Schulpoltik Experimentitis
Jede neue Koalition bedeutet eine Schulreform. Das ist Unsinn
Ein Virus geht um in der Schulpolitik: Es ist hochansteckend und schwächt den Lehrkörper. Die Krankheit, die es auslöst, nennen Bildungsforscher Experimentitis. Gerade wütet sie in Sachsen, in Schleswig-Holstein – und in Thüringen.
Dort will die neue rot-schwarze Koalition der Schulstruktur ihren Stempel aufdrücken. Neben den Gymnasien und der Mittelschule soll eine Gemeinschaftsschule entstehen, in der die Schüler erst nach acht Jahren getrennt werden. In Sachsen dagegen wird diese Schulform gerade wieder abgeschafft. Der Reform der Reform liegt wie so häufig keine pädagogische Einsicht zugrunde, sondern koalitionspolitische Opportunität: Statt Sozialdemokraten regieren nun Liberale mit der CDU in Dresden, und die haben am längeren gemeinsamen Lernen kein Interesse. In Kiel ist eine ähnliche Reformrücknahme geplant. Die Große Koalition wollte Haupt- und Realschulen abschaffen und zu einer neuen Schule fusionieren. Doch unter dem neuen Bündnis aus Schwarzen und Gelben darf zumindest die Realschule weiterleben, wenn die Bürger in einer Volksabstimmung entsprechend entscheiden. Statt weniger gibt es dann im Norden mehr Schulformen als vorher. Es lebe der föderale Eigensinn! Im Saarland will die neue Koalition die fünfjährige Grundschule einführen. Ein zusätzliches Jahr gemeinsamen Lernens wird dafür sorgen, dass die Schulen über Jahre mit sich selbst beschäftigt sein werden.
Keine Schularchitektur ist in Stein gemeißelt. Die Reaktion der Kultusminister nach der ersten Pisa-Pleite, sich bloß auf die Verbesserung des Unterrichts zu konzentrieren, war falsch. Zwar will niemand erneut die alten Schlachten um das Für und Wider der Gesamtschule schlagen. Aber die Hauptschule zum Beispiel hat sich eindeutig überlebt. Dass in immer mehr Bundesländern neben dem Gymnasium eine zweite integrierte Säule des Lernens entsteht, ist eine gute Nachricht.
Gleichzeitig sehnen sich nicht nur Eltern und Schüler nach Kontinuität in der Bildungspolitik. Auch Lehrer wollen nicht jedes Schuljahr mit einer Rundumreform beginnen. Gegen dieses Recht auf Ruhe wird zurzeit dauernd verstoßen. Es ist richtig, dass alle Parteien dem Lernen höchste Aufmerksamkeit schenken. Das darf jedoch nicht bedeuten, dass sie – sobald sie an der Regierung sind – die Schule alle vier Jahre neu erfinden. Martin Spiewak
- Datum 23.11.2009 - 08:39 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
- Kommentare 13
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Allgemeinbildende polytechnische Oberschule bis Klasse 10 gemeinsam bzw. ab Klasse 9 die Vorbereitungsklassen zur Abiturstufe und Klasse 11-12 Abiturstufe an der erweiterten polytechnischen Oberschule.
Wer nach Klasse 10 noch das Abi ablegen möchte, der kann dies natürlich entweder direkt an der EOS oder er absolviert eine Berufsausbildung mit Abitur.
Unterrichtet wird Montag bis Samstag damit der Unterricht in den höheren Klassenstufen ab 14.00 Uhr beendet ist und genügend Zeit für die Hausaufgaben bzw. den Schulweg zur Verfügung steht.
Unterrichtsbeginn sollte zwischen 07.00 Uhr und 07.30 Uhr sein - täglich!
Ja, so haben wir gelernt - in der Abiturstufe sah das so aus:
05.00 - 05.40 Uhr Aufstehen, Frühstück
05.46 - 06.18 Uhr kostenlose Fahrt mit dem ÖPNV zur Schule
06.18 - 07.00 Uhr Hausaufgaben erledigen oder "Nickerchen"
07.00 - 11.35 Uhr 5 Stunden Unterricht mit Pausen
11.35 - 12.15 Uhr Mittagspause
12.15 - 13.50 Uhr 2 Stunden Unterricht
Samstags Unterricht nur bis zur 5-ten Stunde
Di und Do in der 5-ten und Mittagspause stand ein "Gaststättenbesuch" mit Mittagessen an, wenn frei war!
Mittwoch war wissenschaftlich -praktische Arbeitsgemeinschaft, wo wir mit erfahrenen Ingenieuren aus der Wirtschaft "tüftelten".
Donnerstags gab es noch zusätzlich nachmittags 2 Stunden fakultativen Unterricht, der Über den Lehrplan hinaus ging.
Freitags war noch eine Stunde GST-Ausbildung oder FDJ-Versammlung.
Nicht zu vergessen:
13.50 Uhr Klassenräume säubern, aber alles - durch uns!
Tja, da waren also alle ganz toll ausgebildet, hatten die "erfolgreiche Schule".
Und wo hat das dann hingeführt?
Was ist aus dem "Staat" mit der "erfolgreichen Schule" geworden?
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass frühaufstehende Kinder schlechter lernen. Aber die weisen Erwachsenen finden das halt richtig.
Und warum den Kindern 13 Jahre Zeit lassen bis zum Abi - stopfen wir alles in 12 Jahre, das spart unheimlich Kohle und bringt der Wirtschaft günstigere Arbeitskräfte!
Tja, da waren also alle ganz toll ausgebildet, hatten die "erfolgreiche Schule".
Und wo hat das dann hingeführt?
Was ist aus dem "Staat" mit der "erfolgreichen Schule" geworden?
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass frühaufstehende Kinder schlechter lernen. Aber die weisen Erwachsenen finden das halt richtig.
Und warum den Kindern 13 Jahre Zeit lassen bis zum Abi - stopfen wir alles in 12 Jahre, das spart unheimlich Kohle und bringt der Wirtschaft günstigere Arbeitskräfte!
Das Wichtigste ist, mehr Geld in das System zu pumpen. Je kleiner die Klassen sind und je qualifizierter das Umfeld der Schule, desto besser werden die Leistungen. Das funktioniert auch an einer HAuptschule. Man muesste es nur von Staatswegen her auch foerdern.
Aktuell gibt es 16 Bundeslaender mit 16 verschiedenen Schulsystemen und x-verschiedenen Schularten und -zweigen. Es ist praktisch unmoeglich, das BUndesland zu wechseln, weil es die jeweilige Schulform dort gar nicht gibt oder nur in veraenderter Form (G8 vs. G9).
Ein Ausweg hierbei kann nur eine zentrale Verwaltung sein. Die hat zwar auch ihre grossen Nachteile, bleibt aber dann von der reformitis der jeweiligen Landesregierungen etwas verschont. Aber dazu wird es natuerlich nicht kommen, weil niemadn gerne freiwillig Macht abgibt.
aktuell sozusagen in der Phase der Kleinstaaterei, wenn man mal einen historischen Vergleich anführen darf. Wenn wir uns erinnern, hat Deutschland während der langen Phase der Kleinstaaterei fast jede politische Veränderung auf dieser Welt verpasst oder vermurkst. Als man es dann merkte, hat man jeweils versucht, mit irgendwelchen Kriegszügen wieder den Anschluß an die Weltentwicklung zu finden. Diese Kriegszüge sind mit den Reformen im Bildungssystem vergleichbar. Es sind chaotische, von der "ländlichen Obrigkeit" aufgesetzte Reformen, die viel kaputt machen, aber das Kernproblem, dass wir nur aus jedem Schüler einfach nur das Beste machen müssen/wollen, niemals treffen. Weil es Kopfgeburten von nach wie vor abgehobenen Bürokraten sind, denen ihre landesspezifische Macht wichtiger als das eigentliche Ziel ist. Man erkennt es schon daran, dass die Probleme, die unsere Kinder durch die ständigen Reformen haben, sie keinen Deut weit interessieren. Erst nach gigantischen Protestmärschen von Eltern oder Schülern selbst, bewegen sie ihre Köpfe aus dem Sicherheitstrackt ihres jeweiligen Kultusministeriums heraus. So wird das nichts!
Also, auf zur nächsten Reform. Am besten alle gleichzeitig. Und dann die nächste Regierung und alles wieder rückwärts. Und immer neue Lehrpläne dazu. 16 verschiedene natürlich. Sonst wird es ja zu einfach.Und mit vielen schwülstigen Wortwolken werdet ihr uns wieder erklären, dass es nur so geht und alles zu unserem besten geschieht.Ist aber nicht so!
Als ob eine Zentralregierung nicht alle 4 Jahre das Schulsystem verändern würde. Und eine Zentralregierung inkompetenter ist, sieht man der Hochschulvereinheitlichung.
Also bitte aufhören, immer wieder gegen den Förderalismus zu hetzen. Davon haben wir sowieso viel zu wenig.
Unsere „Schulreformen“ haben mit „Experimentieren“ schon längst nichts zu tun!!! Genau so mit Parteien, Farben, Koalitionen usw., obwohl Einige auch versuchen Einfluss haben, aber machen die Situation nur schlimmer. Das ist die Schulanarchie in ihrer klassischen Form, wo eine Schulreform die andere jagt, da gibt es keine Ziele, niemand schaut, was der Andere macht, das ist wie bei Inflation, Epidemien. Es treibt die „Bildungsrepublik Deutschland“, aber niemand weiß wohin! Das idiotische Geschrei nach mehr Geld ist schon nicht auszuhalten, die DDR war besser, sie investierten, aber zum Jahresende war die Kontrolle da, wie das Geld verwendet wurde?! Bei uns kommt eine Kontrolle nie zustande, weil 1. Euro geht für Schule und Studium, -4.verfressen Parasiten aller Art!
Die Pisa brauchen wir nicht, die fragen zu viel; Bachelor, für Andere, bitte, uns passt das nicht, ist sehr „verschult!“; Amokläufe an Schulen, Streiks, Demonstrationen (und das ist nur noch der Anfang!)- das sind doch die logischen Folgen diesen Bildungszerfalls! Die „Schulreformen“ treiben die Bildungsfabrikanten, nicht umgekehrt und wer das bislang nicht verstanden hat, dem kann man halt nicht mehr helfen... Das mache ich auch das letzte Mal...
warum wir 16 unterschiedliche Kultusbürokratien brauchen? Was unterscheidet denn die Mathematik in SH von der in BY? Was die Physik in RP von der in Meckpomm? Was unterscheidet die Chemie in NRW von der in BB? Können nicht die Schüler in BW und Thüringen Deutsch sprechen?
Die "Kultur" kann Freitag Nachmittag in der Dialektstunde abgehandelt werden, wenn nötig.
Wenn wir nun mal vom Föderalismus so träumen: Warum führen nicht einige Bundesländer den Linksverkehr auf den Straßen ein oder basteln sich Eisenbahnen mit spanischer/russischer Spurweite?
... weil wir hier, lieber NicolaiP, tausende solche wie ich und Sie haben, die super-kluge Fragen stellen und nicht Mal sich den Nacken kratzen, wenn sie keine Antwort kriegen! Tausende haben, die hier krähen, wenn wir mehr Geld hätten, kleinere Klassen, bessere Lehrer und-und, es fehlen Gerechtigkeit, Durchlässigkeit, individuelle Förderung, es wird immer noch wenig getan, und-und, soll ich weiter? Das heißt, wir alle wissen -wie es sein sollte, fehlt nur eine Kleinigkeit: Wir wissen nicht, was für eine Sau soll das alles machen?! Deshalb weiter so, das Papier haltet aus...
Was Mathematik in SH und BY angeht, sind Sie aber naiv, irgendwie ist es ein Tabu-Thema, aber schauen Sie, der Föderalismus soll sich nach unten ausbreiten, d.h. nicht jedes B/Land, sondern Gemeinde wird bald eigene Mathe, Physik usw. haben, da schaut doch sowieso niemand rein, aber, -oder eine Mathe für ganz Deutschland, oder tausende Variationen: Bildungsfabrikanten, Ministerien, diese Verbände -VBE, DL, DPhV, GEW; Bücherverlage: Klett, Cornelsen und-und, wissen Sie wenigstens, was Globalisierung ist?, ich weiß nicht, deshalb kann man nicht sicher sein, ob man selbst aus diesem Kessel nicht frisst... Über Schule, Lernen, Kinder, wer braucht das?, wenn das Hunde gewesen wären, dann Tierschutz..., könnten schon Probleme sein... Das aber soll zwischen uns bleiben, Okay!
Herrn Spiewaks Analyse und Schlussfolgerung stimme ich zu. Er hat nur leider das von Experimentitis befallene Hamburg vergessen. Und er sollte auch den Ende 2008 in Bremen vereinbarten zehnjährigen Schulfrieden als Vorbild erwähnen.
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