Bordküche

Flug zu den Sternen

Gekocht, gekühlt und aufgewärmt: Der lange Weg eines Gourmetgerichts vom Meisterkoch zum Fluggast in der ersten Klasse.

Zehn Tupfer aus Crème fraîche machen manchmal den Unterschied. Das weiß der elsässische Meisterkoch Jean-Georges Klein. Wie Ziffern einer Uhr fassen sie das »Mosaik von Jakobsmuschel und Lachs in Kräutergelée« ein. Fünf davon sind mit je einem Kügelchen Lachskaviar belegt, die anderen mit einem Hauch Dill. Klein, einer der besten Köche Frankreichs, hat diese Vorspeise in seinem Restaurant L’Arnsbourg in Baerenthal kreiert – aber nicht wie gewohnt für seine Gäste, sondern für die Premiumkunden der Lufthansa, mit der er in diesem Herbst zum ersten Mal kooperiert. An einem Septembermorgen ist er aus den Vogesen nach Frankfurt gekommen, um sich davon zu überzeugen, wie getreu eine Großküche seine Rezepte umsetzt.

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Er steht in einem schmucklosen Raum bei LSG Sky Chefs, dem weltgrößten Anbieter für Bordverpflegung, der rund um den Globus 427 Millionen Mahlzeiten jedes Jahr produziert. »Bei mir im Restaurant kommen wir in der Woche auf 400 Gedecke«, sagt Jean-Georges Klein, »das sind in zehn Jahren nicht so viele Menüs wie bei der LSG in einem Monat.« Langsam dämmert ihm vielleicht, worauf er sich eingelassen hat, auch wenn er tapfer lächelt.

Seit zehn Jahren arbeitet die Lufthansa nun schon mit deutschen und internationalen Spitzenköchen zusammen. »Star Chefs« heißt das Bordservicekonzept, das Business- und First-Class-Kunden auf Langstreckenflügen angeboten wird. Dabei entwerfen Koryphäen von Paul Bocuse bis Harald Wohlfahrt die kompletten Menüs, immer im zweimonatlichen Wechsel. Das ist im Prinzip nichts Besonderes. Viele Fluggesellschaften werben gern mit berühmten Köchen, die dann aber oft nicht viel mehr beisteuern als ihren Namen. Die Lufthansa hingegen legt Wert darauf, dass auch tatsächlich intensiv zusammengearbeitet wird. Über ein Dutzend hochklassiger Kreationen muss ein Star Chef abliefern – und dann wird diskutiert.

Thomas Stets, oberster LSG-Menüdesigner und treibende Kraft des Star-Chef-Programms, war früher selbst Gastronom. Er hat Verständnis für die Philosophie der Gourmetküche und muss trotzdem oft anders entscheiden. »Vor dem Geschmack und dem Aussehen ist bei uns absolute Hygiene wichtig«, sagt er. In der Luft kann ein verdorbener Magen lebensbedrohlich sein. Keine Chance also für rohen Fisch, der muss erst mal schockgefroren sein. Oder frische Kräuter, die werden zumindest blanchiert. Auch auf Abneigungen der Passagiere muss Stets Rücksicht nehmen. »Froschschenkel fliegen bei uns nicht«, erklärt der Menüdesigner. Aus dem gleichen Grund wird, anders als übrigens bei Air France, auch keine Gänsestopfleber serviert. Die Gerichte sollen zwar exklusiv erscheinen, dabei aber doch möglichst jeden Geschmack treffen.

Und dann ist da natürlich noch die Frage der Frische, die im Spitzenrestaurant über alles entscheidet. »Bei unserem Kochstil werden 80 Prozent der Arbeit in den letzten drei Minuten vor dem Servieren gemacht«, sagt Jean-Georges Klein. Die Bordküchen können so etwas natürlich nicht leisten. Bedenkt man dann noch die Enge der Kabinen, die trockene Luft, die Turbulenzen, ahnt man, wie schwer es ist, ein anspruchsvolles Flugzeuggericht zu entwerfen. Vier Wochen Bedenkzeit hatte Klein sich ausgebeten, nachdem Thomas Stets ihn im Mai im Elsass besucht hatte. Dem Sternekoch war klar: »Für das Flugzeug muss ich meine Küche neu kreieren.«

Besonders aufwendig war das für die First Class. Aus 35 Vorschlägen wurden bei der LSG zunächst 27 Kandidaten ausgewählt und daraus schließlich die 13 tatsächlich benötigten Speisen. Die stehen bis zum Jahresende auf dem Menü aller Lufthansa-First-Passagiere. Sechs Kilo Lebensmittel pro Kunden sind auf einem Langstreckenflug in dieser Klasse üblicherweise an Bord – nicht weil diese Klientel so hungrig ist, sondern weil ihr der hohe Flugpreis große Auswahl beschert.

Heute sieht Jean-Georges Klein zum ersten Mal die ganze Speisepalette, nach seinen Angaben zubereitet von den Köchen der LSG. Auf langen Resopaltischen steht »Geräucherter Thunfisch gefüllt mit Crabmeat auf Limonen Crème fraîche mit Walnüssen« genauso wie die »Heilbuttschnitte unter der Nusskruste mit Anis Beurre Blanc, Blattspinat und Kürbispüree« und das »Feigenpüree mit Enziancoulis, Quarkcreme und Buttermilcheis«. Und während der Meisterkoch zum Probierlöffel greift, überschlägt Thomas Stets die Kosten.

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Leser-Kommentare

  1. "Eine Etage tiefer, in der Businessclass"

    Die Lufthansa fliegt mit dem Jumbo nach Tel Aviv?

    Das Symbolbild schaut mir auch eher nach Emirates oder Etihad als nach Lufthansa aus...

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    Sie haben Recht, das Symbolbild zeigt nicht die First- oder Businessclass der Lufthansa.

    Und ja, Lufthansa fliegt mit dem Jumbo nach Tel Aviv - sogar täglich :-)

  2. Sie haben Recht, das Symbolbild zeigt nicht die First- oder Businessclass der Lufthansa.

    Und ja, Lufthansa fliegt mit dem Jumbo nach Tel Aviv - sogar täglich :-)

  3. 3. Hach,

    [...]
    Ach, ZEIT, auch Du!

    [Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen dieser Art. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  4. 4.

    Die Anmerkung, daß die die Lufthansa betreffenden Beiträge Ihres Redakteurs nach meiner Wahrnehmung immer Werbebeilagen ähneln, stellt wohl kaum eine Unterstellung dar.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die ZEIT als Qualitätszeitung sollte sehr darauf achten, daß ihr nicht durch freie Journalisten Kuckuckseier ins Nest gelegt werden.

    Ein verwandtes Unternehmen, die Fraport AG, durch den Betrieb des Frankfurter Flughafens bekannt als einer der größten Luftverschmutzer Europas, gewann 2008 den "Econ-Award in Gold" für die beste PR-Kampagne 2008 im deutsch­sprachigen Europa.

    Inhalt der Kampagne war eine euphemistische Darstellung der Wohltaten durch die Planierung eines Naturschutzgebietes, die Steigerung von Fluglärm und steigende Luftverschmutzung. Geleitet wird die trickreiche Truppe von CDU-Mann Dieter Weirich.

    Fraport und Lufthansa nutzen ähnliche Methoden:

    - Lobbyismus. Beide konnten erfolgreich "Leihbeamte" in Ministerien unterbringen und damit demokratische Entscheidungsprozesse aushebeln.

    - Bestellter Journalismus. Beide sind Experten darin, sich die Presse zunutze zu machen. Kritik an der Fraport AG oder der Lufthansa zerstörte bei Zeitungen im Rhein-Main-Gebiet für Journalisten manch eine Journalistenkarriere, u.a. bei der gewendeten Frankfurter Rundschau.

    - Advertorials. Ich liebe dieses Wort. Ein Advertorial sieht aus wie ein Artikel, liest sich wie ein Artikel, hat aber mit Journalismus nichts zu tun, sondern dient der Desinformation oder der Ablenkung.

  5. Ich glaube bei dem Symbolbild handelt es sich um die Erste Klasse von Emirates im A 380. Warum? Die Farbwahl (dieses Gold, die Holzdeko, der grau-beige Rock im Gang), außerdem die ovalen Lamellen im Hintergrund.

    Siehe:

    http://www.airliners.net/...

    und

    http://www.airliners.net/...

    und

    http://www.airliners.net/...

    Falls ich danebenliege korrigiere man mich bitte, ich kenn das auch nur von Fotos, nicht aus der Realität (leider).

    • 24.11.2009 um 10:02 Uhr
    • CM

    Was wird dem First-Class-Passagier wohl in den Sinn kommen, nachdem er, in einer Alubüchse sitzend, bei lautem Gebrumme noch das »Feigenpüree mit Enziancoulis, Quarkcreme und Buttermilcheis« mit der Zunge aus den Zahnzwischenräumen bugsiert hat, ein leises Vielflieger-Bäuerchen von sich gab, sich von der Stewardess zudecken ließ, das Licht dimmte und ins Land der Träume und der Hoffnung auf funktionierende Technik hinüberdämmerte?

    Daß Fliegen bei weitem die umweltschädlichste Art der Fortbewegung ist und Köstlichkeiten den miesen Beigeschmack nicht übertönen? Daß "Flugobst"in unseren Supermärkten zwar den Winterspeisezettel bereichert, aber die Umwelt versaut?

    Vielleicht träumt er von der PR-Masche der Flugbranche, unangenehme Themen auszublenden und lieber von Unwichtigem zu berichten.

    Es war nicht zu erwarten, daß der Autor Andreas Spaeth als bekannter Luftfahrtjournalist und Autor von Büchern wie "Sturzflug in die Schwerelosigkeit - Luftfahrtabenteuer in aller Welt" und einem Buch über den Airbus A380 kritische Töne anschlägt, denn als Fachautor darf man es sich weder mit Redaktionen noch der Branche verderben.

    Die Luftfahrtbranche ist angeschlagen und reagiert auf Kritik mit Liebesentzug für Journalisten. Dieser Artikel wäre unverfänglich - wenn das Thema nicht so nach hinten losgehen würde. So liest er sich nämlich wie ein Artikel im Bordmagazin.

    Ich nehme Herrn Spaeth als Journalisten dann wieder ernst, wenn er angemessen kritisch und mit Distanz berichtet.

    • 24.11.2009 um 10:25 Uhr
    • CM

    Die ZEIT als Qualitätszeitung sollte sehr darauf achten, daß ihr nicht durch freie Journalisten Kuckuckseier ins Nest gelegt werden.

    Ein verwandtes Unternehmen, die Fraport AG, durch den Betrieb des Frankfurter Flughafens bekannt als einer der größten Luftverschmutzer Europas, gewann 2008 den "Econ-Award in Gold" für die beste PR-Kampagne 2008 im deutsch­sprachigen Europa.

    Inhalt der Kampagne war eine euphemistische Darstellung der Wohltaten durch die Planierung eines Naturschutzgebietes, die Steigerung von Fluglärm und steigende Luftverschmutzung. Geleitet wird die trickreiche Truppe von CDU-Mann Dieter Weirich.

    Fraport und Lufthansa nutzen ähnliche Methoden:

    - Lobbyismus. Beide konnten erfolgreich "Leihbeamte" in Ministerien unterbringen und damit demokratische Entscheidungsprozesse aushebeln.

    - Bestellter Journalismus. Beide sind Experten darin, sich die Presse zunutze zu machen. Kritik an der Fraport AG oder der Lufthansa zerstörte bei Zeitungen im Rhein-Main-Gebiet für Journalisten manch eine Journalistenkarriere, u.a. bei der gewendeten Frankfurter Rundschau.

    - Advertorials. Ich liebe dieses Wort. Ein Advertorial sieht aus wie ein Artikel, liest sich wie ein Artikel, hat aber mit Journalismus nichts zu tun, sondern dient der Desinformation oder der Ablenkung.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 4"
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  • Von Andreas Spaeth
  • Datum 25.11.2009 - 18:39 Uhr
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  • Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
  • Kommentare 7
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