Donnerstalk Statt Partei Rap
Alfred Dorfer findet es prima, wie die Wiener ÖVP sich neu erfunden hat.
Schade, das wird nun wohl doch nichts mit dem Bonzenquälen in Wien. Der Draufgänger, dessen Ziel es war, im Rathaus eine strenge Kammer für sein sadomasochistisches Ritual zu eröffnen, warf die Peitsche wieder in den Gully. Statt seiner führt nun auch keine Domina, sondern ein sanftes Wesen die schwarzen Krabbler an. Es mag ja auf gut Wienerisch wurscht sein, wer dieser bereits unter Artenschutz stehenden Spezies vorsteht. Ein Hydrant würde es auch tun. Der wäre ungefähr so flexibel wie die schwarze Stadtpartei, aber populärer. Auch der Steffl war im Gespräch. Ideologisch passte der gute alte Paradewiener bestens. Unübersehbar ist er zudem. Da die ÖVP in Wien eher folkloristischen denn politischen Charakter besitzt, hätte man auch einen Heurigenbuschen in Erwägung ziehen können, der einladend »Ausg’steckt ist!« ruft, damit der saure Wein unter die Leute kommt.
Weiß Gott, warum die Wahl ausgerechnet auf eine gebürtige Allgäuerin, Christine Marek heißt sie, fiel. Vielleicht weil sie dem rechten Rapper DJ Haze in seinem ureigensten Metier die Stirn bieten könnte. Schon früh hatte sie im gereimten Sprechgesang eine Geheimwaffe entdeckt und ließ sich öffentlich in einem Ego-Rap als androgynes Supergirl anschwärmen: »Christine ist Wassermann und Wasserfrau / stark wie ein Fluss und manchmal weich wie Morgentau … oo-ooh Christine!« Anderseits, eines zusätzlichen Folterwerkzeugs bedarf es nun eigentlich gar nicht mehr zum Bonzenquälen.
- Datum 18.11.2009 - 13:35 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
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