Uwe Jean Heuser wollte das Gefährt fast nicht mehr abgeben - doch am Ende siegte sein Klimagewissen: Der Porsche Panamera 4S © Porsche AG

Als mein Kind den Koloss das erste Mal in unserer Straße sieht, muss es lachen. Ein ansteckendes Lachen ist das. Meine Frau lacht aus vollem Halse mit, dann kann ich auch nicht mehr anders. »Der sieht komisch aus«, sagt das Kind. Wohl wahr. Vorne ein breiter, hinten ein noch breiterer Porsche, dazwischen die gestreckte Mitte, die dem Ganzen die Harmonie raubt. Fünf Meter, zwei Tonnen, das ist das Ergebnis.

Drinnen lacht niemand mehr. Das Kleine lässt sich auf dem komfortablen Rücksitz nieder und breitet um sich herum seine Spielsachen aus. Die Große stellt vorne die Sitzheizung an. Und ich starte mal den Motor. Der Achtzylinder klingt zurückhaltend, aber zu fast allem bereit.

Der Panamera ist Porsches letztes Modell in der unternehmerischen Unabhängigkeit. Bald gehört die Firma zu VW, was man als Autofan durchaus bedauern darf. Denn den Stuttgartern ist wieder etwas Bemerkenswertes gelungen. Das Auto erscheint wie eine familientaugliche Großraumlimousine, und es fährt sich, wenn man will, wie ein Porsche. Man muss nur die Wahlknöpfe für die Doppelkupplungsautomatik und die Dämpfung auf sportlich stellen. Dann liegt das Auto gleich härter und dreht höher. Rollende Limousine. Gran Turismo. Sportwagen. Man kann es selbst bestimmen.

Auf diese Weise macht der Porsche auch Spaß auf den kurvigen Landstraßen, die in keinem Autotest fehlen dürfen. Wenn man dann noch früher runterschaltet, als es dem Motor einfällt, und auf allen vier angetriebenen Rädern stramm durch die Kurve eilt, ist es um den Fahrer geschehen. Er will mehr davon. Auf der Autobahn ist das Fahren ebenfalls eine Freude. Und selbst eine Reise durch die halbe Republik mit Kind war ein angenehmes Erlebnis – dank CDs in der Soundanlage und dem Laptop mit Filmen, der hinten auf der breiten Mittelkonsole Platz fand. Das Kind als Autopascha. Nicht schlecht für Eltern.

Behalten wollten wir ihn trotzdem alle nicht, den großen, grünen Panamera. Nicht bloß in unserer Stadtstraße wirkte er wie ein fremdes Riesenwesen. So viel Autobaukunst, Start-Stopp-Automatik, Leichtbau… Würde Porsche all das doch für und nicht gegen die Umwelt einsetzen. So aber stand da in unserer Straße ein Produkt aus der Zeit, als sich das Klima noch mit der Automatik steuern ließ. Ein Auto wie ein letztes Winken der Industriegesellschaft. Fast perfekt. Hocheffizient. Und doch eine Klimakatastrophe auf vier extrem breiten Rädern.

Technische Daten   
Motorbauart: 8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 294 kW (400 PS)   
Beschleunigung (0–100 km/h): 5 s
Höchstgeschwindigkeit: 282 km/h   
CO2-Emission: 238 g/km
Durchschnittsverbrauch: 11,1 Liter   
Basispreis: 102251 Euro

Uwe Jean Heuser ist Ressortleiter Wirtschaft der ZEIT