Vinaya) verboten. Die Anwendung wird auch vom Lehrer verboten, wenn sie - wie hier - einen völlig Unvorbereiteten oder Unreifen trifft. Dass der Lama todkrank war, ist natürlich ein Trick Kulles - falls jemand das nachrecherchieren will, wird man behaupten, er sie inzwischen verstorben. Ein "Verstorbener" kann nicht "gefunden" werden, das ist tibetische Folklore, kein Buddhismus, und steht im Widerspruch zur anatman-Lehre: Es gibt kein personales Selbst, also nichts, was so Bestand hätte, dass es gefunden werden könnte.
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